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GESUNDHEIT: Medizin- Mythen im Check


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 43/2018 vom 19.10.2018

Viele Ansichten zu unserer Gesundheit halten sich hartnäckig. Allerdings sind so manche bei näherer Betrachtung nichts alsblanker Unsinn


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Medizin- Mythen im Check" aus der Ausgabe 43/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 43/2018

HAUSMITTEL
Bei Erkältungen schwören viele auf heiße Hühnerbrühe. Hilft sie wirklich?


Nur mit warmem Wasser gewaschene Hände sind wirklich sauber. Schokolade bringt die grauen Zellen auf Trab, auch Bewegung macht schlau. Und Sauna soll sogar vor Demenz schützen. Zahlreiche derartiger Theorien über die Gesundheit bekommt man immer wieder zu hören – in den Medien oder im Bekanntenkreis. Welchen kann man glauben? Was sagen wissenschaftliche Studien? Stiftung Warentest hat ...

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... zahlreiche solcher Behauptungen und Thesen unter die Lupe genommen (siehe Buchtipp auf Seite 10). Hier stellen wir die 22 interessantesten vor.

1. Hühnerbrühe hilft gegen Erkältung

Schon Oma wusste: Gegen Husten, Schnupfen, Halsweh gibt es nichts Besseres als eine Tasse Hühnerbrühe. Zwar konnte man im Reagenzglas tatsächlich Hinweise finden, dass das Hausmittel Entzündungen entgegenwirkt. Aber: Am Menschen wurde noch nie getestet, ob die Brühe tatsächlich Erkältungen schneller vertreibt. Womöglich werden lediglich die Hitze der Suppe für den Hals und die Dämpfe für die Schleimhäute als wohltuend empfunden.

2. Schokolade macht schlau

Eine Meldung, die man immer wieder in den Medien liest. Tatsächlich zeigte eine amerikanische Langzeitstudie, dass Personen, die mindestens einmal pro Woche Schokolade essen, in kognitiven Tests etwas besser abschneiden. Ob hier wirklich ein Zusammenhang besteht, ist allerdings zweifelhaft. Zu viele Fragen bleiben unbeantwortet: Etwa, welche Sorte man essen sollte und in welchen Mengen.

3. Hypochonder werden schneller krank

Wer Angst hat, krank zu werden, wird oft auch schneller krank. Eine weitverbreitete Meinung, der norwegische Forscher der Uni Bergen zustimmen. Jedenfalls wurden in ihrer Studie jene Probanden, die sehr um ihre Gesundheit besorgt waren, doppelt so häufig herzkrank. Ob ein direkter Zusammenhang besteht, konnten die Wissenschaftler jedoch nicht ermitteln.

4. Fitness-Armbänder helfen beim Abnehmen

Tja, schön wär’s. Einfach den Fitness-Tracker um das Handgelenk geschnallt, und schon bald purzeln die Pfunde. Das Gerät soll ja dazu motivieren, sich mehr zu bewegen. Denkste! Eine Studie der US- amerikanischen University of Pittsburgh zeigte, dass Fitness-Armbänder keinen Vorteil bringen. Sogar im Gegenteil: Nach zwei Jahren hatten jene Probanden, die neben einem gezielten Diät- und Trainingsprogramm auch ein Fitness-Armband verwendeten, im Schnitt 3,5 Kilo abgenommen. Jene, die nur ein Abnehmprogramm absolvierten, aber 5,9 Kilo. Offenbar halten viele Fitness-Tracker-Nutzer einfach nicht lange genug durch.

5. Mobiltelefone könnenHirntumore verursachen

Aufatmen unter Handynutzern. Forscher der University of Sydney untersuchten, ob es über eine Spanne von 30 Jahren einen Zusammenhang zwischen mobilem Telefonieren und Hirntumoren gibt. Fazit: Nein. Und falls doch, etwa bei Vieltelefonierern, ist das Risiko sehr klein.

6. Niemals Hände mitkaltem Wasser waschen

Eignet sich nur warmes Wasser, um die Hände effektiv von Bakterien zu säubern? Forscher der Rutgers University in New Jersey sagen: Nein! Das überraschende Ergebnis ihrer Untersuchung: Offenbar ist es egal, ob man dazu kaltes oder warmes Wasser, normale oder antibakterielle Seife verwendet. Entscheidend ist in erster Linie, dass man die Hände lange genug wäscht.

7. Kurzsichtig durch einelange Studienzeit

Britische Forscher analysierten Angaben aus einer Datenbank und kamen zu dem Schluss: Lange Schul- und Studienzeiten können eine mögliche Ursache für Kurzsichtigkeit sein. Je länger, desto schlechter die Augen. Ist also die Anhäufung von Wissen schuld an Kurzsichtigkeit? Natürlich nicht. Es liegt einfach an dem Übermaß an Nahsicht-Tätigkeiten in dieser Zeit des Lernens, welche die Augen so strapazieren.

