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GESUNDHEIT: LEBEN mit Haltung


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 46/2018 vom 09.11.2018

Wer aufrecht durch den Alltag geht, lebt gesünder, wirktschöner und stärker. Die gute Nachricht: Alles ist reine Übungssache!


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: LEBEN mit Haltung" aus der Ausgabe 46/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 46/2018

IN BEWEGUNG
Gesund alt werden? Sich wohl in seinem Körper fühlen? Oft auch eine Frage der Haltung


„Was genutzt wird, bleibt. Was ungenutzt bleibt, verkümmert.“
Prof. Dietrich Grönemeyer


EXPERTE
RÜCKENEXPERTE UND BUCHAUTOR
Prof. Dietrich Grönemeyer

Marita Hess war 44 Jahre alt, als sie beschloss, mehr für Körper und Gesundheit zu tun. Dass die Wirkung ihrer Vorsätze schon am nächsten Tag zu sehen war – damit hatte sie nicht gerechnet: „Wie hast du denn so schnell abgenommen“, ...

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... fragte ihre Freundin, die sie nur eine Woche zuvor gesehen hatte. „Du hast beim Chirurgen was machen lassen, gib’s zu“, staunte ihre Kollegin im Büro. „Du siehst plötzlich viel jünger aus!“

Marita Hess hatte nichts machen lassen. Sie hatte stattdessen selbst etwas gemacht: „Ich habe mich einfach um einen geraden Rücken bemüht, die Schultern zurückgezogen, mich aufgerichtet“, berichtet sie. Doppelkinn, Hängebusen und ihr kleines Bäuchlein – alles wie weggezaubert. „Eine enorme Anstrengung“, erinnert sie sich. „Meine Muskeln waren ja noch völlig untrainiert. Aber ein toller Ansporn, sofort mit Übungen loszulegen.“ Anti-Aging auf die fixe Tour: „Die richtige Körperhaltung bringt mehr Ausstrahlung als teure Cremes und Operationen“, bestätigt der Schweizer Mediziner Christian Larsen. Nur: „Sie ist nicht angeboren, man muss sie lernen.“

Aufgerichtet atmet man viel freier

„Steh doch mal gerade!“ – „Lass dich nicht so hängen!“ – „Brust raus, Bauch rein!“ Diese Ermahnungen unserer Eltern haben wir noch im Ohr. Damals haben sie genervt. Heute wissen wir: Sie hatten so recht. Nicht nur, weil eine gute Haltung besser aussieht, sondern auch, weil sie uns gesünder macht. Jeder vierte Deutsche klagt über Rückenschmerzen. „In Deutschland nehmen pro Woche sechs Millionen Menschen, also jeder zehnte Erwachsene, Schmerzmittel zu sich, weil sie verspannt sind“, sagt Prof. Dietrich Grönemeyer, Arzt und Gründer des Grönemeyer Instituts für Mikrotherapie in Bochum. „Zudem explodiert die Zahl der Rückenoperationen.“ Dabei sind in rund 80 Prozent der Fälle nur geschwächte Muskeln und eine überlastete Wirbelsäule schuld. Sichtbare Zeichen beider Malaisen sind ein schiefer oder gebeugter Gang und eine krumme Haltung.

Der Rundrücken ist zudem die Folge stundenlanger Büroarbeit am Computer: Der Kopf wird wie bei einer Schildkröte nach vorn geschoben, Schultern und Brustkorb erstarren zum Block, der Nacken wird steif. Sogar in der Freizeit hocken wir vor dem Gerät, wenn wir nicht – in ähnlicher Haltung – ins Smartphone starren.

„Sitzen ist das neue Rauchen“, warnt Prof. Grönemeyer. „Die Muskeln, die das Rückgrat stützen, verkümmern, die Bandscheiben trocknen aus und schrumpfen. Die Faszien, die die Muskeln zusammenhalten, werden starr, die Gelenkknorpel verkalken.“ All das führt zu Verspannungen und Schmerzen. Aber da ist noch etwas: „Die eingefallene Haltung verengt den Brustkorb und führt sogar zu Atemproblemen.“ Ein ebenso ungesunder Zeitgenosse ist das Hohlkreuz. „Wer übergewichtig ist oder tagsüber viel steht, verfällt leicht hinein“, sagt Grönemeyer. „Denn oft sind die Bauchmuskeln nicht kräftig genug, die Rückenmuskeln verkürzt.“

VERSPANNT
Stundenlang vor dem Computer zu sitzen lässt auf Dauer die Muskeln verkümmern


„Computer und Smartphones sind Nackenkiller.“
Prof. Dietrich Grönemeyer


Bauch und Rücken: gemeinsame Sache

Das Gegenmittel lautet: sich stark machen. Mit Bewegung und gezielten Übungen. Gute Haltung ist Teamwork: Viele Muskeln stützen das Skelett. So sind die Beine mit dem Oberkörper über die Muskelschichten des Beckenbodens verbunden. Eine gute Oberschenkelmuskulatur wiederum wirkt Fehlhaltungen entgegen. „Die Stabilität des Rückens hängt sehr mit trainierten Bauchmuskeln zusammen“, weiß Grönemeyer. „Und wer den Kopf öfter mal dreht, hält automatisch den Hals geschmeidig.“

Ausgleichssport sorgt dafür, dass wir beweglich bleiben und Körperteile trainieren, die im Alltag vernachlässigt werden. Sehr gut für Koordination, Flexibilität und Lösung von Blockaden sind Yoga, Pilates und Tai-Chi. Speziell für einen starken Rücken konzipiert wurde Kieser-Training. Zu strapaziös? Im Gegenteil: Erst die Nichtnutzung der Gelenke führt zu Verschleiß und Arthrose – und vorzeitigem Altern.

