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GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT IM META VERSUM


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Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 11.02.2022

TOP-STORY Metaversum

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Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 4/2022

Spielen, arbeiten, kommunizieren: Das soll zukünftig in einer virtuellen Parallelwelt geschehen – dem sogenannten Metaversum. Geht es nach Facebook- Gründer und Meta-Chef Mark Zuckerberg, steht der Begriff für das mobile Internet von morgen: Statt mit Smartphones oder Tablets greifen Nutzer mit VR- und später auch mit Augmented-Reality-(AR-) Brillen darauf zu. Mithilfe von digitalen Abbildern, sogenannten Avataren, treffen sich Menschen dann virtuell mit Freunden, um gemeinsam Filme zu schauen oder Spiele zu erstellen und zu zocken. Auch Konferenzen mit Kollegen sollen künftig im Metaversum stattfinden.

Größere Bekanntheit erlangte der Begriff durch den Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson aus dem Jahr 1991. Einen guten Eindruck vermitteln außerdem das Buch und dessen gleichnamige Verfilmung „Ready Player One“. In beiden Werken heißt das Metaversum Oasis. Das ...

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... Prinzip bleibt dasselbe: Brille auf, raus aus dem tristen Alltag und rein in die digitale Welt.

Eintritt nur mit Import möglich

Ganz so einfach ist es allerdings noch nicht. Erst mal müssen Nutzer an die passende Hardware kommen – etwa die VR-Brille Meta Quest 2 (einst Oculus Quest 2). Problem: Das Gerät gibt es in Deutschland offiziell gar nicht. Neugierige kriegen es aber mit geringem Aufpreis aus Österreich oder der Schweiz. In den USA gibt es die VR-Brille ab 350 US-Dollar. COM- PUTER BILD beschaffte sich die Meta Quest 2 und fühlte sich zunächst ungut an alte Windows- Zeiten erinnert: Bei der Ersteinrichtung hängte sich die Brille gleich nach dem Einschalten auf. Science-Fiction sieht anders aus.

Hindernis Nummer zwei: Die nötige Software ist teilweise noch nicht in Europa verfügbar. Alles, was mit Zuckerbergs Metaversum zu tun hat, ist über den Horizon-Kosmos zugänglich. Der wiederum setzt sich aus den drei Apps Horizon Workrooms, Horizon Venue und Horizon Worlds zusammen.

Besonders spannend ist Horizon Worlds, denn die App ermöglicht es Nutzern, eigene Spiele zu erstellen und mit Freunden zu zocken. Allerdings ist Worlds nur für VR-Pioniere über 18 Jahre in den USA und Kanada freigeschaltet. Zwar sind über Umwege VPN- Apps auf der Meta-Brille installierbar, austricksen lässt sie sich dadurch aber nicht.

Selbst wenn, braucht es wohl eine Portion Glück. In zig Foren beschweren sich Metaverse­Fans, dass sie die App nicht herunterladen können, obwohl sie alle Voraussetzungen erfüllen. Manchmal helfe es, die App auf die Wunschliste zu setzen und nach ein paar Tagen noch einmal nachzuschauen, ob die Installation möglich ist. Im Test von COM­ PUTER BILD klappte das nicht. Ähnlich sieht es bei Horizon Venues aus. Mit dem Dienst können sich Freunde gemeinsam Filme ansehen oder virtuell Konzerte besuchen. Diese App lässt sich immerhin installieren, nach einer kurzen Einführung zeigt sie aber lediglich eine Fehlermeldung und quittiert anschließend den Dienst.

Nur arbeiten, nicht spielen?

Dann endlich ein Lichtblick: Horizon Workrooms, quasi der Büroarbeitsplatz von morgen, funktioniert tatsächlich problemfrei – und ist sogar richtig cool. Nutzer können sich ihren Schreibtisch digital nachbauen und sogar die echte Computer-Tastatur in die virtuelle Welt übertragen. Sie lässt sich dann auch mit aufgesetzter Brille finden. Mit der optionalen Software Oculus Remote Desktop bringen digitale Workaholics auch ihren Bildschirm mit an den virtuellen Arbeitsplatz und verbringen so den kompletten Arbeitstag in der parallelen Welt.

Auch praktisch: Die beiden Controller, die der Meta Quest 2 zur Steuerung der Apps und Spiele beiliegen, sind am VR-Arbeitsplatz überflüssig. Stattdessen halten Nutzer einfach die Hände vor dem Headset kurz zusammen. Die Brille erkennt beide Hände und bildet sie digital in VR ab – Wahnsinn! Die Controller dienen dann wiederum als Stifte fürs Whiteboard – prima für Präsentationen oder Brainstorming-Meetings.

Übrigens: Auch Nutzer ohne Meta-Quest-Brille dürfen bei Horizon Workrooms mit den Kollegen zusammenarbeiten. Sie lassen sich einfach über den Videochat-Dienst Zoom zur Konferenz hinzuschalten.

Menschen treffen und spielen

Wer nicht arbeiten, sondern lieber spielen will, der muss Meta links liegen lassen und Apps anderer Anbieter installieren. Neben klassischen VR-Games zur Unterhaltung allein und einigen Sport-Apps gibt es auch Inhalte im Stil von Horizon Worlds.

