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GESUNDHEIT: Meine besten Rücken-Tipps


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2019 vom 11.10.2019

Gegen Schmerzen helfen Operationen und Medikamente nur bedingt. WasProfessor Dietrich Grönemeyer stattdessen rät


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Meine besten Rücken-Tipps" aus der Ausgabe 42/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2019

QUAL
Die Ursache von Rückenschmerz ist oft ein kompliziertes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren


SPEZIALIST
Prof. Dietrich Grönemeyer ist Radiologe und Gründer des Instituts für Mikrotherapie in Bochum. Er schrieb mehrere Bücher über Rückenschmerzen


Der menschliche Bewegungsapparat – was für ein ausgefeiltes Wunderwerk der Anatomie! Allein der Rücken besteht aus 33 Wirbeln, mehr als 300 Muskeln und zahlreichen Bändern, die jeden Tag Höchstleistungen vollbringen. Doch leider ist das ...

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... System auch sehr anfällig für Beschwerden. 100 Kilogramm lasten auf der Wirbelsäule im Übergang zum Becken, wenn wir stehen. 90 Kilogramm fallen im Sitzen an, 220 sogar, wenn wir uns bücken. Die immense Last drückt vor allem auf die Bandscheiben, jene gallertartigen Puffer zwischen unseren Wirbelknochen, die dafür nicht gerade konstruiert scheinen. Denn die Bandscheiben haben nur einen sehr mäßigen Stoffwechsel, der ausschließlich durch Bewegung aktiviert wird. Sie sind sehr schnell abgenutzt.

Rückenschmerzen sind Volksleiden Nummer eins: 26 Prozent aller Deutschen gehen jährlich aus diesem Grund zum Arzt, rund zehn Prozent sind durch Rückenschmerzen dauerhaft beeinträchtigt, und 6,6 Millionen Deutsche nehmen ein- bis zweimal pro Woche Schmerzmittel ein. Studien zeigen zudem: Schon 70 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen leiden darunter – vor einigen Jahren noch undenkbar. Sichtbare Zeichen sind ein schiefer oder gebeugter Gang und eine krumme Haltung. Der Rundrücken ist zudem die Folge stundenlanger Büroarbeit am Computer: Der Kopf schiebt sich wie bei einer Schildkröte nach vorn, Schultern und Brustkorb erstarren zum Block, der Nacken wird steif. Sogar in der Freizeit hocken wir vor dem Gerät, wenn wir nicht – in ähnlicher Haltung – ins Smartphone starren. Die Muskeln, die das Rückgrat stützen, verkümmern, die Bandscheiben trocknen aus und schrumpfen. Die Faszien, die die Muskeln zusammenhalten, werden starr, die Gelenkknorpel verkalken.

AUSZEIT
Bewegung ist die beste Medizin für den Rücken. Auch Spazierengehen hilft, übrigens in jedem Alter


Das führt zu Verspannungen und Schmerzen. Die eingefallene Haltung verengt darüber hinaus den Brustkorb und führt sogar zu Atemproblemen. Ein ebenso ungesunder Zeitgenosse ist das Hohlkreuz. Wer übergewichtig ist oder tagsüber viel steht, fällt leicht in die Fehlstellung. Denn oft sind die Bauchmuskeln nicht kräftig genug, die Rückenmuskeln verkürzt.

Das Problem: Bei rund 85 Prozent der Rückenschmerzen können Ärzte keine eindeutige Diagnose stellen – das weiß ich aus eigener langjähriger Erfahrung in meiner Praxis. Klar erkennbare Auslöser sind etwa starker Verschleiß der Wirbelsäule, ein Bandscheibenvorfall, eine Skoliose, Entzündungen oder Knochenerkrankungen wie Osteoporose, Tumore oder Verletzungen. Dann kann eine Operation helfen, aber auch das ist keineswegs sicher. In den meisten Fällen ist eine Operation allerdings der falsche Weg. Das betrifft vor allem die große Gruppe der Schmerzgeplagten, bei denen der genaue Auslöser unklar ist. Wenn keine eindeutige Diagnose möglich scheint, kann auch keine Ursache bekämpft werden. Die Therapie bleibt dann meist auf die Symptome bezogen mit dem Ziel, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern – bis zur nächsten Schmerzattacke, bei der das Spiel von vorn losgeht.

