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Gesichts erkennung


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 07.07.2020

Man nehme ein bewährtes, etwas angestaubtes Konzept, füge ein paar Farbtupfer hinzu - fertig ist das neue attraktive Modell. Ob das bei Yamahas neuer Tracer 700 so einfach funktioniert? Oder steckt doch mehr hinter dem Update? Dem haben wir auf einer Tour mit dem entsprechend ausgestatteten Mittelklasse-Crossover nachgespürt.


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Harmonische Beziehung: Auf der Tracer 700 kann man nicht genug von Kurven aller Art bekommen. Wenig schön ist der Auspuffsammler integriert..


Fotos: T. Güldenring, T. Kohlmey

Google und der NSA hätten sich horrende Investitionen zur Entwicklung einer Software für die ...

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... Identitätsfeststellung sparen können, wenn die Gesichtserkennung beim Menschen so gut funktionieren würde wie bei Motorrädern. Zumindest, wenn sie so augenfällig überarbeitet wurden wie Yamahas Tracer 700, der man den Modelljahrgang 2020 schon von Weitem ansieht: Neue glatte Verkleidungsflächen, weniger zerklüftet als zuvor, bilden die Halbschale und kennzeichnen zusammen mit dem neuen Gesicht samt größerer Scheibe das Crossover- Mittelgewicht. Die Tracer linst jetzt aus zwei LED-Projektionsscheinwerfern mit Positionslicht-Lidstrichen darüber, was nächtens für eine ordentliche Ausleuchtung sorgt und ihr am Tag jenen Schuss sportiven Überhol-Prestiges beschert, den sich die Ambitionierteren unter den Tracer-Fahrern immer gewünscht haben. Schmale LED-Blinker vorn und hinten runden zusammen mit einer LED-Rückleuchte den attraktiven Anblick ab.

Dazu kommt bei unserem Testexemplar eine sinnvolle Touren-Aufrüstung für die geplante Reise: Werkseitig sind Seitenkoffer mit je 20 Litern Volumen samt Trägersystem, die hohe Touringscheibe, Heizgriffe und eine USB-Buchse im Cockpit montiert. Dazu optimiert ein Tankrucksack den schnellen Zugriff unterwegs. Wichtig wäre der optionale Hauptständer für die Kettenpflege und den leichteren Zugang zu den mehr Einstellmöglichkeiten bietenden Federelementen, doch der fehlt.

Die komplette Tourenausstattung steht der Tracer 700 nicht nur gut, sie erübrigt auch eine separate GT-Version


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1 Im neuen LCD-Instrument präsentiert sich die Geschwindigkeit gut ablesbar, die übrigen Anzeigen wirken dagegen sehr gedrängt. Rechts und links daneben liegen die optionalen Anschlüsse für Bordsteckdose und USB-Anschluss. 2 Zur Verstellung der Vorspannung am Federbein liegt ein Hakenschlüssel bei, der aber nicht genau passt. 3 Über den Bügel lässt sich die Scheibe mit einer Hand in der Höhe verstellen; mit etwas Übung gelingt das auch während der Fahrt. 4 In der Vogelperspektive offenbart sich erst, wie schlank die Tracer ohne Koffer geraten ist. 5 Die klassischen Bedienelemente werden durch die neue Taste zur Cockpit-Umschaltung auf der rechten Seite ergänzt. Die optionalen dreistufigen Heizgriffe lassen sich über die drucksensitive Anzeige links vom Gehäuse steuern. 6 Als Kennzeichen der neuen Tracer-Generation fungiert die markante Front mit zwei LED-Projektionsscheinwerfern, darüber angeordneten Tagfahrlichtern und schmalen LED-Blinkern.

Mit voller Beladung mutiert die Tracer 700 zum Solofahrzeug, nicht nur des Platzes, auch der möglichen Zuladung wegen.


