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Geschwister im Geiste


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promobil - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 13.12.2022

REISEMOBILE & PLATTFORMEN

Fotos: Bartosch, Großhans, Kohstall, Kovacs-Vass, Pompe, Vierneisel, Hersteller Die Idee, unterschiedliche Fahrzeugmodelle auf einer einheitlichen Plattform zu bauen, ist nicht neu. Ende der 1990er Jahre entwickelte etwa VW eine Plattform für den Golf IV, die nachfolgend auch für einige andere Pkw-Modelle eingesetzt wurde – Bora, New Beetle, Skoda Octavia, Seat Leon und Toledo, Audi A3 und TT. Aktuell nutzen die Wolfsburger den „Modularen Querbaukasten“ von 2012, bei dem es sich um einen Unterbau handelt, der vom Kleinwagen bis zum Minibus beinahe sämtliche Fahrzeuggattungen abdeckt. Mehr als 32 Millionen Fahrzeuge wurden bisher auf Basis des flexiblen Systems gefertigt. Die Unternehmen setzen selbstredend auf diese Strategie, um Synergien zu nutzen und Kosten zu minimieren, die bei der Fahrzeugkonstruktion und -produktion anfallen. Wer weniger unterschiedliche ...

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Fotos: Bartosch, Großhans, Kohstall, Kovacs-Vass, Pompe, Vierneisel, Hersteller Die Idee, unterschiedliche Fahrzeugmodelle auf einer einheitlichen Plattform zu bauen, ist nicht neu. Ende der 1990er Jahre entwickelte etwa VW eine Plattform für den Golf IV, die nachfolgend auch für einige andere Pkw-Modelle eingesetzt wurde – Bora, New Beetle, Skoda Octavia, Seat Leon und Toledo, Audi A3 und TT. Aktuell nutzen die Wolfsburger den „Modularen Querbaukasten“ von 2012, bei dem es sich um einen Unterbau handelt, der vom Kleinwagen bis zum Minibus beinahe sämtliche Fahrzeuggattungen abdeckt. Mehr als 32 Millionen Fahrzeuge wurden bisher auf Basis des flexiblen Systems gefertigt. Die Unternehmen setzen selbstredend auf diese Strategie, um Synergien zu nutzen und Kosten zu minimieren, die bei der Fahrzeugkonstruktion und -produktion anfallen. Wer weniger unterschiedliche Teile benötigt, kann Fertigungsstraßen vereinheitlichen und steigert so die Effizienz. Verschiedene Produkte laufen dann von ein und demselben Band. Auch Fiat und PSA – heute Stellantis – sind mit dieser Strategie bei den Transportern erfolgreich. Ducato, Jumper und Boxer werden schon lange gemeinsam und weitgehend baugleich produziert – inzwischen kommt auch noch der Opel Movano hinzu. Aber nicht nur bei den Basisfahrzeugen ist die Plattformstrategie interessant, sondern auch im Freizeitfahrzeugsektor, wo die Anzahl an Marken, Baureihen und Modellen extrem hoch ist. Dafür alles immer neu zu konstruieren und unabhängig zu produzieren, wäre nicht nur finanziell, sondern auch für Qualität und Entwicklungszeiten nachteilig. Längst verfolgen daher große Herstellergruppen, wie die Erwin Hymer Group (EHG), die Pössl-Gruppe oder der französische Trigano-Konzern, mit ihren vielen Marken und Modellen die Plattformstrategie – wenn auch von Fall zu Fall in ganz unterschiedlichem Maß. Doch welchen Einfluss hat das auf die Modellauswahl? Gibt es überhaupt noch echte Unterschiede oder wird inzwischen alles mehr und mehr gleich? Als Vorreiter dieser Taktik kann im Reisemobilbereich die Trigano-Gruppe mit den Marken Chausson und Challenger gelten. Als Chausson im Jahr 1980 sein erstes Reisemobil – einen ausgebauten Kastenwagen auf Peugeot J9 – vorstellte, wollte man die bis dato exklusi- ve Urlaubsform einem breiteren Publikum zugänglich machen. Ein Gedanke, den der damals neue Geschäftsführer von Trigano, François Feuillet, teilte. 1985 gründete man schließlich die Einsteiger-Marke Challenger. Deren Fahrzeuge ließ man von Chausson im französischen Tournon bauen. Credo und Werbeslogan war die „Demokratisierung des Reisemobils“.Im sächsischen Neustadt bei Capron werden die Carado- und Sunlight-Modelle gebaut. Als Trigano Mitte 1994 Chausson übernahm, wurden die Unterschiede zwischen den Modellen noch kleiner. Trigano betreibt bei den Marken das sogenannte Badge-Engineering – ein bekanntes Konzept aus der Automobilbranche. Beschrieben wird damit die Strategie, einfach unterschiedliche Markenembleme auf das gleiche Produkt zu kleben. Eine etwas ironische Bezeichnung für vermeintliche Ingenieursleistungen (Engineering). So ist das Modellprogramm von Challenger und Chausson heute – bis auf die Außen- und Polsterdekors – identisch.CHALLENGER 240 Die beiden Teilintegrierten haben eine ungewöhnliche Aufteilung. Im Heck wartet ein raumhoher Stauraum ... CHAUSSON 660 ... der auch per Außentür zugänglichen ist. Geschlafen wird im Hubbett über der Sitzgruppe. TRIGANO-ZWILLINGE Die Schwestermarken sind bekannt für Modelle mit teils sehr ungewöhnlichen Raumlösungen. Der spektakuläre Grundriss mit Queens-Hubbett und darunterliegendem Doppelwaschbecken ging zwar nicht in Serie, aber auch die hier gezeigten Modellzwillinge sind einmalig auf dem Markt. Sie verfügen über eine zweite Eingangstür, links hinten, die in den raumhohen Heckstauraum führt – gedacht auch als Schmutzschleuse, wenn man vom Gassigehen oder der Mountainbiketour zurückkommt. Im Wohnraum ermöglicht das Hubbett, eine großzügige Sitzgruppe mit flexiblen Hockern unterzubringen. Die Modelle beider Marken unterscheiden sich lediglich in den Dekors; Ausstattung und Preise sind identisch.EURA MOBIL V 635 HBWährend sich Grundriss, Schwenkwandbad und Möbelstruktur weitgehend gleichen ... MOBILVETTA ADMIRAL K 6.5 ... sind die Oberflächen und Dekors ganz unterschiedlich gestaltet, teils aber auch die Schränke und Funktionen. GEHOBENE BUSSE Beide Hersteller lassen ihre Campingbusse in Süditalien in einem neuen Werk der Trigano-Gruppe bauen. Die Modellpalette umfasst dabei jeweils zwei Fahrzeuglängen (5,99 und 6,36 Meter) und drei Grundrisse. Die Unterschiede im Grundpreis – 70 700 Euro für den Eura Mobil V 635 EB, 74 125 Euro für den Mobilvetta Admiral K 6.5 – erklären sich teils mit Ausstattungsdifferenzen. So hat der Admiral gleich die Truma Combi 6 an Bord, während sich der Eura-Van mit der Combi 4 begnügt. Andererseits hat der Mobilvetta-Bus teils noch aufwendigere