Suche nach den Auslösern

Um dem Schmerz auf den Grund zu gehen, setze ich zunächst aufs Arzt-Patienten-Gespräch. Eine ausführliche Anamnese, also eine Erhebung der Krankheitsvorgeschichte, des persönlichen Umfelds des Betroffenen, ist genauso nötig wie eine körperliche Untersuchung. Dazu gehört es, nachzufragen, wo der Schmerz lokalisiert ist und wie er sich anfühlt: Ein Pulsieren oder eher Schneiden, Stechen oder Pochen? Anhaltend oder abhängig von der jeweiligen Haltung? Strahlt der Schmerz aus oder nicht? Eine Ganganalyse kann uns Ärzte ebenfalls auf die Spur bringen.

Röntgen sollte man selten. In allen unklaren Fällen sollte man MRT nutzen, immer aber die eigenen Hände! Die Funktionsfähigkeit der kleinen Muskeln direkt an der Wirbelsäule und die kleinen, komplexen Bewegungen in der Lenden-Becken-Hüft-Region entziehen sich allen Messungen. Gefragt ist das Fingerspitzengefühl des Untersuchenden, der die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Strukturen des Bewegungsapparats erfühlt und richtig zuordnen kann. Häufigster Befund so einer Untersuchung: Rund 80 Prozent aller Rückenschmerzen liegen muskuläre Verspannungen zugrunde. Unsere Muskeln reagieren mit Verhärtung, wenn irgendetwas nicht stimmt: falsche körperliche Belastung oder zu viel Stress zum Beispiel. Der Schmerz ist ein Warnsignal. Dazu kommt die Angst vor weiteren, möglicherweise noch schlimmeren Qualen: Das Nervensystem versetzt unseren Organismus in einen Alarmzustand, die Muskulatur spannt sich fluchtbereit an. Bleibt dieser Zustand längere Zeit bestehen, können Schlaf- und Konzentrationsstörungen hinzukommen.

Risiko OP10 – 15 % der offenen Bandscheiben-OPs führen zu schmerzhaften Narbenverwachsungen


Teamarbeit ist gefragt

Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist das Ziel einer ganzheitlichen Schmerztherapie. Im Idealfall arbeiten Hausarzt, Sportmediziner, Radiologen, Physiotherapeuten, Naturheilkundler und Psychologen Hand in Hand, um das Problem zu lösen. Um akute Qualen zu lindern, um während einer Therapie das Schmerzgedächtnis zu löschen oder Schmerzen gar nicht erst im Gedächtnis zu verankern, hilft die Gabe von Ibuprofen, Paracetamol und anderen Schmerzmitteln – unter Aufsicht des Arztes und nur für kurze Zeit. Denn langfristig belasten diese Wirkstoffe den ganzen Organismus, insbesondere Leber, Nieren, Herz und Gehirn.

Wenn es darum geht, Blockaden und Verspannungen dauerhaft zu lösen, ist eher die manuelle Medizin gefragt. Chiropraktiker oder Manualtherapeuten zum Beispiel rücken mit gezielten Griffen und ruckartigen Bewegungen verschobenen Wirbeln zu Leibe – eine nicht ganz ungefährliche Methode, die nur von erfahrenen Fachärzten durchgeführt werden sollte. Sanfter arbeiten Osteopathen. Sie setzen mit gezieltem Druck an den betroffenen Stellen an. Einbezogen werden hierbei auch das faszienreiche Bindegewebe, die Muskulatur und Funktionsläufe von Organen. Auch Berührungen, etwa bei Massagen, spielen eine große Rolle. Das Hormon Oxytocin wird ausgeschüttet, Stresshormone werden reduziert. Dies wiederum aktiviert die Selbstheilungskräfte.

Mehr Bewegung, bitte!

Um Rückenschmerzen vorzubeugen, sie zu lindern und dauerhaft loszuwerden, kommen wir alle nicht umhin, uns mehr zu be- wegen. Im Alltag heißt das etwa, regelmäßig zu Fuß zu gehen. Ausdauertraining wie Nordic Walking, Radfahren und ganz besonders Schwimmen sowie Gymnastik und Kraftübungen stärken Muskeln, Knochen und Gelenke. Ebenfalls sehr entspannend sind asiatische Heilstrategien wie Yoga, Tai-Chi oder Qigong.


”26 Prozent der Deutschen gehen jährlich wegen Rückenschmerzen zum Arzt.“


Man sollte zwischendurch immer wieder bewusst auf die eigene Haltung achten, sich sozusagen selbst den Kopf zurechtrücken, die Schultern zurücknehmen, sich aufrichten. Beim Zähneputzen oder Kaffeekochen einfach mal auf einem Bein stehen, weil das die Koordinationsmuskulatur trainiert. Oder – ein bisschen schwieriger – aus dem Sitzen mit nur einem Bein aufstehen. Das ist gut für die Oberschenkel- und Bauchmuskulatur.

