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GESUNDHEIT: Die geheime Macht der Zähne


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Sie beeinflussen nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch Image, Liebe und Karriere. Was wir für einstrahlendes Lächeln tun können


Perlweiße Zähne. Schön, gerade, gesund. Wer möchte das nicht? Wer wünscht sich nicht, dass der Bohrer beim Zahnarztbesuch nie mehr zum Einsatz kommt. Gepflegte Zähne sind nicht nur für unseren Körper förderlich, sondern auch für unsere Seele. Ja selbst für die Liebe. Und den Beruf. Das belegt etwa eine Studie des King’s College in London: Personen mit gleichmäßigen, weißen Zähnen werden nicht nur attraktiver eingeschätzt als solche mit schiefen, verfärbten. Man schreibt ...

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... ihnen auch mehr Stärke, Intelligenz, Glaubwürdigkeit und Ausgeglichenheit zu.

Eine Reihe von Untersuchungen zeigt, dass es attraktivere Menschen im Leben oft leichter haben. Und Zähne sind nun mal ein wichtiges Merkmal der Attraktivität. Nicht umsonst lautet ein bekannter Kalenderspruch: Ein strahlendes Lächeln kostet weniger als elektrischer Strom und gibt mehr Licht. Das Fazit einer Studie der Universität Texas verwundert deshalb kaum: Demnach verdienen optisch anziehende Menschen bei gleicher Qualifikation bis zu fünf Prozent mehr als ihre Kollegen.


Symbol für Jugend undGesundheit


„Schöne Zähne stehen für Jugendlichkeit und Gesundheit“, sagt Prof. Sebastian Paris, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin an der Charité Berlin. Tatsächlich spielen intakte Zähne nicht nur für die Gesundheit des Mundraums eine wichtige Rolle, sondern für den gesamten Körper (siehe Kasten Seite 10), ja selbst für den Geist. „Zwar sind Zähne in erster Linie zum Kauen da. Aber gerade beim Sprechen und Lächeln übernehmen sie auch eine wichtige soziale Funktion“, so Paris. Menschen mit krummen oder fehlenden Zähnen können ernsthaft darunter leiden – gerade in westlichen Industrienationen wie Deutschland, wo ein gewisser gesellschaftlicher Druck bezüglich der Zahnästhetik herrscht.

GENUSS
Starke Tee- und Kaffeetrinker leiden oft unter Verfärbungen der Zähne


Zum Glück kann man dafür selbst einiges tun: Neben einer gründlichen Zahn- und Mundhygiene gibt es diverse Methoden, um der Natur etwas nachzuhelfen. Natürlich sind auch die Ernährung und der Lebensstil von Bedeutung. So sollte, wer Flecken oder Zahnverfärbungen vermeiden möchte, besser den Genuss von Tabak, Tee, Kaffee und Rotwein einschränken. Auch den Zuckerkonsum sollte man möglichst gering halten. Denn: „Karies ist eindeutig auf Zucker zurückzuführen“, sagt Prof. Sebastian Paris. Die im Zahnbelag sitzenden Bakterien ernähren sich nämlich von den süßen Kristallen und geben als Stoffwechselprodukt dabei Säuren ab, die den Zahnschmelz angreifen. Auch wer sehr viel Obst isst oder gern Fruchtsäfte trinkt, sollte wegen der darin enthaltenen Fruchtsäuren vorsichtig sein.


RUND5 TUBEN ZAHNPASTA VERBRAUCHT JEDER DEUTSCHE PRO JAHR
Quelle: Stiftung Warentest


GESUNDHEIT: Gesunde Zähne, gesunder Körper

Die Ursache für chronische Beschwerden wie Herz- oder Rückenprobleme liegt häufig im Mund. Es kann sogar zu akuten Notfällen kommen

Herzprobleme

Der Zustand des Kauapparats ist eng mit unserer Gesundheit verknüpft. Parodontitis etwa, die entzündliche Veränderung des Zahnfleischs, ist nicht nur ein lokaler Schaden. Denn vom Mund aus gelangen Bakterien über die Blutbahnen zu anderen Organen. So kann sich zum Beispiel das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße um 25 Prozent erhöhen.

