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GESUNDHEIT Ich hab Zucker


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 04.09.2019

Die Zuckerkrankheit beginnt meist unauffällig, führt aber zu bleibenden Schäden, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Daher ist die Früherkennung so wichtig


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 10/2019

Es fängt scheinbar harmlos an. Der Hund hat immer mehr Durst und auch deutlich mehr Appetit. Dass er viel mehr pinkelt, wird anfangs kaum bemerkt: Wer hat schon je nachgemessen, wie viel „Wasser“ der eigene Hund täglich eigentlich an Bäumen, Straßenlaternen und Häuserecken lässt? Tatsächlich wirkt der zuckerkranke Hund lange Zeit noch recht gesund. Da die meisten Hunde mit Diabetes mellitus bereits fortgeschrittenen Alters sind, fällt auch ...

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... nicht auf, dass sie weniger leistungsfähig sind, mehr Ruhe brauchen und mehr schlafen als früher. Daher bleibt der Diabetes mellitus beim Hund lange unerkannt. Doch was ist Diabetes mellitus eigentlich?

Energiespender Glukose

Gekennzeichnet ist der Diabetes mellitus durch dauerhaft erhöhte Glukose- Werte im Blut. Glukose ist nichts anderes als Traubenzucker, der dem Organismus als wichtiger Energiespender dient und ihm über die Nahrung zugeführt wird. Normalerweise liegen die Glukosewerte beim Hund zwischen etwa 60 und 110 Milligramm Traubenzucker pro Deziliter Blut. Ab etwa 120 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut spricht man von einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Ein kurzfristiger Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit oder bei Aufregung ist völlig normal und unbedenklich. Wenn der Blutzuckerspiegel aber nicht mehr abfällt und dauerhaft erhöht ist, liegt wahrscheinlich Diabetes mellitus vor.

Insulin als Schlüssel

Verantwortlich für den Abfall des Blutzuckerspiegels beim gesunden Hund ist das Hormon Insulin. Die Beta- Zellen der Langerhans’schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse bilden das Insulin und schütten es ins Blut aus, sobald der Blutzuckerspiegel ansteigt. Das Insulin öffnet wie eine Art Schlüssel besondere Portale der Körperzellen, durch die der Traubenzucker aus dem Blut in das Zellinnere abfließt. Die Zelle wird so mit Energie versorgt und der Blutzuckerspiegel sinkt. Bei einer Erkrankung an Diabetes mellitus liegt entweder ein Mangel an Insulin oder eine Insulinresistenz vor. Bei der Insulinresistenz hat das Insulin seine Wirkung verloren: Es kann die Zellpforten für den Einstrom der Glukose nicht mehr öffnen. Ob nun Insulin fehlt oder seine Wirkung verloren hat: In beiden Fällen staut sich die Glukose im Blut. Der hohe Blutzuckerspiegel schadet den Blutgefäßen und beeinträchtigt die Durchblutung. Da die Glukose als Energiespender nicht zur Verfügung steht, verbrennen die Zellen Fette und Eiweiße. Gesundheitsschädliche Stoffe, wie beispielsweise Ketone, können dabei entstehen.

Ursachen und Folgen

Was genau die Zuckerkrankheit beim Hund verursacht, ist noch nicht völlig geklärt. Eine erbliche Veranlagung spielt eine gewisse Rolle. Denn bestimmte Rassen wie zum Beispiel Samojeden, Cairn und Tibet Terrier sind häufiger von Diabetes mellitus betroffen als andere. Außerdem erkranken intakte Hündinnen häufiger daran als Rüden oder kastrierte Hündinnen. Das liegt an komplizierten Wechselwirkungen mit dem Hormon Progesteron, das Hündinnen nach der Läufigkeit bilden. Die dauerhaft hohen Blutzuckerspiegel können zu Durchblutungsstörungen, Wundheilungsstörungen, grauem Star, Infektionsanfälligkeit durch Abwehrschwäche, häufigen Harnblasenentzündungen, Muskelschwund und vielen anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen mehr führen. Sehr hohe Blutzuckerspiegel (450 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut) können ein lebensbedrohliches Zuckerkoma (diabetische Ketoazidose) verursachen.

Symptome des Diabetes mellitus

Zu den ersten Symptomen gehören andauernd starker Durst (Polydipsie) und große Harnmengen (Polyurie). Der ständige Energiemangel der Körperzellen führt außerdem zu einem Verlust an Körpergewicht, obwohl die Tiere gut fressen. Später im Verlauf der Krankheit können dann auch noch die oben genannten Folgeerkrankungen auftreten. Diese Symptome können aber auch auf andere chronische Erkrankungen wie beispielsweise eine Niereninsuffizienz oder einen Morbus Cushing hinweisen.

Diabetes-Diagnostik

Ein Diabetes mellitus gilt als sicher diagnostiziert, wenn der Tierarzt bei einem nüchternen Hund mehrmals Blutzuckerwerte von mehr als 150 Milligramm Glukose pro Deziliter Blut misst. Die mehrmalige Messung wird empfohlen, weil der Blutzucker einmalig erhöht sein kann. Das kann beispielsweise passieren, wenn der Hund vor der Blutabnahme unbemerkt etwas gefressen hat. Aus diesem Grund wird bei der Diabetes-Diagnostik in der Regel auch der „Langzeit- Blutzucker-Wert“, das Fruktosamin gemessen. Die Fruktosaminwerte sind nur dann erhöht, wenn auch der Blutzuckerspiegel seit längerer Zeit zu hoch liegt. Ab einem Wert von 225 Mikromol pro Liter Blut besteht ein starker Verdacht auf Diabetes mellitus.

