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Geschmeidig mit Schwung


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 15.11.2021

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Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 120/2021

5 Dressur- Tipps

ZUR PERSON

Jil-Marielle Becks

Jahrgang 1997, Teil des Familienunternehmens, der Hengsthaltung Becks. Mit ihrem Top-Pferd Damon's Satelite v. Damon Hill (der ebenfalls Familie Becks gehört und dort seine Rente genießt) gewann sie Einzelsilber, -bronze und Teamgold bei der EM der Jungen Reiter 2016. Zwei Jahre später war sie Teil der Gold-Equipe bei der U25-EM 2018 und ritt zudem zum Titel der Einzeleuropameisterin. Mit der Stute Damon's Delorange gelang ihr bei der EM 2019 erneut der Sprung aufs Treppchen mit Einzelsilber und Teamgold. Nun arbeitet sie daran, im Senioren-Lager Fuß zu fassen. Sie ist Teil der Deutsche Bank Reitsport-Akademie.

Schon seit sechs Jahren sind die 21-jährige Charlotte Große Schulte und ihre neunjährige Stute Vreneli ein Team. Charlotte entdeckte die Stute, als sie auf dem Freiberger Hof bei Familie Baumgürtel beim Reiten aushalf. Gemeinsam haben sich ...

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... Charlotte und die Vitalis-Tochter dann von Reitpferdeprüfungen vorgearbeitet bis auf L-Niveau. Und wie das so ist mit dem Fortschritt im Leben, geht er auch bei Charlotte und Vreneli nicht in einer geraden Linie steil nach oben, sondern stagniert zwischendurch auch mal.

Derzeit feilt das Paar im Training an den Trab-Traversalen. Doch so richtig flutschen will es noch nicht. Nun konnte Charlotte im Herbst dreimal ihre Stute aus einer Fürst Piccolo-Mutter verladen und zu Jil-Marielle Becks nach Senden zum Training fahren, um sich dort Tipps von der U25-Kaderreiterin abzuholen.

Das Problem

Auf dem Dressurviereck der Familie Becks angekommen, muss sich Vreneli erstmal mit der ungewohnten Atmosphäre vertraut machen. Mitten im Münsterland gelegen, herrscht angenehme Ruhe auf dem Dressurplatz der Hengsthaltung Becks, der umgeben ist von Feldern und Weiden auf der einen und der Führmaschine sowie einem Stallgebäude auf der anderen Seite.

Vreneli ist angespannt, ein bisschen „zackelig“ im Schritt. Zufall? Nein, sondern eine wiederkehrende Baustelle der Stute. „Ihr fehlt es manchmal an Losgelassenheit und dann auch an der Durchlässigkeit“, berichtet Charlotte.

In Bezug auf die Traversalen erkennt die Reiterin aber auch die Fehler bei sich selbst: „Ich finde es schwierig, innen weiterzutreiben und Vreneli in diese Richtung traversieren zu lassen. Außerdem wird sie mir in der Links traversale zu steil, in der Rechtstraversale gehen mir hingegen häufig Stellung und Biegung verloren.“

Auch an der Abstimmung der Hilfen in den Traversalen möchte die 21-Jährige daher mit Jil Becks arbeiten.