Training beim Zähneputzen

Man sollte zwischendurch immer wieder bewusst auf die eigene Haltung achten, sich sozusagen selbst den Kopf zurechtrücken, die Schultern zurücknehmen, sich aufrichten. Grönemeyer rät zudem: „Gegen den Handynacken das Smartphone lieber näher vors Gesicht halten, die Augen senken statt den Kopf.“ Außerdem: beim Zähneputzen oder Kaffeekochen einfach mal auf einem Bein stehen, weil das die Koordinationsmuskulatur trainiert. Oder – ein bisschen schwieriger – aus dem Sitzen mit nur einem Bein aufstehen. Das ist gut für die Oberschenkel- und Bauchmuskulatur.
Eine andere, wichtige Trainingseinheit kommt von innen. Dass die Haltung so prompt auf die Ausstrahlung wirkt, hat nämlich einen Grund: In ihr drücken sich unsere Lebenseinstellung und unsere Befindlichkeit aus. „Emotionen lassen uns oft erstarren“, erklärt Grönemeyer. „Um körperliche oder seelische Schmerzen zu vermeiden, ziehen wir Brustkorb und Bauch ein oder halten Kopf und Nacken verkrampft gerade. Deshalb hilft eine Änderung der inneren Haltung enorm beim Heilungsprozess“, sagt der Rückenexperte.

Blick nach innen: Was zieht uns runter?

Dafür muss man die Dinge aufspüren, die einen buchstäblich runterziehen oder bedrücken: „Nur wer die Ängste oder die Lasten kennt, die seinen Rücken verspannen, kann die verkrampfenden Auswirkungen lindern.“ Es ist nicht immer der Computer, der uns einen krummen Rücken aufzwingt, sondern auch fehlendes Selbstbewusstsein, das Gefühl, sich klein machen und buckeln zu müssen. „Gefühle verändern die Muskelspannung“, sagt Grönemeyer hier. „Menschen, die buchstäblich die Zähne zusammenbeißen, verspannen sich im Bereich der oberen Halswirbelsäule. Wer viel, auf dem Buckel‘ oder, die Angst im Nacken‘ hat, hebt unbewusst die Schultern. Manchem wird, das Kreuz gebrochen‘, andere, ziehen den Schwanz ein‘ und versteifen im unteren Rückenbereich“, so der Experte.

Glück sieht einfach anders aus: Wir strecken unsere Wirbelsäule durch, heben den Kopf, die Brust geht nach vorn. Sofort atmen wir auch wieder viel freier. Diese Sauerstoffzufuhr verbessert die Gehirnleistung. Studien zeigen zudem: Menschen, die aufrecht durchs Leben gehen, wirken nicht nur attraktiver, sondern auch kompetenter auf andere.

Spannenderweise funktioniert das auch umgekehrt: Unsere Haltung wirkt auf unsere Gefühle. US-Forscher der Northwestern University in Illinois überließen einem Teil der Studienteilnehmer einen komfortablen Bürosessel, auf dem sie sich bequem einrichten konnten, während der andere Teil der Gruppe sich auf schmalen und unbequemen Stühlen herumdrücken musste. Anschließende Tests zu gefühlter Stärke und Durchsetzungskraft zeigten: Die Teilnehmer auf den Sesseln, die sich nicht klein machen mussten, schnitten weitaus besser ab.

Für die Berliner Diplom-Psychologin und Yogalehrerin Christa Traczinski ist das kein Wunder. Sie weiß: Körper und Seele spiegeln einander. Wer sich klein macht oder machen muss, atmet flach, klingt leiser, fühlt sich schwächer. Sitzen oder gehen wir aber aufrecht, „kann Lebensenergie fließen, alle Zellen sind dann ausreichend mit Nährstoffen versorgt,“ so die Psychologin.

Zur Kontrolle vor den Spiegel stellen

Die Instantwirkung einer guten Haltung demonstriert Grönemeyer auch gern den Besuchern seiner Vorträge: Er bittet sie, sich auf die Stuhlkante zu setzen und abwechselnd Schultern und Oberkörper schlaff hängen zu lassen – oder sich aufzurichten und den Brustkorb durchzudrücken. Fast alle Besucher erleben diese aufrechte Haltung als regelrechte Befreiung.

Am besten, man probiert es gleich mal aus, postiert sich mit hängenden Schultern vor einem Spiegel und stellt sich dann vor, ein Faden am Hinterkopf würde sich straffen und den Kopf nach oben ziehen. Danach darf man sich ruhig ein wenig im Spiegel bewundern. Man merkt aber schnell: Haltung zu wahren ist anstrengend. Deshalb gilt: Übung macht den Meister.

Was ist mit Stützkorsetts oder Bandagen, die man im Internet für die gute Haltung kaufen kann? Besser nicht! Darunter verkümmern die Muskeln nur noch mehr.

Marita Hess hat inzwischen durch fleißiges Training echte Haltung angenommen und freut sich über ein völlig neues Lebensgefühl. Auch über das Kompliment, das sie jetzt so oft hört: „Du wirkst so viel jünger!“

BUCHTIPP

Prof. Dietrich Grönemeyer
beschreibt in „Mein großes Rückenbuch“ (ZS Verlag, 240 S., 24,99 €) unterhaltsam und gut verständlich, warum Rückenschmerzen sowohl körperliche als auch seelische Ursachen haben und was wirklich gegen Schmerzen hilft. Mit vielen einfachen Alltagsübungen.


FOTOS: S. 8: GETTY IMAGES; S. 10: ALVAREZ/GETTY IMAGES; ILLUSTRATIONEN S. 8-11: OLAF HÄNSEL