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GESUNDES LEBEN: Lust auf Grüne Mode


natürlich gesund und munter - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 23.08.2018

Ökologisch produziert, fair gehandelt und schick soll Kleidung heute sein. Aber „grün“ ist nicht gleich „grün“, die Orientierung nicht ganz leicht. So finden Sie die Mode, die Sie suchen.


Artikelbild für den Artikel "GESUNDES LEBEN: Lust auf Grüne Mode" aus der Ausgabe 5/2018 von natürlich gesund und munter. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: natürlich gesund und munter, Ausgabe 5/2018

Das neue T-Shirt, die neue Jeans – kennen Sie das gute Gefuhl, das ein frisch erworbenes, trendiges Kleidungsstuck verschaffen kann? Wie es das Selbstbewusstsein hebt, wenn auch die Freundinnen bestatigen, dass es eine gute Wahl war? Herrlich! Noch besser: wenn Sie das neue Stuck mit gutem Gewissen tragen konnen, weil es umweltschonend und fair hergestellt und gehandelt worden ist.

Im Interesse von Mensch und Natur ...

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Angesagte Mode lockt an fast jeder Ecke, und das zu Dumpingpreisen. Wie soll man da widerstehen? Als erstes konnten Sie Preise und Qualitat in Beziehung setzen und sich fragen: Wenn etwas so billig verkauft wird, wie kann es dann gut und langlebig sein? Wer zahlt letztlich dafur? Die konventionelle Produktion von Kleidung geht namlich oft zulasten der Umwelt, der Arbeiterinnen und der Gesundheit der Kundinnen (siehe Kasten „Textilproduktion – Zahlen und Fakten“, Seite 48). Nicht zuletzt wachst auch bei preisbewussten Konsumentinnen das Unbehagen uber Klamotten, die nach einer Saison in der Altkleidersammlung oder gleich im Mull landen.
Die gute Nachricht: Teile der Textilbranche bewegen sich in die richtige Richtung, und immer mehr Unternehmen setzen auf Nachhaltigkeit. Das Stichwort hei.t: „Grune Mode“ – und sie boomt geradezu. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Ganz grundsatzlich liegt der Fokus auf der Unversehrtheit von Mensch und Natur. Chemikalien wie Pestizide und Insektizide sind deshalb tabu. Losungsmittelbasierte Farben werden nicht eingesetzt, au.erdem verzichten die Produzenten beispielsweise bei der Herstellung von Jeans auf das Sandstrahlen – dieses Verfahren ist namlich nicht ungefahrlich und kann schlimmstenfalls fur die Arbeiter todlich sein. Auch Fair Trade ruckt immer mehr in den Fokus: Bei „fair“ produzierten und gehandelten Produkten erhalten die Arbeiterinnen einen festgelegten Mindestlohn, der ihnen ein menschenwurdiges Leben ermoglicht. Unter anderem sind hier – neben der angemessenen Bezahlung – das Verbot von Kinderarbeit, feste Arbeitszeiten, Arbeitsschutz sowie soziale Absicherung die Hauptkriterien.

Doch Vorsicht, die Begriffe Fair Trade und okologisch hangen nicht automatisch zusammen. Wer okologisch produziert, berucksichtigt nicht unbedingt auch die Fair-Trade-Kriterien.
Mit dem wachsenden Angebot Gruner Mode reagieren die Hersteller auf ein verandertes Verbraucherbewusstsein. Immer mehr Kundinnen und Kunden wollen wissen, was in und hinter ihrer Kleidung steckt. Beim Blick aufs allgemeine Etikett eines Kleidungsstucks ist wenig bis nichts zu erfahren, denn dort werden nur die Art der Faser, Waschanleitung und Produktionsort angegeben. Was fehlt, sind Informationen dazu, mit welchen Chemikalien die Faser in Beruhrung kam und welche Stoffe bei der Weiterverarbeitung und Veredelung eingesetzt wurden.

