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GESUNDHEIT & MEDIZINP: Die große Angst vorm kleinen Pikser


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 07.03.2019

Einerseits führen erste Kitas die Impfpflicht ein, andererseits entscheiden sich immer mehr Eltern gegen die Vorsorge-Spritze für ihre Kinder. Ein Experte sagt, was an den Befürchtungen dran ist und was für dasImpfen spricht


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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 11/2019

Heute gibt es viele Impfstoffe als Kombipräparate. Dem Kind werden so zahlreiche Einzelspritzen erspart. Das Risiko für Nebenwirkungen ist gering


Kann Impfen krank machen?

Steffen Büchner ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Güstrow


Eltern wollen alles richtig machen und nur das Beste für ihre Kleinen. Aber was ist das Beste? Da sind viele gerade beim ersten Kind ...

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... verunsichert. Steffen Büchner, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Güstrow: „Die Mütter und Väter sind einer enormen Informationsflut ausgesetzt. Familie, Internet, Hebammen und auch wir Kinderärzte - alle reden mit.“ Kein Wunder, dass da leicht Ängste entstehen – gerade bei einem sensiblen Thema wie dem Impfen.

„Manche Eltern befürchten, dass das Immunsystem des Kindes nicht mit der Menge an Impfungen zurechtkommt“, weiß der Experte. Schließlich werden viele Wirkstoffe inzwischen kombiniert gegeben: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung und Hepatitis B zum Beispiel werden meist im Sechserpack verabreicht. „Doch hier handelt es sich um Totimpfstoffe, also um abgetötete Erreger. Die können dem Kind nicht gefährlich werden“, beruhigt der Experte. Zudem sei das Immunsystem tatsächlich schon im ersten Lebensjahr in der Lage, einen guten Schutz aufzubauen.

Ein weiterer Kritikpunkt von Eltern ist das in vielen Totimpfstoffen enthaltene Aluminium. Es wird dort als Wirkverstärker eingesetzt, also um die optimale Reaktion des Immunsystems zu erzielen. Aber die Menge ist gering. Büchner: „Es gibt Studien, die zeigen, dass wir im Alltag wesentlich mehr Aluminium zu uns nehmen als durch Impfungen.“ Außerdem konnte widerlegt werden, dass das Aluminium im Muskel Schäden verursacht.

■ Sind die Stoffe überhaupt erprobt?

Nicht selten ist zudem der Vorwurf, die Pharmaindustrie wolle mit dem Impfen nur Geld machen. „Doch für Arzneimittelhersteller sind Impfstoffe ein Plus-Minus-Null-Geschäft“, so der Kinderarzt. Medikamente seien einfach deutlich lukrativer. Immerhin dauert die Behandlung chronisch Kranker zum Beispiel ein Leben lang an. Impfungen hingegen werden nur ein paar wenige Male verabreicht.

Manche Eltern zweifeln auch daran, dass sich ein Impfstoff schon bewährt hat. Doch jeder Wirkstoff, der in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut, also das Bundesinstitut für Impfstoffe, zugelassen wird, muss seine Wirksamkeit eindeutig bewiesen haben.

Jeder Zulassung gehen klinische Studien voraus und dabei dürfen nur in bestimmtem Maße Nebenwirkungen auftreten – sonst wird weitergeforscht. „Ein gutes Beispiel ist der Impfstoff gegen Meningokokken B“, sagt Büchner. „Bei der Entwicklung hat man lange versucht, ganze Erreger zu verwenden. Doch das verursachte schwerste Nebenwirkungen. Deswegen hat er es nie an den Markt geschafft. Erst ein Impfstoff, der nur die entscheidenden Antigene enthielt, wirkte wie gewünscht und kann den Schutz seither ergänzen.“


„ Für Hersteller sind Impfstoffe ein Plus-Minus-Null- Geschäft“


Viele Eltern lassen ihre Kinder nur einmal gegen Masern, Mumps und Röteln impfen. Für einen sicheren Schutz ist aber eine zweite Impfung unbedingt nötig


Was spricht für das Impfen?

Doch warum ist es problematisch, wenn sich Eltern dennoch gegen das Impfen entscheiden? „Was viele nicht bedenken, sind die Komplikationsraten bei einer Erkrankung. Die Impfungen sind ja dazu da, schwere Verläufe und Todesfälle zu vermeiden“, weiß der Experte. „Bei Masern zum Beispiel bekommt etwa einer von 1 000 Erkrankten eine schwere Gehirnentzündung, drei sterben. Durch den Impfstoff hingegen ist bisher kein einziger Todesfall bekannt. Auch Nebenwirkungen wie Fieberkrämpfe sind deutlich seltener.“ Deshalb rät er auch unbedingt von „Masernpartys“ ab, zu denen sich Eltern mit ungeimpften Kindern treffen, wenn eines die Masern hat. So sollen sich alle anstecken und die Erkrankung durchmachen. Die Komplikationen sind aber unvorhersehbar.

Darüber hinaus denken viele nicht an die Konsequenzen für andere, wenn sie sich gegen das Impfen entscheiden. „Gerade im Osten, wo viele Kinder früh in die Kitas gehen, kann es Probleme geben“, sagt er. „Die Jüngsten können viele Impfungen noch nicht bekommen. Schleppt dann ein Kind einen Erreger ein, ist schnell die ganze Gruppe infiziert. Und die Kleinsten trifft es am schwersten.“

■ Was ist wirklich unverzichtbar?

Zudem steigt das Risiko für Epidemien, wenn immer mehr Kinder nicht geimpft werden. Es können auch Erkrankungen zurückkehren, die hierzulande eigentlich schon weggeimpft waren wie Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Am besten sollten daher alle Impfungen gegeben werden, wie sie die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. „Gegen diese vier sollte man das Kind aber mindestens schützen lassen“, so der Kinderarzt. Zumal Tetanus nicht heilbar ist, bei Kinderlähmung bleiben meist schwere Schäden zurück.

■ Wo findet man unabhängige Infos?

Wer sich weiter informieren möchte, sollte unabhängige Quellen nutzen. „Die STIKO und das Paul-Ehrlich-Institut werden weder von Staat noch Pharmaindustrie unterstützt“, weiß er. „Ebenso zu empfehlen ist die Gesundheitsbehörde der USA. Sie führt weltweit große, unabhängige Studien durch.“ Zudem sei der betreuende Kinderarzt ein guter Ansprechpartner. „Oft können Vorbehalte schon in einem Aufklärungsgespräch aus der Welt geschafft werden“, so Steffen Büchner.

Extra- Tipp Medizin

Einige Impfungen müssen im Erwachsenenalter aufgefrischt werden. Deshalb ab und an den Impfpass kontrollieren

FOTOS: Science Photo Library, PR, dpa Picture-Alliance, Thinkstock