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Geschichte: Die letzten GEHEIMNISSE Geheimnisse der Menschheit


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 21.11.2019

Verlorenes Wissen, rätselhafte Bauten: Weltweit sindARCHÄOLOGEN den Mysterien unserer Vergangenheit auf der Spur


Artikelbild für den Artikel "Geschichte: Die letzten GEHEIMNISSE Geheimnisse der Menschheit" aus der Ausgabe 6/2019 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 6/2019

Von Tempeln bis Totenschädeln: Die Geschichte steckt voller Rätsel


Ein geheimnisvolles Buch aus dem Mittelalter, das niemand entziffern kann. Ein künstliches Höhlenlabyrinth, das Experten vor unlösbare Rätsel stellt. Eine achteckige Burg, die es gar nicht geben dürfte: Weltweit versuchen Forscher, solche stummen Zeugen der Vergangenheit zum Reden zu bringen. Verbergen sie verschlüsselte Botschaften? Und welches geheime Wissen erlaubte es den Menschen vor Jahrtausenden, schier Unglaubliches ...

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... zu erschaffen? In zwei neuen Folgen der erfolgreichen „Terra X“-Reihe „Ungelöste Fälle der Archäologie“ (voraussichtlicher Sendetermin 19.1. und 26.1., 19.30 Uhr, ZDF) geht Astrophysiker und ZDF-Moderator Prof. Harald Lesch diesen Fragen nach.

ZWISCHEN FANTASIE UND FAKTEN

„Die archäologischen Funde und Befunde richtig zu interpretieren, das ist das Problem“, gibt Lesch in seiner Sendung zu. „Stellen Sie sich vor, in 4000 Jahren wird unsere Zivilisation ausgegraben. Die materiellen Reste, die sich erhalten haben. Bücher, die keiner mehr lesen, Festplatten, die keiner mehr aktivieren kann, Handys, die nur noch ein Stück aus Glas, Plastik und etwas Metall sind. Dann stehen unsere Nachfahren wie wir vor Hieroglyphen, Knotenschnüren und dem Buch, das keiner lesen kann.“

Fehlen konkrete Anhaltspunkte, müssten auch Archäologen der Zukunft Vermutungen anstellen. Wozu diente der kolossale Rundbau, dessen Ruinen im Jahr 6019 ausgegraben werden? Ein Kultplatz zur Götzenverehrung? Vielleicht finden die Forscher ja den entscheidenden Hinweis: Hier im alten München wurde einst einem Gott namens Fußball gehuldigt.

Vor allem Artefakte und Kunstwerke schriftloser alter Kulturen geben heute noch Rätsel auf. Seit mehr als 200 Jahren versuchen Forscher etwa, die Geheimnisse der Steinkreise von Stonehenge zu lö lösen. Ein Observatorium zur Beobachtung der Sterne? Eine Pilgerstätte? Bodenradar, Laser, Metalldetektoren und elektromagnetische Sensoren werden eingesetzt, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Der Steinkreis von Stonehenge muss Teil einer Kultstätte von gigantischem Ausmaß gewesen sein. Wo heute Felder und Wiesen die Vergangenheit verdecken, macht Hightech Hunderte archäologische Strukturen sichtbar: Kreise, Palisadengräben, unterirdische Gruben. Mit jeder Ausgrabung scheint das Bild klarer zu werden – und doch bleibt vieles Spekulation.

Denn Irren ist bekanntlich menschlich. Das gilt auch für Wissenschaftler. 1838 etwa stieß der Hobbyarchäologe Philipp Houben in Xanten auf ein frühmittelalterliches Grab mit reichen Beigaben und einem Schädel. Außerdem fand er eine kleine Krone aus Kupferblech und gleich daneben einen dazu passenden Bügel. Die Beweislage schien erdrückend: Es musste sich bei dem Toten um einen im Kampf gefallenen Fürsten handeln! Später stellte sich heraus: Die „Krone“ war mit großer Wahrscheinlichkeit der Beschlag eines Holzeimers und der Bügel nur der Henkel.