Detaillösungen wie die ausziehbare Küchenarbeitsplatte. Im Heck besitzen beide ein flexibles Hubbett, das bei Bedarf Platz macht für eine große Garage. Mittlerweile besitzt die Trigano-Gruppe mehr als 25 Reisemobilmarken – nicht alle davon werden in Deutschland vertrieben. Trotzdem sind manche Modelle unter anderem Label hierzulande erhältlich. Ein Beispiel sind die Produkte der früher auch in Deutschland erfolgreichen, italienischen Einsteigermarke McLouis. Unter der Ägide von Eura Mobil und Karmann, die ebenfalls zur Trigano-Gruppe gehören, wurde vor ein paar Jahren die Marke Forster gegründet, die nun für den hiesigen Markt angepasste Versionen der McLouis-Produkte hierzulande vertreibt. Besonders bei den ausgebauten Kastenwagen wird in der Branche viel gemeinsame Sache gemacht. Trigano betreibt mehrere Kastenwagenwerke, unter anderem zwei im süditalienischen Atessa. In einem werden die Campingbusse für Chausson, Challenger, CI, Roller Team, Forster, McLouis und Karmann Mobil gebaut. Am zweiten, neueren Standort entstehen gehobenere Ausbauvarianten wie etwa der Eura Mobil Van und der Mobilvetta Admiral. Klar, dass die Fahrzeugen da manche Gemeinsamkeiten haben.ADRIA MOBIL COMPACT SL Adrias Möbelbau ist aufwendiger: mehr Lichtschalter, hochwertige Schränke, komfortablere Polster. SUN LIVING C65SL Im Vergleich zum Compact SL ist beim C 65 SL alles ein bisschen spartanischer ausgeführt. IN SLOWENIEN GEBAUT Sun Living bedient als günstige Tochtermarke von Adria vor allem das Einsteigersegment. Die Modelle nutzen bei den Grundrissen und vielen Lösungen aber bewährte Konstruktionen der Muttermarke. Die Dekore, Detailausführungen und Ausstattungen differieren da- gegen teils deutlich, zumal bei Adria – je nach Modell – bis zu vier verschiedene Linien wählbar sind. Wer die höchste Stufe kauft, zahlt bei dem, hier als Beispiel gewählten schlanken Teilintegrierten Adria Compact SL rund 21 400 Euro mehr als für das entsprechende Sun-Living-Modell C 65 SL. Technisch hat der Adria dem Sun Living einen holzfreien Boden mit GfK-Haut voraus. ITALO-QUARTETT Dass diese vier ausgebauten Kastenwagen aus einer Hand stammen, erkennt man schnell. Kein Wunder, denn Challenger, Chausson, Karmann Mobil und Roller Team lassen ihre Campingbusse gemeinsam im älteren von zwei Trigano-Werken im italienischen Atessa bauen. Beim Preis zeigen sich allerdings teils dennoch Unterschiede. Während Chausson und Challenger wie üblich identische 49 790 Euro kosten, ist der Roller Team etwas günstiger (49 751 Euro). Am teuers ten ist mit 57 600 Euro der Karmann, was unter anderem mit unterschiedlichen Ausstattungslinien zusammenhängt. In der höherpreisigen Linie – bei Karmann Lifestyle genannt – sind etwa hochwertige Rahmenfenster an Bord. Bei den anderen drei gibt es diese Aufwertungsmöglichkeit aber auch, etwa im Premium-Paket von Chausson. Zudem ist für alle vier optional ein Aufstelldach verfügbar. Als Basis dient jeweils der Fiat Ducato, entweder mit 120- oder 140-PS-Motor. In der gehobenen Linie ändern sich auch Grundrissdetails, so wandert etwa der Kühlschrank im Küchenblock von vorn nach hinten und der Tisch ist teilbar. CHALLENGER V 144 MAX An der Gleichheit der beiden Kastenwagen von Challenger und Chausson ... CHAUSSON V 594 MAX ... erkennt man das Badge-Engineering bei der Trigano-Gruppe. KARMANN DAVIS 591Die anderen beiden Campingbusse unterscheiden sich stärker ... ROLLER TEAM LIVINGSTONE 5 ... zum Beispiel durch Ausstattung, die Möbel- und Polsterdekore. Reisemobil-Zwillinge kommen allerdings nicht nur aus Italien oder Frankreich. Auch manche Modelle von Adria und der Tochtermarke Sun Living sind sich sehr ähnlich und entstehen auf gemeinsamen Produktionsbändern an zwei Standorten in Slowenien. Auch in Deutschland werden Fahrzeuge gebaut, die sich nur in wenige Details voneinander unterscheiden. In der Erwin Hymer Group erkannte man die Vorteile des Badge-Engineering, um insbesondere im Einsteigersegment preislich konkurrenzfähige Produkte anbieten zu können. Nachdem Dethleffs mit dem Günstig-Ableger Sunlight bereits Vorarbeit geleistet hatte, mündeten die gemeinsamen Überlegungen in der Gruppe in der Gründung der Produktionsfirma Capron, die im sächsischen Neustadt in einer ehemaligen Landmaschinenproduktion eine neue Fertigung aufbaute. Dort entstehen seitdem vor allem die Fahrzeuge von Carado und Sunlight. Schaut man sich die Modelle der beiden Marken an, ist deren enge Verwandtschaft unübersehbar. Größere Unterschiede gibt es dagegen im Marketing und in der Zielgruppenansprache. Während Carado eine gediegene Käuferschaft und Familien anspricht, setzt Sunlight auf Abenteuer und Er- lebnis, um junge, sportive Kunden zu gewinnen. Das Produktprogramm selbst ist nahezu identisch – aktuelle Ausnahme: der Allrad-Campingbus Cliff 4 x4 auf Ford-Transit-Basis, den es bislang nicht im Carado-Programm gibt. Eine interessante Variante der Plattformstrategie zeigt sich auch mit der später gegründeten Einsteigermarke Etrusco. Während deren Fahrzeuge in der Grundkonstruktion ebenso identisch sind mit den Produkten aus dem Capron-Werk, unterscheiden sie sich aber durch ein eigenständiges, eher südländisches Ausbaudesign. Hintergrund: Die Fahrzeuge werden in Italien, genauer in San Casciano in der Toskana, gebaut, im gleichen Werk wie die Fahrzeuge der EHG-Marke Laika. Eine besondere Rolle bei der EHG kommt dem Hersteller LMC zu. Das Traditionsunternehmen baut am Standort Sassenberg bei Warendorf in Westfalen einen Großteil der Wohnwagen für die Gruppe – nicht nur die eigenen Caravans, sondern auch für Bürstner und Dethleffs. Hinzu kommen neben den eigenen Reisemobilen auch einzelne Modelle für Bürstner und Sunlight. Nach der EHG-Verkündung einer strategischen Partnerschaft mit Basisfahrzeughersteller Ford Anfang 2022 zeigte sich exemplarisch, wie schnell einzelne Marken durch die Gruppensynergien daraus Produkte für die eigene Palette entwickeln konnten. Etrusco präsentierte bald darauf den CV 600 DF, Bürstner den Lineo C 590 und LMC den Innovan 590 – jeweils Ausbauten des Sechs-Meter-Transit mit Querbett und manchen Ähnlichkeiten, aber