Der Blaue Engel – Textilien

Das Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums wird an Unternehmen verliehen, die ihre Produkte umweltschonend und qualitativ hochwertig herstellen. Gesundheitsschädliche Chemikalien sind tabu. Im Bereich sozialer Standards stellt das Siegel allerdings nur schwache Anforderungen.

Fairtrade Cotton

Das Siegel steht seit 2007 für Rohbaumwolle, die fair angebaut und gehandelt wurde. Ihr Weg ist vom Endprodukt bis zum Ursprung zurück verfolgbar. Alle Beteiligten der Lieferkette müssen internationale Normen des Arbeitsrechts einhalten. Das Siegel Fairtrade Textile Production geht noch darüber hinaus. Ab 2019 soll es auch in Deutschland verwendet werden.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

Das vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. vergebene Siegel steht für ökologische Produktionsstandards. Die Kleidung muss 95 Prozent Bio-Naturfasern (Grad 1) bzw. 70 Prozent (Grad 2) enthalten. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermeidung schädlicher Chemikalien. Soziale Arbeitsstandards sind auch Teil des GOTS-Kodex.

Siegel senden Signale

Bei der Suche nach okologischen und fairen Alternativen helfen Ihnen Textilsiegel, die richtige Wahl zu treffen und nachhaltige Mode zu erkennen (siehe Kasten unten). Heike Hess, Geschaftsfuhrerin des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN), erklart: „Mittlerweile sind unzahlige Siegel auf dem Markt, doch sie haben unterschiedliche Schwerpunkte. Nicht alle bewerten die gesamten sozial-okologisch- gesunden Nachhaltigkeitsaspekte. Aus meiner Sicht sind gute und starke Siegel solche, die vom Feld bis in den Laden die gesamte Produktionskette uberprufen.“ Dazu gehoren unter anderem Oeko-Tex Made in Green, Blauer Engel, IVN, Fairtrade Textil, GOTS (Global Organic Textile Standard). Kein Siegel am Produkt, aber trotzdem Grune Mode? Das gibt es durchaus: Insbesondere kleine Marken erfullen zwar hohe Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit und Gesundheit, verzichten aber auf die mit Kosten verbundene Zertifizierung. Am einfachsten ist es, vor Ort im Laden danach zu fragen.

Grüner Stil für jeden Geschmack

Und noch eine gute Nachricht: Nachhaltige Mode ist langst nicht mehr zu teuer, zu schwer zu bekommen oder einfach altbacken. Heike Hess sagt: „Der grune Stil ist heute komplett.“ Das hei.t, fur jeden Geschmack wird etwas geboten – von edel-zuruckhaltend bis hip und kreativ. Designer prasentieren auf den gro.en Laufstegen angesagte Oko-Kleidung, auch Green Chic, Green Glamour oder Fair Fashion genannt. Marken wie Greenality, Armedangels und Grune Erde haben sich die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen geschrieben. Und es werden immer mehr: Gerade fur Grunder ist Green Fashion wegen des gewachsenen Kundenbewusstseins attraktiv. Wer ein wenig stobern mochte, ist zum Beispiel im Onlineshop www.avocadostore.de genau richtig.

IVN Best Naturtextil

Dieses Siegel bietet den aktuell höchsten Öko-Standard. Der Biofaser-Anteil in der Kleidung muss 100 Prozent betragen. Das Siegel verlangt eine ressourcenschonende Produktion und die Zahlung fairer Löhne. Nur Produkte, in denen alle Produktionsstufen zertifiziert sind, dürfen das Siegel tragen.

Oeko-Tex Made in Green

Das Siegel kennzeichnet garantiert schadstofffreie Textilprodukte, die umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt wurden.

Die Interseitewww.siegelklarheit.de gibt zusätzlich einen guten Überblick.


Fair und nachhaltig produzierte Mode ist auf den Laufstegen angekommen – zum Beispiel im „Greenshowroom“ der Berliner Fashion Week.