In der modernen Archäologie sind solche krassen Fehleinschätzungen allerdings eher unwahrscheinlich. Doch Einigkeit herrscht trotzdem nicht über die letzten Geheimnisse der Menschheit, immer wieder gibt es neue Theorien, Spekulationen und offene Fragen. Der „Terra X“-Experte Prof. Harald Lesch bringt es auf den Punkt: „Es gibt noch viel mehr zu erfahren über untergegangene Kulturen, mehr verlorenes Wissen, als wir ahnen.“
KAI RIEDEMANN


»Es gibt noch viel mehr verlorenesWISSEN, als wir ahnen.«


„TERRA X“-EXPERTE Harald Lesch präsentiert Fälle der Archäologie


Pilgerziel: Mönche aus aller Welt treffen sich im Tempel Borobudur


Wer erbaute den größten buddhistischen Tempel der Welt?

Die Anlage besteht aus insgesamt neun Terrassen


Langsam steigt die Sonne zwischen den Bergen empor, der Nebel lichtet sich und gibt den Blick frei auf die größte buddhistische Tempelanlage der Welt: Borobudur auf der indonesischen Insel Java. Aus der Ferne betrachtet wirkt die rund 35 Meter hohe Stufenpyramide nur wie ein zerklüfteter dunkler Koloss. Erst aus der Nähe erkennen Besucher das geheimnisvolle Labyrinth aus Terrassen, Treppen, Statuen und kilometerlangen Reliefs mit Szenen aus dem Leben Buddhas.

Wer Borobudur erbauen ließ, wie lange Arbeiter an dem Monument aus rund56.000 Kubikmeter Gestein schufteten – all das liegt im Dunkel der Geschichte. Archäologen vermuten, dass ein unbekannter König der Sailendra-Dynastie das

Bauwerk zwischen 750 und 850 n. Chr. in Auftrag gab. Die damaligen Herrscher Zentraljavas gelten als Anhänger desMahayana-Buddhismus, dem auch die Pyramide zugeordnet wird. Neun Stockwerke türmen sich auf einer quadratischen Basis mit 123 Meter Seitenlänge, gekrönt vonStupas, glockenförmigen buddhistischen Symbolen. Verblüffend: Das komplexe Bauwerk kommt ohne Mörtel oder Zement aus und steht doch stabil. Die Anlage ist weit mehr als ein Tempel. Vermutlich diente sie als gigantisches begehbaresMandala. Diese Meditationsbilder stehen fürs gesamte Universum – ein Weg zur Erleuchtung mitten im Dschungel. War Borobudur ein wichtiges Pilgerziel?

Die Menschen durchschritten auf ihrer Wanderung zur Spitze die drei Sphären menschlicher Existenz: Kamadhatu, die Sinnenwelt der Menschen, darüber Rupadhatu, die feinkörperliche Welt, und ganz oben Arupyadhatu, die formfreie Welt. Allerdings haben Wissenschaftler die komplexeSymbolik des Tempels bis heute nicht endgültig enträtseln können. Einige Reliefs sind sogar ziemlich freizügig und wurden schon während der Bauzeit von einer zusätzlichen Wand abgedeckt.

Auch derUntergang von Borobudur ist geheimnisvoll. Wann genau das Heiligtum aufgegeben wurde, ist ungeklärt. Währte seine Blüte nur gut 100 Jahre? Vertrieben Vulkanausbrüche die Bevölkerung? Verloren buddhistische Tempel an Bedeutung, weil sich die Machtverhältnisse änderten und sich der Islam auf Java ausbreitete?

Fest steht: Borobudur versank in Vergessenheit. Von tropischer Vegetation überwuchert, von Vulkanasche begraben. Als im Jahr 1814 der damalige britische GouverneurThomas Stamford Raffles auf die Reste stieß, erhob sich nur noch ein unförmiger Hügel aus Javas Dschungel. Es sollte fast zwei Jahrhunderte dauern, bis die Tempelanlage weitgehend ausgegraben und restauriert war. Erst 1983 konnte sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, nur um im November 2010 bei einem Ausbruch des nahen Vulkans Merapi wieder von Asche bedeckt zu werden. Seit 2011 unterstützen deutsche Experten und das Auswärtige Amt die Restaurierung, damit Borobudur wieder im alten Glanz erstrahlt.

Stupas in Glockenform bilden die Spitze


Ist der Mechanismus von Antikythera ein antiker Computer?

