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gesundheit: AUA, DAS TUT WEH! Wie im Notfall reagieren?


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 03.07.2019

Prellungen, Fieber oder Wunden: Wie Eltern selbstErste Hilfe leisten können – und wann sie mit dem Nachwuchs besser zum Arzt gehen sollten


Artikelbild für den Artikel "gesundheit: AUA, DAS TUT WEH! Wie im Notfall reagieren?" aus der Ausgabe 8/2019 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 8/2019

Noch mal glimpfl ich abgelaufen! Und wenn Papa dann schnell ein Pfl aster zur Hand hat, ist der Sturz vom Fahrrad bald vergessen


Blutige Knie, Beulen am Kopf: So etwas passiert einfach, wenn Kinder sich bewegen, klettern, rangeln, sich ausprobieren und etwas wagen. Hinzu kommen Unfälle, die vermeidbar gewesen wären, etwa Verbrennungen und Vergiftungen. Gleich vorweg: Wichtige Tipps zur Prävention liefert die Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit ...

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Blutige Knie, Beulen am Kopf: So etwas passiert einfach, wenn Kinder sich bewegen, klettern, rangeln, sich ausprobieren und etwas wagen. Hinzu kommen Unfälle, die vermeidbar gewesen wären, etwa Verbrennungen und Vergiftungen. Gleich vorweg: Wichtige Tipps zur Prävention liefert die Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“
(www.kindersicherheit.de).

Die Gefahr lauert in den eigenen vier Wänden
Rund elf Millionen Kinder unter 15 Jahren leben in Deutschland. Nach den aktuellen Hochrechnungen des Vereins suchten 2017 etwa 1,7 Millionen Kinder pro Jahr nach einem Unfall einen Arzt auf – Jungen etwas häufi ger als Mädchen. 24,2 Prozent der Unfälle passieren in Kita und Schule, 17,4 Prozent auf dem Spielplatz oder beim Sport. Die meisten Unfälle geschehen jedoch im privaten Umfeld – 43,8 Prozent.

Eltern sind oft die wichtigsten Ersthelfer
Dr. Dirk Nonhoff, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Köln, empfi ehlt deshalb vor allem Erste-Hilfe-Kurse.
„Nicht nur für Eltern. Jeder sollte sich im Notfall auskennen“, sagt er. Denn wer weiß, welche Handgriffe nötig sind, zögert im Erstfall nicht und kann bei Unfällen oder akuten Erkrankungen kompetent helfen – bei der Arbeit, beim Sport oder zu Hause.
In vielen Fällen ist Eltern klar, was zu tun ist: Ist ein Kind bewusstlos, bringt man es in die stabile Seitenlage, Babys und Kleinkinder bis fünf Jahre in die stabile Bauchlage – und ruft dann sofort den Notarzt (112). Und wenn die Lage nicht eindeutig ist …? Bei starkem Nasenbluten? Bei einer Prellung? Muss das Kind sofort zum Arzt – oder kann ich mit Hausmitteln helfen? Leider gebe es für diese Zweifelsfälle keine sicheren Faustregeln, meint Dirk Nonhoff. „Folgen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie den Eindruck haben, Ihr Kind muss zum Arzt, dann sollten Sie das tun.“

Die eigene Urteilsfähigkeit trainieren
Allerdings – seien wir ehrlich – „trügt“ unser Bauchgefühl gelegentlich. Manchmal möchten wir schnell Verantwortung abgeben. Oder wir haben Sehnsucht nach einer Sicherheit, die es nicht geben kann.
Welche seltsamen Blüten es treiben kann, wenn Eltern vorschnell überzeugt sind („Ein Arzt, aber bitte sofort!“), darüber berichten die beiden „Spiegel Online“- Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg in „Ich muss mit auf Klassen- fahrt – meine Tochter kann sonst nicht schlafen!“. Für ihr Buch haben die beiden Journalistinnen mit Hebammen, Erziehern, Lehrern, Sporttrainern – und eben mit Ärzten gesprochen. Ein Mediziner berichtet: „Gegen 23 Uhr bekamen wir eine Notfallmeldung: ‚Sechs Monate altes Kind mit Atemnot.‘ Mit Blaulicht und Sirene fuhren wir hin. Als wir eintrafen, stand der Vater mit dem Kind auf dem Arm vor der Tür – es schlief. Dahinter die weinende Mutter. Auf die Frage, was passiert sei, antwortete der Vater: Das Kind habe einmal komisch gehustet.“
Solche Geschichten mag man für skurrile Einzelfälle halten. Aber fehlt uns nicht auch manchmal die Urteilsfähigkeit? Haben wir nicht selbst schon einmal überlegt, ob der blaue Fleck am Arm nicht besser ärztlich abgeklärt warden sollte? Oder saßen mit dem nur leicht fi ebernden Kind im Wartezimmer?

