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Gesellschafter diskutieren Umstrukturierung zur Existenzsicherung des Unternehmens: Sächsische Dampfschiffahrt pleite?


Schiffahrt Hafen Bahn und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 22.07.2019

Auf der Gesellschafterversammlung für das Geschäftsjahr 2018 am 12. Juli 2019 im Dresdner Hilton Hotel mussten die über 500 Kommanditisten der Sächsische Dampfschiffahrts-GmbH & Co. CONTI Elbschiffahrts-KG (SDS) zur Kenntnis nehmen, dass ihr Unternehmen in eine existenzbedrohende wirtschaftliche Schieflage geraten ist. Um dringend benötigtes neues Kapital akquirieren zu können, soll ein Restrukturierungskonzept mit Änderungen des Gesellschaftsvertrages umgesetzt werden. Dabei ist der Erhalt der historischen Dampferflotte als Touristenmagnet für Sachsen oberstes Gebot.


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Bildquelle: Schiffahrt Hafen Bahn und Technik, Ausgabe 5/2019

Bei Pegel Dresden 51cm „gestrandete“ ...

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... Schiffe am Kai


Eingangs bezeichnete der Vorsitzende des SDS-Verwaltungsrates, Dr. Ullrich Rothfischer, die anstehende Gesellschafterversammlung „als die wichtigste unserer Unternehmensgeschichte“ und unterstrich ebenso wie die SDS-Geschäftsführerin Karin Hildebrand, dass ein Verkauf der gesamten Flotte oder einzelner Schiffe als ausgeschlossen gilt. Vielmehr soll der Erhalt der größten und ältesten Flussdampferflotte der Welt in ihrer Gesamtheit durch Umstrukturierung des Unternehmens sowie durch die Erhöhung des Kommanditkapitals um zwei Mio. Euro gegen Bareinlage und durch Aufnahme stiller Gesellschafter ermöglicht werden, wozu Änderungen im Gesellschaftsvertrag notwendige Voraussetzung seien.

Die existenzbedrohende wirtschaftliche Schieflage entstand 2018 vor allem durch das über viele Monate anhaltende verheerende Niedrigwasser der Elbe, was zur Einschränkung und teilweisen Einstellung des Fahrbetriebes und einem Umsatzrückgang von rund 2,5 Mio. Euro führte. Zeitgleich musste das Unternehmen die neun denkmalgeschützten Seitenraddampfer mit neuen umweltfreundlicheren Hilfsdieselmotoren ausrüsten, was Beschaffungskosten und Eigenleistungen von knapp 1 Mio. Euro verursachte. Trotz flexibler Reaktionen bei Schiffseinsatz, Fahrtgebiet und Fahrplangestaltung auf die täglich wechselnden Pegelstände entstand 2018 ein Bilanzverlust von 800.000 Euro. Zum Weiterleben der SDS im ersten Halbjahr 2019 gewährte die Sächsische Aufbaubank (SAB) eine „Rettungsbeihilfe“ von knapp einer Mio. Euro, die allerdings bis September 2019 rückzahlbar ist. Dazu kommt die Mitteilung, dass die Ostsächsische Sparkasse angesichts der durch sich häufende Niedrigwasserjahre zu erwartenden schlechten Betriebsergebnisse nicht mehr bereit ist, den bisher zum Jahreswechsel im Saisongeschäft üblichen Überbrückungskredit der SDS für 2019 zu gewähren.

Um frisches Geld zu erhalten, sind sowohl eine Umstrukturierung als auch Änderungen im Gesellschaftsvertrag notwendig. Dazu wurde von SAB, SDS-Geschäftsführung und Verwaltungsrat der SDS die Burkhard Jung GmbH & Co. KG als Umstrukturierungspartner ins Boot geholt, die den Kommanditisten ein entsprechendes Konzept vorstellte. Dessen zentrale Aussage ist, dass die Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft sanierungsfähig ist. Dazu müsse das Eigenkapital zur Finanzierung „schlechter Jahre“ um zwei Mio. Euro erhöht und aus zukünftigen Gewinnen sukzessive eine Liquiditätsreserve von weiteren zwei Mio. Euro für unvorhergesehene Investitionen in die Schiffe aufgebaut werden. Nur so könne der Bestand dieser einmaligen Flotte langfristig gesichert werden. Dabei geht das Konzept davon aus, dass innerhalb von fünf Jahren jeweils zwei „schlechte“ Jahre mit Hoch- oder Niedrigwasser zu überbrücken sind.

In der lebhaft geführten Diskussion wurde deutlich, dass die Zustimmung zu den mit diesem Konzept verbundenen Änderungen im Gesellschaftsvertrag zur Sicherung des Fortbestehens der SDS notwendig ist. Andererseits würde damit nur für einige Jahre Zeit erkauft, und es sei fraglich, ob tiefgreifende Veränderungen in der Eigentümerstruktur des Unternehmens einen dauerhaften Fortbestand ermöglichen. So wurde bezweifelt, ob eine auf Gewinn orientierte private Gesellschaft unter den sich verändernden Klimaverhältnissen sowie dem zunehmenden Instandhaltungsaufwand der bis zu 140 Jahre alten historischen Dampfschiffe und den sich verschärfenden umweltpolitischen Forderungen an deren Betrieb – ohne mögliche Fördermittel – erfolgreich weiter agieren kann. Im Gegenzug wurde diskutiert, ob nicht ein Herauslösen der historischen Dampfschiffe aus der Gesellschaft und deren Einbringung in eine durch den Freistaat Sachsen zu gründende Stiftung bei weiterer Betriebsführung durch die SDS und ihrer Töchter eine strategisch tragfähigere Lösung wäre. Mit dem Auftrag an die Geschäftsführung zur „Feinjustierung“ der zur Abstimmung vorliegenden Vorschläge zur Änderung des Gesellschaftsvertrages und dem erklärten Willen von Gesellschaftern zu eigenem finanziellem Engagement statt weiterer Darlehen, vertagte sich die Versammlung zur endgültigen Beschlussfassung auf Anfang August 2019. Dabei wurde von den Altgesellschaftern daran erinnert, dass mit dem 1992 privat eingezahlten Kapital von über 36 Mio. Euro die SDS erfolgreich saniert, rekonstruiert und als Touristenmagnet für Dresden, die Elbanlieger vom Meißner Weinland bis zur Sächsisch- Böhmischen Schweiz und den Freistaat Sachsen entwickelt wurde und dass es ohne dieses Engagement die technisch-historisch einmalige Flotte auf der Elbe nicht geben würde.


Bild: Heinrich