auch markenspezifischen Unterschieden. BÜRSTNER LINEO C 590 Die edlen Oberflächen und die abgesteppten Polster machen den Innenraum des Lineo gemütlicher als im ... ETRUSCO CV 600 DF ... Etrusco. Dessen eher rudimentäre Ausstattung zeigt sich u. a. beim serienmäßig einfachen Tisch. LMC INNOVAN 590 Bis auf Dekorfarben gleicht das LMC-Bad dem im Etrusco. DIE FIAT-ALTERNATIV-BUSSEFünf Marken der Erwin Hymer Group präsentierten dieses Jahr ihre ersten Ausbauten des Ford Transit – hier sind drei davon. Mit 49 999 Euro ist der Etrusco besonders günstig. Trotz gleichem Grundriss zeigen sich im Detail Parallelen und Unterschiede. Beispielsweise finden sich im Bad die gleichen Wandverkleidungen und Schrankstrukturen. Der Bürstner-Waschtisch ist aber anders gestaltet als die fast identischen Exemplare von Etrusco und LMC. Generell ist der Bürstner besser ausgestattet und kostet auch mehr.Nicht nur innerhalb einzelner Herstellergruppen wird die Plattformstrategie genutzt. Es gibt auch Beispiele für kooperative Produktionen mit einheitlicher Plattform über die Gruppengrenzen hinweg – etwa zwischen der EHG und der Pössl-Gruppe. Bis vor ein paar Jahren entstanden die Fahrzeuge der Pössl-Günstigmarke Roadcar im Capron-Werk in Sachsen. Und am Dethleffs-Standort in Isny, wo seit vielen Jahren ein mehr oder weniger großer Teil der Pössl-Produkte entsteht, wird parallel zum Aufstelldach-Campingbus Campster ein Schwestermodell für die eigens dafür gegründete EHG-Marke Crosscamp gebaut. Inzwischen gibt es keine Gruppe mehr, die nicht mit der Plattformstrategie in der ein oder anderen Ausprägung arbeitet. Bei Carthago schauen sich Modelle der Tochtermarke Malibu manches von der C-Tourer-Baureihe ab. Grundrisse und Baugruppen wie bestimmte Badvarianten von Knaus finden sich auch bei Weinsberg wieder. Ähnliche Synergien nutzen auch die Schwestermarken Rapido, Itineo und Giottiline oder Pilote, Mooveo und Frankia/Yucon. ........................................ Philip Teleu CARADO A 464 Die hellen, zweifarbigen Oberflächen sind typisch für das Carado-Design. ETRUSCO A 7300 DB Etrusco gestaltete den Ausbau mit dunkleren Tönen und wenig Holzdekor. SUNLIGHT A 70 Der Sunlight-Stil ist nahe beim Carado, aber mit mehr Weiß. NASENBÄREN-TRIO Bis auf wenige Ausnahmen ist das Modellangebot der drei Marken identisch. Bei den Alkoven bedeutet das etwa, dass Carado und Sunlight drei Grundrisse anbieten, bei Etrusco aber nur zwei davon verfügbar sind. Generell gleichen sich Carado und Sunlight relativ stark, während Etrusco mehr eigene Wege geht, etwa beim Möbeldesign. Das gilt übrigens auch für die Produktionsstätte: Carado und Sunlight werden im sächsischen Neustadt gebaut, die Etrusco-Fahrzeuge entstehen im Laika-Werk in der Toskana. So ergeben sich auch kleinere Preisunterschiede, der Etrusco A 7300 DB kostet 250 Euro mehr als die anderen beiden. GLOBECAR ROADSCOUT R PÖSSL ROADCAMP R Der Ausbau des etwas teureren Globecar ist hochwertiger gestaltet und teils auch besser ausgestattet. Etwas schlichter kommt der Pössl Roadcamp R daher. Die Ausstattungsunterschiede lassen sich gegen Aufpreis angleichen. BUS-CONNECTION Zwei Marken, zwei Händlernetze, insgesamt mehr Verkäufe. Auf Basis dieser Vertriebslogik sind schon manche Parallelmarken entstanden, so auch Globecar als Schwester des Campingbus-Pioniers Pössl. Waren die Modelle anfangs bis auf die Dekors völlig identisch, finden sich heute deutlichere Unterschiede. Ein Beispiel für zwei Parallelmodelle mit gleichem Grundriss sind etwa der Globecar Roadscout R und der Pössl Roadcamp R. Beide Camper besitzen ein schmales Heckquerbett, davor liegt das flexible Raumbad und gegenüber die Küchenzeile. Der Wohnraum besteht aus einer Halbdinette und den Fahrerhaussitzen. Beim Basisfahrzeug haben Kunden jeweils die Wahl zwischen Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer. Preislich liegen zwischen dem Globecar und dem Pössl in der Grundausstattung maximal 3600 Euro, je nach Motorisierung. Dabei zeigt sich der Globecar etwas gediegener gestaltet, bringt serienmäßig auch schon Rahmenfenster mit, die man im Pössl optional statt der vorgehängten Serienfenster bekommt. Ansonsten ist die Technik weitgehend identisch. VANLINE CAMPSTER Bei Campster und Crosscamp zeigt sich die Plattformstrategie sowohl beim Basisfahrzeug wie auch ... CROSSCAMP ... beim Ausbau. Die Unterschiede sind rein optischer Natur – etwa beim Kühlergrill oder beim Möbeldekor. KOMPAKTES AUS ISNY Es ist schon ein paar Jahre her, als Pössl erstmals mit dem Campster bei den Kompakt-Campern mit Aufstelldach eingestiegen ist. Aus dem Citroën-Spacetourer-Ausbau ist inzwischen eine kleine Produktfamilie entstanden, mit Mercedes-V-Klasse und Vito als Basisalternative, die in der Tochtermarke „Vanline“ zusammengefasst wurden. Die wachsenden Verkäufe in diesem Segment ließen auch die Erwin Hymer Group hellhörig werden. Da der Pössl Campster bei Dethleffs in Isny gebaut wird, lag es nahe, das Fahrzeug auch unter einem eigenen, neuen Label zu vermarkten. Dafür gründete die EHG eigens die Marke Crosscamp, mit zunächst einem Modell, das sich vom Campster nur durch ein eigenes Möbeldekor unterscheidet. Als Grundlage dient hier ein Toyota Pro-Ace oder Opel Zafira, die wiederum Geschwister des Citroën Spacetourer sind. Also . Plattformstrategie bei Basis und AusbauAULENDORFER-PAAR Auch beim Oberklassehersteller Carthago hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine etwas günstiger angesiedelte Tochtermarke sinnvoll ist. Malibu soll ein eher jüngeres Publikum ansprechen und hat dafür auch ausgebaute Kastenwagen im Programm, die es bei der Muttermarke nicht gibt. Die Teil- und Vollintegrierten sind dagegen eng verwandt mit der günstigsten Carthago-Baureihe, dem C-Tourer. Der hochwertige, holzfreie Aufbau mit an den Dachkanten elegant umgebogenen Seitenwänden ist bei beiden identisch konstruiert. Allerdings findet sich nur beim C-Tourer auch Aluminium auf der Innenseite. Beim Doppelboden hat der Malibu inzwischen zur Carthago-Variante aufgeschlossen und bietet ebenfalls einen Keller mit Außenzugängen, dieser ist aber etwas