Eine andere wichtige Trainingseinheit kommt von innen. Dass die Haltung so prompt auf unsere Ausstrahlung wirkt, hat nämlich einen Grund: In ihr drücken sich unsere Lebenseinstellung und unsere Befindlichkeit aus. Emotionen lassen Menschen oft erstarren. Um körperliche oder seelische Schmerzen zu vermeiden, ziehen wir Brustkorb und Bauch ein oder halten Kopf und Nacken verkrampft gerade. Deshalb hilft eine Änderung der inneren Haltung enorm beim Heilungsprozess.

Rückenschmerzen sind wirklich kein Schicksal. Hoffen Sie nicht auf eine Wunderheilung über Nacht, auf Blitzgenesung durch eine OP oder auf die Entwicklung immer neuer Medikamente. Setzen Sie lieber auf sich selbst.

Wenn Sie mehr lesen wollen: Weitere Rücken-Tipps im neuen Magazin „Professor Dietrich Grönemeyer“ (siehe Kasten rechts)

Die Schwachstellen der Wirbelsäule

Drei Bereiche unseres Rückgrats sind besonders anfällig für Beschwerden

MULTITALENT Die Wirbelsäule trägt den Kopf und schützt lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Leber sowie das Innere des Bauchs. Unser Rückgrat ist fest und biegsam zugleich.
Aus den Wirbeln treten Nervenbündel heraus, die jeweils unterschiedliche Körperregionen versorgen: Haut, Mund, Augen, Ohren, Nase, Hals, Schultern und Arme. Störungen an der Brustwirbelsäule können
Symptome wie Atembeschwerden, Herz- oder Schulterschmerz auslösen.
Blockaden an der Lendenwirbelsäule können Rücken, Becken, Beine, aber auch den Unterbauch und die Geschlechtsorgane beeinträchtigen.

Drei Übungen für einen starken Rücken

1 Dehnen & kräftigen Rumpfdrehung

AUSGANGSPOSITION

Stärkt die Beckenregion: aufrecht sitzen. Das linke Bein steht leicht gebeugt auf dem Boden, das rechte Bein ist angewinkelt vor der Sitzfläche aufgestellt. Hände im Nacken verschränken, die Ellbogen zeigen nach außen.

ENDPOSITION

Oberkörper nach rechts drehen, die Ellbogen zeigen weiter nach außen. Die Bewegung erfolgt aus der Brustwirbelsäule heraus. Nach 2 bis 3 Sekunden in die Ausgangsposition zurückgehen und die Bewegung 3- bis 5-mal wiederholen. Dann die Übung auf der entgegengesetzten Seite ausführen.

2 Mobilisieren & strecken Katzenbuckel

AUSGANGSPOSITION

Fördert die Beweglichkeit und mobilisiert den gesamten Rücken: im Vierfüßlerstand knien, die Hände befinden sich direkt unter den Schultern. Den Rücken so weit wie möglich zum Katzenbuckel wölben und den Kopf zum Oberkörper hin einrollen.

ENDPOSITION

Oberkörper und unteren Rücken Richtung Boden bewegen, sodass der Oberkörper so weit wie möglich durchhängt. Den Kopf nach oben strecken, der Blick geht nach schräg vorn oben. Die Position 2 bis 4 Sekunden halten, dann die gesamte Übung 2- bis 3-mal wiederholen.

3 Beugen & stärken Rückbeuge

AUSGANGSPOSITION

Hier wird die Brustwirbelsäule gestreckt: auf einem Stuhl mit Rückenlehne sitzen, die Fußspitzen zeigen nach außen. Oberkörper aufrecht, der Kopf ist leicht nach vorn geneigt. Hände im Nacken verschränkt, die Ellbogen zeigen nach vorn.

ENDPOSITION

Oberkörper langsam nach hinten bewegen, der Blick wandert dabei Richtung Decke. Die Stellung 2 bis 3 Sekunden halten. In die Ausgangsposition zurückgehen und die Bewegung langsam 7-mal wiederholen.

Medizin mit Herz und Seele

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FOTOS: S. 26-27: WWW.SARAHKASTNER.DE, GERSTER/LAIF, KAULITZKI/SHUTTERSTOCK, GETTY IMAGES; S.28-29: LUND/SHUTTERSTOCK, OLAF HÄNSEL FÜR HÖRZU