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Gesunde Haare mit Glanz und Farbe


Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 07.07.2021

Pflanzenfarben

Die Zeiten haben sich gewandelt: Was früher bei einer höheren Altersgruppe beliebt war, fragen heute viele junge Menschen beim Friseur nach. Sie möchten ihre Haare auf natürliche Weise färben und auf chemische Zusätze verzichten. Ganz im Zeichen eines gesundheitsbewussten und nachhaltigen Lebensstils. Bisher bieten nur wenige Friseursalons echte Alternativen zu Oxidationsfarben an, herkömmlicherweise arbeiten sie mit synthetischer Farbe. Dieser Färbeprozess geht allerdings mit der Zerstörung der natürlichen Haarstruktur einher. Hierbei quillt Ammoniak zuerst das Haar au und öffnet dann die Schuppenschicht. Das Oxidationsmittel Wasserstoffperoxid entfernt das eigene, natürliche Pigment, um anschließend das chemische Farbpigment dauerhaft einzulagern. Über die Kopaut gelangen diese Substanzen ebenfalls in den Körper. „Drei Tage nach dem Färben mit synthetischen Farben lassen sich ...

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Bildquelle: Bio - natürlich gesund leben, Ausgabe 4/2021

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... chemische Stoffe im Urin feststellen“, sagt Naturfriseurin Alexandra Dorn. „Das ist schon Grund genug, die Haare pflanzlich zu färben.“ Die Friseurmeisterin und Haarpraktikerin hat sich intensiv mit den gesunden Vorzügen von Pflanzenhaarfarbe auseinandergesetzt: „Der Kunde muss einfach wissen, dass es diese Alternative gibt. Das sind wir der Umwelt und unserer Gesundheit schuldig.“

DIE VORTEILE NATÜRLICHER FARBE IM HAAR

Keine bedenklichen Stoffe, wie sie in konventionellen Haarfärbemitteln stecken (etwa Phenylendiamin, Ammoniak, Resorcin, Weichmacher und synthetische Duftstoffe)

Es entstehen keine direkten Farbansätze wie bei Chemiefarben, das Färben ist etwas weniger häufig nötig.

Die Struktur der Haare wird kräftiger.

Durch die Farben entsteht natürlicher Glanz.

Pflanzenhaarfarben können bedenkenlos während der Schwangerschaft verwendet werden.

Die Entwicklung der Farben kommt ohne Tierversuche aus.

Die Farben sind zu 100 Prozent vegan.

Möglichkeiten und Grenzen

Mittlerweile gibt es eine reiche Palette an Pflanzenhaarfarben auf dem Markt. Ausgangsstoffe bilden Henna, Kaffee, Cassia, Hibiskusblüte, Salbei, Birkenblätter, Holunderbeeren, Faulbaumrinde, Oregano, Ratanhiawurzel, Kurkuma und viele andere färbende Pflanzen. Je nach Zielfarbe werden sie zu verschiedenen Mischungen zusammengestellt. Von blond bis dunkelbraun oder schwarz ist alles möglich, selbst wenn der Haarschopf vollständig ergraut ist.

Der Vorteil von Pflanzenhaarfarben: Auf den Kopf kommen keine Giftstoffe und ins Abwasser gelangt keine Chemie. In ihrem Salon in

Kempten experimentieren Alexandra Dorn und ihre Kolleginnen seit vielen Jahren mit Pflanzenfarben. Ihr Fazit: „Jedes einzelne Haar nimmt die Farbe anders an. Es ist nie eine plakative Haarfarbe wie beim herkömmlichen Färben, sondern sieht immer sehr natürlich aus.“ Das Wirkprinzip der Pflanzenfarben ist rein physikalischer Natur, da sie das einzelne Haar umhüllen. Sie können also immer nur auf

Basis der Eigenfarbe einen Farbton erzeugen. Deshalb können helle Haare immer dunkel gefärbt werden – ein Auellen ist dagegen nicht möglich.