flacher. Das liegt an unterschiedlichen Fahrgestellvarianten – beim Carthago ein Alko-Tiefrahmen, beim Malibu der Fiat-Flachrahmen. Die Grundpreise liegen bei 108 430 Euro für den Carthago, der Malibu kostet 95 330 Euro. CARTHAGO C-TOURER I 141 LE Die einfarbigen Dachschrankklappen im Carthago wölben sich leicht nach außen. Im Malibu sind sie ... MALIBU I 441 LE ... zweifarbig und nach innen gewölbt. Weitere Unterschiede gibt es bei Polsterfarben und Dekors. MOOVEO VAN 63 XL Die Innenräume der drei Kastenwagen mit Superhochdach sind bis auf die Farbgebung gleich. PILOTE V 633 M Insgesamt heller als beim Mooveo ist der Pilote eingerichtet. Die Ausstattung ist etwas einfacher. YUCON 63 H Auch die Frankia-Submarke Yucon bedient sich bei der französischen Mutter. PILOTE-PROJEKT Die Liste der identischen Grundrisse bei Mooveo und Pilote ist lang, denn sie bezieht sich auf drei Aufbauformen und insgesamt 13 Modelle. Sechs Teilintegrierte, fünf Campingbusse und zwei Integrierte sind hier sehr eng verwandt. Bei den ausgebauten Kastenwagen kommen dazu noch zwei Modelle von Yucon, der jungen Tochtermarke von Frankia. Eines davon ist der Yucon 63 H, dessen Mooveo-Pendant Van 63 XL heißt und bei Pilote V 633 M. Das Superhochdach des Citroën Jumper oder Fiat Ducato bringt den Fahrzeugen eine luftige Stehhöhe, die selbst im Heck unter dem Hubbett noch 1,92 Meter erreicht. Auch in Schlafposition bleibt darunter noch ein fahrradtauglicher Stauraum, zum Erklettern der Liegefläche ist dann aber eine Leiter nötig. Im Bad macht eine verschiebbare Toilette Platz zum Duschen. Die gegenüberliegende Küchenzeile sowie die Halbdinette vorn komplettieren den Innenraum. Mit 75 190 Euro liegt der besser ausgestattete Mooveo Van ein Stück über dem Grundpreis des Pilote (72 700 Euro) und des Yucon (72 800 Euro). Gebaut werden die Kastenwagen bei Pilote im französischen La Membrolle-sur-Longuenée, Nähe Angers.TOURER VAN 500 MQ Von außen unterscheiden sich die Modelle (Beklebung und Farbe). Im Innenraum setzen die Marken ... X-CURSION 500 MQ ... mit verschiedenen Holztönen und unterschiedlicher Kontur bei den Möbeln eigene Akzente. AUFGEBAUT AUF VW Die Knaus-Tabbert-Gruppe baut die Kooperation mit Volkswagen weiter aus. Aktuelles Beispiel sind die Teilintegrierten, die auf dem VW-Bus T6.1 aufbauen. Beide Marken bieten die zwei gleichen Grundrisse an (mit Heckquerbett oder Dachbett über der Sitzgruppe). Zudem offerieren die Hersteller ihre Reisemobile jeweils mit einem optionalen Hochdach. Der Grundpreis für den Tourer Van liegt bei 65 990 Euro, 1000 Euro weniger sind es beim Weinsberg-VW. Das Konzept und der Möbelbau beider Modelle sind grundrissübergreifend gleich. BAD-VERWANDTE Keine identischen Modelle, aber doch gleich konstruierte Baugruppen finden sich bei den Integrierten der französischen Marke Rapido und ihrer Tochtermarke Itineo. Durch unterschiedliche Farben, Dekore und Komponenten wie etwa das Waschbecken fällt es kaum auf, aber die Schwenkwandkonstruktion sowie die Schränke und Verkleidungsteile sind im Grunde gleichartig konstruiert. Und das, obwohl sich die Modelle Itineo CS 660 und Rapido 854 F ansonsten im Grundriss, in der Länge und in vielem anderen total unterscheiden. So können aber wenigstens in Teilbereichen Synergien genutzt und Kosten gespart werden. ITINEO CS660 Unterschiedliche Dekore und Komponenten zeigen die Verwandtschaft zum Rapido-Bad erst auf den zweiten Blick. RAPIDO 854F Das Bad im kostspieligeren Rapido kann sich durch ein eleganteres Waschbecken und eine hochwertigere Armatur hervortun. GIOTTILINE SIENA 330 Aufbau und Bordtechnik der Teilintegrierten sind genauso identisch wie die Grundrisse. LÄNDER-SPIELE Nach der Übernahme des italienischen Herstellers Giottiline durch die französische Rapido-Gruppe zeigt sich die länderübergreifende Zusammenarbeit inzwischen auch konkret im Produktbereich. Die Marke aus der Toskana ist vor allem bei den Teilintegrierten stark, während die französische Marke Itineo den Fokus fast ausschließlich auf günstige Integrierte legt. Um hier auch Teilintegrierte mit ins Portfolio aufnehmen zu können, liegt es eigentlich nahe, sich einfach von der „eingeheirateten italienischen Verwandtschaft“ ein paar Modelle mitbauen zu lassen – im Interieur farblich angepasst an die integrierten Itineo. Drei Modelle der Giottiline-Siena-Baureihe tauchen deshalb inzwischen auch im Itineo-Programm auf. Weitgehend baugleich sind beispielsweise die kompakten Modelle Siena 330 und Itineo PF 600 (beide 5,99 Meter) mit französischem Bett. Auch Aufbau und Bordtechnik sind identisch. ITINEO PF 600 Unterschiede zeigen sich praktisch nur in den Farben und Dekors von Polstern und Möbeloberflächen. HYMER B-ML I & BÜRSTNER ELEGANCE Bequem erreichbare Doppelbodenfächer bei den beiden Tandemachs-Integrierten. CHASSIS FÜR ZWEI Anfang 2018 stellte Hymer das Superlight-Chassis (SLC) vor, das zusammen mit Alko entwickelt wurde. Mittlerweile baut man es in der eigenen Fertigung in Bad Waldsee. Es kommt aber nicht nur in der Hymer-Palette zum Einsatz, auch Bürstner darf es nutzen für seine Top-Integrierten-Baureihe Elegance. Beide Marken profitieren damit von dieser intelligenten Konstruktion, die das Fahrwerk und den 36 Zentimeter hohen Doppelboden, in dem die Bordtechnik und mehrere Staufächer unterkommen, sehr geschickt miteinander kombiniert. KOMMENTAR GLEICHES HAT AUCH VORTEILE Philip Teleu Die Sorge, dass nur Einheitsbrei entsteht, wenn Modelle verschiedener Marken vom gleichen Band laufen, ist nur teilweise begründet. Zwar sind die Unterschiede zwischen Schwesterprodukten besonders im Einsteigerbereich tatsächlich oftmals nur marginal. Doch wenn dadurch günstige Preise und eine höhere Fertigungsqualität ent- stehen, freut das doch den Käufer. Auch wenn sich dadurch ein dichteres Händlernetz aufbauen lässt, ist das für den Kunden vorteilhaft. Gleiches gilt für technische Entwicklungen innerhalb der Gruppe, die sich die Einzelmarke nie leisten könnte. Wichtig bleibt dabei aber, dass jede Marke einen eigenen Charakter behält, denn neben rationalen spielen auch emotionale Faktoren beim Kauf eine Rolle.