Schlaganfall

Auch die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei einer Parodontitis um ein Viertel erhöht. Denn die Bakterien aus dem Mund steigern das Risiko für Blutungen im Gehirn. Japanische Forscher konnten beispielsweise im Rahmen einer Studie mit Schlaganfallpatienten bei rund der Hälfte aller Probanden bestimmte Streptokokken im Speichel nachweisen. Diese Bakterien gelten als wichtige Erreger von Karies. Auch Bronchitis, Lungenentzündung oder Infektionen bei Implantaten sind Problematiken, die von einer Parodontitis ausgelöst werden können.

Diabetes & Nierenleiden

Studien zeigen außerdem, dass bei Typ-2-Diabetikern eine Parodontitis offenbar den Blutzuckerwert gefährlich schwanken lassen kann. Dabei haben Diabetiker ohnehin ein dreimal höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken, als nicht Zuckerkranke. Andere chronische Leiden, für die keine Ursache greifbar scheint, können ihren Ursprung in Füllungen oder toten Zähnen haben. Unbemerkte Entzündungen, sogenannte Störfelder im Knochengewebe von wurzelbehandelten oder sogar gezogenen Zähnen, rufen möglicherweise Nierenschäden hervor. Auch Herz-Kreislauf-Leiden oder Herzmuskelentzündungen können die schwerwiegenden Folge sein.

Rücken & Gelenke

Chronische Rückenschmerzen? Nicht immer muss man dann zu einem Orthopäden. Hinter den Beschwerden kann auch eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) stecken. Verursacher sind eine Fehlstellung der Kiefergelenke, schiefe Zähne, schlecht angepasste Zahnprothesen oder zu hoch stehende Füllungen. Kleinste Asymmetrien oder Veränderungen im Biss setzen sich dann von oben nach unten durch den Körper fort und können zu Verspannungen sowie Fehlhaltungen im Becken oder an den Beinen führen. Die Folge: quälende Nacken-, Rücken- oder auch Knieschmerzen.

Migräne & Tinnitus

Eine durch CMD (siehe oben) verursachte Muskelverspannung kann auch Tinnitus, Sehstörungen und Migräne verursachen. Daher lohnt es sich, etwa bei Schwindel und Hörproblemen auch im Mund nachzuschauen. Schon die Behandlung mit einer Spezialschiene, die die Kiefergelenke entlastet und Kau- und Nackenmuskeln lockert, bringt oft erstaunliche Erfolge.


Knackiges Gemüse zurZahnmassage


Der Verzehr von Käse kann hingegen helfen, die Säuren im Mund zu neutralisieren. Generell gelten Milchprodukte aufgrund ihres Kalziumgehalts als ideale Zahnnahrung. „Man sollte den Zähnen aber auch regelmäßig etwas zu kauen geben“, so Prof. Paris. Geeignet sei etwa knackiges Gemüse wie Paprika, Möhren oder Gurken. Dabei wird das Zahnfleisch massiert. Zudem reinigen die Pflanzenfasern die Zähne.

Zuckerfreier Kaugummi regt den Speichelfluss an – und zwar bis um das Zehnfache. So neutralisiert er kariesfördernde Säuren im Mund. „Eine echte Alternative zur ordentlichen Zahn- und Mundhygiene ist der aber nicht“, sagt Prof. Paris. Die besteht zunächst einmal aus dem richtigen Zähneputzen: In der Regel zweimal am Tag etwa drei Minuten lang. „Insbesondere mit fluoridierter Zahnpasta“, rät der Experte. Denn Fluorid beugt Karies vor und schützt den Zahnschmelz. Zwar wird immer wieder eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Fluorid diskutiert, aber Experten gehen davon aus, dass die in Deutschland üblicherweise verwendete Menge Fluorid weder giftig noch krebserregend ist.

