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Gesundheit im Schulalltag Wege zu einer »gesunden Schule«


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 05.07.2021

Der erste Corona-Shutdown der Schulen im März 2020 machte zwei Extrempositionen zum Thema »Gesundheit in der Schule« deutlich: Auf der einen Seite erschienen Schulen als Gefahrenherde und gesundheitsgefährdende Einrichtungen: Es wurden Defizite im Schulleben und bei der Gestaltung der Schule sichtbar (z. B. bei Hygienevorrichtungen, mangelnder Lüftung und unzureichenden Klassenraumgrößen). Andererseits wuchs aber auch die Anerkennung von Schule als einer wichtigen Einrichtung für Gesundheitsförderung, für Prävention und Krisenintervention: Schulleben und Unterricht erwiesen sich als wichtiger Faktor für soziale und psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Je länger der Shutdown andauerte, umso sichtbarer wurde die Bedeutung der Schule fü die Gesundheit und die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler.

Wie können Schulen sicherstellen, dass sie Schüler und Personal nicht ...

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... weiter krank machen?

Für diesen Themenschwerpunkt fehlt noch der Abstand, um die Erfahrungen mit der Corona-Pandemie differenziert aufzuarbeiten. Aber wir nehmen sie als Anstoß für eine Diskussion, wie Gesundheitsfürsorge in Schulen aussehen kann und was eine »gesunde Schule« erfordert. Dabei soll nicht an speziellen Projekten angesetzt werden, sondern am Schulalltag: Wie können Schulen wenigstens sicherstellen, dass sie

• Schülerinnen und Schüler und das pädagogische Personal nicht (weiter) krank machen und

• jungen Menschen die Basis für Gesundheitskompetenz und gesundheitliche Mündigkeit entsprechend den Vorgaben und Lehrplänen vermitteln?

Um mehr geht es nicht. Aber auch nicht um weniger. Erreichen lassen sich die Minimalziele nur, wenn man sich in vier Bereichen auf den Weg zu einer »gesunden Schule« macht (siehe Tabelle).

Einbindung von Fragen der Gesundheit in die tägliche Schularbeit

Zu diesen vier elementaren Bereichen einer »gesunden Schule« werden in diesem Themenschwerpunkt Anregungen und Erfahrungen aus der Schulpraxis vorgestellt. Es geht dabei um die Einbindung von Fragen der Gesundheit in alltägliche Schularbeit und Unterricht. Die Beiträge regen an, die Unterrichts- und Schulpraxis auf den Prüfstand zu stellen und zu untersuchen, wie dort mit dem Thema Gesundheit umgegangen wird. Vielen Lehrkräften ist im Schulalltag nicht bewusst, wie sie mit ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Schülerinnen und Schüler umgehen. Ihnen ist oft auch nicht klar, wie sie durch Rahmenbedingungen und Routinen beim Lernen und im Schulalltag auf Gesundheit einwirken. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn man Lehrkräfte einschätzen lässt, wie körperlich und psychisch anstrengend ein Unterrichtstag für sie selbst und für ihre Schüler gewesen ist. Fast immer gibt es dann nicht nur große Unterschiede zwischen den Einschätzungen von Lehrkräften und Schülern, sondern – selbst bei Bezug auf dieselbe Lerngruppe – auch unter den Lehrkräften selbst. Fast immer unterschätzen Lehrkräfte die Belastungen und Anforderungen an die Schüler.

Lehrkräften ist oft nicht bewusst, wie sie beim Lernen und im Schulalltag auf die Gesundheit der Schüler einwirken.

