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Geständnis: „Mein Mann führt ein Doppelleben“


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 26/2018 vom 20.06.2018

Alles Lüge! Heike (43) musste erleben, was man seiner ärgsten Feindin nicht wünscht


Artikelbild für den Artikel "Geständnis: „Mein Mann führt ein Doppelleben“" aus der Ausgabe 26/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 26/2018

Schatten-Liebe: Ganze sechs Jahre lang hatte Heikes Mann Jörg parallel zwei Beziehungen


In einer anderen Stadt ist er ein anderer Mann. Jahrelang spielt er sein Spiel, dann fliegt er auf – mit einem lauten Knall

Noch nie in meinem Leben habe ich mich so klein und dumm gefühlt wie in den Wochen, nachdem alles herauskam. Ich schämte mich unendlich. Wie hatte ich nur so blind sein können? Wie hatte ich nicht merken können, dass mein Mann mich seit Jahren nach Strich und Faden belügt? Tag für Tag spulte ich unzählige ...

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... Situationen aus den vergangenen sechs Jahren ab, auf der Suche nach entscheidenden Hinweisen. Tag für Tag machte ich mir Vorwürfe. Bis meine Freundin Greta etwas sagte, das mich ungemein tröstete: „Das hätte jeder anderen Frau auch passieren können. Jörg ist ein eiskalter und meisterhafter Lügner.“

Alles begann kurz nach unserer Hochzeit. Jörg und ich hatten schon nach einem Jahr Beziehung geheiratet, ich war mir sicher, den Richtigen gefunden zu haben. Wir waren uns in so vielen Dingen ähnlich: Wir reisten gern und arbeiteten viel. Als Jörg und ich uns kennen lernten, befanden wir uns beide beruflich an einem Punkt, an dem eine Beförderung in greifbare Nähe rückte. Und noch etwas hatten wir gemeinsam: Obwohl wir uns leidenschaftlich liebten, brauchten wir beide auch immer unsere Freiräume.

Mit Jörg hatte ich einen Mann gefunden, der meine Idee vom Zusammenleben teilte: Mir war Zweisamkeit wichtig, ich wollte mit meinem Partner das Leben genießen, schöne Dinge unternehmen. Schon früh hatte ich erfahren, dass ich keine Kinder würde bekommen können. Damit hatte ich mich abgefunden und glücklicherweise auch nie den dringlichen Wunsch entwickelt, Mutter zu werden. Jörg reagierte darauf ausgesprochen positiv: Er versicherte mir, er sei froh, endlich eine Frau gefunden zu haben, die nicht auf dem klassischen Familienleben besteht.

Vor fast sieben Jahren stieg Jörg in seiner Unternehmensberatung auf. Das bedeutete für uns, dass er ab sofort nur noch die halbe Woche in Frankfurt und an den anderen Tagen in Hamburg arbeiten würde. Ich blieb in Frankfurt, denn auch ich war inzwischen zur Filialleiterin in meiner Bank aufge- stiegen. Wie ich heute weiß, begann sein Doppelleben, kaum dass er in Hamburg Fuß gefasst hatte.


„Sein Handy war immer öfter aus, es häuften sich die Dienstreisen“


Heute weiß ich auch, dass er in den seltensten Fällen wirklich auf Dienstreise im Ausland war, wenn er eine ganze Woche oder länger nicht heimkam. Ich werde rasend vor Wut, wenn ich darüber nachdenke, wie perfide er mich getäuscht hat. Mein Mann hat mir sogar regelmäßig Grüße aus dem Ausland geschickt, Postkarten mit Stempeln aus London und Miami. Von jeder Reise brachte er mir etwas mit: Parfum, ein schönes Seidentuch, erlesene Tees. Die Schachteln und Shopping-Tüten trugen die Logos von Flughafel-uhops oder die Webadressen von kleinen Boutiquen im Ausland. Wie er das genau angestellt hat, weiß ich bis heute nicht. Ich weiß nur: In Wahrheit war er entweder bei seiner anderen Frau in Hamburg oder gemeinsam mit ihr im Urlaub – und zwar weder in London noch in Miami, sondern auf Lanzarote oder in der Karibik.

