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GESCHICHTE: MAGISCHES EUROPA


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 17.01.2019

Auch wenn die Wissenschaft heute fast alles rational erklären kann, gibt es sie noch immer:SAGENHAFTE ORTE , deren Zauber sich niemand entziehen kann – von märchenhaft bis gruselig


Artikelbild für den Artikel "GESCHICHTE: MAGISCHES EUROPA" aus der Ausgabe 1/2019 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 1/2019

ISLAND Der Felsen Hvítserkur

TROLLE gesehen hat wohl noch niemand, doch ihre Spuren finden sich überall in Island, hier vor der Halbinsel Vatnsnes im Nordwesten. Böse Nachttrolle wollten einst ein Kloster zerstören. Da sie keine Sonne vertragen,VERSTEINERTEN sie beim ersten Morgenlicht. Zwar lässt sich die Existenz des 15-Meter-Basaltfelsens auch geologisch mit Erosion erklären, aber Fabelwesen sind deutlich ...

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TROLLE gesehen hat wohl noch niemand, doch ihre Spuren finden sich überall in Island, hier vor der Halbinsel Vatnsnes im Nordwesten. Böse Nachttrolle wollten einst ein Kloster zerstören. Da sie keine Sonne vertragen,VERSTEINERTEN sie beim ersten Morgenlicht. Zwar lässt sich die Existenz des 15-Meter-Basaltfelsens auch geologisch mit Erosion erklären, aber Fabelwesen sind deutlich faszinierender.

NORWEGEN Die Trolltunga am Sørfjord

700 METER über dem Stausee Ringedalsvatnet streckt ein Troll seine steinerne Zunge heraus, so als wolle er sagen: „Ätsch, das habt ihr nun davon!“ Gut möglich, dass seine Schadenfreude all jenen gilt, die es zu diesemFELSVORSPRUNG zieht. Nur geübte Wanderer sollten die achtstündige Tour wagen, doch immer wieder geraten Touristen in Flip-Flops in Bergnot – die Strafe für ihr Eindringen ins Reich der Trolle?

SPANIEN Der Nebelwald von La Gomera

EINE VERHÄNGNISVOLLE LOVESTORY gab dem Nationalpark Garajonay den Namen: Weil die Liebe der schönen Prinzessin Gara und des armen Bauernsohns Jonay nicht sein durfte, flohen die beiden in den dichten LORBEERWALD im Inselinneren, wo sie sich das Leben nahmen. Wer durch den bemoosten, nebelverhangenen Urwald geht, glaubt manchmal, die Tragik der Liebenden zu spüren. 99

RUMÄNIEN Schloss Bran in Transsilvanien

EINE ALTEHRWÜRDIGE BURG am Rande eines grandiosen Abgrunds, so beschrieb Bram Stoker 1897 das Schloss von GRAF DRACULA. Dass der nur eine Romanfigur ist – geschenkt. Stokers authentisch wirkende Schauergeschichte ließ damals manchen Bewohner der Region wirklich an Vampire glauben. Bis heute kommen Besucher, um sich in dem Schloss bei Bras¸ov zu gruseln, das den Dracula-Mythos fleißig pflegt.

SCHWEIZ Die Feengrotten von Vallorbe

EIN SCHMIEDEGESELLE suchte vor langer Zeit nach der Grotte, so eine uralte Sage. Eine Fee nahm ihn auf und versprach ihm ein Leben in Glück und Reichtum. Doch weil der Mann neugierig in ihre für ihn verbotenen Gemächer eindrang, musste er das PARADIES verlassen, seine Schätze zerfielen. Seltsam nur, dass die Tropfsteinhöhlen erst 1964 von Tauchern entdeckt wurden.

LETTLAND Die Ruinen von Karosta

WIE KULISSEN eines Endzeitfilms wirken die Überreste der Militärgebäude an der Ostsee. Zar Alexander III. ordnete 1890 den Bau des Kriegshafens an, später übernahmen die Sowjets. Als sie abzogen, blieben von 30.000 Bewohnern nur 7500. Verfallene Villen und Festungsreste, die jeder Sprengung trotzen, machen Karosta zur GEISTERSTADT.

