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Gestatten, Großfamilie Gans


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 40/2021 vom 01.10.2021

NATUR

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 40/2021

ZUSAMMEN UNTERWEGS Im Herbst fliegen viele Familien der mitteleuropäischen Population gemeinsam an den Atlantik oder das Mittelmeer

Wachsam strecken sie ihre Köpfe aus dem grünen Gras. Mama und Papa Gans behalten ihre Umgebung stets im Blick – schließlich müssen sie den Nachwuchs beschützen. Die aufmerksamen Blicke der Gänse sind für Spaziergänger ein gewohnter Anblick. Doch nur wenige Passanten wissen, wie stark der Zusammenhalt der Vögel ist: „Sie sind sehr gesellige Tiere und haben eine hohe soziale Intelligenz“, erklärt die Verhaltensbiologin Dr. Angelika Nelson vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die einzelnen Familien leben mit anderen in Kolonien von bis zu mehreren Hundert Vögeln beisammen. In noch größeren Gruppen sieht man die Zugvögel, wenn sie sich im Herbst auf den Weg gen Süden machen. Auf ihrer Reise sammeln sie ...

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... sich zu Zehntausenden auf Rastplätzen wie etwa südlich von Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Dort lässt sich das Familienleben besonders gut beobachten, wie eine Dokumentation nun zeigt (siehe TV-Tipp Seite 16).

Zusammen ist alles schöner

Wie eng die Bindungen sind, die Gänse eingehen, offenbart sich schon, wenn die Küken, die sogenannten Gössel, nach etwa 27 bis 29 Tagen Brutzeit im Frühjahr aus den Eiern schlüpfen. Sobald sich Mutter Gans vom Nest wegbewegt, folgen ihr um die sechs Junge beharrlich – über Stock und Stein, bei Wind und Wetter. Das Verhalten erklären Biologen mit dem Begriff „Prägung“. Er bezeichnet in diesem Fall die früh erlernte, immer gleiche Reaktion auf einen Reiz. Und die Junggänse sind darauf gepolt, dem ersten Wesen hinterherzulaufen, das sie nach dem Schlüpfen sehen. Das ist in der Regel die Mutter, da sich der Vater in Nestnähe aufhält, um Gefahren abzuwehren. Diese Fokussierung ist für Gössel überlebenswichtig: „Gänse sind Nestf lüchter, die Küken können sofort nach ihrer Geburt laufen. Da außerhalb des Nests Gefahren lauern, ist es wichtig, dass sie ihrer Mutter immer nachfolgen.“

Laut Angelika Nelson klinge die Prägung nach sechs bis acht Wochen ab, wenn die Gänse selbstständiger werden.

Die Familie behält für sie aber weiterhin einen hohen Stellenwert. Die Expertin erklärt: „Die Küken bleiben bis zu zwei Jahre bei ihren Eltern.“ Und das, obwohl sie schon mit zwei Monaten flügge und mit viereinhalb Monaten ausgewachsen sind und dann drei bis vier Kilo erreichen können. Der Familienclan bringt für die Vögel viele Vorteile: „Innerhalb der Kolonie erhalten die Tiere mit den meisten Verbündeten kennung“, erläutert Dr. Angelika Nelson. „Die Tiere ähneln in ihrer sozialen Intelligenz Säugetieren“, weiß Dr. Nelson. „Sie können die sozialen Verf lechtungen einer Gruppe mit 100 Tieren überblicken. Sie reagieren auf wechselnde Zusammenschlüsse und dadurch wechselnde Hierarchien.“

Und keiner bleibt allein

Während junge Gänse mit der Großfamilie in der Kolonie Eindruck schinden, lernen sie auch fürs Leben: „Sie sammeln in dieser Zeit soziale Erfahrung. Je mehr sie davon haben, desto bessere Chancen haben sie, einen Partner zu finden.“ Nach dem halten die Tiere ab einem Alter von zwei Jahren Ausschau. Die Wahl will wohlüberlegt sein: „Graugänse leben monogam. Einen neuen Partner suchen sie meist nur, wenn der vorherige verstorben ist“, so Nelson.

Dass die Paarung nicht nur der Fortpflanzung dient, zeigt auch der Zeitpunkt, an dem sich die Gänse zusammenschließen: „Sie verpaaren sich bis zu zwei Jahre

die größte Anervor der Geschlechtsreife. So sammeln sie vor der Aufzucht der Jungen gemeinsame Erfahrungen.“ Die Zeit schweißt zusammen. Untersuchungen der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Österreich belegen: Das Stresslevel eines Ganters sinkt nach einem verlorenen Streit, sobald ihn das Weibchen tröstet. Der Anblick des Ganters lässt wiederum das Herz der Gans um das Vier- bis Fünffache schneller schlagen.

Der Gemeinschaftssinn der Gänse ist so ausgeprägt, dass kein einsames Tier unbemerkt, kaum eines allein bleibt. Findet sich kein Ganter, schließen sich auch zwei Weibchen zusammen, vor allem Schwestern. „Teils verpaaren sich auch zwei Ganter, oder ein einzelnes Tier schließt sich einem schon bestehenden Paar an“, so Angelika Nelson. Im Reich der Graugänse gilt: Zusammen ist man weniger allein! Und nur dann: Gans im Glück.

JOHANNA WAGNER