Ich habe ihm blind vertraut. Aber mir entging nicht, dass sich seine Auslandsreisen häuften. Dass er manchmal stundenlang nicht ans Telefon ging, nicht auf meine Nachrichten antwortete oder sein Handy ganz ausgestellt hatte. Hinterher entschuldigte er sich immer überschwänglich, schickte mir zum Beweis ein Foto von dem Restaurant, in dem er so lange mit Geschäftspartnern hatte ausharren müssen, oder von dem gewaltigen Chaos am Flughafen, das dafür sorgte, dass er erst später als geplant fliegen konnte.

Heute bin ich mir sicher, dass er mich nicht nur einmal „Anke“ statt „Heike“ gerufen hat. „Wie hast du mich gerade genannt?“, fragte ich einmal nach. „Heike, wie sonst?“, sagte Jörg und küsste mich.

Noch eine Sache hätte mich stutzig machen müssen: In sechs Jahren habe ich Jörg nur dreimal in Hamburg besucht, und zwar gleich im ersten Jahr. Später wurde es zur Selbstverständlichkeit, dass wir die freie Zeit in Frankfurt verbrachten. Wenn ich drauf bestand, ihn besuchen zu kommen, blockte er immer energisch ab. „Das muss doch nicht sein. Meine Reisekosten zahlt doch die Firma“, überzeugte er mich. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er längst nicht mehr in der Wohnung lebte, die die Unternehmensberatung ihm in Hamburg zur Verfügung gestellt hatte, sondern mit seiner Geliebten zusammengezogen war.

Vor drei Monaten fiel ich schließlich aus allen Wolken. Ein Montagabend, Jörg war am Morgen nach London aufgebrochen – diesmal tatsächlich – und ich war gerade von der Arbeit heimgekehrt, da klingelte es an der Tür. Die blonde Frau, die vor mir stand, stellte sich als Anke vor und überschlug sich danach fast beim Reden. Sie habe keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als nach Frankfurt zu fahren und reinen Tisch zu machen. Ich müsse Jörg endlich freilassen, sie sei schwanger von ihm und wolle sich endlich nicht mehr verstecken müssen.

Ich weiß nicht mehr, wie ich reagiert habe, aber später saßen Anke und ich auf dem Sofa und erzählten einander unsere Geschichten. Sie wusste von Anfang an, dass Jörg verheiratet war. Zuerst wollte ich sie auch einfach nur zum Teufel jagen. Doch wie sich herausstellte, hat Jörg auch Anke skrupellos belogen. Ihr hatte er erzählt, dass er einen zehnjährigen Sohn und eine achtjährige Tochter hat und seine Ehe schon seit Jahren nicht mehr läuft. Nur wegen der Kinder bringe er es nicht übers Herz, sich von mir zu trennen.


„Plötzlich war er mir völlig fremd. Ich wollte ihn nie wiedersehen“


Noch in derselben Nacht packte ich Jörgs Sachen in Kartons, auch die Postkarten und Mitbringsel, die ich auf die Schnelle fand, und stellte sie vor unsere Wohnung. Den Gedanken, diesen mir plötzlich fremden Mann wiederzusehen, konnte ich nicht ertragen, deshalb zog ich vorübergehend zu meiner Freundin Greta, bevor Jörg zurückkehrte. Ich war froh, dass sie für mich da war. Greta hat für mich meinen Freunden und meiner Familie erklärt, was passiert war. Mir fehlte dazu die Kraft.

Inzwischen habe ich den ersten Schock überwunden und unsere Scheidung läuft. Noch weiß ich nicht, wie ich jemals wieder einem Mann vertrauen soll, aber ich werde darum kämpfen – vielleicht mit Hilfe einer Psychotherapie. Jörg hat vielleicht mein Vertrauen zerstört, aber nicht meinen Glauben an eine aufrichtige Liebe.

