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GESUNDES REISEN: Kraft tanken vor dem Winter


natürlich gesund und munter - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 24.10.2019

Nichts wie raus an die frische Luft, bevor die kalten Tage kommen: Ob im Alpenvorland, im Mittelgebirge oder an der Nordsee – Herbstzeit ist Wanderzeit. Packen Sie die Schuhe ein, und auf geht’s!


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Bildquelle: natürlich gesund und munter, Ausgabe 6/2019

ENDLICH HERBST! Fallen die ersten goldgelb und rot gefärbten Blätter, beginnt das Wanderherz, höher zu schlagen, denn jeder Tourengänger weiß: Jetzt beginnt die beste Zeit des Jahres, um durch die Landschaft zu streifen. Die Temperaturen sind geradezu ideal für die Bewegung an frischer Luft: Meist ist es weder zu heiß noch zu kalt. Während die Sommerhitze Herz und Kreislauf belastet, kann man in der kühleren ...

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ENDLICH HERBST! Fallen die ersten goldgelb und rot gefärbten Blätter, beginnt das Wanderherz, höher zu schlagen, denn jeder Tourengänger weiß: Jetzt beginnt die beste Zeit des Jahres, um durch die Landschaft zu streifen. Die Temperaturen sind geradezu ideal für die Bewegung an frischer Luft: Meist ist es weder zu heiß noch zu kalt. Während die Sommerhitze Herz und Kreislauf belastet, kann man in der kühleren Jahreszeit beschwingt ausschreiten, selbst Ungeübte schaffen leichten Fußes 200 bis 300 Meter Höhenunterschied. Derzeit lohnt sich ein Wanderurlaub also besonders.
Eine Tour durch die Herbstlandschaft garantiert aber nicht nur lockeren Wanderspaß, auch Ihre Gesundheit profitiert gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Bewegung in kühler Luft stärkt zum einen das Immunsystem, zum anderen regt sie den Körper zur Muskelarbeit an. Die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite, in kunterbuntem, fröhlichem Gewande, und so tut eine Herbstwanderung nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut. Der Herbst bietet also eigentlich keinen Anlass, melancholisch zu werden. Vielmehr lädt er ein, die Wanderstiefel und den Rucksack zu schnüren, bevor es so richtig kalt wird.

Traumhafte Herbsttage im Heilklima

Am gesündesten ist es zweifellos, sich in möglichst sauberer Luft zu bewegen – eine Bedingung, die vor allem heilklimatische Kurorte erfüllen. Dort weist die Luft nicht nur eine geringe Schadstoffbelastung auf, sondern ist auch weniger feucht, weshalb diese Regionen nebelärmer und somit ideal für Herbsttouren sind.

Strecken, die abwechselnd durch sauerstoffreiche, schattige Wälder und sonnenbeschienene Areale führen und auch mal ein bisserl hinauf führen, regen die Vitalfunktionen besonders stark an, wird der Körper dabei doch von unterschiedlichen klimatischen Reizen stimuliert und damit die sogenannte Thermoregulation trainiert (siehe Kasten „Was kühle Luft im Körper bewirkt“, Seite 88).
Für spätherbstliche Touren sind das Mittelgebirge und das Alpenvorland besonders gut geeignet, da dort im Unterschied zum Hochgebirge die Temperaturen moderater und die Aufstiege nicht so steil und beschwerlich sind. Ratsam ist es, für die Herbstwanderung die Mittagszeit auszunutzen, da dann die Sonnenstrahlung am intensivsten ist. Das beste Outfit dabei ist der Zwiebellook. Erwärmt sich der Körper beim Laufen, kann man sich flugs der oberen Schicht entledigen. „Denn es ist wichtig, dass sich die Haut stets kühl anfühlt“, erklärt Professorin Dr. Angela Schuh, medizinische Klimatologin an der Ludwig Maximilian Universität München. Dabei genügt es völlig, wenn einige Körperstellen, wie Handgelenke, Unterarme oder Waden, dünn bekleidet sind.


Touren, die Sie auf Touren bringen: Wanderungen durch den sonnigen Herbst


Der Schwansee zu Füßen des Schlosses Hohenschwangau liegt im Naturschutzgebiet am Alpsee. Er ist Teil eines romantischen Parks, den König Maximilian II. im 19. Jahrhundert anlegen ließ.