BUCHTIPP
M. Finoulst, P. Vankrunkelsven Schokolade macht schlau Stiftung Warentest, 224 Seiten, 14,90 Euro

8. Gin macht dünn

Schlank werden durch den schmackhaften Wacholderschnaps? Die Spirituose soll nämlich den Körper dazu anregen, mehr Kalorien zu verbrennen. Zu schön, um wahr zu sein? In der Tat: Obwohl die vermeintlich wissenschaftliche Studie der Universität Sigulda in den Medien zahlreich veröffentlicht wurde, handelte es sich dabei um einen Aprilscherz. Denn Universität und Studienleiterin Thisa Lye („This a lie“, auf Deutsch: „Das ist eine Lüge“) existieren gar nicht.

9. Mitfettreicher Diät kann man gesund abnehmen

Fett macht dick! So hieß es schon immer. Und jetzt soll zur Gewichtsreduzierung ausgerechnet eine fettreiche Diät mindestens ebenso effizient sein wie eine klassische? Eine norwegische Studie prüfte dies: Bei der einen Probanden-Gruppe bestand die Energiezufuhr zu 70 Prozent aus Fetten und sehr wenig Kohlenhydraten. Die andere Gruppe bezog die Hälfte ihrer Energie aus Kohlenhydraten. Nach zwölf Wochen war das Ergebnis allerdings ähnlich. Die Probanden beider Gruppen hatten deutlich abgenommen. Kaum überraschend, denn beide Gruppen nahmen im Schnitt 500 Kalorien pro Tag weniger zu sich als zuvor. Um erfolgreich abzunehmen, ist es schließlich vor allem wichtig, nicht so viele Kalorien aufzunehmen.

10. Jeden Tagkalt duschen hält gesund

Nicht jedermanns Sache, aber offenbar effektiv. Laut einer niederländischen Studie soll nämlich der täglich kalte Schauer, 30 bis 90 Sekunden lang, das Immunsystem stärken. Jedenfalls hatten sich in der Studie die Kaltwasser-Fans um immerhin 29 Prozent seltener krank gemeldet als die Warmduscher.

11. Rotwein lässt uns langsamer altern

Der Traubensaft entspannt nicht nur, die enthaltenen Antioxidanzien sollen auch das Altern verlangsamen. Das hat eine US-Studie mit Labormäusen bestätigt, die mit dem Antioxidans Resveratrol aus der Schale roter Trauben gefüttert wurden. Nach zwei Jahren zeigten die Tiere eine geringere Teilung von Muskel- und Nervenzellen. Ein Indiz für einen verzögerten Alterungsprozess. Nun das Aber: Die Resveratrol-Dosis in der Mäusenahrung war extrem hoch. Um ähnliche Mengen zu sich zu nehmen, müsste ein Mensch täglich mindestens 2000 Liter Rotwein trinken.

12. Ein Hund hält Senioren fit

Die gute Nachricht für alle Herrchen und Frauchen: Laut einer britischen Studie machen Hundehalter fast 3000 Schritte pro Tag mehr als Nicht-Hundebesitzer. Der Vierbeiner zwingt einen zu täglichen Spaziergängen. Aber mal ehrlich: Ein Tier ist nicht Voraussetzung für Bewegung. Auch ohne Hund kann man aktiv oder sogar noch aktiver sein – das hat am Ende jeder selbst in der Hand.

ABKÜHLUNG
Die tägliche kalte Dusche soll das Immunsystem stärken


13. Bewegung senkt das Rückfallrisiko bei Brustkrebs

In der Tat: Frauen, die sich mindestens 150 Minuten pro Woche mit mäßiger Intensität bewegen, senken das Risiko, an einem Brustkrebs-Rückfall zu sterben, um 40 Prozent. Das zeigten kanadische Forscher anhand von Studien zu Lebensstil und Rückfallrisiko bei Brustkrebs. Damit ist dieser Effekt sogar größer als jener durch Reduzierung des Körpergewichts, des Tabak- und Alkoholkonsums oder durch Umstieg auf eine gesunde Ernährung. Allerdings ist es unmöglich, Bewegung als einzigen Faktor zu isolieren. Zumal auch nicht alle Frauen nach einer Brustkrebserkrankung sportlich aktiv sein können.

14. Bewegung fördert die geistige Fitness

Regelmäßiger Sport tut dem Körper gut. Das leuchtet ein. Dass auch das Gehirn profitiert, haben australische Forscher nachgewiesen. Denn Bewegung verbessert die Blutversorgung im Gehirn. Die über 50-jährigen Probanden entwickelten dadurch ein besseres Gedächtnis, eine erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit. Empfehlenswert sei eine Kombination aus Übungen wie Laufen, Spazieren, Schwimmen, Radfahren, Krafttraining und Gymnastik.

