Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

GESUNDHEIT: Das Geheimnis des perfekten Schlafs


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 25/2019 vom 14.06.2019

Jeder Dritte hat Schlafprobleme. Woran das liegt, warum es riskant sein kann, was uns hilft, nachts wieder erholsame Ruhe zu finden


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Das Geheimnis des perfekten Schlafs" aus der Ausgabe 25/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 25/2019

FRISCH UND MUNTER
Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf – die ideale Regeneration für Körper und Seele


Es ist wirklich ungerecht. Manche Menschen legen sich abends ins Bett, schlafen binnen Minuten ein und erwachen am nächsten Morgen frisch und munter. Andere wälzen sich stundenlang und warten auf den Schlaf. Auch wenn er kommt, wachen sie nachts immer wieder auf, das Gedankenkarussell dreht sich unentwegt, von Ruhe keine Spur. Wie zerschlagen steigen sie ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 25/2019 von FOTO DER WOCHE: Auf einer Farm in Colorado TIERISCH GUTE FREUNDE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Auf einer Farm in Colorado TIERISCH GUTE FREUNDE
Titelbild der Ausgabe 25/2019 von „Es ist immer noch Liebe“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Es ist immer noch Liebe“
Titelbild der Ausgabe 25/2019 von NATUR: Zerbrechliche Schönheit. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NATUR: Zerbrechliche Schönheit
Titelbild der Ausgabe 25/2019 von SPURLOS VERSCHWUNDEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SPURLOS VERSCHWUNDEN
Titelbild der Ausgabe 25/2019 von REISE: Der ganze Zauber Italiens. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REISE: Der ganze Zauber Italiens
Titelbild der Ausgabe 25/2019 von „Wie meistere ich meinen stressigen Alltag?“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Wie meistere ich meinen stressigen Alltag?“
Vorheriger Artikel
„Es ist immer noch Liebe“
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel NATUR: Zerbrechliche Schönheit
aus dieser Ausgabe

... morgens aus dem Bett und schleppen sich müde durch den Tag.

Wie Letzteren ergeht es immer mehr Deutschen: Jeder dritte hat Schlafprobleme. Von den Berufstätigen sind es sogar 80 Prozent, die zu kurz oder schlecht schlafen, berichtet der DAK-Gesundheitsreport 2017. Im Vergleich zur Studie von 2010 sind Ein- und Durchschlafstörungen damit um 66 Prozent gestiegen. „Die Probleme nehmen zu“, sagt Prof. Ingo Fietze. Der Berliner Schlafmediziner hat dem Phänomen ein ganzes Buch gewidmet: „Die übermüdete Gesellschaft: Wie Schlafmangel uns alle krank macht“ (Rowohlt, 240 Sei ten, 20 Euro). Die Auslöser von Schlafstörungen sind vielfältig: beruflicher und familiärer Stress, Sorgen, zu viel künstliches Licht, elektronische Reize, Lärm oder Schichtarbeit. Und: „Die Betroffenen werden immer jünger, viele sind erst zwischen 20 und 30 Jahre alt“, sagt Fietze. Im Norden wird allgemein besser geschlafen als im Süden, in Großstädten schlechter als auf dem Land. Frauen leiden eher unter Schlaflosigkeit als Männer, fünf Prozent der Deutschen plagen Albträume.

Träume als Verbündete

Dabei ist guter Schlaf so wichtig. Das Gehirn braucht diese Pause, um sich zu regenerieren, unnütze Eindrücke und Informationen zu entsorgen und Platz für neue zu schaffen. Träume sind dabei wichtige Verbündete. Gesteuert wird der Schlaf im Hypothalamus, einem kleinen, aber zentralen Teil des Zwischenhirns. Hier wird auch Orexin gebildet, ein Wachhormon. „Dieser Botenstoff ist einer der wichtigsten schlafregulierenden Stoffe“, so der Experte. Noch nicht bekannt sei dagegen, wo im Gehirn eine Schlafstörung lokalisiert ist.