Wandern und kneippen

Aber was, wenn das Wetter einfach zu regnerisch zum Wandern ist und die Tourenpläne durchkreuzt? In diesem Fall ist der Gast besonders gut in heilklimatischen Kurorten aufgehoben, die auch Kneippanwendungen ermöglichen. Denn die Kälte des Wassers auf der Haut trainiert das Immunsystem zusätzlich.

Romantisches Schwangau

Beides, romantische Touren im Heilklima wie Wassertherapie nach Pfarrer Kneipp, verspricht ein Aufenthalt in Schwangau. Die im Ostallgäu gelegene Gemeinde – für die Schlösser König Ludwigs II. weltberühmt und vielbesucht – darf sich schon seit 1986 „Heilklimatischer Kurort“ nennen.
Touren-Tipp: Auf dem 5,5 Kilometer langenAlpsee-Rundweg erblickt man aus der Ferne die oberhalb des Schwansees majestätisch thronenden Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein. Bei sanfter Herbststimmung scheinen sie einer Märchenwelt entstiegen. Bevor der Wandersmann allerdings diesen Augenschmaus erlebt, wird er körperlich ein wenig gefordert, denn der Weg führt immerhin fast 300 Meter in die Höhe.
Danach oder auch an weniger schönen Tagen können Sie in dem nur drei Kilometer entfernten Kneipp-Kurort Füssen Ihre Abwehrkräfte weiter stärken. Dort haben sich allein sechs Gesundheitsgastgeber auf die heilkräftige Wassertherapie spezialisiert. Ob im Biohotel Eggensberger, dem Kurhotel Wiedemann oder im Moest Medical, bei rechtzeitiger Terminabsprache stehen auch externen Gästen die Tore zu den Gesundheitsabteilungen offen. Zwar hat die Stadt Füssen bisher nicht das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ erworben, aber die Wanderungen auf den Terrainkurwegen und die 7,5 Kilometer lange, leicht zu gehende Runde zum 900 Meter hohen Kalvarienberg sind höchst reizvoll. Aufgepasst: Droben kann es ab November schon richtig kalt sein!

Meditatives Willingen

Wenn Sie nicht zwischen zwei Orten pendeln, sondern das Auto im Urlaub stehen lassen möchten, empfiehlt sich eine Reise in das 550 Meter hoch gelegene Willingen im Sauerland. In dem heilklimatischen Ort, der zugleich Kneipp-Heilbad ist, bietet das Kurhotel Hochsauerland 2010 unterschiedlichste Wasseranwendungen. Von außen sieht man dem Hotel trotz umfangreicher Renovierung seine Entstehungszeit in den Siebzigerjahren an. In der schön gestalteten Kurund Wellnessanlage geht fast jeder Kneippwunsch – von Wasser-über Blitzguss bis hin zum Fußbad und Dauerliegeduschen – in Erfüllung. Das Kurhotel Hochsauerland 2010 bietet auch eine offene zwölftägige Badekur an, deren Kosten bei entsprechender Indikation zu 90 Prozent von Krankenkassen erstattet werden. Die ruhig gelegenen Wanderwege rund um Willingen bieten alles, was Herz und Seele eines Tourengängers begehren: Waldwege, lichte Wiesenpfade und sprudelnde Bachlandschaften.

Im Hochsauerland erlebt der Wanderurlauber den besonderen Reiz des Mittelgebirges. Rund um den Kurort Willingen führen gut ausgeschilderte Strecken durch die herbstlich bunten Wälder.


Touren-Tipp: Ein guter Einstieg, um die umliegende Gegend zu erkunden, bietet die erste, zwölf Kilometer lange Etappe desUplandsteigs. Der Aufstieg von 300 Metern ist recht steil, aber er lohnt sich: Von der Ringwallanlage Schwaleburg kann der Wanderer herrliche Ausblicke in die Ferne genießen. Von dort geht es wieder abwärts nach Schwalefeld, wo Sie die moderne Pilgerkirche besichtigen können. Über den zwei Kilometer langen Upländer Pilgerweg gelangen Sie zurück nach Willingen.


Leuchtende Farben, frische Luft und herrliche Fernsicht: Die kühle Jahreszeit macht Lust, endlich wieder die Wanderschuhe zu schnüren.


