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GESCHICHTE: FANTASTISCH geplant – nie gebaut


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 22.11.2018

Ob Brunnen, Paläste, Kirchen oder ganze Städte: Diese ehrgeizigen Projekte kamen nie über denENTWURF hinaus. Ein neues Buch versammelt spannende architektonische Visionen aus mehr als zwei Jahrhunderten, deren Verwirklichung scheiterte


Artikelbild für den Artikel "GESCHICHTE: FANTASTISCH geplant – nie gebaut" aus der Ausgabe 6/2018 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 6/2018

POMPÖSES MONUMENT
Wasser Marsch: Napoleon ordnete 1810 den Bau eines Elefanten-Brunnens an, der nie fertig wurde


HOCH HINAUS
Eigentlich sollte dieser Elefant das Wahrzeichen von Paris werden. Errichtet wurde aber nur ein 24 Meter hohes Modell aus Holz und Gips, das von 1816 bis 1846 stand und dann abgerissen wurde


SPEZIALEFFEKT: AUS DEM RÜSSEL SOLLTE WASSER SPRITZEN

Ein mächtiger ELEFANT für den König

UND NOCH EIN ELEFANT: Die riesigen Tiere faszinieren die Menschen seit Tausenden Jahren. So auch den französischen Architekten Charles François Ribart de Chamoust. Er machte 1758 den Vorschlag, in Paris einen Elefanten aus Stein aufzustellen, um so König Ludwig XV. zu ehren. Schließlich galten Elefanten auch als Symbol für die Macht absolutistischer Herrscher. Das fünf Stockwerke hohe Monument sollte auf den Champs-Élysées ...

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UND NOCH EIN ELEFANT: Die riesigen Tiere faszinieren die Menschen seit Tausenden Jahren. So auch den französischen Architekten Charles François Ribart de Chamoust. Er machte 1758 den Vorschlag, in Paris einen Elefanten aus Stein aufzustellen, um so König Ludwig XV. zu ehren. Schließlich galten Elefanten auch als Symbol für die Macht absolutistischer Herrscher. Das fünf Stockwerke hohe Monument sollte auf den Champs-Élysées errichtet werden – dort, wo heute der Arc de Triomphe steht. Ribart schwebte nicht einfach nur eine Statue vor: Sein Elefant sollteBEGEHBAR sein! Im Inneren sah der Architekt zwei Stockwerke mit Speise-, Thron-oder Ballsaal und einem kleinen Kabinett vor. Auch die Einrichtung plante Ribart höchst extravagant: Im mit Bäumen und einem Bach dekorierten Speiseraum sollten sich die Gäste wie im Wald fühlen. Letztendlich aber wurde der allzu kühne Entwurf abgelehnt. Stattdessen bekamen die Pariser den vergleichsweise schlichten Triumphbogen, der ab 1806 gebaut wurde.

INNENLEBEN Im Bauch des Elefanten waren diverse Räume wie etwa ein Thronsaal vorgesehen


RUNDE SACHE Das Bauwerk aus der Vogelperspektive: Die Kugel ruht auf zwei kreisrunden Sockeln


Die Kugel bietet dem Auge die größte Oberfläche und schafft Majestät.”
ÉTIENNE-LOUIS BOULLÉE (1728 – 1799) Architekt


Eine KUGEL für Isaac Newton

ES WÄRE DAS GRÖSSTE BAUWERK seiner Zeit gewesen: Zum Gedenken an den genialen Mathematiker, Astronomen und Physiker Isaac Newton (1643–1727) sollte eine gigantische Kugel 150 Meter in den Himmel ragen – sie wäre damit elf Meter höher als die Cheops-Pyramide von Gizeh gewesen. Der Entwurf für das Scheingrab – Kenotaph genannt – stammte vom französischen Architekten Étienne-Louis Boullée. Der Visionär plante 1784 eine Kugel aus Stein, die auf zwei ringförmigen, mit Zypressen bepflanzten So-ckeln ruhen sollte, als Symbol der Trauer. Im Inneren war in einem riesigen Gewölbe ein – leerer – Sarkophag vorgesehen, denn Newton war in der Westminster Abbey beigesetzt worden. Kleine Öffnungen in den Wänden sollten Tageslicht einlassen und einen besonderen Effekt erzielen: Besucher hätten das Gefühl, direkt unter dem Mond undLEUCHTENDEN STERNEN zu stehen. Realistisch war das Projekt jedoch nicht. Ein kugelförmiger Bau dieser Größe war damals technisch noch nicht durchführbar.

