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Geständnis: Unverhofft schwanger– und das mit beinahe 50: Baby statt Wechseljahre


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 46/2018 vom 07.11.2018

Mutter werden mit 48 – hätte ihr das jemand prophezeit, Doro hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Nie hätte sie gedacht, dass ihr das passiert


Artikelbild für den Artikel "Geständnis: Unverhofft schwanger– und das mit beinahe 50: Baby statt Wechseljahre" aus der Ausgabe 46/2018 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 46/2018

Zu Beginn wollte Doro nicht wahrhaben, dass sie mit 48 noch Mutter wird. Was ihr half? Sich in Ruhe auf ihre neue Rolle vorzubereiten


Schon seit geraumer Zeit hatte ich mich ständig müde und abgespannt gefühlt, so als wäre eine fiese Erkältung im Anflug. Später kam ein hartnäckiges Völlegefühl hinzu, und weil es einfach nicht besser wurde, ging ich eines Morgens vor der Arbeit zu meiner Hausärztin. „Frau Peters, ich werde sie mal zum Frauenarzt überweisen. Ich ...

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... glaube, Sie sind schwanger“, sagte sie. Ich traute meinen Ohren nicht. Mein Frauenarzt bestätigte dann den Verdacht. Ich war tatsächlich in der zehnten Woche schwanger. Mit 48.

Erst zwei Wochen später konnte ich meinen beiden engsten Freundinnen davon erzählen. Wie hätte ich denn nicht merken können, dass ein Kind in mir heranwächst? Auch wenn niemand die Frage laut aussprach, stand sie doch immer im Raum. Ich hatte mir halt jedes Symptom erklärt: An der Erschöpfung war Stress schuld, hatte ich mir wochenlang eingeredet. Mein Partner Steffen und ich waren gerade umgezogen, und ich war beruflich stark eingespannt. Der Verlag, bei dem ich als Buchhalterin arbeite, hatte eine ganze Sparte an Publikationen hinzugewonnen, deshalb wurde unsere Abteilung umstrukturiert, und ich hatte für alles den Hut auf. Auf meine Ernährung achtete ich damals kaum, für Sport fehlte mir die Zeit. Da wunderte es mich nicht, dass mein Magen ab und an gereizt war und dass ich ein paar Kilos zunahm. Weiß man doch, dass sich der Stoffwechsel verlangsamt und das Abnehmen umso schwerer fällt, je älter man wird.


„Seit über einem halben Jahr hatte ich bereits meine Tage nicht mehr“


Vor allem hatte ich schon seit mehr als einem halben Jahr meine Regel nicht mehr gekriegt. Ich konnte mir nicht vorstellen, überhaupt noch schwanger werden zu können. Das Thema Verhütung hatte ich deshalb nicht mehr ganz so ernst genommen.

Steffen und ich hatten Kinder schon mit Ende 30 für uns ausgeschlossen und waren mit unserer Entscheidung glücklich. Und nun sollte unser Leben eine völlig andere Richtung bekommen? Anfangs fiel es mir sehr schwer, mich mit diesem Gedanken anzufreunden. Und damit, so spät Mutter zu werden. Ich stellte mir vor, wie die Leute sich das Maul zerreißen. Wie ich mein Kind vom Kindergarten abhole und alle mich für seine Oma halten. Wie ich körperlich und nervlich an meine Grenzen komme.

Noch dazu war ich in ständiger Sorge, das Baby zu verlieren. Meine Schwangerschaft war höchst riskant, das hat mir mein Frauenarzt sehr deutlich gemacht und mir ein sofortiges Beschäftigungsverbot erteilt. Von jetzt auf gleich nicht mehr zu arbeiten, war seltsam, gleichzeitig bekam ich so auch die Chance, mich in Ruhe auf meine neue Rolle einzustellen. Ich las viel, nahm an Vorbereitungskursen teil, in denen ich eine andere Frau kennen lernte, die mit 45 zum ersten Mal schwanger war, und ganz allmählich stellte sich bei Steffen und mir Freude auf unser Baby ein.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel litt ich unter Bluthochdruck und musste zur Beobachtung schon fast drei Wochen vor der Entbindung ins Krankenhaus. Auch diese Phase war von Bangen geprägt – bis Leonore vor drei Monaten endlich gesund und munter zur Welt kam.

Ja, viele Leute gucken komisch, weil ich ihre Mutter bin. Die Kleine hat unser Leben auf den Kopf gestellt, unsere Pläne für die nächsten Jahre durchkreuzt. Und doch bin ich überglücklich, dass sie da ist.

Experten-Interview

Sehr späte Schwangerschaft: Wie gefährlich ist das wirklich?

