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GESUNDHEIT: Demenz Was für Angehörige wichtig ist


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 01.02.2019

Wo man Unterstützung findet, wenn beim Partner oder einem Elternteil dieErkrankung des Gehirns das ganze Leben verändert


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Demenz Was für Angehörige wichtig ist" aus der Ausgabe 6/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 6/2019

HERBST IM GEHIRN
Die Nervenzellen schwinden wie fallende Blätter


Mehr als1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland an Demenz erkrankt


Nervenzellen sind langlebig und robust. Werden sie jedoch verletzt oder bauen sich ab, gehen Fähigkeiten verloren, die unser Leben, Denken, Fühlen bestimmen: Erst schwindet das Gedächtnis, dann die Kontrolle über Bewegungen. Man nimmt Dinge anders wahr, oft verabschiedet sich so auch die bisherige Persönlichkeit. Allein in Deutschland leben rund ...

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... 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Für die Erkrankten eine Katastrophe – für Angehörige eine riesige Herausforderung.

Um sie zu bewältigen, ist es wichtig, viel über die Krankheit zu wissen. Größter Risikofaktor ist das Alter: Jeder Vierte über 85 leidet unter der häufigsten Demenzform Alzheimer. Doch es gibt auch sekundäre Formen, die als Folge anderer Krankheiten entstehen, etwa Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel oder Alkoholismus. Schädlich sind auch die Klassiker des ungesunden Lebensstils: Übergewicht, Diabetes, Alkohol, Nikotin. Außerdem: Bluthochdruck, ein durchlebter Herzinfarkt, Schlaganfall, Fehlfunktionen der Schilddrüse und ein hoher Cholesterinspiegel. Bei jüngeren Menschen können Infektionen wie HIV oder Nervenschädigungen durch Suchtmittel eine Demenz auslösen.

Die Ursachen

Was genau geschieht beim schleichenden Untergang der Nervenzellen und -kontakte? Ein Bestandteil der Zellhaut wird an falscher Stelle gespalten. So entstehen Bruchstücke, die sich zu einer schädlichen Masse verklumpen, dem sogenannten Amyloid. Es legt nach und nach die Zellen lahm. Dadurch fehlen dem Gehirn Botenstoffe, vor allem das für Gedächtnis und Aufmerksamkeit wichtige Acetylcholin. Genau hier setzt die medizinische Forschung an: Es laufen mehrere Studien mit neuartigen Medikamenten, die Eiweißablagerungen rechtzeitig verhindern oder sogar wieder aus dem Hirn schleusen sollen. Hoffnung für alle Betroffenen: Eine Zulassung wird für 2020 erwartet.

Die Diagnose

Wer bei Angehörigen verdächtige Symptome beobachtet, sollte wissen: Abbauprozesse und Ablagerungen können auch normale Alterserscheinungen sein, es muss nicht gleich eine Demenz entstehen. Das Gehirn ist in der Lage, Defizite zu kompensieren. Die jüngere Hirnforschung zeigt: Unsere grauen Zellen sind bis ins hohe Alter umbaufähig. Gehen an einer Stelle Vernetzungen verloren, können an anderer neue aufgebaut werden. Diese Neuroplastizität kann man sogar sehen und messen.

Werden die Ausfälle gravierender, nützt es jedoch nichts, sie schönzureden oder die Erklärungen des Erkrankten zu akzeptieren und die Krankheit zu verdrängen. Wird sie frühzeitig festgestellt, hat die Familie Zeit, sich umzustellen.

Die Betreuung

Eine Demenz entwickelt sich langsam. Experten raten deshalb zu Offenheit: „Besser, das Lebensumfeld weiß Bescheid“, findet Elisabeth Lange, Autorin des Ratgebers „Demenz. Gelassen betreuen und pflegen“ (GU, 176 Seiten,16,99 Euro). „Das schafft Verständnis und oft ungeahnte Hilfsangebote.“ Freunde und Nachbarn sollten motiviert werden, gemeinsame Aktivitäten mit dem Kranken beizubehalten.

Damit Kranken- und Pflegekassen die Kosten der Betreuung übernehmen, brauchen Angehörige eine offizielle Diagnose. Studien belegen, dass Hausärzte dafür unterschiedlich qualifiziert sind: Häufig wird etwa eine Demenz für eine Depression gehalten. Viele Betroffene erhalten deshalb erst spät die richtige Diagnose.

Möglichst bald sollte man dann nach Gesprächen mit dem Erkrankten dessen Wünsche schriftlich festhalten und Rechtliches wie etwa die Finanzverwaltung klären. Fühlen sich Familien gut informiert und im Alltag unterstützt, können sie mit ihrem Angehörigen entspannter umgehen. Professionelle Angebote (siehe rechts) sollte man unbedingt nutzen. Ziel ist es, Erkrankte möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.

SCHÖNE MOMENTE
Auch wenn nicht mehr alles möglich ist, sollte man versuchen, noch viel gemeinsam zu erleben


Die Selbstsorge

Angehörige dürfen ihre eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Selbsthilfegruppen helfen dabei, die Diagnose zu verarbeiten und den Alltag zu bewältigen. Ein grundlegendes Gefühl der Erschöpfung, gestörter Schlaf, häufige Gereiztheit oder Infekte sind Alarmzeichen, dass man überlastet ist. Dann können Auszeiten neue Zuversicht schenken.

Die wichtigsten Adressen für die ambulante Hilfe

■■WEGWEISER DEMENZ Die Website des Bundesfamilienministeriums vermittelt Basiswissen, informiert über gesetzliche Leistungen und bietet zudem Hilfen für den Alltag, etwa Anregungen, wie man mit Erkrankten in Kontakt und im Gespräch bleiben und gemeinsam Schönes erleben kann:

■■ALZHEIMER GESELLSCHAFT
Informationen für Angehörige und Betroffene, Adressen von Gedächtnisambulanzen, diverse Broschüren sowie professionellen Rat am Alzheimer-Telefon bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.: 030/259 37 95 14 (Mo. bis Do. 9 bis 18 Uhr, Fr. 9 bis 15 Uhr)

■■PFLEGE DURCH ANGEHÖRIGE
Private Seite mit Tipps für den Alltag, etwa zu sinnvollen Hilfsmitteln oder der Vorbereitung auf die Pflegegradeinstufung:


FOTOS: SMETEK/GRAUGAARD/GETTY IMAGES (2)