Zum antiken Mechanismus gehörte ein schützendes Holzgeh äuse


Griechenland im Frühjahr 1900. Vor der Küste der kleinen Insel Antikythera machen Schwammtaucher eine sensationelle Entdeckung: Auf dem Meeresgrund liegt ein antikes Schiffswrack. Wenige Monate später startet das wohl erste archäologische Unterwasserprojekt der Geschichte. Taucher bergen Marmorstatuen, Kunstgegenstände – und die Reste eines rostigen Räderwerks, dessen Funktion sich niemand erklären kann. DerMechanismus von Antikythera wird zu einem der berühmtesten Funde der Antike.

Zahnräder, Getriebe, Schalter und Kurbeln bilden ein kompliziertes Gerät, das an modernere Rechenmaschinen erinnert. Ein Vorläufer unsererComputer? In einem Handelsschiff, das mit seiner wertvollen Ladung um das Jahr 65 v. Chr. in einem Sturm gesunken sein muss?

Erst in den 1970er-Jahren gelang es Archäologen, mit Röntgentechnik ins Innere des geheimnisvollen Mechanismus vorzudringen.Spezialkameras machten verblasste Inschriften und Einkerbungen sichtbar. Neue 3-D-Aufnahmen lieferten jetzt noch mehr Einblicke in die Funktion.

Die Zahnräder und beweglichen Teile, von denen wohl etliche noch im Meer liegen, berechneten vor mehr als 2000 Jahren die Abläufe am Himmel. Wann kommt die nächste Mondfinsternis? Wie verlaufen die Bahnen von Venus und Mars? An der Frontseite ließ sich ein beliebiges Datum einstellen, das geniale Räderwerk lieferte automatisch alle wichtigenHimmelsereignisse. Es gab einen Mondkalender und Anzeiger fürs Sonnenjahr. Sogar regelmäßig wiederkehrende sportliche Großereignisse wie Olympia ließen sich berechnen. Eine so ausgefeilte Technik beherrschten die Menschen erst wieder im Spätmittelalter.

Wer konstruierte vor zwei Jahrtausenden einen derartig fortschrittlichen Analogcomputer? Der Erfinder muss geniale Kenntnisse inAstronomie, Mathematik und Mechanik besessen haben. Experten vermuten, dass der Mechanismus von Antikythera sogar noch weitere Geheimnisse birgt. Bislang konnte nur ein Teil des Räderwerks geborgen werden. Deshalb suchen Taucher vor Antikythera bis heute nach neuenSensationsfunden rund um das Wrack.

Der Apparat lag 2000 Jahre lang am Grund des Mittelmeers


Meeresforscher Jacques Cousteau (M.) tauchte auch vor Antikythera


2014 erforschten Taucher in Spezialanzügen das Wrack


Was verbirgt sich in den Grotten von Longyou?

Wände, Decken und Säulen sind mit rillenartigen Mustern bedeckt


Reliefs zeigen auch Szenen aus der Natur


China, Provinz Zhejiang, Juni 1992. Als Bauern das Wasser aus einem Teich in der Nähe ihres Dorfes abpumpen, machen sie eine unglaubliche Entdeckung: Zum Vorschein kommt der Einstieg zu einerkünstlichen Grotte!

Seitdem haben chinesische Archäologen 36 derartige Kammern gefunden und vermessen. Vermutlich verbergen sich in der näheren Umgebung noch mehr. Sie sind nicht miteinander verbunden und doch gleich konstruiert: Parallele Rillen bedecken Decken und Wände,Reliefs zeigen Szenen der chinesischen Geschichte. Es gibt Säulen, Treppen, Statuen und Brücken, die mühsam aus dem Sandstein ge- schlagen wurden. Die Präzision der Arbeiten ist verblüffend. Ebenso erstaunlich ist der Zustand der Anlage. Keine Schäden, keine Risse, keine Rußspuren von Fackeln.

Chinas Herrscher waren in jeder Epoche für bürokratische Akribie bekannt. Doch keine Spur verrät, wer wann und warum die Grotten in derRegion Longyou schuf. Der Aufwand muss enorm gewesen sein. Jede Kammer ist rund 1000 Quadratmeter groß und 30 Meter hoch. Die rillenartigen Muster wirken, als wären sie mit Maschinen in den Stein gefräst. Maschinen? Bei einem geschätzten Alter von mindestens2000 Jahren muss es eine andere Erklärung für die Bauweise geben.