TIPP 1

Mehr Sitz, weniger Hand

TRAININGSEFFEKT: Selbsthaltung des Pferdes fördern

Jil-Marielle Becks erkennt schon an den ersten Trabtritten der Stute in der Lösungsphase, woran Charlotte mit ihr arbeiten muss. Der erste Tipp der Europameisterin der Altersklasse U25 von 2018 und Vize-Europameisterin der gleichen Altersklasse im Jahr 2019: „Drossele erstmal ein wenig das Tempo, löse sie mehr am äußeren Zügel und komm selbst immer wieder zum Loslassen!“ Denn Vreneli neigt dazu, Takt und Schwung im Trab zu verlieren und sich auf die Hand zu stützen. Die Vitalis-Tochter ist noch nicht genügend „auf dem Hinterbein“ – was aber eine wichtige Voraussetzung für Traversalen ist. Die Reiterin muss daher gut aufpassen, ihrer Stute dieses Abstützen nicht zu gewähren. „Halte dafür in deinem Rumpf mehr Körperspannung und überprüfe dich immer wieder selbst dabei, dass du Vreneli auch in den Wendungen am äußeren Zügel reitest und immer wieder Selbsthaltung einforderst!“ Das Pferd ist der Spiegel des Reiters: Das Maß an Körperspannung, das Vreneli abverlangt wird, um in Selbsthaltung zu gehen, muss auch Charlotte aufbringen, um ihrer Stute das überhaupt erst zu ermöglichen und sie „an den Sitz zu holen“, anstatt zu viel mit der Hand zu machen.

TIPP 2

„Die lösende Arbeitsphase“

TRAININGSEFFEKT: Takt, Schwung und Schubkraft entwickeln

Um die Stute mehr aufs Hinterbein zu bekommen und damit auch mit der Hand mehr zum Nachgeben zu kommen, fordert Jil von ihrer Schülerin Tempiunterschiede im Trab. „Fordere sie auf, sich mehr aufzunehmen, indem du dich groß machst, deine Körperspannung erhöhst, und am äußeren Zügel halbe Paraden gibst und innen weiter treibst!“ Kommt die Stute dann zurück, ist das richtige Timing essenziell: „Bevor Vreneli den Schwung verliert, reite da wieder raus und komm zum Nachgeben!“ Mehrere Reprisen dieser Tempounterschiede zeigen direkt eine Wirkung: Vreneli trabt schwungvoller, im Takt, mehr durch den Körper. „Für die Traversalen ist es ganz wichtig, diesen guten schwungvollen Grundtrab mit in den versammelten Trab nehmen zu können“, erklärt Jil Becks Charlotte in einer der für jede Trainingseinheit so wertvollen Schrittpausen. Dass dies selbstverständlicher für Charlotte und ihre Stute wird – eine der Hausaufgaben für die Winterarbeit.

Weiter geht es mit Übergängen zwischen zwei Gangarten. Auch der Galopp kommt nun dazu. „Im Trab finde ich es bei der Stute wichtig, ein eher gemäßigtes Grundtempo zu wählen, damit sie so gut wie möglich zum Schwingen kommt. Den Arbeitsgalopp würde ich hingegen etwas mehr im Vorwärts anlegen in der Lösungsphase“, erklärt Jil Becks. Auf diese Weise kann Charlotte den Durchsprung der Stute besser erhalten. Korrekte Trab-Galopp- Übergänge helfen dabei, die Stute noch mehr aufs Hinterbein zu setzen.

„Ich nenne das immer die lösende Arbeitsphase. Man arbeitet das Pferd schon leicht, aber verbessert es noch, bevor es an die richtige Arbeitsphase geht“, so Jil Becks.

TIPP 3

„Den Motor ölen“

TRAININGSEFFEKT: Gezielt die Hinterhand beweglich machen

Man sagt ja immer, die Hinterhand sei der Motor des Pferdes. Das ist auch bei Vreneli so. Allerdings läuft der „Motor“ der Stute noch nicht so „geschmeidig“, wie er könnte. Das ist in den ersten Ansätzen der Trabtraversale von Charlotte und Vreneli zu sehen. „Vor allem auf der rechten Hand ist die Hinterhand von Vreneli noch nicht gymnastiziert genug“, gibt Jil Becks zu bedenken. Was da hilft? Korrekt gerittene Seitengänge! „Bevor ich großartig Traversalen reite, würde ich eher viel Travers reiten, um die Hinterhand zu gymnastizieren und die Stute für die diagonale Hilfen gebung zu sensibilisieren.“ In Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, belastet Charlotte den inneren Gesäßknochen und führt die Hinterhand von Vreneli über den äußeren Schenkel ins Bahninnere. Die Vorhand bleibt auf dem Hufschlag. Mit dem inneren Schenkel treibt Charlotte dabei weiter am Gurt und stellt die Stute am inneren Zügel, während sie außen begrenzt. Die Hinterhand von Vreneli wird so effektiv gymnastiziert.

