Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Geschichte: E 11 022 der Deutschen Reichsbahn und ihre H0- und TT-Pendants: Ein Pionier der DR-Elektrotraktion


eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 11.07.2019

Mit zwei Prototypen der Baureihe E 11 stellte die Deutsche Reichsbahn der DDR 1961 ihre ersten Neubau-Elloks in Dienst. Zwei Jahre später begann die Serienproduktion beim Vorbild, jene im Modell folgte 1968. Die E 11 022 gab es sogar in zwei Nenngrößen


Artikelbild für den Artikel "Geschichte: E 11 022 der Deutschen Reichsbahn und ihre H0- und TT-Pendants: Ein Pionier der DR-Elektrotraktion" aus der Ausgabe 8/2019 von eisenbahn magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 8/2019

Mit Piko-Modernisierungswagen der DR im Schlepp bildet die E 11 aus Sonneberger DDR-Produktion eine stilreine Garnitur


Anfang 1967 machten erste Gerüchte die Runde. Konkret wurde es mit der Auslieferung des Zeuke-Gesamtkatalogs 1967/68: Neben dem Modell der urigen E 70 01 fand der Modellbahner dort farbige Darstellungen zweier Neubau-Elloks der Deutschen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von eisenbahn magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Im Gespräch: Verpasste Chance!?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Im Gespräch: Verpasste Chance!?
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Impressionen: Mühldorf (Obb): 25 Jahre Linienstern: Sternfahrten im Retro-Look. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Impressionen: Mühldorf (Obb): 25 Jahre Linienstern: Sternfahrten im Retro-Look
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Die Geschichte des Big Boy: Ein Riese auf Schienen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Geschichte des Big Boy: Ein Riese auf Schienen
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von US-Schlepptenderlokomotiven der UP-Reihe 4000 im Modell: Dampflok-Kolosse in allen Nenngrößen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
US-Schlepptenderlokomotiven der UP-Reihe 4000 im Modell: Dampflok-Kolosse in allen Nenngrößen
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Entlang der Schiene | Deutschland: RRX-Start auf der Linie 5: Innovativer Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Entlang der Schiene | Deutschland: RRX-Start auf der Linie 5: Innovativer Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Entlang der Schiene | Deutschland: DB Netz: Vollsperrung im Volmetal. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Entlang der Schiene | Deutschland: DB Netz: Vollsperrung im Volmetal
Vorheriger Artikel
Der besondere Zug: Bunter Epochenmix im Unterfränkischen Bun…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Neu im Schaufenster | Fahrzeuge: Streckendiesellok der DB-Baureih…
aus dieser Ausgabe

... Reichsbahn: Eine E 11 und eine E 42 wurden als Modelle und mit einem Vorbildfoto präsentiert. Sie entsprachen durchaus einem Eisenbahn-Trend der Zeit.

Moderne für den DDR-Modellbahner

Seit Mitte der 1950er-Jahre baute die DR den elektrischen Zugbetrieb wieder auf, nachdem dieser wegen der Nachkriegs-Demontagen rund ein Jahrzehnt geruht hatte. Zunächst stützte sich die Reichsbahn dabei noch auf Elloks der Vorkriegszeit. Ab 1961 folgten dann die vom VEB Lokomotivbau- Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ in Hennigsdorf (LEW) entwickelten Neubauten: zwei vierachsige Drehgestell-Elloktypen, die – wie die E 10 und E 40 der Bundesbahn – als schnelle Reisezugversion (E 11) und als Güterzugvariante (E 42) auf die Gleise kamen. Bei der Baureihenbezeichnung wurde darauf geachtet, keine Doppelungen mit der Bundesbahn zu provozieren – hätte es die E 41 der DB nicht schon gegeben, wäre aus der E 42 sicher eine E 41 geworden.

Bei so modernen, für die DR wegweisenden Fahrzeugen war es kein Wunder, dass sich die Modellbahnindustrie der DDR recht bald für deren Nachbildung erwärmte. Eine E 11 und eine E 42 im Kleinen versprachen auch auf der Modellbahn Moderne und Zukunftsdenken. Mitte der 1960er- Jahre war es soweit: Im Auftrag des in der DDR für den TT-Markt zuständigen, in Ost-Berlin ansässigen Herstellers Zeuke konstruierte der Modellbahnhersteller Gützold aus Zwickau ein TT-Modell der E 11 und der äußerlich baugleichen E 42.

Technische Daten zur DR-Baureihe E 11

1967/68 debütierten beide Loks wie erwähnt im Katalog. Die Artikelnummer für die Personenzuglok lautete 545/754, die Güterzuglok war unter der Nummer 545/755 zu haben. Die geplanten Betriebsnummern hatte der Hersteller in kleinen Schildern danebengesetzt: E 11 015 und E 42 018.