DIE TÄGLICHE MUNDHYGIENE
Mindestens alle zwei Tage sollten die Zahnzwischenräume gereinigt werden – etwa mit Zahnseide und möglichst vor dem abendlichen Zähneputzen. Spezielle Zungenreiniger entfernen bakterielle Beläge


INTERDENTALBÜRSTCHEN
Es gibt sie in verschiedenen Größen. Sie eignen sich gerade bei größeren Zahnzwischenräumen


KONTROLLE
Für gesunde Zähne ist der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt wichtig: am besten zweimal im Jahr


FOTOS: S. 8-9: KRISTIANE VEY/JUMPFOTO (GR.), BERNARD/GETTY IMAGES, PEITZ/CHARITE; S. 10-11: ASSMY/SHUTTERSTOCK, MAURITIUS IMAGES (4), YOUR PHOTO TODAY, JELEN/GETTY IMAGES (4); S. 12-13: GETTY IMAGES, DPA PICTURE-ALLIANCE, LABOKO/SHUTTERSTOCK, MAHO/STOCK.ADOBE.COM


KARIES IST EINDEUTIG AUF ZUCKER ZURÜCKZUFÜHREN.«
Prof. Sebastian Paris, Zahnmediziner


Eine Frage, die sich viele stellen, lautet: Elektrisch oder per Handbetrieb – welche Zahnbürste putzt besser? „Mit der elektrischen kommt man schneller voran“, sagt Sebastian Paris. „Wichtig ist aber die richtige Anwendung. Und am Ende entscheidet das Ergebnis.“ Ein Umstieg sei nicht unbedingt nötig, obwohl in die E-Bürsten immer mehr Hightech gesteckt wird. Neuerdings können sie sogar via App mit dem Smartphone kommunizieren und wertvolle Rückmeldung geben, welche Stellen noch etwas Zuwendung benötigen.

Etwa 30 Prozent der Zahnoberfläche machen die Zahnzwischenräume aus, und die sind für die Bürste kaum zugänglich. Diese Stellen sollten mit Zahnseide gesäubert werden. Der Rat von Prof. Paris: Bei einer Prophylaxesitzung etwa im Rahmen der professionellen Zahnreinigung kann der Zahnmediziner die Putztechnik überprüfen und individuelle Tipps geben.

ZAHNSPANGE
Auch viele Erwachsene lassen Fehlstellungen des Gebisses korrigieren. Oft aus rein optischen Gründen


BLEACHINGPRODUKTE AUS DER DROGERIE SIND MEIST NICHT EFFEKTIV GENUG.«
Prof. Sebastian Paris, Zahnmediziner


KAUM SICHTBAR
Aligner-Schienen zur Zahnkorrektur sind besonders unauffällig


Bei Zahnbehandlungen wie etwa einer Füllung oder einem Implantat empfiehlt Prof. Paris, darauf zu achten, dass so wenig gesunde Zahnhartsubstanz wie möglich verloren geht. Denn das sei eine Investition in die Zukunft. Obwohl die Amalgamfüllung noch immer die von der Krankenkasse bezahlte Standardversorgung darstellt, entscheiden sich viele Deutsche für Kunststoff – aus rein ästhetischen Gründen. Metallgrau sieht nun mal nicht so gut aus, Perlweiß soll es sein.


Zahncremes mitSchmirgeleffekt


Um das zu bewahren, gibt es diverse Möglichkeiten. Ablagerungen von Farbstoffen auf den Zähnen etwa durch Lebensmittel oder Tabak lassen sich meist bereits bei der professionellen Zahnreinigung entfernen. Allerdings verfärben sich Zähne im Lauf des Lebens auf ganz natürliche Weise. Um ihre Farbe dann wieder aufzuhellen, hilft nur Bleichen, das sogenannte Bleaching. Selbst Drogerien oder Discounter bieten hierfür Produkte an, etwa Pulver und Kaugummis mit Aktivkohle, die Gifte und unerwünschte Farbstoffe binden sollen. „Die sind aber eher Marketing-Gags und bringen meist nicht viel“, kritisiert Prof. Paris. Auch Zahncremes mit Weißeffekt beseitigen Verfärbungen oft nur oberflächlich. Zudem enthalten sie winzige Schmirgelstoffe, die bei regelmäßiger Anwendung den Zahnschmelz abtragen. „Man muss leider sagen, dass die selbst anwendbaren Mittel im Vergleich zu den professionellen nicht sonderlich effektiv sind“, warnt der Experte. Zahnmediziner arbeiten mit Bleichmittel, etwa Wasserstoffperoxid. Damit können sogar tote Zähne nach einer Wurzelbehandlung wieder aufgehellt werden. „Zwar werden lebende Zähne dadurch für eine bestimmte Zeit etwas empfindlicher, aber wenn man die Behandlung nur alle paar Jahre wiederholt, ist sie unbedenklich“, erläutert Prof. Paris.