Dr. Christian Albring
Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und Frauenarzt in Hannover
www.bvf.de

Der Anteil der Erstgebärenden über 40 Jahre liegt hierzulande seit Jahren konstant bei zwei Prozent. Bei Kinderwunsch wird eine Behandlung nur bis zum 40. Geburtstag von den Kassen finanziert. Dass eine Frau ab Mitte 40 ein Kind ganz ohne Komplikationen austrägt, ist unwahrscheinlich. Die Fakten:

Bis wann ist eine natürliche Schwangerschaft maximal möglich?
„Bis die Eibläschen in den Eierstöcken verbraucht sind. Maximal kann eine Frau bis zum 52. Lebensjahr spontan schwanger werden. Eine Schwangerschaft in diesem Alter endet jedoch meistens in einer Fehlgeburt. Mit 45 Jahren liegt das Risiko für eine Fehlgeburt bei 70 Prozent, mit 50 Jahren fast bei 90 Prozent.“

Wie lange sollten Frauen auch nach Ausbleiben der Regel noch verhüten?
„Bis zum 52. Geburtstag oder wenn ein Jahr keine Regelblutung mehr stattgefunden hat und es keine anderen Gründe für das Ausbleiben der Blutung gibt, etwa medikamentöse Behandlung einer Depression. Danach kann eine Frau davon ausgehen, dass sie keinen Eisprung mehr haben wird. Viele Frauen hören leider zu früh auf, zu verhüten. In Deutschland lassen jedes Jahr etwa 700 Frauen über 45 Jahre einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen, weil sie ungeplant und ungewollt schwanger geworden sind.“

Inwiefern unterscheiden sich späte Schwangerschaften von früheren?
„Der Körper des Menschen verändert sich mit zunehmendem Alter: Neben der Tatsache, dass eine Schwangerschaft seltener eintritt, sind Frauen über 40, 45 eher übergewichtig und leiden an Hypertonus oder Diabetes, verbunden mit einem höheren Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bis hin zu einer Fehl- oder Frühgeburt. Oder sie entwickeln einen Diabetes in der Schwangerschaft mit dem Risiko, dass das Kind zu groß wird und die Geburt sich kompliziert gestaltet.“

Welche Komplikationen drohen in diesem Fall beim Geburtsvorgang?
„Problematisch ist es vor allem, wenn es das erste Kind ist. Das Gewebe des Beckenbodens ist bei älteren Müttern weniger elastisch. Er wird bei einer natürlichen Geburt erheblich aufgeund auch überdehnt. Bei jüngeren Frauen ist das Gewebe elastischer und bildet sich meist wieder gut zurück. Bei älteren Frauen ist das schwieriger. Vor allem nach längerer Geburtsdauer kommt es häufiger zu Überdehnungen oder Zerreißungen, die auch durch eine Rückbildungsgymnastik nicht mehr perfekt abheilen. In der Folge können eine anhaltende Schwäche von Blase oder Darm auftreten. Das gilt umso mehr, wenn es auch noch das erste Kind ist. Hat eine Frau schon früher Kinder bekommen, ist die Gefahr für schwere Beckenbodenschäden deutlich geringer. Das haben aktuelle große Studien gezeigt. Weitere Komplikationen treten dann auf, wenn z. B. ein vorhandener Bluthochdruck nicht richtig eingestellt wurde.“

Gibt es bei späten Schwangerschaften Spätfolgen für Mutter und Kind?
„Wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen ist und beide die Geburt gut überstanden haben, gibt es keine Spätfolgen.“

Tipps und Infos zum Thema:
• Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt im Internet Beratungsmöglichkeiten auf.
www.schwanger-und-viele-fragen.de

• In „Ansichten einer späten Mutter“ teilt Susanne Fischer, die selbst mit 43 Mutter wurde, ihre Erfahrungen.
14,99 Euro. Hoffmann und Campe Verlag

Prominente späte Mütter

Diese Frauen wurden für ihre Entscheidung für ein Baby jenseits der 45 scharf kritisiert

Halle Berry (52)
Der Hollywood-Star brachte mit 47 Jahren Söhnchen Maceo zur Welt, er folgte auf Halles Tochter Nahla (10)

Caroline Beil (52) Die
Moderatorin wurde dank künstlicher Befruchtung mit 50 Jahren zum zweiten Mal schwanger und bekam ihre Tochter Ava

Ute Lemper (55)
Mit 48 Jahren hat die Sängerin ihr viertes Baby gekriegt – ihren Sohn Jonas

Fotos: Berufsverband der Frauenärzte e.V., Getty Images (3), instagram.com/realbrigittenielsen, iStockphoto, picture-alliance/dpa. Szene nachgestellt, Namen zum Schutz der Betroffenen geändert

Brigitte Nielsen (55)
Nach vier Söhnen wurde die Dänin dieses Jahr im Juni Mutter einer Tochter