Zum Beispiel Rec Room: Die App lädt zum Erstellen von Spielen und zum Zocken ein. Wer mitdaddeln will, muss sich zunächst ein neues Nutzerkonto anlegen und darf dann seinen individuellen Avatar gestalten. Dabei müssen Nutzer auch den Vorgaben für die Nutzung zustimmen. Die besagen unter anderem, dass man seine Mitspieler gut behandeln und nicht beleidigen soll. Danach folgt eine kurze Einführung zur Steuerung, und schon geht es los mit den virtuellen Abenteuern.

In der quietschbunten Welt bewegt sich der Nutzer als Figur ohne Beine schwebend fort. Über ein Menü springen Gamer direkt in ein Spiel. Sie können aber auch das Rec Center besuchen, den Treffpunkt für Zocker. Dort geht’s allerdings ziemlich chaotisch und mitunter auch rabiat zu. Zahlreiche Nutzer laufen planlos durch die Gegend und werfen mit Gegenständen um sich. Nicht wenige plappern scheinbar ohne Grund vor sich hin, andere machen sich einen Spaß daraus, vorbeischreitende Nutzer zu beleidigen. Richtig nett sind nur wenige, und ein echter Austausch kommt hier nicht zustande. Trifft man doch einen sympathischen Zeitgenossen, lässt er sich bei Facebook als Freund hinzufügen.

Wer das Chaos gar nicht erst sehen will, springt direkt in ein Spiel. Bei vielen Games geht es darum, allein oder in der Gruppe kleine Klötzchenmonster zu besiegen. Es gibt aber auch Autorenn- und Sportspiele.

Immerhin: Hier klappt es besser mit der Kommunikation. Das ist aber auch logisch, schließlich wollen alle Mitspieler die Partie gewinnen.

Grundsätzlich ist Rec Room kostenlos. Wer will, kann aber Geld in neue Gegenstände und Waffen für den Avatar investieren. 12 000 virtuelle Tokens gibt’s für 20 echte US-Dollar.

Da sind auch nette Leute

Wem Rec Room gefällt, der findet viele ähnliche Titel. Dazu gehört Multiverse. Auch hier kann der Nutzer digitale Welten erkunden und Spiele zocken. Beim Ausprobieren war in der App aber ziemlich wenig los. Eine nachgebaute Stadt mit hohen Gebäuden wirkte so, als hätte die Corona-Pandemie auch die virtuelle Welt erfasst und in den Lockdown gezwungen. Gerade diese Eindrücke will das Metaversum eigentlich vermeiden.

Lebhafter geht’s bei AltspaceVR zu. Die App gehört mittlerweile Microsoft. Aus diesem Grund klappt die Anmeldung hier mit einem beim Windows-Schöpfer bestehenden Nutzerkonto. Hier liegt der Fokus weniger auf Games. Stattdessen steht der Austausch im Vordergrund. Beim Marshmallow-Grillen am virtuellen Lagerfeuer gelang es tatsächlich, auch mal in Ruhe ins Gespräch zu kommen. Eine Nutzerin aus Indien fragt nach dem Befinden. Alles gut hier. Und selbst? Schnell hat das spontane Treffen aber ein Ende. Grußlos schwebte die Dame weiter. Im echten Leben wäre das ziemlich seltsam gewesen, im Metaversum gehört es zum Alltag. Was die Apps alle gemeinsam haben: Mehr als Comic- Grafik ist aktuell nicht drin. Kein Wunder: Mit der Meta Quest 2 schnallt sich der Nutzer quasi ein Smartphone vor die Augen. Die günstige Brille ist technisch limitiert; Bewegungen fühlen sich teilweise ruckhaft und wenig natürlich an. Außerdem kann es passieren, dass dem Quest-Träger ordentlich flau im Magen wird. Das war etwa bei einem Rennspiel in Rec Room der Fall. Stichwort: Motion Sickness.

Es gibt nicht das Metaversum

Ebenfalls nervig: Die Apps sind nicht verknüpft. Jede verlangt nach einem eigenen Nutzerkonto nebst Avatar. Das eine Metaversum gibt es also gar nicht. Das dürfte sich so schnell auch nicht ändern. Neben Meta arbeiten noch andere Unternehmen an ihren Visionen für virtuelle Welten (siehe rechts).

Microsoft etwa gab auf der Hausmesse Ignite 2021 einen Ausblick auf die Zukunft der Kommunikationsplattform Teams. Hier sollen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, eigene Metaversen für ihre Mitarbeiter zu erstellen. Microsoft versteht darunter „immersive Räume“, in dem Fall leider keine Spielfelder, sondern schlicht digitale Büros. In einem Interview mit dem Wirtschaftsportal Bloomberg bezeichnete Microsoft-Chef Satya Nadella auch die eigenen großen Spieletitel „Halo“, „Minecraft“ und „Flight Simulator“ als Metaversen.

Epic-Games-Chef Tim Sweeney ist ebenfalls ein großer Fan des Metaversums. Mit „Fortnite“ ist das Unternehmen auch bestens dafür aufgestellt. Schon jetzt sind im Spiel gemeinsame Konzertbesuche mit Freunden möglich.

Am Ende dürfte es jedoch nicht das eine Unternehmen sein, das das einzig wahre Metaversum entwickelt. Stattdessen wird es in ein paar Jahren darum gehen, bestehende Angebote nutzerfreundlich miteinander zu verknüpfen.

Bis es so weit ist, bleibt das Metaversum eine geschlossene Gesellschaft. Seien Sie nicht traurig, wenn Sie noch nicht reinkönnen. Aktuell verpassen Sie in der virtuellen Welt nicht viel.

[me]