Wann eine solche vorliegt, lässt sich jedoch relativ genau sagen: „Wenn man mindestens dreimal in der Woche länger als eine halbe Stunde zum Einschlafen oder Wiedereinschlafen braucht, dann sollte man Rat bei einem Schlafmediziner suchen“, sagt Prof. Fietze. Normal sei dagegen noch, öfter nachts aufzuwachen. „Wenn man immer gleich wieder einschläft, ist das kein Problem“, so der Experte. Und wie viel Schlaf brauchen wir nun? Fietze empfiehlt 7,5 Stunden pro Nacht beziehungsweise pro 24 Stunden. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Emnid schlafen wir durchschnittlich aber nur sechs Stunden und 54 Minuten. Mehr als ein Drittel der Deutschen schläft sogar nur sechs Stunden pro Nacht. Tut man das zehn Nächte hintereinander, kann das schon gefährliche Folgen haben: vermindertes Leistungsvermögen, beeinträchtigtes Gedächtnis, sinkende Urteilskraft – vergleichbar einem Promille Alkohol im Blut. Kein Wunder, dass 20 Prozent aller Verkehrsunfälle auf Übermüdung zurückgehen. Chronische Müdigkeit erhöht zudem das Risiko für Infektionen, Diabetes, Depressionen, Krebs oder Herz- Kreislauf-Leiden. Wer schlecht schläft, hat zudem im Schnitt 3,7 Fehltage mehr pro Jahr als ein ausgeschlafener Kollege.

ENTSPANNEND
Yogaübungen am Abend beruhigen und machen müde


50 Stunden Schlaf pro Woche sind optimal für die Gesundheit

SCHLAFEN UNTER AUFSICHTIm Schlaflabor werden die Hirnströme der Patienten aufgezeichnet und die Schlaf- und Wachphasen ermittelt. So kommen Ärzte schweren Schlafstörungen auf die Spur


28 Mal wird man im Schnitt nachts wach

Eine beruhigende Erkenntnis gibt es: Die alte Weisheit, Schlaf könne man nicht nachholen, ist falsch. „Dies ergab eine neue schwedische Studie“, berichtet Prof. Ingo Fietze. „Wer am Wochenende länger schläft, kann das unter der Woche angehäufte Defizit ausgleichen. Insgesamt sollte man mindestens 50 Stunden pro Woche schlafen.“ Manchmal jedoch haben auch eigentlich gute Schläfer Probleme – weil der Partner so viel Lärm macht. Jeder Vierte in Deutschland schnarcht. Bei Männern über 60 Jahre sind es sogar rund 60 Prozent, bei Frauen etwa 40 Prozent. Mögliche Ursachen sind Alkohol, Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka, die die Muskeln von Zunge und Zäpfchen entspannen. Während des Schlafens wird das Gewebe schlaff und flattert im Luftstrom, der Rachen wird enger. Auch ein verkürzter Unterkiefer oder zu große Rachenmandeln können Schnarchen befördern, ebenso eine verstopfte Nase, Übergewicht und ein damit verbundener größerer Halsumfang.

Linderung verschaffen in manchen Fällen mechanische Hilfsmittel wie etwa Nasenspreizer, Mundstücke, Bänder oder Schienen. Gut zu wissen: „Schnarchen ohne Atmungsstörungen ist ein ärgerliches Symptom, aber keine Erkrankung“, erklärt Prof. Fietze. Anders verhält es sich mit der Schlafapnoe: Rund fünf Prozent der Deutschen haben nächtliche Atemaussetzer. Diese Beschwerden sollten in jedem Fall abgeklärt und therapiert werden.

Auch Ein- und Durchschlafstörungen lassen sich erfolgreich behandeln. Aber zunächst kann man versuchen, selbst etwas zu ändern: „Das Wichtigste: sofort ins Bett gehen, wenn sich Müdigkeit einschleicht“, rät Fietze. 20, 30 Minuten danach ist es bereits zu spät. Und wer dann noch ins Bad geht und bei hellem Licht Zähne putzt, ist wieder wach – und wird erst rund 90 Minuten später wieder müde. Das nämlich ist der natürliche Rhythmus. Deshalb: besser früher für die Nacht fertig machen und noch lesen, plaudern oder Entspannungsübungen machen.

Schlafprobleme? Machen Sie den Test!