HULDIGUNG
Das Denkmal, für das es nie einen konkreten Standort gab, sollte an den großen Isaac Newton erinnern


KonEine IDEALE STADT für ideale Menschen

QUADRATISCH
Auf 365 mal 365 Metern sollten Reihenhäuser für 2000 Menschen entstehen


SPARTANISCH
Die ersten Siedler der Gemeinde Harmony in Indiana bauten einfache Blockhütten


ER PLANTE GROSSES: Nichts weniger als eine „neue moralische Welt” wollte der britische Unternehmer Robert Owen erschaffen. Als Ort dafür hatte er sich das Dörfchen Harmony im amerikanischen Indiana ausgesucht, das er 1825 aufkaufte, um daraus New Harmony zu machen. Gemeinsam mit dem Architekten Thomas Stedman Whitwell (1784–1840) entwickelte er das Kon zept für eine ideale Stadt, denn – so seine Überzeugung – die Umgebung präge den Charakter eines Menschen von der Kindheit an entscheidend. New Harmony sollte eine Grundfläche von 365 mal 365 Meter haben und Platz für 2000 Menschen bieten. Im Mittelpunkt des Entwurfs stand ein rundesGEWÄCHSHAUS voller exotischer Pflanzen. Überhaupt waren Owen Grünflächen und Gärten sehr wichtig. Statt einer Stadtmauer sah der Plan Reihenhäuser vor. In vier Türmen sollten eine Kinderkrippe, zwei Schulen und eine Krankenstation untergebracht werden. Außerdem veranschlagte der Brite reichlich Platz für Museen und Bibliotheken. Owens Stadt blieb eine Utopie – und auch im bereits existierenden Ort Harmony scheiterte der ambitionierte Sozialreformer mit seinen Ideen. Schnell stellte sich heraus, dass es kaum möglich war, einer Gemeinschaft eine verbindliche „richtige” Lebensweise vorzuschreiben. Immer wieder kam es zu Streitigkeiten, zudem verließen etliche Siedler die Gemeinde.


Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Ruhe, acht Stunden Erholung.”
ROBERT OWEN(1771 – 1858)
Unternehmer und Sozialreformer


Eine GRÜNE Revolution in der City

HIER STEHEN ALLE ZEICHEN AUF ÖKO: Aus den Wolkenkratzern wachsen Bäume, auf den Terrassen gibt es Platz für Gemüsegärten, kleine Windturbinen an den Fassaden liefern regenerativen Strom, und aus den Türmen wachsen Blasen, die als organische Außenhaut dienen sollen. 2013 präsentierte der Belgier Vincent Callebaut seinen spektakulären Entwurf „Asian Cairns” für die chinesische Millionenmetropole Shenzhen. Callebauts Grundidee: Er will Menschen und Natur wieder versöhnen und die Gegensätze zwischen hochtechnisierter Zivilisation und unberührter Landschaft überwinden. Deshalb ahmt der Architekt in seinen Arbeiten häufig natürliche Formen nach: DieGLÄSERNEN GEBILDE, die um die zentralen Türme herum wuchern, sollen an flache, rund geschliffene Steine erinnern. In ihnen spielt sich das Leben ab, hier gibt es Wohnungen, Büros, Restaurants, Gärten und Freizeiteinrichtungen. Die 300 Meter hohen Türme wiederum fungieren als Stützen und vertikale Transportwege. Auch an Recycling und Energieeffizienz hat Callebaut gedacht, um städtisches Leben nachhaltiger zu machen. Könnte so das Stadtbild der Zukunft aussehen?

MODERNSTE TECHNIK
Die Einwohner können ihre Autos in Lifts bis zur Turmspitze fahren


NATUR TRIFFT STADT
Die gläsernen Gebilde an den Türmen sollen an flache Kieselsteine erinnern


Ein neuer PALAST für die Akropolis

KÖNIGLICHE UNTERKUNFT GESUCHT: 1827 schüttelte Griechenland die osmanische Fremdherrschaft ab, nach über 400 Jahren. Mit Unterstützung der Garantiemächte Frankreich, England und Russland gelangte der bayerische Prinz Otto von Wittelsbach fünf Jahre später auf den neugeschaffenen griechischen Königsthron. Doch wo sollte sein offizieller Sitz sein? Ein neuer Palast musste her, und dafür eignete sich kein Ort so gut wie die frischgebackene Hauptstadt Athen, deren antiker Glanz jedoch schon lange verblasst war. 1834 wurde Karl Friedrich Schinkel mit Entwürfen beauftragt. Der Griechen-Fan hatte in Berlin das klassizistische Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt und das Alte Museum gebaut. Dem Preußen schwebte ein ganz besonderer Bauplatz vor: dieAKROPOLIS hoch über der Stadt. Dort wollte der Star-Architekt einen Palast direkt neben den Parthenon stellen, das berühmteste griechische Bauwerk überhaupt. Die Pläne sahen mehrere Empfangsräume und Innenhöfe vor, blieb sonst aber – jedenfalls für königliche Verhältnisse – recht „bescheiden”. Schinkel wollte nur ein Stockwerk, damit der neue Prachtbau nicht etwa den Parthenon verdecken würde, der auch weiterhin das markanteste Gebäude auf der Akropolis bleiben sollte. Ohne Frage hätte der Palast dem jungen König einen herausragenden, kaum zu übersehenden Regierungssitz beschert, der zudem leicht zu verteidigen gewesen wäre. Allerdings wären die Kosten hoch gewesen, auch die Wasserversorgung auf der Anhöhe blieb ungeklärt. Zudem gab es immer mehr Zeitgenossen, die die ohnehin schwer in Mitleidenschaft geratene Akropolis lieber erhalten und wieder in ihrenANTIKEN ZUSTAND zurückversetzen wollten. Deshalb wurden Schinkels Ideen nie realisiert. Eine prächtige Unterkunft bekam König Otto I. trotzdem, und zwar in der Athener Innenstadt. Heute tagt dort das griechische Parlament.