Und wie sieht es mit dem Preis aus? Hess: „Man muss bedenken, dass hochwertige und ,grune‘ Stoffe eingekauft werden. Es werden vernunftige Lohne bezahlt. Das wirkt sich naturlich ein wenig auf den Preis aus. Dafur halt die bessere Qualitat auch langer.“ Kleidung ist eben mehr als nur ein Stuck Stoff: Sie ist wie eine zweite Haut, man will sich in und mit ihr wohlfuhlen. Sie signalisiert, was der Tragerin gefallt, und sie betont ihre Schokoladenseite. Es lohnt sich, sie zu schatzen, zu pflegen – und auch zu hinterfragen, wie sie gemacht ist. Die Textilexpertin Hess bringt es auf den Punkt: „Wer Grune Mode kauft, der legt Wert auf sozialvertraglich und umweltschonend hergestellte und gehandelte Kleidung und achtet auf seine Gesundheit.“ Dieser Verantwortung zu entsprechen, gibt noch mehr Selbstbewusstsein – und ein rundum besseres Gefuhl.

Tipps für den Kleiderkauf

›Den eigenen Konsum überdenken. Brauche ich wirklich diesen neuen Pulli oder Rock?

›Naturfasern bevorzugen, sie sind gesünder für die Haut.

›Kleidung mit Hinweisen „separat waschen“ und „Vor dem Tragen waschen“ meiden. Hier stecken oft Chemikalien drin, die ungesund sind.

›Auf die Herkunft achten. Möglichst keine Kleidung kaufen, die in Niedriglohnländern hergestellt wurde.

›Einfach vor Ort im Laden fragen!

Textilproduktion: Zahlen und Fakten, die unter die Haut gehen

›5,2 Milliarden Kleidungsstücke haben die Deutschen laut einer Greenpeace-Studie im Schrank, und rund 40 Prozent davon werden nur selten oder nie getragen.

›74 Prozent der konventionell angebauten Baumwolle stammen aus gentechnisch modifiziertem Saatgut. Damit dieses wächst und gedeiht, werden Pestizide und Kunstdünger gebraucht – und Unmengen von Wasser.

›11000 Liter Wasser verbraucht der Anbau eines Kilogramms Baumwolle.

›0,6 Prozent vom Ladenpreis beträgt der durchschnittliche Lohnanteil einer Näherin.

›40000 bis 50000 Tonnen Färbemittel aus der Textilproduktion gelangen jährlich in die Wasserkreisläufe der Produktionsländer und vergiften Mensch und Umwelt.

›Ein Zehntel der chemischen Substanzen, mit denen Jeans, Blusen und Pullover schon während der Produktion und für den Transport gefärbt, veredelt und imprägniert werden, verbleibt in der Kleidung. So können sie über die Haut in den Organismus gelangen und krank machen. Heike Hess vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) erklärt: „Substanzen wie Blei, Chrom, Schwermetalle kommen zwar auch in der Natur vor. In der Textilherstellung werden sie hauptsächlich zum Färben eingesetzt. Wenn man aber von ihnen eine Überdosis bekommt, schädigen sie Mensch und Natur. Sie bauen sich nur langsam ab und können das Nervensystem schwächen oder sogar krebserregend sein.“


Fotos: RyanJLane, AndreyPopov, Olga_Z, hudiemm, ViewApart/alle iStock.com

Fotos: buntes-dings, Dirk70/beide Photocase.de; blew_f/Fotolia.com; Olga_Z, Yagi-Studio/beide iStock.com Siegel: RAL GmbH, Bonn; TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland); Global Organic Textile Standard; Verband IVN-www.naturtextil.de; OEKO-TEX®

Foto: Thomas Lohnes-Thomas Niedermüller/Getty Images (aus Pressemappe Fashionweek 2018); Illustration: Olga_Z/iStock.com