Die folgenden Fragen können Aufschluss darüber geben, ob Sie gesund schlafen oder eine ernsthafte Störung haben, diebehandlungsbedürftig ist

Die meisten Menschen mit Schlafproblemen klagen über Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen bis hin zu Insomnie. Dieser Test gibt Ihnen Hinweise darauf, ob Sie womöglich an einer behandlungsbedürftigen Insomnie leiden.

WICHTIG: Ob bei Ihnen tatsächlich eine Schlafstörung oder eine anderweitige Erkrankung vorliegt, kann nur ein behandelnder Mediziner feststellen, der Sie untersucht. Wenden Sie sich im Zweifelsfall bitte an Ihren Hausarzt.

Kreuzen Sie an, welche Aussage auf Sie zutrifft. Notieren Sie die jeweils angegebene Punktzahl. Trifft eine Aussage nicht zu, notieren Sie 0 Punkte. Zählen Sie die Punkte am Ende zusammen.

SCHLAPP & MÜDE
Viele fühlen sich morgens unausgeruht und werden schwer wach


A Sie benötigen abends länger als 30 Minuten zum Einschlafen2
B Sie werden nachts häufiger wach1
C Sie liegen nachts lange wach2
D Sie werden morgens früh wach und können dann nicht wieder einschlafen2
E Sie werden morgens nur schwer wach2
F Sie haben Angst vor der Schlaflosigkeit2
G Sie können tagsüber nicht schlafen, auch wenn Sie möchten2
H Sie sind tagsüber nicht leistungsfähig2
I Sie haben seit mehr als vier Wochen diese Schlafstörungen2

Sollten nachts die Sorgen anklopfen, ist es besser, sich abzulenken und kurz aufzustehen, zu lesen oder fernzusehen – etwa eine ruhige Naturdoku, rät der Experte. „Aber nach ein bis eineinhalb Stunden spätestens wieder hinlegen!“ Und bloß nicht unbedingt schlafen wollen. Denn dieser Wunsch ist tatsächlich der stärkste Widersacher des Schlafs. Auch die Gestaltung des Schlafzimmers hat Einfluss. Eine gute, bequeme, stützende Matratze, Decken und Kissen mit Naturfüllungen aus Daune oder Wolle sorgen für ein optimales Schlafklima, Polyester hilft Allergikern. Das Schlafzimmer sollte dunkel, ruhig und 16 bis 18 Grad kühl sein. Zugluft bitte vermeiden.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Alles, was einen ablenken könnte, gehört ebenfalls nicht ins Schlafzimmer: Wer vom Bett aus auf Wäschekörbe oder Steuerunterlagen blickt, wird an Unerledigtes erinnert. Smartphone? Hier nicht! Bringt das alles nicht den gewünschten Erfolg, kann man schlaffördernde Mittel aus der Natur probieren. „In schweren Fällen helfen aber nur verschreibungspflichtige Schlaftabletten“, so Prof. Fietze. Wichtig: Bei Problemen rechtzeitig einen qualifizierten Schlafmediziner aufsuchen. Dann bestehen gute Chancen, das Problem in den Griff zu bekommen.

AUSWERTUNG

0 – 1 Punkte
Ihr Schlaf ist gesund und normal. Falls Sie einen Punkt haben, wäre zu überlegen, ob Sie Ihre Schlafkultur verbessern können. Stellschrauben: Lärm- und Lichtquellen, Schlafenszeit.

2 – 6 Punkte
Ihr Schlaf ist leicht gestört, Ihre Beschwerden sind im medizinischen Sinn allerdings noch nicht behandlungsbedürftig. Sie sollten ab jetzt jedoch genau auf eine gute Schlafkultur achten, um einer ernsthaften Schlafstörung frühzeitig entgegenzuwirken.

7 – 17 Punkte
Sie leiden an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung (Insomnie). Sie sollten jetzt auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, beispielsweise eine Schlafschule aufsuchen oder sich an einen spezialisierten Arzt wenden. Sie können auch direkt bei einem Schlaflabor anfragen, welche Behandlungsmöglichkeiten es für Sie gibt.


FOTOS: S. 8-9: ARCURS/GETTY IMAGES (GR.), VEY/TWINKLE IMAGE, ANKE ILLING; S. 10-11: FROMMANN/LAIF, GETTY IMAGES