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Geständnis: „Habe ich mein Kind zu einem Monster erzogen?“


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 50/2018 vom 05.12.2018

Zu Hause ist Hanna (13) ein liebes Mädchen. Umso schockierter ist ihre Mutter Claudia (43), als sie erfährt, dass ihre Tochter eine Mitschülerin böse gemobbt hat


Artikelbild für den Artikel "Geständnis: „Habe ich mein Kind zu einem Monster erzogen?“" aus der Ausgabe 50/2018 von Lisa. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lisa, Ausgabe 50/2018

Am Frühstückstisch stellen die Eltern ihre Tochter Hanna zur Rede


36 Millionen Fälle von Mobbing, Gewalt und Hass gibt es jedes Jahr an deutschen Schulen. Jeder sechste Schüler hat es selbst erlebt.


Als an einem Dienstagnachmittag das Telefon klingelte, ahnte ich nicht, dass dieser Anruf den Blick auf mein beschauliches Familienleben für immer verändern würde. Am anderen Ende der Leitung hörte ich eine aufgebrachte Frauenstimme – und was sie mir ...

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... erzählte, konnte ich nicht glauben.

Ich kenne meine Tochter – dachte ich. Die Stimme gehörte einer wütenden Mutter aus der Schule meiner Tochter Hanna. Sie berichtete, mein Kind hätte über ihre Tochter Eri ka hergezogen, fiese Gerüchte in die Welt gesetzt und sie sogar geschubst. Was für eine Unverschämtheit, so etwas zu behaupten! Natürlich nahm ich meinen Liebling in Schutz. „Ich kenne meine Tochter“, teilte ich der Frau mit. „Sie ist ein liebes Mädchen und ist immer nett und freundlich – so habe ich sie erzogen.“ Ich legte auf, doch ein mulmiges Gefühl blieb.

Beim Abendessen sprach ich Hanna auf Erika an: „Kennst du das Mädchen? Seid ihr befreundet?“ Die Reaktion: ein verhaltenes Kopfschütteln. Ein für mein sonst so lebhaftes Kind untypisches Verhalten. Misstrauen keimte in mir auf und als ich am nächsten Tag die Nummer der Schule auf dem Telefondisplay sah, ahnte ich bereits Böses.

Der Schulleiter wollte mit mir sprechen. In seinem Büro angekommen, sah ich auch schon das Gesicht zur verärgerten Stimme vom Vortag: Erikas Mutter, Martina. Mich erwartete eines der unangenehmsten Gespräche meines Lebens. Martina hatte tatsächlich Ausdrucke mitgebracht, Ausdrucke von fiesen Kommentaren unter den Instagram-Bildern ihrer Tochter. Absender: meine Hanna. Ich schluckte schwer, als ich Sätze wie „Gott, bist du hässlich“ oder „Lösch dich!“ las. Ich fragte mich, wo all dieser Hass meiner Tochter nur herkam und ob ich etwas bei der Erziehung falsch gemacht hatte. Der Schulleiter ließ uns die Wahl: Entweder wir klärten das im Privaten oder er sehe sich genötigt, selbst einzuschreiten. Natürlich wollte ich möglichst wenig Aufsehen erregen und versprach, mit Hanna darüber zu sprechen.

Samstagmorgen war es so weit. „Ich hatte gestern ein Gespräch mit deinem Schulleiter“, begann ich. Gleich wurden Hannas Augen groß. „Und Erikas Mutter war auch da“, ließ ich die Bombe platzen. Von ihr folgten Erklärungen, dass ich das nicht verstehen könne. Schließlich laufe Erika in den hässlichsten Klamotten rum, wolle unbedingt zu ihrem Freundeskreis gehören und sei noch dazu extrem besser wisserisch. Hannas Arroganz und herablassende Art, wenn sie über das arme Mädchen sprach, schockierten mich. Auf meine Nachfrage gab sie sogar zu, Erika an der Bushaltestelle von sich weggeschubst zu haben. So etwas hätte ich niemals von meinem kleinen Mädchen erwartet.

Ich wollte die Situation unbedingt bereinigen. Mein Mann Karl, dem ich von den Geschehnissen berichtet hatte, und ich entschlossen uns dazu, Hanna zur Strafe ihr Handy abzunehmen. Außerdem luden wir Erika zu uns nach Hause ein. Noch hat das Treffen nicht stattgefunden. Aber ich habe meiner Tochter gesagt, dass sie sich entschuldigen muss und ich danach von ihr fünf positive Dinge über Erika hören möchte. Hoffentlich wird sie dadurch etwas aufgeschlossener. Oder die beiden finden sogar Gemeinsamkeiten und eine unerwartete Freundschaft entsteht?

Was tun, wenn das eigene Kind zum Mobber wird?

Bei der Aussprache können aus Feinden Freunde warden


Woher kommt der Hass? Zuerst sollten sich Eltern fragen, was der Auslöser für das Fehlverhalten sein könnte. Gibt es vielleicht daheim Gründe? Macht dem Kind eine Trennung oder ein Todesfall zu schaffen? Manchmal ist es auch die beginnende Pubertät, die dem Kind zusetzt. Es kommt häufig vor, dass Mobber mit ihrem Verhalten versuchen, Missstände zu kompensieren.

Tschüss Gruppenzwang Dazugehören zu wollen, ist ebenfalls ein häufiger Grund, warum Kinder zu Mobbern werden. Es ist schwierig, sich gegen eine Gruppe zu stellen, vor allem, wenn man selbst Angst hat, zum Außenseiter zu werden. Hier ist es wichtig, das Mitgefühl des Kindes zu stärken. Es muss klar werden, dass das gemobbte Kind genau das erlebt, wovor der Mobber selbst Angst hat.

Totschweigen hilft nicht Wichtig ist, das Gespräch zu suchen. Dabei sollte jedoch keine Anklage erhoben werden. Fragen wie: „Wie fühlst du dich?“ und „Was löst diese Gefühle in dir aus?“ gehören dazu. Dennoch sollte nicht um den heißen Brei geredet werden. Ziel ist es, konkrete Mobbingsituationen zu besprechen und alle relevanten Informationen zu er halten. Wie kam es zu dem Mobbing? Was ist vorgefallen? Hat das Kind den Anstoß gegeben oder war es ein Mitläufer?

Handlung mit Folgen Mobbing ist ein Fehlverhalten, auf das eine Konsequenz folgen muss. Schließlich handelt es sich nicht um ein Kavaliersdelikt. Achtung: Konsequenz heißt nicht gleich Bestrafung. Eine mögliche Folge kann beispielsweise ein Gespräch mit dem gemobbten Kind und eine Entschuldigung sein. Das ist zwar eine unangenehme Situation für das Kind, doch die direkte Konfrontation mit der Lage schafft einen neuen Blickwinkel für den Nachwuchs.

Mit gutem Beispiel voran Das Kind lernt vom Verhalten der Eltern. Das heißt, dass auch Erziehungsberechtigte sich Lästereien verkneifen sollten. Ein vertrauensvoller und liebevoller Umgang mit dem Nachwuchs ist eine wichtige Basis. Verlässlichkeit und Konsequenz bei der Erziehung helfen dem Kind, sich an dem Verhalten der Eltern zu orientieren und schaffen ein gesundes Selbstbewusstsein. Plötzliche Veränderungen machen ihm so weniger aus.


* Name von der Redaktion geändert; Foto (Szene nachgestellt): Shutterstock