Barbara Welsch

ist Tierärztin und renommierte Wissenschafts journalistin. Immer an ihrer Seite: Pinscher Dylan

Läufigkeitsdiabetes

Der sogenannte Läufigkeitsdiabetes bei intakten Hündinnen ist eine Sonderform der Zuckerkrankheit, denn nach der Läufigkeit sinkt der Blutzuckerspiegel bei den meisten dieser Hündinnen wieder. Ist das nicht der Fall, kann eine rechtzeitige Kastration die Erkrankung OKTOBER 2019 | PARTNER HUND 43 an Diabetes mellitus verhindern. Wird die Hündin nicht rechtzeitig kastriert, wird der Diabetes mellitus manifest, das heißt, die Hündin wird unheilbar zuckerkrank. Hündinnen, die während der Läufigkeit oder im anschließenden Metöstrus viel trinken und große Harnmengen produzieren, sollten daher auf jeden Fall umgehend tierärztlich untersucht werden.

Insulin-Behandlung

Wenn die Zuckerkrankheit diagnostiziert wurde, muss der Hund lebenslang mit Insulin versorgt werden. Das geht nur per Spritze, weil Insulin nicht geschluckt werden kann – es würde sofort verdaut werden und wäre dann unwirksam. Eine Th erapie mit Tabletten wie bei Menschen mit bestimmten Diabetesformen wirkt beim Hund nicht. Das Spritzen ist anfangs etwas ungewohnt; es gehört aber bald ganz selbstverständlich zur täglichen Routine für Hund und Mensch. Jeder Hund hat einen individuellen Insulinbedarf. Um die individuelle Dosis zu ermitteln, verschreibt der Tierarzt zunächst eine niedrige Dosierung. Nach vier bis sieben Tagen wird der Blutzuckerwert des Hundes erneut gemessen und der Hundebesitzer beschreibt dem Tierarzt, ob und wie sich die Symptome des Hundes geändert haben. Ist der Blutzuckerwert noch zu hoch oder zeigt der Hund noch Symptome der Zuckerkrankheit, wird die Dosis schrittweise erhöht, bis der Ziel- Blutzuckerwert beziehungsweise eine Symptomfreiheit erreicht wurde.

Großer Durst gehört zu den ersten Symptomen eines Diabetes mellitus


Wenn der Hund deutlich abnimmt, obwohl er gut frisst, kann auch das auf die Zuckerkrankheit hindeuten


Notfall Unterzuckerung

Bei einem Blutzuckerspiegel von unter 50 Milligramm pro Deziliter Blut besteht eine gefährliche Unterzuckerung oder Hypoglykämie. Die Symptome der Unterzuckerung – Unruhe, Schwäche, Zittern, Krampfanfälle und schließlich Bewusstlosigkeit – treten eine Viertelstunde bis zu sechs Stunden nach der letzten Insulingabe auf. In diesen Fällen sollte man sofort den Blutzucker messen, dem Hund als Erste-Hilfe-Maßnahme etwas fein zermahlenen Traubenzucker auf die Maulschleimhaut geben und dann sofort den Tierarzt aufsuchen. Zur Unterzuckerung kann es durch eine versehentliche Überdosierung des Insulins, eine mangelnde Futteraufnahme (Appetitlosigkeit), Erbrechen, Überanstrengung oder fieberhafte Allgemeinerkrankungen kommen.

Konstanter Tagesablauf

Grundsätzlich sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden, um Änderungen frühzeitig festzustellen. Mit modernen Messgeräten ist das auch einfach zu Hause möglich. Ein konstanter Tagesablauf hilft dabei, den Blutzuckerspiegel in den gewünschten Grenzen zu halten. Insbesondere feste Fütterungszeiten sind wichtig, weil das Insulin kurz vor oder nach der Fütterung verabreicht wird. Welches Futter dem vierbeinigen Diabetiker am besten bekommt, ist individuell unterschiedlich. Ein hoher Rohfaserund Eiweißgehalt helfen dabei, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Stärke- und zuckerreiche Futter sind ebenso tabu wie süßes Obst oder gar Süßigkeiten. Hunde mit Übergewicht sollten unter tierärztlicher Aufsicht abnehmen, abgemagerte Hunde müssen aufgepäppelt werden. Die Insulindosis muss dabei laufend an das aktuelle Gewicht des Hundes angepasst werden.

Sobald der Hund sein individuelles Idealgewicht erreicht hat, sollte der Energiegehalt der Mahlzeiten etwa gleich bleiben. Schwankungen im Kaloriengehalt beeinflussen den Blutzuckerspiegel; sie können dazu führen, dass die übliche Insulindosis nicht mehr stimmt. Daher sollte man beim zuckerkranken Hund peinlich genau darauf achten, ihn nicht unkontrolliert mit Leckerli zu verwöhnen.

Ausreichend Bewegung

Bewegung hilft dabei, den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Darüber hinaus trägt sie zum Erhalt der Muskulatur bei und macht dem Lauftier Hund einfach tierisch Spaß. Wer jedoch ernsthaft Sport mit seinem zuckerkranken Vierbeiner treiben will, sollte sich mit seinem Tierarzt beraten, denn starke Anstrengungen können zu einer gefährlichen Unterzuckerung führen.

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