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Geständnis: Marion (48) brauchte fast zu lange für die Erkenntnis: Seine Tablettensucht hat unsere Familie komplett ruiniert


Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 16.01.2019

Nach einem Unfall kann Frank (49) den Alltag nur mit starken Schmerz mitteln bewältigen. Doch von denen kommt er bald nicht mehr los und zieht seine Frau hinein in den Strudel der Co-Abhängigkeit


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Bildquelle: Lisa, Ausgabe 4/2019

Marion litt lange Zeit unter den Wutanfällen ihres Ehemannes – und wollte ihm doch eigentlich nur helfen


Es ist jetzt fast ein Jahr her. Ich erinnere mich genau, dass es ein Sonntag war. Es war der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu verlassen. An dem ich meine große Liebe aufgab, um mich selbst zu retten. Denn Frank hatte sich innerhalb weniger Monate zu einem wahren Monster gewandelt.

Pech auf der Piste Alles begann in unserem Skiurlaub. Wie jedes Jahr fuhren wir in die Berge: blauer Himmel, strahlende Sonne, wunderbarer Pulverschnee – und dann die Katastrophe. Frank wich auf der Piste einem Fahrer aus, verlor das Gleichgewicht und stürzte schwer. Es war so schlimm, dass ihn ein Rettungshubschrauber abholen musste. In der Klinik kümmerte man sich bestens um sein Bein. Doch der Bruch war so schwer, dass Frank mit heftigsten Schmerzmitteln behandelt wurde. Auch als er endlich entlassen wurde, litt er noch, bekam weiter Medikamente. Wieder zu Hause besuchte Frank fleißig die Reha und rappelte sich langsam wieder auf. Was ich nicht merkte: Er nahm Tag für Tag weiter die Schmerzmittel. Über Wochen. ...

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Pech auf der Piste Alles begann in unserem Skiurlaub. Wie jedes Jahr fuhren wir in die Berge: blauer Himmel, strahlende Sonne, wunderbarer Pulverschnee – und dann die Katastrophe. Frank wich auf der Piste einem Fahrer aus, verlor das Gleichgewicht und stürzte schwer. Es war so schlimm, dass ihn ein Rettungshubschrauber abholen musste. In der Klinik kümmerte man sich bestens um sein Bein. Doch der Bruch war so schwer, dass Frank mit heftigsten Schmerzmitteln behandelt wurde. Auch als er endlich entlassen wurde, litt er noch, bekam weiter Medikamente. Wieder zu Hause besuchte Frank fleißig die Reha und rappelte sich langsam wieder auf. Was ich nicht merkte: Er nahm Tag für Tag weiter die Schmerzmittel. Über Wochen.

Tabletten aus dem Ausland Was mich nach einiger Zeit wunderte, war, dass mein Mann immer schlechter schlief. Er wälzte sich im Bett herum, war auch nach acht Stunden Schlaf nicht ausgeruht und gereizt. Außerdem schien er häufig aufgeregt und unruhig. Ich schrieb das seinem Unfall zu. Er hatte sein Bein wochenlang ruhig halten müssen, viel gesessen oder gelegen, sich kaum bewegt. Jetzt musste seine Energie wohl raus.

Doch so einfach war es nicht. Nach einem halben Jahr entdeckte ich in seinem Nachttisch in einer fremden Sprache beschriftete Schmerzmittel. Was ich lesen konnte: Die Tabletten waren hoch dosiert. Höher noch als die, die er aus der Klinik hatte. Als ich Frank darauf ansprach, wurde er wütend. „Warum schnüffelst du in meinen Sachen herum?“, schrie er. Ich hatte Ohrstöpsel gesucht und war so sehr damit beschäftigt, mich vor ihm zu verteidigen, dass ich nicht merkte, wie er vom Thema ablenkte. Aber der Fund ließ mich nicht los. Ich wagte einen neuen Vorstoß. Auch diesmal reagierte Frank ungehalten. Sein Hausarzt hätte ihm nichts mehr verschrieben, die Schmerzen seien aber noch immer so stark, dass rezeptfreie Medikamente nicht halfen. Mir kam das spanisch vor. Warum hatte er nie erwähnt, dass ihn der Schmerz noch so plagte? Und wenn es so war, warum half der Arzt nicht? Schnell gerieten wir in Streit. Dabei machte ich mir doch wirklich Sorgen um ihn!