Strähnentechniken sind ebenfalls nicht anwendbar. „Was man aber auch eigentlich nicht braucht“, wie die Friseurin erläutert, „weil jedes einzelne Kopaar eine andere Ausgangsfarbe hat, sehen die Haare immer wie gesträhnt aus.“ Besonders gut können graue Haare

Natürliche Pflanzenhaarfarben

Die 4-fach zertifizierten organischen Pflanzenhaarfarben von Radico zeichnen sich durch sehr hohe Deckkraft speziell auch auf grauen Haaren aus – somit ist kein Vorfärben mehr er- forderlich!

Jede Färbung pflegt dabei nicht nur Ihr Haar, sondern verleiht auch mehr Volumen und schützt vor schädlichen Umwelteinflüssen. Über 20 Jahre Forschung und Erfahrung machen diese Pflan- zenhaarfarben zu einem Top-Qualitätsprodukt mit besonders guten Farbergebnissen.

Die 100g-Packung kostet 10,95 Euro und ist u.a. erhältlich bei www.najoba.de

8 TIPPS F ÜRS SELBSTFÄRBEN MIT PFLANZENFARBE

1. Haare vor dem Färben gründlich waschen, damit sie rückstandsfrei sind.

2. Zum Färben ein dunkles Shirt anziehen. Gut zu wissen: Pflanzenfarbe lässt sich im Gegensatz zu synthetischer Farbe aus der Kleidung auswaschen.

3. Gesichtskonturen und Ohren mit einer Fettcreme eincremen, so lassen sich Farbspritzer leichter entfernen.

4. Handschuhe sind nicht unbedingt nötig; damit sich die Farbe nicht absetzt, können Sie allerdings die Fingernägel vorher etwas einölen.

5. Pflanzenfarbe scheitelweise auftragen, so heiß es geht.

6. Ein altes Geschirr- oder Windeltuch mit heißem Wasser tränken, auswinden und um den Kopf legen. Darüber ein trockenes, dunkles Handtuch wickeln.

7. Gut feucht und so warm wie möglich halten. Die auf dem Produkt empfohlene Einwirkdauer beachten.

8. Gründlich ausspülen, nicht mit einem Shampoo auswaschen.

Permanentes Goldblond mit Vitamin E und C

Der Hersteller Tints of Nature arbeitet auch bei seinen permanenten Haarfarben nur mit bio-zertifizierten, natürlichen Inhaltsstoffen. Angereichert mit Vitamin C und E spendet die Farbe dem Haar gleichzeitig Feuchtigkeit.

So etwa Gold Blond, das für 16,95 Euro pro 130 g im Onlineshop tintsofnature.de erhältlich ist.

Kupfernes Braun durch Kräuterpower

Etwa vier Wochen halten die Haarfarben von Radico und sie eignen sich gut für die Abdeckung grauer Haare.

Die enthaltenen Kräuter stammen aus Indien und sind mit dem US-Biosiegel sowie dem europäischen Naturkosmetiksiegel Ecocert zertifiziert.

23 Farben stehen zur Auswahl, unter anderem Copper Brown, das es als 100g-Packung für 10,95 Euro im Onlineshop amarantus-lounge.de gibt.

Pflegendes Schwarz

Die als Naturkosmetik zertifizierten Logona-Pflanzen- Haarfarben werden aus verschiedenen farbgebenden Pflanzen gemischt und sorgen so für eine natürliche Pflege. Unter den zwölf erhältlichen Farbnuancen gibt es zum Beispiel Schwarz Intense, das sich für braunes bis dunkelbraunes Haar eignet.

Die 100g-Packung gibt es für 8,95 Euro in Onlineshops wie Bio-Naturel.de und EccoVerde.de oder im Bio-Fachhandel.