Die neue Sitzbank schafft einen harmonischen Übergang zum Tank für besten Knieschluss


Das folgende Platznehmen glättet die ob dieser Misslichkeit noch gerunzelte Stirn und sorgt für ein freudig entspanntes Lächeln unterm Helm: Die neue Sitzbank schafft einen harmonischen Übergang zum Tank für besten Knieschluss, trotz dickeren Polsters bleibt der knackige Kontakt zum Motorrad und bei 835 Millimetern Höhe auch der sichere Stand gewahrt. Dass der Lenker nun 34 Millimeter breiter ist und einen Tick weiter vorn angepackt wird, fördert die innige Verbindung. Ich kann’s nicht anders sagen: Für meine Statur von 174 Zentimetern Länge sind die Verhältnisse nahezu ideal - ich fühle mich bestens integriert bei gleichzeitig großer Bequemlichkeit. Nicht nur mir gefällt das Ambiente, auch die Ü180-Kollegen attestieren der Tracer eine rundum gelungene Fahrerintegration, mit der man locker in einem Rutsch nach Südfrankreich fahren könnte - wenn’s denn erlaubt wäre

So begnügen wir uns mit deutschen Landen, doch auch da gibt es alles, was das Motorradfahrerherz begehrt: kurvenreiche Hinterlandstraßen mit engen Kehren, teilweise einspurig, abwechselnd mit schnelleren Passagen, mal auf makellosem Untergrund, oftmals aber auf von Winterschäden malträtiertem Pockenasphalt. Um es vorwegzunehmen: In diesem abwechslungsreichen Terrain macht die Tracer mit spielerischem Handling einen Riesenspaß. Völlig mühelos lässt sie sich über die angenehm breite Lenkstange dirigieren, folgt wie ein Schoßhündchen dem kleinsten Lenkbefehl und lenkt dazu sehr präzise ein. Kurvenfahren mit der Yamaha geht wie aus dem Lehrbuch: anvisieren, umlegen und den Radius auf dem vorgegebenen Kurs absolvieren. Selbst knifflige Spitzkehren sind keine Herausforderung und werden souverän gemeistert. Als durch und durch ehrliche Haut bleibt sie in allen Fahrzuständen nachvollziehbar, unangenehme Überraschungen sind ihr fremd.

Ihre ausgewogenen Fahreigenschaften verdankt sie der guten Gewichtsverteilung, der moderaten Reifendimensionierung und den passenden Pneus: Die Standardbereifung Michelin Pilot Road 4 fördert das neutrale Einlenkverhalten, beim Bremsen in Schräglage zeigen sie nur eine zarte Aufstellneigung, erfreuen zudem mit kurzer Aufwärmphase. Positiv macht sich auch das Fahrwerks-Update bemerkbar, das für 2020 eine neue Cartridge-Telegabel mit weicheren Federn und einstellbarer Federbasis wie Zugstufendämpfung sowie ein Federbein mit gleichen Justierungsmöglichkeiten aufbietet.

Voll aufgeriggt bleibt dem Fahrer immer noch genügend Platz für sportliches Herumgeturne.

Hinter dem hohen Tourenschild genießt der Fahrer einen prächtigen, aber lauten Windschutz.


Unter kundiger Hand macht der Yamaha im Winkelwerk niemand etwas vor


Schon die werkseitige Grundeinstellung liefert auf den meisten Untergründen ein tadelloses Fahrverhalten mit sauber ansprechender Gabel. Etwas komfortabler könnte jedoch das Federbein auf Unebenheiten ansprechen. Soll’s ambitionierter vorangehen, empfiehlt sich eine Anpassung der Federelemente, die nun ja möglich ist: Die Zugstufendämpfung der Gabel wird auf drei Klicks offen justiert, am Federbein eine Dreiviertel-Umdrehung, die Federbasis vorn mit fünf sichtbaren Ringen, hinten auf die härteste Stufe - mithin bleiben nicht mehr viele Reserven. Letzteres geht allerdings nicht so leicht von der Hand, weil der beiliegende Hakenschlüssel nicht perfekt in die Nuten passt. Mit dieser Einstellung flitzt die Tracer behände und spurstabil durchs Winkelwerk, unter kundiger Hand macht ihr hier keiner etwas vor. Die gegenüber potenten Vertretern fehlende Power macht die Yamaha mit ihrer ausgeprägten Wendigkeit mehr als wett, und das bei minimaler Anstrengung.

Bei so viel Solo-Licht fällt ein großer Schatten auf die Zweier-Tauglichkeit. Nicht etwa wegen des mangelhaften Platzangebots, im Gegenteil: Auch hinten herrschen großzügige Verhältnisse mit lässigen Beinwinkeln. Doch obwohl das zulässige Gesamtgewicht gegenüber der Vorgängerin auf 366 Kilo angehoben wurde, bleibt die Zuladung mau: Zum von uns ermittelten Gewicht von 201 Kilo kommen gut zehn Koffer-Kilo, bleiben also 150 Kilo für meine Sozia und mich. Klare Ansage: Da muss eben beim Gepäck kräftig gespart werden.