Wechsel der Betriebsnummer

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1968 im „Petershof“ zeigte Zeuke – mittlerweile zum größten TTProduzenten der Welt aufgestiegen – an seinem Messestand dann die ersten Muster der E 11. Die Personenzuglok machte den Anfang bei der Neubau- Ellok-Riege im Modell – und das mit inzwischen geänderter Loknummer. Aus der angekündigten E 11 015 war die E 11 022 geworden, wohl, weil Gützold der entsprechende Zeichnungssatz des Vorbilds vorlag. Die noch im Laufe des Jahres aufgenommene Produktion der TT-Lok übernahm ebenfalls Gützold, der Vertrieb lief über Zeuke. Gut erkennbar war das übrigens – und zwar bis zum Ende der Modellproduktion – am plastisch ausgeführten Gützold-Schriftzug unter der Lok. In den Katalogen und auf den Hartkarton-Verpackungen fehlte anfangs dazu jeglicher Hinweis.

Das Modell war den Konstrukteuren hervorragend gelungen. Der grüne Thermoplast-Kunststoffaufbau zeigte alle wichtigen Details des Vorbilds, die rot lackierten Drehgestelle waren fein graviert und das beigefarben lackierte Dach trug eine für jene Jahre gut detaillierte Ausrüstung samt stabiler, funktionsfähiger Metallpantografen. Damit ließ sich die E 11 022 wahlweise über die Oberlei- tung oder die Schienen mit Strom versorgen. Zum Befahren enger Gleisradien konnte die Pufferbohle seitlich ausschwenken – ein Prinzip, wie es zuvor beispielsweise die V 200 der DB und die E 499 der CSD vorgemacht hatten.

Um 1990 schiebt die 211 022 einen S-Bahn- Zug nach Leipzig Miltitzer Allee, im Bild zwischen Leipzig-Möckern und Leipzig-Leutzsch


Slg. Wolfgang Müller

Angetrieben wurden alle vier Radsätze. Einziger kleiner Kritikpunkt war der etwas zu gelbstichig geratene Grünton. Spätere Modelle trugen eine etwas dunklere, weitaus vorbildgerechtere Farbe.

Blick auf das Vorbild

Das Original der E 11 022 entstammte der ersten Bauserie dieser Lok, die 1962/63 mit 39 Loks auf die 1961 gefertigten Prototypen E 11 001 und 002 folgte. Von den Loks der ab 1970 folgenden zweiten Serie unterschied sich die erste Serie äußerlich deutlich. Die Seitenwände wiesen neben einem mittleren Fenster vier Doppel-Lüftungsgitter auf, während die späteren Lokomotiven neben dem Fenster sechs einfache Lüftungsgitter besaßen – so wie die E 10 der Bundesbahn. Parallel zur E 11 wurde auch die E 42 gebaut. Die Fertigung bei der E 11 dauerte bis Anfang 1976, jene der E 42 endete bereits 1975.


Wer auf seiner H0- oder TT-Anlage elektrisch fuhr, wollte die E 11 haben, doch bekam sie nur selten


Die E 11 022 wurde am 12. Juli 1963 mit der Fabriknummer 9933 beim Bw Leipzig Hbf West in Dienst gestellt, von wo aus sie auf allen elektrifizierten Strecken im Reisezugdienst zum Einsatz kam. Dabei teilte sie sich den Dienst mit Veteranen der Baureihen E 04, E 18 und E 44. Im Jahre 1970 wurde bei der DR das EDV-Nummernsystem eingeführt, und damit bekam die E 11 022 die neue Nummer 211 022, die so übrigens auch eine V 100 der DB trug.

Oliver Strüber (3)

Ein Ellokmodell auch für H0

Die „Übernahme“ der E 11 022 ins Modell datiert aus dieser Leipziger Zeit, und da schrieb die Neubau- Ellok nicht nur für die Nenngröße TT Geschichte. Ein Modell der beliebten DR-Maschine fehlte gleichermaßen in H0 – eine Lücke, die Piko auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1969 schloss. Es war – dank der Nutzung des gleichen Vorbild- Zeichnungssatzes – ebenfalls die E 11 022 geworden, die bei Piko die damals DDR-typische und den Hersteller verifizierende Artikelnummer 5/6205 trug – die 5 stand dabei für das VEB Kombinat PIKO im thüringischen Sonneberg. Ein Jahr darauf wurde ihr noch die baugleiche Güterzuglok E 42 031 (5/6212) zur Seite gestellt.

Die Modellbahnindustrie machte es sich zunutze, dass E 11 und E 42 der DR technisch wie optisch nahe Verwandte waren, und setzte beide Baureihen im Modell um. Die E 11 hatte dabei zunächst noch die Loknummer 015 (o.), wurde dann aber als 022 realisiert (l.)