AUF TRAB
Hunde sind der beste Grund, aus dem Sessel zu kommen


15. Musik beeinflusst den Geschmackssinn

Ein und dasselbe Bier schmeckt bei fröhlicher Musik besser als beim Hören von schräger und basslastiger. Auch der Alkoholgehalt wird unter Einfluss heiterer Tonfolgen niedriger eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher aus den Niederlanden, Belgien und Großbritannien. Demnach soll launige Musik positive Gefühle wecken, welche die Geschmackswahrnehmung beeinflussen. Was sich aber im Gehirn tatsächlich abspielt, ist unbekannt. Fest steht nur, dass die Geschmackswahrnehmung ein komplexer Vorgang ist, der von vielen Faktoren abhängt: etwa Duft, Temperatur, Aussehen.

16. Pfadfinder leiden seltener an Depressionen

Praktisch: Wer in früheren Jahren Mitglied einer Jugendorganisation wie der Pfadfinder war, leidet als Erwachsener seltener an Ängsten und Depressionen. Zu diesem Ergebnis kamen schottische Wissenschaftler. Offenbar verleihen einem diese Tätigkeiten mentale Stärke. Oder es ist genau umgekehrt: Wer mit sich im Einklang steht, wird eher Mitglied bei den Pfadfindern – darüber kann die Studie aber leider keinen Aufschluss geben.

RUNDUM FIT
Wer sich viel bewegt, fördert auch sein Gehirn


17. Sport kompensiert schädlichen Alkoholkonsum

Mäßiger bis exzessiver Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Krankheiten, etwa Herz-Kreislauf-Leiden oder Krebs. Doch wer intensiv mindestens fünf Stunden pro Woche Sport treibt, kann das Risiko wieder auf ein Normalmaß senken – trotz häufigem „Ins-Bierglas-Schauen“. Das ergab die Analyse der Angaben von Frauen und Männern über 40 aus einer englischen und schottischen Datenbank. Das Problem an der Studie: Sie sagt nichts darüber aus, ob die sportlichen Trinker ansonsten einen gesünderen Lebensstil pflegten, also etwa weniger rauchten und gesünder aßen.

18. Kinder mitHaustieren sind gesünder

Leiden Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, später seltener unter Allergien und Adipositas? Das behaupten jedenfalls kanadische Forscher in einer Studie aus dem Jahr 2009. In Wahrheit kam die Untersuchung lediglich zu dem Ergebnis, dass Säuglinge im Alter von drei Monaten, die in einem Haushalt mit Hunden oder Katzen leben, eine vielfältigere Darmflora besitzen. Immerhin führt dies in der Regel zu einem stärkeren Immunsystem. Ob der Vorteil bis ins höhere Alter bestehen bleibt und ob die Kinder später wirklich weniger Allergien entwickeln oder seltener zu Adipositas neigen, wurde nicht untersucht.

STARK
Kann man sich mit Nüssen gesund futtern?


19. Ein paar Nüsse am Tag verlängern das Leben

In der Tat bestätigt eine norwegische Studie, dass eine Handvoll Nüsse am Tag das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs mindert. Sicher spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle. Und Vorsicht: Häufiges Knabbern von gesalzenen Erdnüssen ist sicher nicht gesund.

20. HäufigesSaunen senkt das Demenzrisiko

Eine schöne Vorstellung. Und in der Tat kam eine 20 Jahre dauernde finnische Studie zu diesem Ergebnis. Allerdings müssen es demnach schon vier bis sieben Saunabesuche pro Woche sein, um, verglichen mit einem wöchentlichen Besuch, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung um rund 65 Prozent zu verringern. Zudem geht es in der Studie nur um finnische Männer, und es ist nicht klar, ob die Probanden im Lauf der Studie die Häufigkeit ihrer Besuche änderten.

21. Frauen, die gutschlafen , haben besseren Sex

Frauen nach der Menopause sollen besseren Sex haben, wenn sie gut schlafen, so das Resultat einer Studie der Women’s Health Initiative zwischen 1994 und 1998. Demnach waren Frauen über 50, die fünf Stunden oder weniger pro Nacht schliefen, weniger mit ihrem Sexleben zufrieden als Frauen, die sieben bis acht Stunden ruhten. Schlechter Schlaf senkte die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen im vergangenen Jahr Sex hatten, um 12 Prozent. Jedoch ist die Analyse wenig aussagekräftig, schließlich ist es nicht unbedingt ungewöhnlich, dass Menschen mit Schlafproblemen weniger Lust auf Sex haben.

22. Vor dem Bildschirm zu sitzen erhöht bei Kindern das Diabetesrisiko

Eine britische Studie kam zu dem Ergebnis: Kinder, die mehr als drei Stunden pro Tag vor einem Bildschirm sitzen, haben nicht nur einen größeren Körperfettanteil, sondern bereits in jungen Jahren ein erhöhtes Diabetesrisiko. Kein sonderlich spektakuläres Resultat. Immerhin geht stundenlanges Sitzen mit weniger körperlicher Bewegung einher. Ein Risikofaktor, der bekannterweise auf Dauer zu Diabetes führen kann. Womöglich macht es auch keinen Unterschied, ob das Kind vor einem Bildschirm oder einem Buch hockt.


ILLUSTRATIONEN: HENNING LÖHLEIN FÜR HÖRZU