I Tipps und Infos zum Thema

Viel Charisma, wenig Empathie

Harald J. Freyberger
ist Professor für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Greifswald sowie Chefarzt am Helios Hanseklinikum Stralsund`
www.helios-gesundheit.de/kliniken/ stralsund

Grundsätzlich gilt: Man kann keine Diagnose einer psychischen Störung stellen, ohne den Betroffenen persönlich untersucht zu haben. Dennoch ähneln sich Erfahrungen und Verhaltensweisen von Menschen, die ein Doppelleben führen.

Was ist ein Doppelleben aus psychologischer Sicht?
„Es lässt sich aus zwei Perspektiven interpretieren. Zum einen führen häufig Menschen eines, die schon früh schwerwiegend traumatisiert und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stark beeinträchtigt wurden. Sie können nur existieren, indem sie mehrere Persönlichkeiten leben und zwischen diesen wechseln. Dann spricht man von einer ,multiplen Persönlichkeit‘. Diese Gruppe von Menschen nutzt das Doppelleben zur Stabilisierung ihres Selbstwertgefühls, indem sie sich in ihrer Doppelrolle als großartig erleben. Die andere Gruppe inszeniert ein Doppelleben bei vollem Bewusstsein und verfolgt das Ziel, individuelle, soziale oder ökonomische Vorteile zu erreichen. Das Leid, das dadurch bei den betroffenen Partnern hervorgerufen wird, können sie kaum bis gar nicht empathisch wahrnehmen. Der Prototyp dieser zweiten Gruppe ist der Heiratsschwindler.“

Welche Mechanismen wenden sie an, um nicht aufzufliegen?
„Den wichtigsten Mechanismus bezeichnet man als ,pseudologia phantastica‘: Sie berichten, wenn Zweifel aufkommen, oft faszinierende und spannende Geschichten, die ihr Tun erklären und den Zuhörer in ihren Bann ziehen. Sie nutzen auch andere Techniken: Werden sie entdeckt, leugnen sie das Geschehen oft so lange wie es irgendwie geht oder sie attackieren gezielt Menschen, die ihr Doppelleben infrage stellen.“

Wie halten diese Menschen den Druck der Geheimhaltung aus?
„Für die meisten stellt sich das gar nicht als Druck dar, da sie ihr Spiel und ihre Inszenierung zur Stabilisierung ihres Selbstwertgefühls genießen. Ihr Gewissen und ihre Empathie sind oft wenig entwickelt. Ethische Normen und Regeln, die im echten Leben wichtig sind für die Beziehungsgestaltung, sind bei diesen Menschen sozusagen außer Kraft gesetzt.“

Wie erkennt ein Partner, dass der andere ein Doppelleben führt?
„Das ist schwer, weil sie andere oft mit ihrem Charisma faszinieren und immer wieder Erklärungen finden, wenn die Exklusivität der Beziehung angezweifelt wird.“

Ist es möglich, so ein Verhalten psychologisch zu behandeln?
„Diese Menschen begeben sich meist nicht in Therapie, denn das würde ihr Selbstkonzept ja grundlegend infrage stellen.“

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■ In seinem Buch „Die heimliche Liebe: Ausrutscher, Seitensprung, Doppelleben“ geht der renommierte Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer sexuellen Beziehungen außerhalb der Partnerschaft auf den Grund.
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■ Für ihr Buch „Doppelleben: Was Frauen sich trauen“ hat Autorin Leonie Mey sowohl mit Ehefrauen als auch mit männlichen Geliebten über Dreiecksgeschichten, Leidenschaft und Schuldgefühle gesprochen.
19,80 Euro. Dittrich

■ In dieser bei Youtube verfügbaren Folge der beliebten WDRSendung „Domian“ erzählen Anrufer von ihrem Doppelleben.
https://bit.ly/2Jv23HN


Fotos: Getty Images, iStockphoto, picture-alliance/dpa