Leuchtendes Rot mit Henna

Die Naturhaarpflegemittel des österreichischen Naturkosmetikherstellers Styx bestehen aus reinem, hochwertigem Hennapulver aus Pakistan. Der Farbton Rot ist in einer starken und einer schwächeren Variante verfügbar. Da es sich um ein Naturprodukt handelt, hängt das Farbergebnis vom natürlichen Haarton ab:

Je heller das Haar, desto stärker fällt die Farbe aus.

Die 80g-Packung ist im Onlineshop shop.styx.at für 5,20 Euro erhältlich.

Das Beste ausder NATUR für Haut und Haar.

CULUMNATURA® satuscolor PFLANZENHAARFARBEN

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mit pflanzlichen Pigmenten gefärbt werden. Bei diesem Thema kommt Alexandra Dorn ins Schwärmen: „Viele Leute sind meliert und wenn man diese Haare blond färbt, wirkt das, als hätte man aufwendigst Strähnen gemacht. Das sieht so toll aus!“

Volumen und Glanz ganz natürlich

Die erste Coloration auf pflanzlicher Basis ist mit einer klassischen Tönung vergleichbar und wäscht sich leicht aus. Deshalb empfehlen Profis, die Prozedur nach drei Wochen zu wiederholen. Gleiches gilt für den Haaransatz, der beim Herauswachsen jedoch nie so hart aussieht wie bei einer konventionellen Färbung. Es entsteht kein harter Strich, sondern die nachwachsende Eigenfarbe verwischt sanft und wirkt deshalb sehr natürlich. Gerade helle Haare müssen oftmals erst nach acht Wochen nachgefärbt werden. Mit jedem neuen Farbschritt legt sich nicht nur eine weitere Pigmentschicht um das Haar. Pflanzenfarben haben auch pflegende Eigenschaften: Die enthaltene Gerbsäure schließt die Schuppenschicht des Haares. Es wird dadurch kräftiger und in seiner Struktur gestärkt. „Viele Kunden mit feinen Haaren sind glücklich, weil das Haar mehr Volumen hat“, verrät Alexandra Dorn aus ihrem Alltag als Friseurin. Zusätzlich verleiht die Gerbsäure einen schönen Glanz. Voraussetzung ist allerdings, dass die Haarpracht vorher mit natürlichen Produkten gepflegt worden ist. Chemisch gefärbtes Haar verhält sich anders.

Vorbereitung für chemisch gefärbtes Haar

Wenn Pflanzenfarbe auf synthetisch gefärbtes Haar trifft, wird das Haar starr und steif. Die Oxidationsfarbe hat die Schuppenschicht der Haare dauerhaft aufgebrochen. Damit sich die Pflanzenfarbe nicht in diese geschädigte Struktur einlagert, sollten die Haare rechtzeitig auf den natürlichen Schritt vorbereitet werden. Das bedeutet zuerst den Haarschopf von allen Rückständen, wie etwa Silikonen, zu befreien. Dafür ist ein basisches Shampoo geeignet, das möglichst vier Wochen lang angewendet wird. Als zusätzliche Kur empfiehlt sich, die Haare fleißig mit einer hochwertigen Naturbürste – aus Wildschwein- oder Sisalborsten – zu bürsten, damit sich

SILBERSTREIFEN AM HORIZONT

Derzeit gibt es nicht nur einen Trend zum Färben mit Naturprodukten, sondern auch zum Nichtfärben: Viele Frauen und Männer schließen Frieden mit ihrer natürlichen Haarfarbe, weißen Strähnen oder grauen Haaren. Diese kommen früher oder später bei jedem Menschen. Wann, das hängt hauptsächlich von den Genen ab. Durch Unfall, Krankheit oder starke seelische Belastung können graue Haare aber auch früher und sehr plötzlich kommen. Während das Ergrauen für manche nicht ins Selbstbild passt – „das ist doch viel zu früh“ oder „so alt bin ich doch gar nicht“ –, stehen andere selbstbewusst zu dieser äußerlichen Veränderung und gewinnen ihren Silberstreifen Positives ab: Zum Grau passen ganz neue Kleiderfarben. Außerdem spart das Nichtfärben Zeit und Ressourcen.