Keinerlei Zurückhaltung verlangt der auf Euro 5 gebrachte Crossplane-2-Antrieb, denn was dieser Motor abliefert, ist beileibe nicht von schlechten Eltern. Überarbeitet in Ansaugtrakt, Einspritzanlage und Zündung, büßt der 689 Kubik große 270-Grad-Reihen-Twin auf dem Papier marginal an Spitzenleistung ein: Seine 73 PS liegen bereits bei 8750/min und damit 250 Touren früher an als die 75 des letztjährigen Modells; drehmomentmäßig liegt der Reihen-Twin im Datenblatt sogar auf dem alten Niveau. Höchst erfreulich verlief der Check auf dem unbestechlichen Dynojet-Prüftstand, denn an unserem Modell scheint die Euro-5-Anpassung fast folgenlos vorbeigegangen zu sein: Mit 75,6 PS Leistung und 67,8 Newtonmetern Drehmoment steht das Aggregat satt im Futter und übertrifft die Werksangaben.

Kein Wunder also, wenn in der Praxis selbst sensibelste Tester nichts von der vermeintlichen Leistungsreduzierung mitbekommen, zumal eine kürzere Sekundärübersetzung (Kettenrad mit 45 statt 43 Zähnen) etwaige fehlende Pferdchen kaschieren hilft. Mit Schmiss tritt die Tracer in allen Gängen an, forsch, aber nicht unbändig, wie 4,2 Sekunden für den Sprint von null auf hundert unterlegen. Bei der Elastizitätsübung wirkt sich die kürzere Übersetzung nicht sonderlich förderlich aus, ihre 8,8 Sekunden für den Antritt von 50 bis 120 km/h im letzten Gang sind sogar eine Spur langsamer als die Vorgängerin, die dafür nur 8,6 Sekunden benötigte.

Ob Brausen oder Bummeln, die Tracer 700 beherrscht nahezu jede Gangart.


Aber, hey, bei dieser Art Motorrad kommt es nicht auf die letzte Zehntelsekunde an. Gerade die Tracer definiert sich über den Fahrspaß und zum famosen Fahrwerk gesellt sich ein Antrieb, der den Genuss bestens unterstützt. Der Twin hängt dank mechanisch betätigter Drosselklappen sauber und exakt am Gas für eine glasklare Dosierbarkeit der Motorleistung, die elektronische Fahrhilfen wie leistungsdomestizierende Fahrmodi oder Drehmomentspitzen wegregelnde Traktionskontrollen einfach überflüssig macht. Hinzu kommt eine leichtgängige mechanisch betätigte Kupplung, nur das Sechsganggetriebe bleibt trotz modifizierter Schaltklauen hart in der Betätigung. Für einen Twin läuft die 700er dank Ausgleichswelle ziemlich vibrationsarm, dazu erfreulich sparsam: Im Mittel konsumiert die Japanerin exakt fünf Liter auf hundert freudvolle Kurven-Kilometer, sodass nur alle 340 Kilometer die Zapfsäule zur Befüllung des 17-Liter-Tanks ruft.

Wer sich drauf einlässt, dem serviert die Tracer Motorradfahren pur, bei vollem Geschmack und ohne später sauer aufstoßen zu müssen. Dafür sorgen nicht zuletzt die Stopporgane, das bewährte Verzögerungsduo aus zwei 282-Millimeter-Scheiben mit Vierkolben-Festsätteln an der Front, assistiert von einer 245-Millimeter-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel. Mit klarem Druckpunkt und guter Dosierbarkeit bremst die Tracer subjektiv zwar nicht wie der Teufel, doch ihr Bremsweg von 39,8 Metern aus 100 km/h zeigt, dass unspektakulär auch effizient sein kann.