Die Idee, unterschiedliche Fahrzeugmodelle auf einer einheitlichen Plattform zu bauen, ist nicht neu. Ende der 1990er Jahre entwickelte etwa VW eine Plattform für den Golf IV, die nachfolgend auch für einige andere Pkw-Modelle eingesetzt wurde – Bora, New Beetle, Skoda Octavia, Seat Leon und Toledo, Audi A3 und TT. Aktuell nutzen die Wolfsburger den „Modularen Querbaukasten“ von 2012, bei dem es sich um einen Unterbau handelt, der vom Kleinwagen bis zum Minibus beinahe sämtliche Fahrzeuggattungen abdeckt. Mehr als 32 Millionen Fahrzeuge wurden bisher auf Basis des flexiblen Systems gefertigt.

Die Unternehmen setzen selbstredend auf diese Strategie, um Synergien zu nutzen und Kosten zu minimieren, die bei der Fahrzeugkonstruktion und -produktion anfallen. Wer weniger unterschiedliche Teile benötigt, kann Fertigungsstraßen vereinheitlichen und steigert so die Effizienz. Verschiedene Produkte laufen dann von ein und demselben Band.

Auch Fiat und PSA – heute Stellantis – sind mit dieser Strategie bei den Transportern erfolgreich. Ducato, Jumper und Boxer werden schon lange gemeinsam und weitgehend baugleich produziert – inzwischen kommt auch noch der Opel Movano hinzu. Aber nicht nur bei den Basisfahrzeugen ist die Plattformstrategie interessant, sondern auch im Freizeitfahrzeugsektor, wo die Anzahl an Marken, Baureihen und Modellen extrem hoch ist. Dafür alles immer neu zu konstruieren und unabhängig zu produzieren, wäre nicht nur finanziell, sondern auch für Qualität und Entwicklungszeiten nachteilig.

Längst verfolgen daher große Herstellergruppen, wie die Erwin Hymer Group (EHG), die Pössl-Gruppe oder der französische Trigano-Konzern, mit ihren vielen Marken und Modellen die Plattformstrategie – wenn auch von Fall zu Fall in ganz unterschiedlichem Maß. Doch welchen Einfluss hat das auf die Modellauswahl? Gibt es überhaupt noch echte Unterschiede oder wird inzwischen alles mehr und mehr gleich?

Als Vorreiter dieser Taktik kann im Reisemobilbereich die Trigano-Gruppe mit den Marken Chausson und Challenger gelten. Als Chausson im Jahr 1980 sein erstes Reisemobil – einen ausgebauten Kastenwagen auf Peugeot J9 – vorstellte, wollte man die bis dato exklusi- ve Urlaubsform einem breiteren Publikum zugänglich machen. Ein Gedanke, den der damals neue Geschäftsführer von Trigano, François Feuillet, teilte. 1985 gründete man schließlich die Einsteiger-Marke Challenger. Deren Fahrzeuge ließ man von Chausson im französischen Tournon bauen. Credo und Werbeslogan war die „Demokratisierung des Reisemobils“.

Als Trigano Mitte 1994 Chausson übernahm, wurden die Unterschiede zwischen den Modellen noch kleiner. Trigano betreibt bei den Marken das sogenannte Badge-Engineering – ein bekanntes Konzept aus der Automobilbranche. Beschrieben wird damit die Strategie, einfach unterschiedliche Markenembleme auf das gleiche Produkt zu kleben. Eine etwas ironische Bezeichnung für vermeintliche Ingenieursleistungen (Engineering). So ist das Modellprogramm von Challenger und Chausson heute – bis auf die Außen- und Polsterdekors – identisch.

CHALLENGER 240

CHAUSSON 660

TRIGANO-ZWILLINGE

Die Schwestermarken sind bekannt für Modelle mit teils sehr ungewöhnlichen Raumlösungen. Der spektakuläre Grundriss mit Queens-Hubbett und darunterliegendem Doppelwaschbecken ging zwar nicht in Serie, aber auch die hier gezeigten Modellzwillinge sind einmalig auf dem Markt. Sie verfügen über eine zweite Eingangstür, links hinten, die in den raumhohen Heckstauraum führt – gedacht auch als Schmutzschleuse, wenn man vom Gassigehen oder der Mountainbiketour zurückkommt. Im Wohnraum ermöglicht das Hubbett, eine großzügige Sitzgruppe mit flexiblen Hockern unterzubringen. Die Modelle beider Marken unterscheiden sich lediglich in den Dekors; Ausstattung und Preise sind identisch.

