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Gesundes aus dem Kloster


der pilger - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 07.11.2019

Schwester Birgit aus dem Franziskanerinnen-Kloster Reute bewahrt das alte Wissen der Klostermedizin. Die Ingwer-Wurzel schätzt sie als Gewürz und Heilmittel.


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Bildquelle: der pilger, Ausgabe 4/2019

Ingwer ist ein Tausendsassa unter den Heilpflanzen und Gewürzen“, sagt Schwester Birgit Bek, Phyto-Praktikerin im Kloster Reute bei Bad Waldsee. Seit alters her kannte ihn die chinesische Medizin als Abwehrmittel bei Erkältungskrankheiten. Ätherische Öle, Gingerol und Shoagolen – letztere führen zu dem scharfen Geschmack – wirken antioxidativ, antibakteriell und entzündungshemmend. Außerdem lindert Gingerol Muskelbeschwerden sowie Schmerzen durch ...

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Ingwer ist ein Tausendsassa unter den Heilpflanzen und Gewürzen“, sagt Schwester Birgit Bek, Phyto-Praktikerin im Kloster Reute bei Bad Waldsee. Seit alters her kannte ihn die chinesische Medizin als Abwehrmittel bei Erkältungskrankheiten. Ätherische Öle, Gingerol und Shoagolen – letztere führen zu dem scharfen Geschmack – wirken antioxidativ, antibakteriell und entzündungshemmend. Außerdem lindert Gingerol Muskelbeschwerden sowie Schmerzen durch Arthrose und Rheuma. Eine zweite wesentliche Bedeutung hat der Ingwer für die Verdauung. Auch davon wusste man in China und in Arabien bereits im Mittelalter. „Die Produktion von Magensaft, Speichel und Galle wird angeregt und der Darm aktiviert“, so Schwester Birgit. Ingwer helfe, den Cholesterinspiegel zu senken. Außerdem stärke er die Durchblutung des Magens, wirke gegen Krämpfe und Blähungen. Die Ordensfrau schwört auf Ingwer vor allem als Mittel zur Erwärmung. Die Wirkung von pflanzlicher Wärmesalbe wird durch Chili und Ingwer erreicht. Ingwer wärmt natürlich auch von innen: „An kalten Herbst- und Wintertagen reibe ich mir mittags ein wenig über die Suppe, das tut gut, wenn man dann raus in die Kälte muss.“
Hildegard von Bingen, die heilkundige Benediktiner-Äbtissin aus dem 11. Jahrhundert, hielt eher weniger vom Ingwer: „Sein Genuss schadet einem gesunden Menschen, weil er ihn unwissend, unkundig und zügel los macht“, schrieb sie über die exotische Pflanze. Ob Ingwer tatsächlich zügellos macht? Heute weiß man, dass es eher umgekehrt ist. Zwar regt er zunächst den Appetit an, doch vor allem kurbelt er nach einem zu üppigen Essen die Verdauung an, hilft also gegen die Folgen der „Zügellosigkeit“. Übrigens zählen zur großen Familie der Ingwergewächse auch Kardamon, Kurkuma, Zitwer und Echter Galgant – das sind ebenfalls wichtige Heil- oder Gewürzpflanzen.

Kleiner Tipp

Ein Aperitif für vier Personen wird aus dem Saft einer Zitrone, Ingwer (1 bis 2 Zentimeter groß), kaltem Wasser (0,5 Liter) und Zucker (nach Geschmack) hergestellt. Den Ingwer fein reiben, den Saft durch ein Tuch auffangen. Mit Zitronensaft und Wasser mischen, dann mit Zucker abschmecken. Die Gläser mit Minzblättchen dekorieren. Das Getränk regt Appetit und Verdauung an.

Ingwer (botanischer Name: Zingiber officinale)Ingwer wird bis zu 150 Zentimeter hoch. Die grasgrünen Stängel und bis zu 30 Zentimeter langen Blätter erinnern an Schilf. Unter der Erde wächst das Rhizom, aus dem neue Blatttriebe und auch der Schaft mit dem Blütenstand emporwachsen. Dieser ist aus grünen Hochblättern und Blüten gebildet, die gelb, orange oder rot sein können. Vor allem wegen des goldbraunen Rhizoms wird der Ingwer kultiviert. Dessen fleischiges Inneres ist gelb und riecht aromatisch, der Geschmack ist scharf. Die ursprüngliche Heimat des Ingwers ist nicht genau bekannt. Die Pflanze gedeiht in den Subtropen und Tropen. Große Anbaugebiete gibt es in China, Indien und Nigeria, kultiviert wird Ingwer u.a. in Südfrankreich und Australien.

Erfahrungen von Schwester Birgit:

So verwendet sie die Ingwerwurzel

Nicht nur in den Tropen gedeiht Ingwer, sondern auch im Kloster Reute in Oberschwaben. Die kalte Jahreszeit verbringt er hier freilich im Gewächshaus. In Haus oder Wohnung kann man Ingwer ebenfalls ziehen. Einfach ein Stück Wurzel in einen großen Topf mit guter Erde pflanzen, rät Schwester Birgit, die in der Klostergärtnerei Reute mitarbeitet. „So hat man immer Wurzelstücke in Bio-Qualität.“ Zusätzlich erhält man eine dekorative Zierpflanze. „Zur Düngung sollte man dann aber auf Bio-Produkte zurückgreifen.“ Beim Kauf von Ingwer rät die Ordensfrau ebenfalls zu Bio-Ware, die nicht unbedingt geschält werden muss.

Ingwer-Tee: Von der getrockneten und pulverisierten Wurzel einen halben bis einen Teelöffel in einem Papierbeutel in kochendes Wasser geben. Fünf Minuten ziehen lassen, dann mit Zitronensaft und Honig abschmecken. Man kann ein bis drei Tassen am Tag davon trinken, dies wärmt bei Erkältung „von innen heraus“. Vier Tassen Ingwer-Tee kann man gegen Reise-Übelkeit trinken: Eine Hälfte eine halbe Stunde vor Fahrtantritt, den Rest unterwegs. Alternativ kann man Ingwer-Bonbons oder kandierten Ingwer lutschen.

Ingwer-Öl: Ein großes Stück Wurzel über einer Schüssel reiben, den Saft durch ein Tuch fließen lassen und dann mit der doppelten Menge Sesamöl vermischen. Im Kühlschrank aufbewahren. Es dient bei Verspannungen zum Einreiben der Haut.

Ingwer-Wasser: Ein daumengroßes Stück Wurzel (eventuell schälen) wird in dünne Scheiben geschnitten und mit heißem Wasser überbrüht. Einige Minuten ziehen lassen. Das etwas abgekühlte Wasser eignet sich zum Gurgeln bei Halsweh und Mundgeruch, zum Beispiel nach Genuss von Knoblauch.

Von der frischen Wurzel sollte über den Tag nicht mehr als drei bis vier Gramm verzehrt werden. Zum Abend hin wird davon ganz abgeraten, denn Ingwer ist schweißtreibend. Kinder unter 6 Jahren sollten keinen Ingwer erhalten, bei Fieber meidet man ihn auch. Auch Schwangere sollten bei Ingwer zurückhaltend sein, bei Gallen- oder Nierenleiden hält man vor dem Genuss von Ingwer erst Rücksprache mit dem Arzt. (Alle Angaben ohne Gewähr.)


Fotos: S.72 ob.:Franziskanerinnen von Reute; S.73 ob. li.: Erik Paul; un.: mizina / stock.adobe.com; Kasten li.: Sensay / stock.adobe.com; re.: dream79 / stock.adobe.com