Völlig unklar ist weiterhin der Zweck. Ein Team der Uni Zhejiang stellte nach mehreren Untersuchungen die These auf, dass in den Kammern einst Getreide, Fracht und Waffen zurKriegsvorbereitung lagerten. Andere Experten tippen auf Grabgewölbe, unterirdische Palastanlagen oder Bergbauminen. Die abenteuerlichste These aber stammt von Anhängern der Prä-Astronautik: Die Longyou-Grotten wurden von Außerirdischen angelegt und dienten als Lagerhalle für Raumfahrzeuge!

Die Grotten erinnern an modern Bunker


Viele Figuren sind überlebensgroß


Steht in der Türkei das älteste Heiligtum der Menschheit?

Die Funde werden im Museum von Sanlıurfa präsentiert


Manchmal braucht man einfach den richtigen Riecher. So wie der deutsche Archäologe Klaus Schmidt. Als er 1994 den zuvor wenig beachteten HügelGöbekli Tepe in Südostanatolien besuchte, fielen ihm Bruchstücke merkwürdiger Pfeiler auf. Seitdem bringen Ausgrabungen eine Sensation nach der anderen ans Tageslicht – obwohl bislang nicht mal zwei Prozent der Fundstelle erkundet sind.

Ähnlich wie in Troja besteht der Hügel aus mehreren Siedlungsschichten. Die älteste wurde bereits in der Steinzeit absichtlich zugeschüttet und verblüfft mit kunstvoll gestaltetenPfeilern, die fast sechs Meter in die Höhe ragen. Die unbekannten Baumeister schmückten sie mit Reliefs von Löwen, Schlangen, Enten, Wildschweinen und Symbolen. Andere Pfeiler erinnern an Götterbilder. Experten schätzen das Alter auf 10.000 bis 12.000 Jahre! Damit wäre Göbekli Tepe rund 7000 Jahre älter als die berühmten Pyramiden von Gizeh.

Die kreisförmigen Anlagen könnten einBergheiligtum gewesen sein, errichtet als Großprojekt einer Gemeinschaft von Jägern und Sammlern. Der spirituelle Ort wirft ein völlig neues Licht auf das Leben in der Steinzeit. Seit 25 Jahren forscht das Deutsche Archäologische Institut am Ruinenhügel. Dabei wurden zuletzt mehr als 7000 Reibsteine, Mörser und Stößel zur Verarbeitung pflanzlicher Nahrung entdeckt, außerdem auffällig viele Knochen von Jagdwild. Diente Göbekli Tepe als Versammlungsplatz für Rituale und Feste? Huldigte man hier einemTotenkult? Darauf deuten tiefe Kerben in gefundenen Schädelfragmenten hin. Die Suche geht weiter, denn der älteste Kultplatz der Erde steckt noch voller Überraschungen.

Archäologen legten T-förmige Pfeiler frei


Analysen von Papier und Tinte weisen aufs 15. Jahrhundert hin


Viele Zeichnungen stammen aus Anatomie und Pflanzenkunde. Die Schrift ist unbekannt


Wer schrieb das Voynich-Manuskript?

Das Original wird an der US-Universität Yale aufbewahrt


Auf den ersten Blick wirkt das Manuskript wenig spektakulär. Die über 100 Pergamentblätter sind in flüssiger Handschrift beschrieben, filigrane Illustrationen zeigen Pflanzen, badende Frauen, astronomische Symbole. Ein typischesBuch aus dem Mittelalter? Von wegen! Wer genauer hinschaut, entdeckt: Die Lettern gehören zu keiner be kannten Sprache und Schrift. „Es war ein so hässliches Entlein verglichen mit den anderen, mit Gold und Farben reich verzierten Manuskripten, dass meine Neugier sogleich geweckt war“, schrieb der polnische AntiquarWilfrid Voynich, der das Buch angeblich 1912 in der von Jesuiten genutzten Villa Mondragone bei Rom aufstöberte. Heute lagert der Fund unter dem Kürzel „MS 408“ in einer Bibliothek der US-Universität Yale. Seit mehr als 100 Jahren versuchen Kryptologen und Historiker, den Text mit seinen rund 170.000 Zeichen zu entschlüsseln. Vergeblich. Selbst modernste Computertechnik versagt. Ist der Code des Voynich-Manuskripts so raffiniert? Ergibt der Text überhaupt einen Sinn? Oder haben sich unbekannte Fälscher einen Scherz erlaubt? Experten desMcCrone-Forschungsinstituts in Chicago datierten das Pergament mit einer Radiocarbonanalyse immerhin auf die Zeit zwischen 1404 und 1438.