EURA MOBIL V 635 HB

MOBILVETTA ADMIRAL K 6.5

GEHOBENE BUSSE

Beide Hersteller lassen ihre Campingbusse in Süditalien in einem neuen Werk der Trigano-Gruppe bauen. Die Modellpalette umfasst dabei jeweils zwei Fahrzeuglängen (5,99 und 6,36 Meter) und drei Grundrisse. Die Unterschiede im Grundpreis – 70 700 Euro für den Eura Mobil V 635 EB, 74 125 Euro für den Mobilvetta Admiral K 6.5 – erklären sich teils mit Ausstattungsdifferenzen. So hat der Admiral gleich die Truma Combi 6 an Bord, während sich der Eura-Van mit der Combi 4 begnügt. Andererseits hat der Mobilvetta-Bus teils noch aufwendigere Detaillösungen wie die ausziehbare Küchenarbeitsplatte. Im Heck besitzen beide ein flexibles Hubbett, das bei Bedarf Platz macht für eine große Garage.

Mittlerweile besitzt die Trigano-Gruppe mehr als 25 Reisemobilmarken – nicht alle davon werden in Deutschland vertrieben. Trotzdem sind manche Modelle unter anderem Label hierzulande erhältlich. Ein Beispiel sind die Produkte der früher auch in Deutschland erfolgreichen, italienischen Einsteigermarke McLouis. Unter der Ägide von Eura Mobil und Karmann, die ebenfalls zur Trigano-Gruppe gehören, wurde vor ein paar Jahren die Marke Forster gegründet, die nun für den hiesigen Markt angepasste Versionen der McLouis-Produkte hierzulande vertreibt.

Besonders bei den ausgebauten Kastenwagen wird in der Branche viel gemeinsame Sache gemacht. Trigano betreibt mehrere Kastenwagenwerke, unter anderem zwei im süditalienischen Atessa. In einem werden die Campingbusse für Chausson, Challenger, CI, Roller Team, Forster, McLouis und Karmann Mobil gebaut. Am zweiten, neueren Standort entstehen gehobenere Ausbauvarianten wie etwa der Eura Mobil Van und der Mobilvetta Admiral. Klar, dass die Fahrzeugen da manche Gemeinsamkeiten haben.

ADRIA MOBIL COMPACT SL

SUN LIVING C65SL

IN SLOWENIEN GEBAUT

Sun Living bedient als günstige Tochtermarke von Adria vor allem das Einsteigersegment. Die Modelle nutzen bei den Grundrissen und vielen Lösungen aber bewährte Konstruktionen der Muttermarke. Die Dekore, Detailausführungen und Ausstattungen differieren da- gegen teils deutlich, zumal bei Adria – je nach Modell – bis zu vier verschiedene Linien wählbar sind. Wer die höchste Stufe kauft, zahlt bei dem, hier als Beispiel gewählten schlanken Teilintegrierten Adria Compact SL rund 21 400 Euro mehr als für das entsprechende Sun-Living-Modell C 65 SL. Technisch hat der Adria dem Sun Living einen holzfreien Boden mit GfK-Haut voraus.

ITALO-QUARTETT

Dass diese vier ausgebauten Kastenwagen aus einer Hand stammen, erkennt man schnell. Kein Wunder, denn Challenger, Chausson, Karmann Mobil und Roller Team lassen ihre Campingbusse gemeinsam im älteren von zwei Trigano-Werken im italienischen Atessa bauen. Beim Preis zeigen sich allerdings teils dennoch Unterschiede. Während Chausson und Challenger wie üblich identische 49 790 Euro kosten, ist der Roller Team etwas günstiger (49 751 Euro). Am teuers ten ist mit 57 600 Euro der Karmann, was unter anderem mit unterschiedlichen Ausstattungslinien zusammenhängt. In der höherpreisigen Linie – bei Karmann Lifestyle genannt – sind etwa hochwertige Rahmenfenster an Bord. Bei den anderen drei gibt es diese Aufwertungsmöglichkeit aber auch, etwa im Premium-Paket von Chausson. Zudem ist für alle vier optional ein Aufstelldach verfügbar. Als Basis dient jeweils der Fiat Ducato, entweder mit 120- oder 140-PS-Motor. In der gehobenen Linie ändern sich auch Grundrissdetails, so wandert etwa der Kühlschrank im Küchenblock von vorn nach hinten und der Tisch ist teilbar.

CHALLENGER V 144 MAX

CHAUSSON V 594 MAX

KARMANN DAVIS 591

ROLLER TEAM LIVINGSTONE 5

Reisemobil-Zwillinge kommen allerdings nicht nur aus Italien oder Frankreich. Auch manche Modelle von Adria und der Tochtermarke Sun Living sind sich sehr ähnlich und entstehen auf gemeinsamen Produktionsbändern an zwei Standorten in Slowenien. Auch in Deutschland werden Fahrzeuge gebaut, die sich nur in wenige Details voneinander unterscheiden.

In der Erwin Hymer Group erkannte man die Vorteile des Badge-Engineering, um insbesondere im Einsteigersegment preislich konkurrenzfähige Produkte anbieten zu können. Nachdem Dethleffs mit dem Günstig-Ableger Sunlight bereits Vorarbeit geleistet hatte, mündeten die gemeinsamen Überlegungen in der Gruppe in der Gründung der Produktionsfirma Capron, die im sächsischen Neustadt in einer ehemaligen Landmaschinenproduktion eine neue Fertigung aufbaute. Dort entstehen seitdem vor allem die Fahrzeuge von Carado und Sunlight.

Schaut man sich die Modelle der beiden Marken an, ist deren enge Verwandtschaft unübersehbar. Größere Unterschiede gibt es dagegen im Marketing und in der Zielgruppenansprache. Während Carado eine gediegene Käuferschaft und Familien anspricht, setzt Sunlight auf Abenteuer und Er- lebnis, um junge, sportive Kunden zu gewinnen. Das Produktprogramm selbst ist nahezu identisch – aktuelle Ausnahme: der Allrad-Campingbus Cliff 4 x4 auf Ford-Transit-Basis, den es bislang nicht im Carado-Programm gibt. Eine interessante Variante der Plattformstrategie zeigt sich auch mit der später gegründeten Einsteigermarke Etrusco. Während deren Fahrzeuge in der Grundkonstruktion ebenso identisch sind mit den Produkten aus dem Capron-Werk, unterscheiden sie sich aber durch ein eigenständiges, eher südländisches Ausbaudesign. Hintergrund: Die Fahrzeuge werden in Italien, genauer in San Casciano in der Toskana, gebaut, im gleichen Werk wie die Fahrzeuge der EHG-Marke Laika.