die Haarschüppchen wieder schließen (vgl. unser Artikel über Haarpege in BIO 5/20). Im Friseursalon wird anfangs nur der Haaransatz gefärbt, sodass das chemisch gefärbte Haar langsam herauswachsen kann. Und auch nach dem Färben dürfen nur natürliche waschaktive Substanzen aus Zucker-oder Kokostensiden ans Haar – ebenfalls in Bioualität, damit keine Silikone oder andere Filmbildner in die neue Pracht gelangen. Auf diesen Stoffen haftet Pflanzenhaarfarbe schlichtweg nicht. Aber Achtung: Frisch gefärbtes Haar darf frühestens nach 48 Stunden gewaschen werden. Die Farbpigmente reagieren mit dem Luftsauerstoff und benötigen dafür etwas Zeit. Das endgültige Farbergebnis ist nach drei Tagen sichtbar.

Warum Beratung wichtig ist

Um den richtigen Farbton zu treffen, raten Naturfriseur*innen dazu, sich von Expert*innen beraten zu lassen. Denn anders als bei konventionellen Farben ist die Farbbestimmung nicht genau: Zum einen können die einzelnen Lieferchargen in ihrem Farbton ein wenig voneinander abweichen, da Pflanzenfarbe ein reines Naturprodukt ist. Zum anderen entsteht je nach Haarbeschaffenheit und Einwirkdauer mit ein und derselben Pflanzenfarbe ein anderes Ergebnis. „Man kann nicht, wie sonst, eine Farbkarte hervorholen und sagen, wir nehmen jetzt die Vier-Null oder Fünf-Null oder dieses Nussbraun – die Farbe kommt bei allen anders raus.“ Alexandra Dorn nimmt sich viel Zeit, um sich den Anteil der Rotpigmente in den einzelnen Haaren anzusehen. Hier spielt Berufserfahrung eine große Rolle, nur ein*e gut geschulte*r Friseur*in trifft den richtigen Farbton und vermeidet einen unerwünschten Lilastich oder eine zu rötliche Nuance.

ALEXANDRA DORN beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Pflanzenfarbe. Die Friseurmeisterin und Haarpraktikerin führt einen Salon zusammen mit ihrer Kollegin in Kempten. Als sie begann, auf die verwendeten Produkte allergisch zu reagieren, stieg sie 2016 auf ökologische Produkte um.

Pioniere für Natürlichkeit

Das Färben der Haare mit rein natürlichen Ausgangsstoffen ist keine neuzeitliche Erfindung. Schon im alten Ägypten wurden die Haare top gestylt in ausgefallenen Frisuren und Farben getragen. Im heutigen Profibereich werden oftmals Pflanzenhaarfarben von Alexander Pietschmann eingesetzt. Der Friseurmeister gehört zu den Pionieren auf diesem Gebiet und kann auf 50 Jahre Erfahrung zurückblicken. Seine pulverisierten Mischungen bestehen ausschließlich aus Pflanzen und Kräutern, seine Firma Oliebe ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Auch Willi Luger stellt seit 1996 mit seiner Firma CulumNatura in Österreich natürliche Haut- und Haarpflegeprodukte her. Pflanzenhaarfarben gehören seit 2012 friseurexklusiv zu seinem Sortiment. Die Industrie hingegen bietet natürlich anmutende Pulver an, die viele synthetische Zusatzstoffe enthalten. Eine Irreführung ist also leicht möglich. Das Gleiche gilt für manche Produkte zum Selbstfärben: Prangen Begriffe wie „Natur“ oder „auf pflanzlicher Basis“ auf ihnen, wurde oft mit chemischen Farbstoffen nachgeholfen.BIO stellt Ihnen daher auf Seite 75 ausschließlich als Naturkosmetik zertifizierte Produkte vor.