Hinweise auf den Verfasser liefern die bisherigen Untersuchungen jedoch nicht. Die Skala der „Verdächtigen“ reicht von einer dominikanischen Nonne des 15. Jahrhunderts bis zum französischen Arzt und AstrologenNostradamus (1503 – 1566), der durch seine Prophezeiungen berühmt wurde.

Mehr oder weniger angesehene Wissenschaftler tippten bereits auf altgriechische Kurzschriftzeichen, Latein, eine Kunstsprache, Hebräisch oder eine Mischung aus Deutsch, Dänisch und Spanisch. Die letzte „Entschlüsselung“ veröffentlichte der britische Linguist Gerard Cheshire im Mai 2019. Er behauptet, das Buch sei aufProtoromanisch, einer Art Vulgärlatein, geschrieben. Inhalt: ein Lehrbuch über pflanzliche Heilmittel, therapeutisches Baden, Kindererziehung und Astrologie. Andere Voynich-Experten sind von dieser neuen Lösung allerdings wenig überzeugt. Das Rätselraten ums geheimnisvollste Buch der Welt geht also weiter.

Antiquar Wilfrid Voynich (1865 – 1930) entdeckte das mysteriöse Buch in Italien


Was verraten Mexikos Todeshöhlen über die ersten Amerikaner?

Taucherin Susan Bird bereitet den Schädel für eine 3-D-Aufnahme vor


Das Licht der Scheinwerfer durchschneidet die Dunkelheit und beleuchtet einen gespenstischen Fund:Totenschädel! Die Unterwasserhöhle ist übersät mit Skeletten von Tieren und Menschen. „Cenoten“ werden diese Höhlen auf Mexikos HalbinselYucatán genannt. Für die Maya waren sie das Tor zur Unterwelt, für heutige Abenteurer und Forscher sind sie eine unerschöpfliche Schatzkammer.

Vor rund 10.000 Jahren lag das unterirdische Höhlensystem noch trocken. Damals suchten Menschen hier Unterschlupf. Erst mit Ende der letztenEiszeit stieg der Wasserspiegel dramatisch und flutete die Kavernen und Gänge. Organisches Material wird im Wasser deutlich besser konserviert als an der Luft. Deshalb finden Archäologen in Mexikos Cenoten ideale Forschungsbedingungen.

Eine der spektakulärsten Entdeckungen gelang in einer Kammer namens Hoyo Negro („Schwarzes Loch“): das komplette Skelett eines vor rund 13.000 Jahren gestorbenen Mädchens, das die offizielle Bezeichnung HN5/48 erhielt. Die Forscher tauften das KindNaia.

Naia könnte dabei helfen, die Besiedlung Amerikas zu klären. Jahrzehntelang war umstritten, ob die ersten Einwanderer auf dem Kontinent auch die Vorfahren amerikanischer Ureinwohner waren. Oder gab es mehrere Einwanderungswellen?

Das Mädchen, das vermutlich im Alter von etwa 15 Jahren starb, gehört nach allen anatomischen Merkmalen zu den sogenanntenPaläoamerikanern – den ersten Menschen auf dem Kontinent. DNA-Analysen zeigen: Naias Ahnen kamen über eine Landbrücke aus Asien, es gibt aber auch direkte genetische Linien zu heutigen Ureinwohnern. Warum sich Naia mit ihrem langen Schädel und der stark betonten Stirn so sehr von ihnen unterscheidet, ist aber weiterhin ungeklärt. Vielleicht geben Mexikos Todeshöhlen ja noch mehr Geheimnisse preis?

Wer schuf die rätselhaften Linien im Hochland von Bolivien?