Sind die Frontzähne von innen bereits stark verfärbt oder beschädigt, etwa durch Karies oder einen Unfall, lassen dünne, lichtdurchlässige Verblendschalen aus Keramik, sogenannte Veneers, sie wieder in neuem Glanz erstrahlen. Nachteil: Meist ist ein Beschleifen der Zähne nötig. Mit mehreren Hundert Euro pro Stück ist die Behandlung außerdem nicht gerade günstig – wenn auch sehr wirksam. Vielen Menschen ist ihr Aussehen unterdessen aber einiges wert. Sogar den Gang zum Kieferorthopäden nehmen Erwachsene in Kauf, etwa um eine Fehlstellung des Gebisses korrigieren zu lassen. Rund die Hälfte dieser Patienten trägt eine Zahnspange aus rein optischen Gründen und muss dafür oft mehrere Tausend Euro zahlen. Immerhin gibt es heutzutage nahezu unsichtbare Korrekturmaßnahmen. Etwa die Clear Aligners: ganz individuell angefertigte, transparente Kunststoffschienen.

ELEKTRISCH versus HANDBETRIEB
Bei gleicher Putzzeit reinigen elektrische Bürsten gründlicher als Handzahnbürsten. Zahnbelag entfernen sie etwas besser


Medizinisch notwendig sind derartige kosmetische Behandlungen oft nicht. Und Prof. Paris ist sich sicher: Gesunde Zähne sind meist auch schön. Die Zeiten, in denen man schon mit 40 oder 50 Jahren eine Prothese benötigte, sind heute jedenfalls vorbei – vorausgesetzt, man ist bereit, selbst ein wenig dafür zu tun.
ALEXANDER WEIS

Kosten beim Zahnarzt Was zahlt die Kasse?

Der Zahnarztbesuch kann teuer werden, vor allem wenn es um höherwertigen Zahnersatz oder ästhetische Behandlungen geht. Das müssen Sie wissen

1 Zuschüsse mit Bonusheft Zahnersatz kann ins Geld gehen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen dafür nur den Festzuschuss in Höhe von 50 Prozent der Kosten für die einfache Regelversorgung. Kann der Versicherte jedoch mittels Stempeln im Bonusheft nachweisen, dass er fünf Jahre in Folge zur Vorsorge beim Zahnarzt war, steigt der Festzuschuss auf 60 Prozent. Ab dem elften Jahr sogar auf 65 Prozent. Darum: Mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt, auch ohne Beschwerden!

2 Härtefälle Geringverdiener sind komplett von den Kosten der Regelversorgung befreit: also etwa Hartz-IV- und BAföG-Empfänger oder Personen, die monatlich nicht mehr als 1218 Euro brutto einnehmen oder Grundsicherung im Alter erhalten. Bei höherwertigen Behandlungen wie einer voll verblendeten Krone als Zahnersatz wird nur der doppelte Festzuschuss gewährt.

3 Kostenplan Um Klarheit über die Höhe der Eigeninvestition zu erhalten, muss der Zahnarzt bei Zahnersatz einen Heil- und Kostenplan erstellen. Der darf nichts kosten. Lassen Sie sich beraten. Sind Sie im Zweifel, kann notfalls ein weiterer Zahnarzt aufgesucht werden.

4 Teilzahlungen Rein kosmetische Behandlungen, etwa das Bleaching, müssen ganz aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Übersteigt die Eigenleistung die finanziellen Möglichkeiten, sind über die Abrechnungsstelle für Zahnärzte meist Ratenzahlungen möglich. Üblich sind vier bis 36 monatliche Teilzahlungen. Vier Raten sind in der Regel zinsfrei.

NICHT VERGESSEN!
Ein lückenlos ausgefülltes Bonusheft spart bei Zahnersatz viel Geld