SCHOTTLAND Die Fairy Pools auf Skye

FEEN UND ELFEN, die sich in vielen keltischen Mythen tummeln, haben bekanntlich die Fähigkeit, Menschen zu VERZAUBERN. Auf der Insel Skye nutzen sie diese Gabe, um Besucher zu verführen, ins glasklare Wasser unterhalb der vielen kleinen Wasserfälle zu springen. Das sieht zwar karibisch-türkisblau aus, ist aber bitterkalt. Magische Wesen haben eben bisweilen einen recht boshaften Sinn für Humor.

SCHWEDEN Die Kungsklyftan in Fjällbacka

WIE VON RIESENHAND geworfen wirken die tonnenschweren Felsbrocken, die in der düsteren Königskluft an Schwedens Westküste feststecken. Kühl und feucht ist es dort, auch im Sommer, und wer sich hindurchwagt, fühlt sich klein und verletzlich. Die BEDROHLICHE ATMOSPHÄRE kennt auch die in Fjällbacka geborene Krimi-Autorin Camilla Läckberg, die in einem ihrer Romane eine Leiche in der Klamm deponierte.

Eine schmale Treppe führt hinab ins Reich der Toten. Mit jedem Schritt in die Tiefe wird die Luft kühler, der Geruch zu Staub verfallener Kleider liegt in der Luft. Der Abstieg in die Katakomben des Kapuzinerklosters von Palermo ist nichts für Zartbesaitete, denn die Gruft birgt mehr als 2000 mumifizierte Leichen, die meisten bekleidet, viele aufrecht hängend, andere liegend. Wer die Gänge betritt, hat das Gefühl, aus Hunderten leerer Augenhöhlen angestarrt zu werden, und beginnt ganz automatisch zu flüstern.

Als die Kapuzinermönche Ende des 16. Jahrhunderts entdeckten, dass 45 ihrer verstorbenen Brüder nicht verwest, sondern so gut erhalten waren, dass man noch immer die Gesichtszüge erkennen konnte, waren die frommen Männer sicher: Das muss das Werk Gottes sein! Inzwischen weiß man, dass wohl eher das Mikroklima in den Grabgewölben dieses Wunder bewerkstelligte. Die Tuffsteinwände absorbieren Feuchtigkeit, zudem gibt es einen ständigen Luftzug, was die Leichen austrocknen und auf natürliche Weise mumifizieren ließ. Doch diese nüchterne Erkenntnis mindert in keiner Weise die schaurige Faszination von Europas größter Mumiensammlung.

VON FEEN, TROLLEN UND ELFEN

Die Gruft auf Sizilien gehört zu den 247 sagenhaften Landschaften, Bauwerken und Plätzen, die das Buch „Europa Mystica“ (s. Tipp rechts) vorstellt. „Heute sind zwar viele Phänomene, die diese Orte besonders machen, wissenschaftlich erklärbar. Dennoch sind auch aufgeklärte, moderne Menschen anfällig für ihre Magie“, sagt die Reisejournalistin Dörte Saße, die mit dem Redaktionsteam Reisefeder die Texte für den Bildband geschrieben hat. „Sie spüren vielleicht ein Schaudern, ein unerwartetes Gefühl, das aus der Tiefe kommt, und müssen dann entscheiden, ob sie es zulassen – oder nicht.“

Diese Wahl hatten unsere Vorfahren nicht. „Alt wie die Menschheit, entstanden die ersten Mythen in einer Zeit voller Gefahren, Rätsel und Wunder“, schreibt Kenneth C. Davis in seinem so unterhaltsamen wie informativen Sach- buch „Wo hat Prometheus das Feuer versteckt?“ (Ehrenwirth, antiquarisch erhältlich). „In jener Zeit konnte man sich die Welt noch nicht mittels wissenschaftlicher Erkenntnisse begreiflich machen. Dies ist einer der Hauptgründe für die Entstehung von Mythen. Naturphänomene ebenso wie menschliches Verhalten erklärte man durch Geschichten über Götter, Göttinnen, Helden und Heldinnen“, führt der US-Historiker und Autor weiter aus.