Zum Motorradfahren gehört aber auch das: längere Etappen über Schnellstraßen und Autobahnen. Die sind nicht gerade Bikers Lieblingszonen, aber halt oftmals unvermeidlich, soll die kostbare Zeit im Zielrevier investiert und nicht für die Anund Abreise vergeudet werden. Diesen Aspekt haben die Yamaha-Entwickler neben der fahrwerkseitigen Weiterentwicklung in den Mittelpunkt ihres 2020er-Updates gerückt, wohl wissend, dass Bequemlichkeit und Komfort auch einem Tracer-700-Fahrer nicht schnuppe sind. Den Bedienkomfort verbessert die Fernbedienung des neuen, nicht unbedingt besser ablesbaren LCD-Instruments vom linken Lenkerende erheblich. Allerdings glänzen die dadurch anzeigbaren Informationen nicht gerade durch Üppigkeit und die als Leiste am oberen Cockpit-Rand angezeigte Drehzahl ist eher zu erahnen als abzulesen.

Wirksamer ist da schon der neue Windschild beziehungsweise sein Verstellmechanismus, der sich mit etwas Geschick auch während der Fahrt mit einer Hand bedienen lässt. Unsere Tracer ziert zudem der riesige Touring-Windschild aus dem hauseigenen Zubehörprogramm, im Kinderrutschteller- Format der Optik nicht gerade zuträglich. Dafür genügt mir schon die unterste Stufe für einen weitgehenden Schutz vor Fahrtwind, selbst mit Endurohelm. Dass es dabei nicht gerade geräuscharm im Helm zugeht, ist die akzeptable Kehrseite - wozu gibt’s Ohrstöpsel?

Also kann die Tracer auch Autobahn, was für ein Tourenmotorrad unabdingbar ist. Doch Langstrecken-Tauglichkeit ist für die 700er nur Mittel zum Zweck, sie packt auf ihren Tourenkomfort eine leichtfüßige Dynamik und sportliche Attitüde drauf, die den Basispreis von 8499 Euro richtig günstig erscheinen lässt. Und mir nebenbei das verstörende Werbevideo auf der Yamaha-Homepage erklärt: Dort steigt ein Bürohengst in lässiger Textiljacke und Motorradjeans auf die Tracer 700, trägt dazu einen Endurohelm und Supersportstiefel - dieses Mix-Outfit soll wohl die enorme Bandbreite suggerieren. Na meinetwegen. Ich finde es prägnanter, dass dieses gerüttelt Maß Vielseitigkeit nun schon von Weitem erkennbar ist.

EIGNUNGSTEST YAMAHA TRACER 700

MOTOR: Mit dem CP2-Reihen-Twin ist Yamaha ein großer Wurf gelungen - linear in der Kraftentfaltung und so fein dosierbar, dass sich das Fehlen einer Traktionskontrolle verschmerzen lässt. Erfreulicherweise zeigen die Anpassungen an die Euro-5-Norm zumindest bei unserem Testexemplar keine leistungs- und spaßmindernden Folgen.

FAHRWERK: Dem extrem breiten Einsatzbereich des Allrounders kommen die zusätzlichen Einstellmöglichkeiten der Zugstufendämpfung an Gabel wie Federbein entgegen. Damit bietet die Tracer ein rundum ausgewogenes und neutrales, selbst mit Koffern stabiles Fahrverhalten, das bis auf besonders sportlich Orientierte alle zufriedenstellt..

SICHERHEIT: Auch ohne schräglagenabhängige Assistenzsysteme macht die Tracer einen rundum Vertrauen erweckenden Eindruck. Ihre Bremsen agieren nachvollziehbar und durchaus anfängertauglich, ohne es an Effizienz vermissen zulassen. Dass ihr eine Traktionskontrolle fehlt, macht sich nicht sonderlich negativ bemerkbar.

ERGONOMIE / KOMFORT: Über den etwas breiteren Lenker und den gelungeneren Übergang zum Tank freuen sich alle Staturen, denn das erlaubt eine aufrechte, voll langstreckentaugliche Haltung. Gleichzeitig fühlt sich der Fahrer bestens integriert für eine engagierte Fahrweise. Einzig die Kniewinkel sind eine Spur zu eng geraten.

SOZIUSBETRIEB: Grundsätzlich ist die Tracer 700 ein Motorrad, das ausreichend Raum auch für zwei Personen zur Verfügung stellt. Dabei sitzt es sich hinten kaum schlechter als vorn, nur deutlich höher über dem Fahrer. Allerdings schränkt die sehr geringe Zuladung von 165 Kilo - ohne eventuelle Koffer - die Soziusfreuden stark ein.