Eine besondere Rolle bei der EHG kommt dem Hersteller LMC zu. Das Traditionsunternehmen baut am Standort Sassenberg bei Warendorf in Westfalen einen Großteil der Wohnwagen für die Gruppe – nicht nur die eigenen Caravans, sondern auch für Bürstner und Dethleffs. Hinzu kommen neben den eigenen Reisemobilen auch einzelne Modelle für Bürstner und Sunlight.

Nach der EHG-Verkündung einer strategischen Partnerschaft mit Basisfahrzeughersteller Ford Anfang 2022 zeigte sich exemplarisch, wie schnell einzelne Marken durch die Gruppensynergien daraus Produkte für die eigene Palette entwickeln konnten. Etrusco präsentierte bald darauf den CV 600 DF, Bürstner den Lineo C 590 und LMC den Innovan 590 – jeweils Ausbauten des Sechs-Meter-Transit mit Querbett und manchen Ähnlichkeiten, aber auch markenspezifischen Unterschieden.

BÜRSTNER LINEO C 590

ETRUSCO CV 600 DF

LMC INNOVAN 590

DIE FIAT-ALTERNATIV-BUSSE

Fünf Marken der Erwin Hymer Group präsentierten dieses Jahr ihre ersten Ausbauten des Ford Transit – hier sind drei davon. Mit 49 999 Euro ist der Etrusco besonders günstig. Trotz gleichem Grundriss zeigen sich im Detail Parallelen und Unterschiede. Beispielsweise finden sich im Bad die gleichen Wandverkleidungen und Schrankstrukturen. Der Bürstner-Waschtisch ist aber anders gestaltet als die fast identischen Exemplare von Etrusco und LMC. Generell ist der Bürstner besser ausgestattet und kostet auch mehr.

Nicht nur innerhalb einzelner Herstellergruppen wird die Plattformstrategie genutzt. Es gibt auch Beispiele für kooperative Produktionen mit einheitlicher Plattform über die Gruppengrenzen hinweg – etwa zwischen der EHG und der Pössl-Gruppe. Bis vor ein paar Jahren entstanden die Fahrzeuge der Pössl-Günstigmarke Roadcar im Capron-Werk in Sachsen. Und am Dethleffs-Standort in Isny, wo seit vielen Jahren ein mehr oder weniger großer Teil der Pössl-Produkte entsteht, wird parallel zum Aufstelldach-Campingbus Campster ein Schwestermodell für die eigens dafür gegründete EHG-Marke Crosscamp gebaut.

Inzwischen gibt es keine Gruppe mehr, die nicht mit der Plattformstrategie in der ein oder anderen Ausprägung arbeitet. Bei Carthago schauen sich Modelle der Tochtermarke Malibu manches von der C-Tourer-Baureihe ab. Grundrisse und Baugruppen wie bestimmte Badvarianten von Knaus finden sich auch bei Weinsberg wieder. Ähnliche Synergien nutzen auch die Schwestermarken Rapido, Itineo und Giottiline oder Pilote, Mooveo und Frankia/Yucon. .

....................................... Philip Teleu

CARADO A 464

ETRUSCO A 7300 DB

SUNLIGHT A 70

NASENBÄREN-TRIO

Bis auf wenige Ausnahmen ist das Modellangebot der drei Marken identisch. Bei den Alkoven bedeutet das etwa, dass Carado und Sunlight drei Grundrisse anbieten, bei Etrusco aber nur zwei davon verfügbar sind. Generell gleichen sich Carado und Sunlight relativ stark, während Etrusco mehr eigene Wege geht, etwa beim Möbeldesign. Das gilt übrigens auch für die Produktionsstätte: Carado und Sunlight werden im sächsischen Neustadt gebaut, die Etrusco-Fahrzeuge entstehen im Laika-Werk in der Toskana. So ergeben sich auch kleinere Preisunterschiede, der Etrusco A 7300 DB kostet 250 Euro mehr als die anderen beiden.

GLOBECAR ROADSCOUT R

PÖSSL ROADCAMP R

BUS-CONNECTION

Zwei Marken, zwei Händlernetze, insgesamt mehr Verkäufe. Auf Basis dieser Vertriebslogik sind schon manche Parallelmarken entstanden, so auch Globecar als Schwester des Campingbus-Pioniers Pössl. Waren die Modelle anfangs bis auf die Dekors völlig identisch, finden sich heute deutlichere Unterschiede. Ein Beispiel für zwei Parallelmodelle mit gleichem Grundriss sind etwa der Globecar Roadscout R und der Pössl Roadcamp R. Beide Camper besitzen ein schmales Heckquerbett, davor liegt das flexible Raumbad und gegenüber die Küchenzeile. Der Wohnraum besteht aus einer Halbdinette und den Fahrerhaussitzen. Beim Basisfahrzeug haben Kunden jeweils die Wahl zwischen Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer. Preislich liegen zwischen dem Globecar und dem Pössl in der Grundausstattung maximal 3600 Euro, je nach Motorisierung. Dabei zeigt sich der Globecar etwas gediegener gestaltet, bringt serienmäßig auch schon Rahmenfenster mit, die man im Pössl optional statt der vorgehängten Serienfenster bekommt. Ansonsten ist die Technik weitgehend identisch.

VANLINE CAMPSTER

CROSSCAMP

KOMPAKTES AUS ISNY

Es ist schon ein paar Jahre her, als Pössl erstmals mit dem Campster bei den Kompakt-Campern mit Aufstelldach eingestiegen ist. Aus dem Citroën-Spacetourer-Ausbau ist inzwischen eine kleine Produktfamilie entstanden, mit Mercedes-V-Klasse und Vito als Basisalternative, die in der Tochtermarke „Vanline“ zusammengefasst wurden. Die wachsenden Verkäufe in diesem Segment ließen auch die Erwin Hymer Group hellhörig werden. Da der Pössl Campster bei Dethleffs in Isny gebaut wird, lag es nahe, das Fahrzeug auch unter einem eigenen, neuen Label zu vermarkten. Dafür gründete die EHG eigens die Marke Crosscamp, mit zunächst einem Modell, das sich vom Campster nur durch ein eigenes Möbeldekor unterscheidet. Als Grundlage dient hier ein Toyota Pro-Ace oder Opel Zafira, die wiederum Geschwister des Citroën Spacetourer sind. Also . Plattformstrategie bei Basis und Ausbau

AULENDORFER-PAAR

Auch beim Oberklassehersteller Carthago hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine etwas günstiger angesiedelte Tochtermarke sinnvoll ist. Malibu soll ein eher jüngeres Publikum ansprechen und hat dafür auch ausgebaute Kastenwagen im Programm, die es bei der Muttermarke nicht gibt. Die Teil- und Vollintegrierten sind dagegen eng verwandt mit der günstigsten Carthago-Baureihe, dem C-Tourer. Der hochwertige, holzfreie Aufbau mit an den Dachkanten elegant umgebogenen Seitenwänden ist bei beiden identisch konstruiert. Allerdings findet sich nur beim C-Tourer auch Aluminium auf der Innenseite. Beim Doppelboden hat der Malibu inzwischen zur Carthago-Variante aufgeschlossen und bietet ebenfalls einen Keller mit Außenzugängen, dieser ist aber etwas flacher. Das liegt an unterschiedlichen Fahrgestellvarianten – beim Carthago ein Alko-Tiefrahmen, beim Malibu der Fiat-Flachrahmen. Die Grundpreise liegen bei 108 430 Euro für den Carthago, der Malibu kostet 95 330 Euro.