Erst auf Luftbildern lässt sich das Netzwerk der Linien erkennen


Wer im Schatten des 6542 Meter hohen VulkansSajama wandert, wird die Linien am Boden kaum bemerken. Unscheinbar sind sie, wie zufällig entstandene Wege durch die karge Landschaft. Nur aus der Luft erkennt man das gigantische Netzwerk aus Tausenden schnurgeraden Strichen. Satellitenfotos zeigen, dass sie eine Fläche von fast 23.000 Quadratkilometern bedecken, über alle Hindernisse hinweg.

Ähnlich wie bei den berühmterenNazca-Linien im Nachbarland Peru wurde die obere dunkle Erdschicht gleichmäßig abgetragen. Manche Pfade sind einen Meter breit, andere drei. Sie bilden ein Netz mit Knotenpunkten. Nach Schätzungen beträgt ihre Gesamtlänge bis zu16.000 Kilometer. Im Gegensatz zu Nazca fehlen jedoch die dort typischen Tierfiguren.

0 dafür nicht.

Heute dienen die Linien nur noch als Fußweg durch die Landschaft


Wozu diente das rätselhafte Castel del Monte?

Friedrich II. gab den Bau in Auftrag. Aber zu welchem Zweck?


Festung? Jagdschloss? Schatzkammer? Castel del Monte steht auf einem 500 Meter hohen Hügel in Süditalien. Seine Form hat kein Vorbild und keinen Nachfolger in der Weltgeschichte:Achteckig ist der Grundriss, acht achteckige Türme zieren die Ecken. Jedes Stockwerk besteht aus acht trapezförmigen Räumen mit acht Außenfenstern. Im Zentrum liegt der achteckige Hof, den früher ein achteckiger Brunnen zierte.

Die Burg aus hellgrauem Kalkstein ragt, aus der Ferne unwirklich wie ein Trugbild, aus dem Grün der Landschaft heraus. KaiserFriedrich II. (1194 – 1250) ließ Castel del Monte erbauen, vermutlich um das Jahr 1240. Feierte er hier mit seinen Rittern? Für eineFestung fehlen allerdings typische Merkmale jener Epoche: Es gibt weder Burggraben noch Zugbrücke, die 26 Meter hohen Türme haben keine Verteidigungsanlagen. Auch alsJagdschloss eignet sich das Bauwerk kaum. Wo sind die Ställe für Pferde, die Küchen, die Lagerräume? Stattdessen fallen aufwendige

Sanitäranlagen auf. Historiker verweisen auf das komplizierte System aus Rillen, über die Wasser weitergeleitet wurde. Einige Türme verfügen über Toilette, Waschbecken und Nebenräume, die vermutlich als Umkleidekabinen oder zur Unterbringung von Badewannen dienten. Von der einstigen Pracht ist wenig erhalten. Historische Berichte bezeugen kunstvolle Mosaiksteinchen, glasierte Majolikafliesen und Wandmalereien. Castel del Monte – ein mittelalterlicherWellnesstempel?

Angeblich war Friedrich II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, persönlich an den Geheimplänen beteiligt. Doch warum die Betonung der Acht? Forscher sehen darin ein Symbol für die Verbindung von Himmel und Erde. Auch als Zeichenkaiserlicher Macht ist die Zahl bekannt, wie in der achteckigen Reichskrone.

Die filigranen Fenster lassen noch die frühere Pracht erahnen


Den Innenhof zierte einstmals ein achteckiger Brunnen


Erst aus der Luft erkennt man den achteckigen Grundriss


FOTOS: S. 16 – 17: DDP, WILLIAMS/ALAMY, NICKLEN/BRIDGEMAN IMAGES, GETTY IMAGES (2), EUGENE KASPARSKY, STEINHILBER/LAIF; S. 18 – 19: BRINCKMAN/ZDF, HANGGARA/NEWMAN/SHUTTERSTOCK (3)

FOTOS: S. 20 – 21: AKG-IMAGES (2), RETURN TO ANTIKYTHERA PROJECT/POLARIS/LAIF (2), SHUTTERSTOCK, ZHONGNAN/YIXUE/IMAGINECHINA (3), EUGENE KASPARSKY

FOTOS: S. 22 – 23: LANDAU/ALAMY ( 4), STEINHILBER/ROTH/LAIF ( 2), MANSO/GETTY IMAGES (2)

FOTOS: S. 24 – 25: VALERI/ALAMY (5), GOOGLE MAPS, PESCANTINI/SHUTTERSTOCK