In der Ausführungsqualität entsprach das bei Piko konstruierte H0-Modell den in den Vorjahren vorgestellten Modellen der Baureihen 55 und E 44 und wies wie diese eine Vielzahl an Details auf. Das Kunststoffgehäuse trug einen dunklen, deutlich eher dem Vorbild entsprechenden Grünton, das Dach war dunkelgrau ausgeführt. Die Nennspannung betrug zwölf Volt; angetrieben wurde das mit zwei leistungsstarken Permanentfeldmotoren ausgestattete Modell auf allen vier Achsen. Auch hier konnte der Modellbahner seinen Strom wahlweise über die Dachstromabnehmer oder durch Schleifer an den Rädern beziehen – eine geschlitzte Schaltachse auf dem Dach ermöglichte die schnelle Umschaltung. Fahrtrichtungsabhängig wechselte die Beleuchtung zwischen dem Dreilicht- Spitzensignal und zwei roten Schlusslampen. Von Haus aus trug E 11 022 die neue Piko- I-Kupplung. Damals als besondere Innovation gefeiert wurden die aus Weichplastik hergestellten Puffer, die gegenüber den sonst verwendeten Polystyrol- Puffern bruchsicher waren. Heute hängen sie oft traurig in die verschiedensten Himmelsrichtungen zeigend an der Pufferbohle.

Am eisigen 13. Januar 1985 kommt die 211 022 im Personenverkehr zum Einsatz, hier im Bahnhof Zwickau


Rainer Heinrich

Die E 11 022 im Maßstab 1:120 zeichnete sich im Modell durch eine für die damalige Zeit sehr gute Detaillierung und Bedruckung aus


Oliver Strüber (3)

Gützold als Konstrukteur der TT-Lok verewigte sich mit seinem Schriftzug unter der Lok


Modell-Weiterentwicklung

Von der Umzeichnung des Vorbildes profitierten die Modellbahner erst mit Verzögerung. Sowohl Piko als auch die 1972 als VEB Berliner TT-Bahnen (BTTB) zwangsverstaatlichte Zeuke KG führten die alte Bezeichnung E 11 022 zunächst fort. Bei Piko blieb das H0-Modell sogar äußerlich kaum verändert bis 1992 in Produktion; ihm wurde 1973 die in Rotbraun glänzende Epoche-IV-Lok 211 035 (ab 1978: 211 029) zur Seite gestellt (5/6213). In kleiner Auflage gab es auch eine blaue E 11 032.

Viel früher als das Vorbild erlebte die E 11 022 in TT die Umlackierung: Schon der Zeuke-Katalog 1972/73 präsentierte unter der Artikelnummer 2322 eine wie die E 11/211 der zweiten Bauserie rot lackierte Lok mit weiß-beiger Bauchbinde und grauen Drehgestellblenden als Ersatz für die bisherige grüne Version. Daneben stand aber weiterhin „E 11“, und das Modell trug die in der Kombination mit der Lackierung falsche Betriebsnummer E 11 022 eine Zeitlang weiter. Die grüne E 42 (2321) blieb ebenso in Produktion. Der BTTB-Katalog von 1976/77 zeigte beide Loks dann mit den bisherigen Artikelnummern, aber als 211 018 und 242 020.

Änderungen beim Vorbild

Die „große“ E 11 022 bzw. 211 022 wurde 1977 von Leipzig Hbf West zum Bw Halle P umbeheimatet, wo sie zwölf Jahre heimisch bleiben sollte, um 1989 nach Leipzig West zurückzukehren. Zwischenzeitlich tauschte sie bei einer Untersuchung im Raw Dessau im Jahre 1985 ihr grünes gegen ein rotes Farbkleid ein. 1992 stand nochmals eine Umzeichnung an, als die DB und die DR im wiedervereinten Deutschland ihre Nummernsysteme anglichen. Da die eigentlich logische Bezeichnung 111 022 schon an eine DB-Ellok vergeben war, mutierte die 211 022 zur 109 022. Mit dieser Bezeichnung ging die Lok ins DB-AG-Zeitalter.

Die beiden TT-Ellok-Schwestern E 11 022 sind nicht nur hinsichtlich ihres Farbkleides verschieden, sondern auch hinsichtlich der Kupplungen, die gebräuchlich waren


Doch der rückläufige Verkehr und ein Überangebot moderner Elektrolokomotiven sorgten bereits am 12. September 1994 für die z-Stellung, der am 20. Dezember 1994 die Ausmusterung folgte. Wenig später, im Februar 1995, wurde die Lok in Großsteinburg beim örtlichen Schrotthändler zerlegt. So erinnern heute neben Fotos nicht zuletzt das TT-Modell von Zeuke bzw. BTTB und das H0-Modell von Piko an die E 11 022 – jene Lok, mit der das Zeitalter der DR-Neubau-Elloks auf den Anlagen begann.