TIPP 4

Qualität vor Quantität

TRAININGSEFFEKT: Das eigene Gefühl und die Konsequenz schulen

Natürlich braucht es Wiederholungen, um die Traversalen der Stute und die Hilfengebung ihrer Reiterin zu verbessern. Allerdings weiß Jil Becks aus Erfahrung: Es nützt nichts, irgendwie eine Traversale durch die ganze Bahn zu fordern, wenn dabei zum Beispiel Takt und Schwung verloren gehen oder sich die Stute in der Ganasche verkantet. „Reite dann sofort eine Volte, in der du dein Pferd wieder aufs Hinterbein holen und im Genick lösen kannst!“, so die 24-Jährige. Gesagt, getan – direkt aus der Volte heraus fällt es Charlotte leichter, Stellung und Biegung „mitzunehmen“ in die Traversale – und sie wendet aus dieser prompt wieder in eine Volte ab, wenn der Fluss verloren zu gehen droht.

TIPP 5:

Schwächen Beachtung schenken

TRAININGSEFFEKT: Psychische Losgelassenheit von Reiter und Pferd fördern

Eine Schwachstelle der Stute ist die Variabilität der Kopf-Hals-Haltung. Auch im dritten Training fällt es ihr noch etwas schwer, sich in Dehnungshaltung vorwärts-abwärts an die Hand von Charlotte heranzudehnen, ohne sich auf ihr abzustützen. Aufgeben ist aber keine Option! Denn Jil erklärt: „Vorwärts-abwärts trainiert auch das Loslassen wunderbar“, und zwar nicht nur das des Körpers, sondern auch das des Kopfes der Stute. „Sie muss dabei bei dir bleiben, trotz längerem Zügel, und darf nicht auf der Flucht sein!“ Das gelingt durch immer wieder leichte Paraden am äußeren Zügel. Im dritten Training klappt das schon deutlich besser.

Fazit

Mit einem zufriedenen Lächeln steigt Charlotte nach dem dritten und letzten Training bei Jil Becks aus dem Sattel von Vreneli. Ihr Resümee: „Ich habe Vreneli durch die Tipps von Jil wirklich noch besser an den Sitz bekommen. Die Trainings haben mir so geholfen, dass ich auch daheim beim Reiten mehr gemerkt habe, wie ich doch oft am inneren Zügel etwas hängen geblieben bin.“

Den Schwung im Trab mit weniger Aufwand erhalten zu können, daran wird Charlotte über den Winter mit ihrer Heimtrainerin arbeiten. Jil Becks betont: „Wenn Stellung, Biegung und die versammelnde Arbeit selbstverständlicher werden, also ohne zu hohen Aufwand betreiben zu müssen, dann kommt der Rest von ganz alleine!“ Turniere sind für Charlotte und ihre Vitalis-Stute in diesem Jahr keine mehr geplant. Charlottes Ziel: Nächstes Jahr auf L**-Niveau ankommen und den Sprung zu Klasse M schaffen!

Pikeur Talents Club

Vier glückliche St.GEORG-Leser durften bei Pikeur-Reitern jeweils drei Trainingseinheiten absolvieren – inklusive Trainingsplan und Zielsetzungen für die Zukunft, das Ganze im neuen Outfit für Reiter und Pferd von Pikeur und Eskadron. Für die Aktion konnten sich deutschlandweit talentierte U25- Reiter aus den Sparten Dressur und Springen bewerben.

Wissbegierige aufgepasst! Wer noch mehr vom Training bei Jil erfahren will, der sollte einen Blick auf unseren YouTube- Kanal werfen. Einfach den QR-Code scannen!

Autorin

Gloria Lucie Alter

Wieder mal wurde mir beim Zuschauen dieser Trainingseinheiten vor Augen geführt, dass die korrekte Basis das A und O für alles Folgende ist.