GLANZ & GLORIA
Im Empfangssaal sollten Marmor, üppiger Stuck und vergoldete Skulpturen Besucher beeindrucken



Europäische Baukunst ist gleichbedeutend mit griechischer Baukunst in ihrer Fortsetzung.”
KARL FRIEDRICH SCHINKEL (1781 – 1841)
Architekt und Baumeister


NEU & ALT
Schinkel wollte den Palastneubau direkt neben den antiken Parthenon setzen


Ein Gebäude für ALLE FÄLLE

KREUZ & QUER
Zahlreiche Rampen und Aufgänge verbinden das gewaltige „Hyperbuilding” mit der Umgebung


MEHR ALS EINFACH nur ein Haus: Der niederländische Architekt Rem Koolhaas präsentierte 1996 das „Bangkok Hyperbuilding”. Es sollte 1000 Meter hoch sein und diverse Funktionen erfüllen: Platz für Wohnungen bieten, für öffentliche Räume, Büros, Schulen, Theater, Handwerksbetriebe, Restaurants, Hotels, Galerien, Museen – alles auf elf Millionen Quadratmetern. Die einzelnen, nebeneinander stehenden Türme verbinden schräge und horizontale Rampen und Aufgänge, allein die Fußgängerpromenaden messen zwölf Kilometer. Damit sollte das „Hyperbuilding” so komplex sein wie historisch gewachsene Städte.

BUCHTIPP

EINE GESCHICHTE großer Visionen: Der Brite Philip Wilkinson, der zahlreiche Bücher über das Thema Architektur geschrieben hat, stellt in seinem neuen Werk kühne Bauprojekte vor, die nie realisiert wurden. Deren Bandbreite ist enorm: Die meisterhaften bis größenwahnsinnigen Pläne reichen von der griechischen Antike bis in die Gegenwart, von einzelnen Gebäuden und Denkmälern bis hin zu kompletten Städten.

Philip Wilkinson: Atlas der nie gebauten Bauwerke, dtv, 256 Seiten, 30 Euro

Eine MEGAKATHEDRALE für Liverpools Katholiken

AMBITIONIERTES PROJEKT: Die englische Hafenstadt Liverpool wollte sich schon lange ein neues Gotteshaus für seine aus Irland kommenden Katholiken gönnen. 1930 wurden die Pläne konkret – und überaus ehrgeizig. Der beauftragte Architekt Edwin Lutyens schlug eine gigantische Kathedrale im byzantinischen Stil vor, mit einer zentralen Kuppel. Sie sollte einen Durchmesser von 51 Metern haben, im Inneren 91 Meter hoch sein – und damit sogar denPETERSDOM in Rom übertreffen. Als Baumaterialien wählte Lutyens rosa Ziegel und silbergrauen irischen Granit. Tatsächlich begannen die Bauarbeiten 1933, doch dann kam der Zweite Weltkrieg dazwischen. Später erschien der Stadt die Kathedrale dann doch zu wuchtig.

GÖTTLICHER EIFER
Das Bauwerk sollte eine der größten Kirchen der Welt werden


EDWIN LUTYENS (1869 – 1944)
Der britische Architekt entwarf auch zahlreiche Bauten in Neu-Delhi


FOTOS: S. 36–37: BRIDGEMAN/AKG/AUS „ATLAS DER NIE GEBAUTEN BAUWERKE” VON PHILIP WILKINSON/DTV (2); S. 38–39: AUS „ATLAS DER NIE GEBAUTEN BAUWERKE” VON PHILIP WILKINSON/DTV, AKG, MAURITIUS

FOTOS: ALAMY/AUS „ATLAS DER NIE GEBAUTEN BAUWERKE” VON PHILIP WILKINSON/DTV (4), VINCENT CALLEBAUT

FOTOS: AKG/AUS „ATLAS DER NIE GEBAUTEN BAUWERKE” VON PHILIP WILKINSON/DTV (4), AKG, INTERFOTO, PR