REISETAUGLICHKEIT: Ein klarer Fortschritt ist die überarbeitete Windschild-Verstellung. Der Touring-Schild bietet guten Wind- und Wetterschutz bei erhöhtem Geräuschniveau. Zwar fällt das Tankvolumen von 17 Litern nicht zu üppig aus, der sparsame Verbrauch ermöglicht indes Etappen jenseits von 340 Kilometern.

AUSSTATTUNG: Die Tracer 700 ist zwar kein Sparmobil, doch haben die Yamaha-Mannen auf vieles nicht unbedingt Notwendige verzichtet. Das ermöglicht den attraktiven Preis und gibt Kunden die Möglichkeit, mit einem Griff ins Zubehörregal ihr Wunschmotorrad zu konfigurieren - vom Nebelscheinwerfer über den Hauptständer bis zur Griffheizung. Ausstattung Umwelt Ergonomie/Komfort Soziusbetrieb

UMWELT: Mit der Überarbeitung genügt die Tracer den Vorgaben der Euro-5-Norm. Dazu kommt ein sparsamer Umgang mit fossilen Brennstoffen: Fünf Liter Sprit auf hundert fröhlich gefahrene Kilometern sind voll akzeptabel. Auch akustisch gibt sich die Tracer voll massenkompatibel, ohne blutleer zu klingen.

PREIS / LEISTUNG: Für den schlanken Basispreis von 8499 Euro bietet die Tracer 700 ein rundum vollwertiges Fahrerlebnis, das alle Facetten des Zweiradlebens nicht nur abdeckt, sondern mit erquicklichem Leben füllt. Sie ist der Beweis, dass man beim Motorradfahren mit gut 70 PS und unter 10.000 Euro auf nichts zu verzichten braucht.

TECHNISCHE DATEN

MOTOR:

Leistung 54 kW (73 PS) bei 8750/min, max. Drehmoment 68 Nm bei 7500/min (TF-Messung an der Kurbelwelle: 55,6 kW [75,6 PS] bei 8900/min, 67,8 Nm bei 6500/ min), flüssigkeitsgekühlter 270°-Reihen- Zweizylinder-Viertaktmotor, 689 cm3, Bohrung x Hub 80 x 68,6 mm, Verdichtung 11,5:1, zwei oben liegende Nockenwellen, über Zahnkette angetrieben, vier Ventile pro Zylinder, über Tassenstößel betätigt, eine Ausgleichswelle, Zünd-/Einspritzelektronik, zwei mechanisch betätigte 38er-Drosselklappen, Nasssumpfschmierung, E-Starter, G-Kat, Lichtmaschine 410 Watt, Batterie 12 V / 9 Ah

KRAFTÜBERTRAGUNG:

mechanisch betätigte Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad, Sechsganggetriebe, Sekundärantrieb über Dichtring-Kette

FAHRWERK:

Stahlrohr-Brückenrahmen, Heck angeschweißt, vorn Telegabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federbasis u. Zugstufe einstellbar, hinten Stahlblech-Profilrohr- Zweiarmschwinge mit hebelangelenktem Zentralfederbein, Federbasis und Zugstufendämpfung einstellbar, Federweg v. / h. 130 / 142 mm, LM-Gussräder, v. 3.50 x 17, h. 5.50 x 17, Bereifung Michelin Pilot Road 4, vorn 120/70 ZR17, hinten 180/55 ZR17, vorn Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln, Ø 282 mm, hinten Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel, Ø 245 mm

ASSISTENZSYSTEME:

ABS

MAßE UND GEWICHTE:

Gewicht Testmotorrad: 201 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 366 kg, maximale Zuladung: 165 kg, Tank: 17 l

MESSWERTE

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,2 s
Durchzug 50-120 km/h solo: 8,8 s
Durchzug 50-120 km/h zu zweit: 10,9 s
Bremsweg aus 100 km/h: 39,8 m
mittl. Bremsverzögerung: 9,7 m/s2
Testverbrauch-Ø: 5,0 l / 100 km
theoretische Reichweite: 340 km

KOSTEN:

Basispreis: 8499 Euro (zzgl. Nk.)
Preis Testfahrzeug: 10.380,65 Euro (zzgl. Nk.)

WARTUNGSINTERVALLE / GARANTIE:

Erstinspektion bei 1000 km, danach alle 10.000 km oder 1 x jährlich, Ventilspiel- kontrolle: alle 40.000 km, Garantie: 2 Jahre