„AUCH AUFGEKLÄRTE MENSCHEN sind anfällig für die Magie dieser Orte. Sie spüren vielleicht einSCHAUDERN , ein unerwartetes Gefühl, das aus der Tiefe kommt, und müssen dann entscheiden: Lasse ich das zu – oder nicht?“
DÖRTE SASSE _ Autorin von „Europa Mystica“


Besonders reich ist die Sagen- und Mythenwelt Islands. Geysire, Wasserfälle, bizarre Lavaformationen, dazu türkisblaue Gletscher und dampfende Quellen – die Natur der weltgrößten Vulkaninsel ist so überwältigend, dass die Menschen sie lange auf das Treiben von Elfen, Feen, Gnomen und Trollen zurückführten. Dörte Saße erinnert sich, wie sie selbst das erste Mal den geheimnisvollen Basaltfelsen Hvítserkur (Foto S. 96) sah: „Es dämmerte bereits, die Stimmung war also ohnehin schon unwirklich – und dann taucht im flachen Wasser dieser riesige, merkwürdig geformte Felsen auf.“ In solchen Momenten beginne, die Fantasie zu arbeiten, so die Autorin: „Man sieht plötzlich ein Wesen mit drei Beinen vor sich, ein im Meer hockendes Monster.“ Könnte die Geschichte, die die Isländer erzählen, nicht vielleicht doch stimmen – und der Hvítserkur ein versteinerter Troll sein?

Ob man für die Magie eines Ortes empfänglich ist, hängt nach Dörte Saßes Erfahrung auch von den äußeren Umständen ab. „Meist passiert es, wenn die gewohnte Sensorik nicht mehr funktioniert, etwa wenn es anders riecht als sonst, man fremde Geräusche wahrnimmt, eine besondere Lichtstimmung herrscht oder ein Gewitter die Luft auflädt.“ Im Nationalpark Garajonay auf La Gomera (S. 99) zum Beispiel ist der Nebel oft so dicht, dass er beinahe alle Geräusche verschluckt. „Auch wenn der nächste Wanderer nur wenige Meter entfernt ist, hört man nichts als das Knarren der Bäume und fühlt sich völlig allein, wie in einer anderen Welt.“ Dringt dann doch mal ein Lichtstrahl durch den dichten, mit Moos bewachsenen Lorbeerwald, nennen die Insulaner das den „Gottesfinger“.

BUCHTIPP

Dörte Saße: „Europa Mystica. Atlas der sagenhaften Orte und verwunschenen Plätze“, Frederking & Thaler, 320 S., 34,99 Euro

Weit finsterer geht es auf Schloss Bran in Rumänien (S. 100) zu, in dem einst Graf Dracula gelebt haben soll. Längst ist bekannt, dass Bram Stoker, der 1897 seinen Schauerroman über den blutsaugenden Grafen veröffentlichte, niemals in Transsilvanien war. Auch das angebliche Vorbild für den Vampir, der grausame Fürst Vlad III. Draculea, setzte nie einen Fuß in das Gemäuer. Doch weil die Burg exakt so aussieht, wie von Stoker beschrieben, pilgern Touristen bis heute dorthin.

MENSCHEN BRAUCHEN MYTHEN

Wer nun denkt, die Zeit der Mythen sei lange vorbei, den belehrt Kenneth C. Davis eines Besseren. „Mythen sind einfach überall – in der Literatur, der Populärkultur, der Sprache, in den Nachrichten“, schreibt er. „Nur sind wir uns dessen meist nicht bewusst.“ Zu den vielen Beispielen, die er nennt, gehören Kinohits wie die „Krieg der Sterne“-Saga, die auf mythischen Themen gründen, Halloween-Bräuche, ein „Überbleibsel eines uralten mythischen Festes“, Bestseller wie Dan Browns „Sakrileg“ oder auch einzelne Wörter wie „Sisyphusarbeit“ oder „Trojaner“, die direkt auf die griechische Mythologie verweisen. Sein Fazit: „Mythen hatten und haben Macht über unser Leben – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“

ITALIEN Die Kapuzinergruft in Palermo

ETWA 2000 MUMIEN in diversen Stadien der Verwesung lagern im Grabgewölbe des Kapuzinerklosters, es ist die größte Sammlung dieser Art in Europa. Fast alle Toten wurden in ihren besten Gewändern beigesetzt und haben den Mund in einem STUMMEN SCHREI geöffnet. Das makabere Spektakel lässt Besucher über die eigene Vergänglichkeit nachdenken.

FRANKREICH Die Steinreihen von Carnac

EINE ARMEE aus mehr als 3000 bis zu 300 Tonnen schweren Menhiren, angeordnet in drei Feldern mit gleichmäßigen Reihen, die ältesten 6000 JAHRE ALT: Die Anlage in der Bretagne fasziniert schon durch ihre Monumentalität. Und sie gibt bis heute RÄTSEL auf. Welchem Zweck diente sie? Wie wurde sie errichtet?