Auf Norderney ist eine Wanderung durch die Dünen oder am Spülsaum des Meeres entlang ein Muss! Und wenn es regnet, lockt Deutschlands größtes öffentliches Thalasso-Badezentrum.


Thalasso-Insel Norderney

Auch die Nordseeküste mit ihrem Reizklima ist ein ideales Reiseziel, um die Abwehr zu stärken, auch wenn mancher sich an die raue Witterung erst gewöhnen muss. Gut und sicher aufgehoben sind Sie auf der ostfriesischen Insel Norderney – dort können Sie sich langsam akklimatisieren.
Je nach Wetterlage kann der Gesundheitssuchende ausgedehnte Spaziergänge am Strand oder auf den windgeschützten Terrainkurwegen machen, die teils hinter dem Deich und durch den Ort verlaufen. Bei Sonnenschein ist eine Wanderung am Spülsaum des Meeres entlang aber ein Muss. Die kräftige Salzbrise sorgt dafür, dass selbst noch die allerkleinsten Gefäße gut durchblutet werden. „Die verbesserte Mikrozirkulation setzt wiederum den Transport von Abwehrstoffen wie etwa Leukozyten in Gang und erhöht – ähnlich wie bei einer Lymphdrainage – die Immunaktivität“, erklärt Dr. Friedhard Raschke, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Staatsbads Norderney. Die Wirkung dieses thermischen Reizes macht sich nicht nur während der Wanderung, sondern auch noch lang danach deutlich bemerkbar. Hände und Gesichtshaut sind nach dem Spaziergang auffällig gerötet. Dieser Effekt passiere ganz automatisch und sei ein gutes Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel während des Wanderns tüchtig aktiviert wurde, so der Experte für physikalische Therapie.
Und sollte es tatsächlich regnen oder gar stürmen, flüchten Sie einfach in Deutschlands größtes öffentliches Thalasso-Badezentrum. Neben einem großen Meerwasser-Schwimmbecken verfügt es über ein 36 °C warmes Salzbad. Das Wasser darin hat einen Salzgehalt von30 Prozent – Sie können darauf wie im Toten Meer floaten und sich herrlich entspannen. Davor oder danach trainieren Sie Ihre Thermoregulation, indem Sie abwechselnd Ihre Füße in ein 14 °C kaltes und ein 42 °C heißes Becken halten. Ganz Unerschrockene tauchen mit dem ganzen Körper in das kalte Becken ein. Das härtet garantiert ab.

Was kühle Luft im Körper bewirkt

Auch wenn der Mensch sich häufig über zu viel Hitze oder Kälte beklagt, kann sich sein Warmblüterkörper gut auf Temperaturwechsel einstellen. Steigt oder sinkt die Temperatur, leitet der Organismus sofort Gegenmaßnahmen ein. Die Fähigkeit, sich an die jeweilige Umgebungstemperatur anzupassen, wird Thermoregulation genannt. Typischerweise fängt der Körper unwillkürlich an zu zittern, wenn es zu kalt ist.

„Um den Körper auf seiner normalen Betriebstemperatur von 37 °C zu halten, muss der Organismus durch Muskelarbeit Wärme produzieren“, erklärt Professor Dr. Angela Schuh, medizinische Klimatologin an der Ludwig Maximilian Universität München. Ob Wanderungen in frischer Luft, Wechselduschen oder kalte Kneippgüsse, immer wird dadurch die Thermoregulation trainiert, was den Körper gegen Temperaturschwankungen und Kälte widerstandsfähiger macht. Da Kühle den Muskelstoffwechsel aktiviert, fällt der Trainingseffekt bei einer Wanderung im Herbst größer aus als im Sommer.

Weitere Infos:

Tourist-Information Füssen, www.fuessen.de
Tourist-Information Schwangau, www.schwangau.de
Tourist-Information Willingen, www.willingen.de
Tourist-Information Staatsbad Norderney, www.norderney.de
Thalasso-Einzel-Anwendungen wie Schlickpackungen, Meerwasserbäder und Massagen, bucht man am besten zeitig beim Badearzt.


Fotos erste Seite: Michael Helmer; Tourist-Information Willingen

Fotos: Michael Helmer; balipadma, mira drozdowski/beide Depositphotos.com; Tourist-Information Willingen

Foto:slichtbildmaster/AdobeStock.com; Nicholas Chibac