Die Beiträge des Themenschwerpunkts

In den ersten drei Beiträgen des Themenschwerpunkts stellen Schulen vor, wie sie Gesundheit zu einem wichtigen Thema gemacht haben. Beate Schramm und Britta Waßmuth schildern, wie Schülern – auch nach teilweise schwierigen vorherigen Schulerfahrungen – Hilfen gegeben werden, eigene Lernressourcen zu entdecken. Der folgende Beitrag von Thomas Eißen zeigt, wie die Rahmenbedingungen für Unterricht lern-und gesundheitsförderlich gestaltet werden können, z. B. durch Maßnahmen wie Rhythmisierung, Training, salutogene Leitung. Wie Gesundheitsförderung zu einem roten Faden in der Schule werden kann, schildert Heinrich Brinkkötter und erläutert, wie traditionelle Ansätze wie Streitschlichtung, Theater und Sozialpraktikum unter der Perspektive einer gesunden Schule einen neuen Stellenwert erhalten. Constantin Bopp gibt in seinem Beitrag konkrete Tipps, Gesundheitsförderung systematisch als Anliegen in Schulentwicklungsprozesse einzubinden und dafür strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Beitrag von Petra Hoppe fokussiert dann auf gesundheitsförderliche Lernbedingungen im und außerhalb des Unterrichts. Im Rahmenkonzept »Gesunde Schule« werden dabei Fördermaßnahmen zu vier Bereichen vorgestellt. Eine besondere Form der Gesundheitsförderung präsentieren schließlich Susanne Köhnen und Silvia Untenberger in ihrem Beitrag über eine »Schulgesundheitsfachkraft« (Schulkrankenschwester). Sie zeigen, wie ertragreich deren Arbeit für die Schüler, aber auch für das Kollegium und die Schule sein kann. Die letzten beiden Beiträge blicken aus anderer Perspektive auf »gesunde Schule«: Orkan Okan und Sandra Kirchhoff erläutern das Verständnis von Schule als gesundheitskompetenter Organisation, während Birgit Nieskens abschließend auf den Aspekt der Gesundheit im Lehrerberuf eingeht und Möglichkeiten aufzeigt, wie Lehrkräfte auch für ihre Gesundheit sorgen können. 

Bereich Ziel Umsetzungsmöglichkeiten

Individuelles Verhalten

Prävention und Intervention Erkennen, Fördern, Betreuen und Begleiten von Schülern und Mitarbeitern mit problematischem Gesundheitsverhalten in schwieriger (physischer bzw. psychischer) gesundheitlicher Lage oder gesundheitsbedrohenden Lebenssituationen. So kann Gesundheitswissen erworben und Verhalten gesteuert werden – z. B. durch Schulgesundheitsdienst und edukative Maßnahmen.

Lernen

förderliche Strukturen und Ansätze für Selbststeuerung und Bewältigung von Entwicklungsaufgaben Guter Unterricht ist die beste Gesundheitsbildung und -fürsorge. Positive Bildungserfahrungen fördern Gesundheitsbewusstsein und -kompetenz – und umgekehrt (reziproke Verstärkung). Das bedeutet, junge Menschen im Unterricht zu stärken durch

• guten Unterricht, Aufbau von Beziehungen, Mitwirkung bei Planung, Feedback, Ermutigung,

• entwicklungs- und gesundheitsgemäße Gestaltung der Aufgaben und Arbeitsstrukturen, z. B. Rhythmisierung, Differenzierung und Inklusion und

• psychosoziale und schulische Beratungsangebote, Übungen/Trainings, Sensibilisierung für gesundes Verhalten.

Dadurch lassen sich Kompetenzen zur Selbststeuerung erwerben, die die Bewältigung von Aufgaben und die Persönlichkeitsbildung unterstützen.

Unterricht und Schule

gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen und Arbeitsstrukturen Entwicklung von Umgebungen, die gesundheitsförderliches Arbeiten und Gesundheitskompetenz fördern, z. B.

• in der Klasse: Classroom-Management, positives Klassenklima, Störungsvermeidung, Wirksamkeitserfahrung, Beteiligung, Abbau von Benachteiligung,

• in der Schule: Lärmvermeidung, gesunde Pausen, gesundes Essen, Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten, Raumgestaltung, Hygienemaßnahmen,

• bei Eltern und außerschulischen Einrichtungen: Aufbau von Kontaktnetzen, Kooperation,

• in der Schulgemeinde: Verankerung von Gesundheitsfürsorge im Schulprogramm.

Schulleitung und Schulentwicklung

Verantwortlichkeit, Kompetenzen und Ressourcen für »Gesundheit in der Schule«

Annahme des Aufgabenbereichs »Gesundheit« durch Schulleitung und bei Schulentwicklung:

• Schulleitung fühlt sich zuständig und nimmt Gesundheitsbildung, -förderung und -management als wichtige Aufgaben an.

• Das Kollegium qualifiziert sich in diesem Bereich und achtet auf die Entwicklung der eigenen Gesundheitskompetenz (selbstwirksame Gestaltung der eigenen Arbeit, des Unterrichts, Kooperation …).

• Es sind ausreichend Ressourcen (sachlich und personell) vorhanden, um Gesundheitsfürsorge und -bildung in der Schule angemessen wahrzunehmen.

Elementare Bereiche von Gesundheitsfürsorge, -bildung und -management

Dr. Gerhard Eikenbusch ist ehemaliger Schulleiter und Redaktionsmitglied der PÄDAGOGIK. gerhard.eikenbusch@t-online.de