CARTHAGO C-TOURER I 141 LE

MALIBU I 441 LE

MOOVEO VAN 63 XL

PILOTE V 633 M

YUCON 63 H

PILOTE-PROJEKT

Die Liste der identischen Grundrisse bei Mooveo und Pilote ist lang, denn sie bezieht sich auf drei Aufbauformen und insgesamt 13 Modelle. Sechs Teilintegrierte, fünf Campingbusse und zwei Integrierte sind hier sehr eng verwandt. Bei den ausgebauten Kastenwagen kommen dazu noch zwei Modelle von Yucon, der jungen Tochtermarke von Frankia. Eines davon ist der Yucon 63 H, dessen Mooveo-Pendant Van 63 XL heißt und bei Pilote V 633 M. Das Superhochdach des Citroën Jumper oder Fiat Ducato bringt den Fahrzeugen eine luftige Stehhöhe, die selbst im Heck unter dem Hubbett noch 1,92 Meter erreicht. Auch in Schlafposition bleibt darunter noch ein fahrradtauglicher Stauraum, zum Erklettern der Liegefläche ist dann aber eine Leiter nötig. Im Bad macht eine verschiebbare Toilette Platz zum Duschen. Die gegenüberliegende Küchenzeile sowie die Halbdinette vorn komplettieren den Innenraum. Mit 75 190 Euro liegt der besser ausgestattete Mooveo Van ein Stück über dem Grundpreis des Pilote (72 700 Euro) und des Yucon (72 800 Euro). Gebaut werden die Kastenwagen bei Pilote im französischen La Membrolle-sur-Longuenée, Nähe Angers.

TOURER VAN 500 MQ

X-CURSION 500 MQ

AUFGEBAUT AUF VW

Die Knaus-Tabbert-Gruppe baut die Kooperation mit Volkswagen weiter aus. Aktuelles Beispiel sind die Teilintegrierten, die auf dem VW-Bus T6.1 aufbauen. Beide Marken bieten die zwei gleichen Grundrisse an (mit Heckquerbett oder Dachbett über der Sitzgruppe). Zudem offerieren die Hersteller ihre Reisemobile jeweils mit einem optionalen Hochdach. Der Grundpreis für den Tourer Van liegt bei 65 990 Euro, 1000 Euro weniger sind es beim Weinsberg-VW. Das Konzept und der Möbelbau beider Modelle sind grundrissübergreifend gleich.

BAD-VERWANDTE

Keine identischen Modelle, aber doch gleich konstruierte Baugruppen finden sich bei den Integrierten der französischen Marke Rapido und ihrer Tochtermarke Itineo. Durch unterschiedliche Farben, Dekore und Komponenten wie etwa das Waschbecken fällt es kaum auf, aber die Schwenkwandkonstruktion sowie die Schränke und Verkleidungsteile sind im Grunde gleichartig konstruiert. Und das, obwohl sich die Modelle Itineo CS 660 und Rapido 854 F ansonsten im Grundriss, in der Länge und in vielem anderen total unterscheiden. So können aber wenigstens in Teilbereichen Synergien genutzt und Kosten gespart werden.

ITINEO CS660

RAPIDO 854F

GIOTTILINE SIENA 330

LÄNDER-SPIELE

Nach der Übernahme des italienischen Herstellers Giottiline durch die französische Rapido-Gruppe zeigt sich die länderübergreifende Zusammenarbeit inzwischen auch konkret im Produktbereich. Die Marke aus der Toskana ist vor allem bei den Teilintegrierten stark, während die französische Marke Itineo den Fokus fast ausschließlich auf günstige Integrierte legt. Um hier auch Teilintegrierte mit ins Portfolio aufnehmen zu können, liegt es eigentlich nahe, sich einfach von der „eingeheirateten italienischen Verwandtschaft“ ein paar Modelle mitbauen zu lassen – im Interieur farblich angepasst an die integrierten Itineo. Drei Modelle der Giottiline-Siena-Baureihe tauchen deshalb inzwischen auch im Itineo-Programm auf. Weitgehend baugleich sind beispielsweise die kompakten Modelle Siena 330 und Itineo PF 600 (beide 5,99 Meter) mit französischem Bett. Auch Aufbau und Bordtechnik sind identisch.

ITINEO PF 600

HYMER B-ML I & BÜRSTNER ELEGANCE

CHASSIS FÜR ZWEI

Anfang 2018 stellte Hymer das Superlight-Chassis (SLC) vor, das zusammen mit Alko entwickelt wurde. Mittlerweile baut man es in der eigenen Fertigung in Bad Waldsee. Es kommt aber nicht nur in der Hymer-Palette zum Einsatz, auch Bürstner darf es nutzen für seine Top-Integrierten-Baureihe Elegance. Beide Marken profitieren damit von dieser intelligenten Konstruktion, die das Fahrwerk und den 36 Zentimeter hohen Doppelboden, in dem die Bordtechnik und mehrere Staufächer unterkommen, sehr geschickt miteinander kombiniert.

KOMMENTAR GLEICHES HAT AUCH VORTEILE

Die Sorge, dass nur Einheitsbrei entsteht, wenn Modelle verschiedener Marken vom gleichen Band laufen, ist nur teilweise begründet. Zwar sind die Unterschiede zwischen Schwesterprodukten besonders im Einsteigerbereich tatsächlich oftmals nur marginal. Doch wenn dadurch günstige Preise und eine höhere Fertigungsqualität ent- stehen, freut das doch den Käufer. Auch wenn sich dadurch ein dichteres Händlernetz aufbauen lässt, ist das für den Kunden vorteilhaft. Gleiches gilt für technische Entwicklungen innerhalb der Gruppe, die sich die Einzelmarke nie leisten könnte. Wichtig bleibt dabei aber, dass jede Marke einen eigenen Charakter behält, denn neben rationalen spielen auch emotionale Faktoren beim Kauf eine Rolle.