In vielen Fällen bewährt: Hausmittel einsetzen
Zum Glück ist unser Bauchgefühl „lernfähig“. Zum Beispiel, indem wir Erfahrungen mit Selbstbehandlung sammeln. Eine Verstauchung etwa kann man ohne Risiko einen Tag mit Quarkwickeln behandeln – und dann weitersehen. „Leben Sie Ihren Kindern vor, dass man sich selbst helfen kann. Nutzen Sie zum Beispiel Wadenwickel und andere erprobte Hausmittel auch für sich selbst“, sagt Dr. Nonhoff.
Zudem können wir Wissen und Kompetenz erwerben! So ist es sinnvoll, in einer ruhigen Stunde geprüfte, verlässliche Medizin-Seiten im Netz herauszusuchen – und sich nicht von „Doc Google“ verrückt machen zu lassen (s. Webtipps rechts).
Dirk Nonhoff hat für „Stiftung Warentest“ ein Buch („Der kleine Kinderarzt“; s. rechts) geschrieben: Ein informatives Handbuch, das für rund 100 Krankheiten und akute Verletzungen von Allergien bis Verbrennungen erklärt, was Eltern (sofort) tun können und wie der Arzt hilft. Der innere Kompass lässt sich auch in Gesprächen mit anderen Eltern schulen. Dabei können wir abgleichen, ob die eigenen Sorgen um das Wohl des Kindes durchschnittlich sind – oder stark ausgeprägt. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, woher diese Ängste rühren. Warum befürchte ich das Schlimmste? Bin ich übervorsichtig? Solche Fragen können Sie beim Kinderarzt ansprechen, der ein professionelles Feedback gibt.

Arztbesuch oder Doktor Mama & Papa?
Dieses kann auch helfen, ein anderes Verständnis für Schwellungen, Durchfall und Fieber zu entwickeln. „Solche Symptome sind ein Hinweis dafür, dass das Immunsystem arbeitet und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv sind. Das zunächst als positives Zeichen zu werten, ist ein guter Anfang, um entspannter mit Körperreaktionen umzugehen“, erklärt Dirk Nonhoff.
Sicher ist: Mit etwas Selbstrefl exion und praktischem Know-how gelingt es nach und nach immer besser, gelassen zu entscheiden, ob ein Arztbesuch nötig ist oder Doktor Mama & Papa helfen können.

BUCHTIPPS

DR. DIRK NONHOFF: DER KLEINE KINDERARZT
Kurze und klare Anleitungen, wie Eltern bei Krankheiten und Unfällen richtig helfen können. STIFTUNG WARENTEST, 16,90 EURO

DR. ROMANUS RÖHNELT: KINDERGESUNDHEIT
Von der Geburt bis zum Schulkindalter. Auf über 500 Seiten werden Erkrankungen und ihre Symptome vorgestellt. TRIAS, 29,99 EURO

WEBTIPPS

www.kindersicherheit.de
www.kinderaerzte-im-netz.de

ERSTE HILFE: Kurse für Eltern

Vorbereitet sein: Unfälle, Stürze, akute Krankheiten – es kann immer und überall etwas passieren. Gut, wenn man dann weiß, was zu tun ist! Bei den großen Hilfsorganisationen wie etwa dem Deutschen Roten Kreuz oder den Johannitern können Sie Erste-Hilfe-Kurse absolvieren, die sich speziell an Eltern, Großeltern, Erzieher und an alle wenden, die mit Kindern zu tun haben.

Online lernen: Der Rettungssanitäter Janko von Ribbeck, selbst Vater von vier Kindern, bietet zudem Online-Erste-Hilfe-Kurse an. Infos: www.erste-hilfe-fuer-kinder.de
TIPP 1: Wenn Sie den Erste-Hilfe- Kurs alle zwei bis drei Jahre wiederholen, bleiben Sie immer auf dem neuesten Stand und sind ein sicherer Ersthelfer.
TIPP 2: Es gibt auch Kurse für verschiedene Altersgruppen, in denen Kinder Erste Hilfe erlernen können.

Reiseapotheke für entspannte Ferien

Das muss mit:Alle Medikamente, die Sie und Ihre Kinder regelmäßig einnehmen, etwas gegen Fieber und Schmerzen, Desinfektionsmittel (z. B. Betaisodona), Mücken- und Zeckenschutz, Fieberthermometer, Pinzette und kleine Schere, Heftpfl aster (z. B. „Hansaplast to go“-Pfl aster-Box) und elastische Binden.
Je nach Empfi ndlichkeit, Reiseziel und Art der Aktivitätenkönnen darüber hinaus sinnvoll sein: ein Wundheilgel für Riss-, Kratzund Schürfwunden (z. B.Tyrasur oder Bepanthen), eine Heilsalbe für Hautenzündungen, die durch Schwitzen oder Reibung entstehen (z. B. Multilind) sowie ein Schmerzgel für akute Zerrungen, Verstauchungen oder Prellungen (z. B. Voltaren). Des Weiteren: Mittel, die jeweils bei Durchfall, Verstopfung, Sonnenbrand, Übelkeit (Reisekrankheit) helfen. Wer unterwegs auf Globuli setzen möchte, packt eine homöopathische Reiseapotheke ein (z. B. von DHU).

Kennen Sie die PECH-Regel?

So behandeln Sie akute (Sport-)Verletzungen

P steht für Pause . Weitere Belastungen werden vermieden, die Verletzungen untersucht.
E steht für Eis . Den entsprechenden Körperteil kühlen. Das verengt die Blutgefäße, Blutungen und Schwellungen werden vermindert. Außerdem lindert Kälte im Akutzustand die Schmerzen. Wichtig: Eis nicht direkt auf die Haut legen.
C steht für Compression. Im Liegen wird ein kühler Druckverband angelegt.
H steht für Hochlagern. Am Besten über Herzhöhe. So wird der Rückfl uss des Blutes verbessert.


FOTOS: ERMOLAEV ALEXANDR, -/ZERBOR, -/MATTHIAS STOLT - STOCK.ADOBE.COM; PR (2)