Ich log für ihn Mit der Zeit wurden seine Launen schlimmer. Aber er versprach, die Tabletten abzusetzen. Ich glaubte ihm. Heute weiß ich – ich habe alles nur verdrängt. Wenn wir mit Freunden verabredet waren und er ausfällig wurde, verteidigte ich ihn. Wenn er nicht arbeiten ging, weil er kaum mehr schlief, rief ich seinen Chef an und log. Zudem wurde ich immer vorsichtiger. Ich wagte kaum, Frank anzusprechen oder gar zu kritisieren.

Doch es nützte nichts. Er war im Nu auf 180. Tassen flogen durch die Küche. Dann schlug er mich das erste Mal! Ich verzieh ihm, auch den schlimmen zweiten „Ausrutscher“. Doch als er mich ein drittes Mal bedrängte, mir einen Fausthieb ins Gesicht verpasste, zog ich die Notbremse. Ich packte meine Koffer und fuhr zu unserer Tochter, die 100 Kilometer entfernt lebt und studiert. Auch vor ihr hatte ich Franks Sucht verheimlicht.


1,9 Mio. Menschen sind in Deutschland tablettenabhängig! Von Alkohol sind es im Vergleich 1,77 Mio.


Es gibt kein Zurück Meine Tochter hatte Tränen in den Augen, als sie mich mit dem Veilchen im Gesicht sah. Sie nahm mich auf und brach mit ihrem Vater. Auch wenn das nicht meine Absicht war! Ich selbst habe eine Therapie gebraucht, um über das Geschehene hinwegzukommen. Jetzt steht die Scheidung an, ich kann Frank nicht verzeihen. Denn er will auch weiterhin keine Hilfe annehmen. Als ich ihm am Telefon von meinem Therapeuten erzählte, lachte er mich nur hämisch aus. Als trauriges Fazit meiner Ehe habe ich heute erkannt: Seine Tablettensucht hat unsere Familie komplett ruiniert!

Informationen & Fakten

Promi im Sog der Tabletten Ballermann-Star und Schauspieler Willi Herren (43, „Lindenstraße“) sorgte schon oft für negative Schlagzeilen, z. B. weil er betrunken Auto fuhr. Jetzt geriet er erneut ins Scheinwerferlicht, weil er in einer Diskothek ausfällig gegenüber seiner Ehefrau Jasmin wurde. Der Grund: eine gefährliche Mischung aus Valium und Alkohol. Jetzt gesteht der „Promi Big Brother“-Teilnehmer: „Ich bin tablettenabhängig.“ Das Valium habe er vom Arzt, um seine Panikattacken zu bekämpfen. Eine Therapie soll nun helfen, denn er sagt: „Das ist mir alles zu peinlich, was passiert, wenn ich solche Ausrutscher habe.“

Jasmin und Willi Herren wollen gemeinsam gegen seine Sucht kämpfen


→ Schmerzmittel In Deutschland werden laut dem „Jahrbuch Sucht 2017“ 150 Mio. Packungen unterschiedlichster Schmerzmittel verkauft. 70 Mio. davon rezeptfrei.

Co-Abhängigkeit Als co-abhängig bezeichnet man Bezugspersonen von Suchtkranken, die die Sucht durch ihr Tun oder Unterlassen zusätzlich fördern oder selber darunter in besonderer Form leiden. Das können Familienmitglieder sein, die Suchtmittel finanzieren oder den Süchtigen beim Chef krankmelden. Aber z. B. auch Kollegen, die das Alkoholproblem eines Mitkollegen vertuschen oder seine Minderleistung kompensieren.


*Name von der Redaktion geändert; Foto (Szene nachgestellt): action press, Westend61/Rainer Berg