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GESUNDHEIT: Neun Fakten zum Thema Blut und Bluttransfusion: Bereit zur Spende?


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 25.04.2018

Häufig angewandt und vielfach bewährt – Blutspenden unter Menschen ist keine große Sache! Doch wie sieht das eigentlich bei Pferden aus? Was passiert, wenn unsere Vierbeiner eine Bluttransfusion brauchen? Ein Überblick über blutige Tatsachen.


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FOTO: FOTOLIA

1 Wie viel Liter Blut hat ein Pferd überhaupt?

Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass ein Mensch von rund 70 Kilogramm etwa fünf bis sechs Liter Blut im Körper hat. Das Blutvolumen entspricht ungefähr acht Prozent des Körpergewichts. Also bevor man sich Gedanken über die Menge des Blutes seines Pferdes macht, ist es sinnvoll, das Gewicht abzuschätzen. ...

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... „Bei einem Pferd, das 550 Kilogramm auf die Waage bringt, beträgt das Blutvolumen ungefähr 40 Liter“, erklärt Tierarzt Prof. Dr. Karsten Feige von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

2 Haben Pferde auch verschiedene Blutgruppen?

Das Blutgruppensystem der Pferde ist viel komplizierter als das von uns. Bei Menschen hat sich das AB0-System durchgesetzt. Es gibt vier Blutgruppen, die mit A, B, 0 und AB bezeichnet werden. Die genetisch festgelegten und vererbbaren Blutgruppen unterscheiden sich in der Oberflächenstruktur der roten Blutkörperchen. Bei unseren Vierbeinern sieht das etwas anders aus. „Im Prinzip gibt es bei Pferden zwei verschiedene Blutgruppensysteme“, so Prof. Dr. Feige. „Man zählt insgesamt sieben Blutgruppen, die noch jeweils dreißig verschiedene Untergruppen haben.“ Die übergeordneten Gruppen werden beim Pferd auch mit Großbuchstaben bezeichnet. In dem Fall entschied man sich für A, C, D, K, P, Q und U. Die zahlreichen Untergruppen oder auch Faktoren sind unter anderem nach Kleinbuchstaben benannt.

3 Wie sieht es mit der Verträglichkeit der Blutgruppen untereinander aus?

„Aufgrund der großen Vielfalt sind die Blutgruppen untereinander meist sehr verträglich“, erklärt Prof. Dr. Feige. Bei uns Menschen, wo nur vier Blutgruppen verzeichnet sind, ist die Blutgruppe AB Universalempfänger. Ein Mensch mit dieser Blutgruppe kann von allen anderen Blutgruppen Blut erhalten. Die Blutgruppe 0 ist Universalspender. Menschen mit dieser Blutgruppe können an alle anderen Gruppen spenden. Die meisten Pferde besitzen keine natürlich vorkommenden Antikörper gegen fremde Blutgruppen. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Die Blutgruppen Aa und Qa sind in der Regel nicht kompatibel mit anderen Gruppen.

4 Sollte ich die Blutgruppe meines Pferdes kennen?

„Da sich die meisten Blutgruppen gut vertragen, ist es eigentlich nicht wichtig, die Blutgruppe des eigenen Pferdes zu kennen“, meint Prof. Dr. Feige. „Sinnvoll ist das nur, wenn das Pferd ein Dauerspender werden soll.“ Doch wer neugierig ist, kann seinem Pferd vom Tierarzt Blut abnehmen lassen. Die Probe muss dann an ein Labor geschickt werden, das Blutgruppenuntersuchungen macht, wie das Center for Animal Genetics (CAG) in Tübingen.

5 Wie kann mein Pferd Blutspender werden ?

Müsste das Pferd einen Erstspenderbogen ausfüllen, dann würden da auch Fragen wie „Fühlen Sie sich krank oder sind Sie krankgeschrieben?“ oder „Wurden Sie in den letzten vier Wochen geimpft?“ auftauchen. Ein Spenderpferd sollte gesund und regelmäßig geimpft und entwurmt sein. „Am besten eignet sich ein großes, schweres Pferd, weil solch einem Pferd die Blutentnahme weniger ausmacht, als einem kleinen, leichten Pferd“, rät Prof. Dr. Karsten Feige. Natürlich ist es auch von Vorteil, wenn das Spenderpferd nicht die Blutgruppen Aa oder Qa hat.

6 Ist eine Bluttransfusion beim Pferd sinnvoll?

Die Regel lautet: Eine Bluttransfusion ist erst dann sinnvoll, wenn das Risiko durch den Blutverlust höher ist, als das Risiko der Transfusion. „Bei schwerwiegenden Verletzungen mit hohem Blutverlust kann eine Transfusion nötig sein“, meint Prof. Dr. Feige. Darunter fallen zum Beispiel Weidezaunverletzungen, bei denen sich das Pferd einen stark blutenden Schnitt zugefügt hat oder Zahnoperationen, bei denen eine Arterie verletzt wurde. Wenn ein Pferd lebensbedrohlich viel Blut verloren hat, dann ist es keine Frage, ob eine Bluttransfusion sinnvoll ist. „Wir hatten schon viele Pferde, denen eine Bluttransfusion das Leben gerettet hat“, erinnert sich Prof. Dr. Feige. Als Beispiel nennt er einen Fall, bei dem ein Pferd mehr als zwei Drittel aller roten Blutkörperchen verloren hatte und infolgedessen eine Transfusion von 25 Litern bekommen musste, die natürlich aufgrund der Menge auch von mehreren Spenderpferden stammte.

7 Werden für Pferde auch Blutkonserven angelegt?

Nein. „Das wäre auch nicht sinnvoll, weil Pferdeblut ohnehin nur eine, höchstens drei Wochen lagerfähig ist und dafür einfach eine zu geringe Nachfrage besteht“, erklärt Feige. So führt die Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover bei jährlich rund 3.000 Patienten nicht mehr als 100 Bluttransfusionen durch. Um im Notfall schnell Spenderblut vor Ort zu haben, hat die Klinik aber drei eigene Spenderpferde zur Verfügung. „Frisches Blut eignet sich in der Regel auch besser und meistens bleibt genug Zeit, ein Spenderpferd zu finden“, ergänzt der Tierarzt. Wenn ein Pferd viel Blut verloren hat und eine Spende braucht, dann heißt das nicht, dass es dieselbe Menge an Spenderblut benötigt, wie die, die es verloren hat. Wenn ein Pferd 16 Liter Blut verloren hat, dann reicht eine Spende von acht Litern in der Regel aus.

8 Wie viel Blut kann ein Pferd eigentlich spenden ?

Acht bis zehn Liter! Das ist mehr Blut, als wir Menschen überhaupt haben. Kein Wunder also, dass es bei Pferden ein bisschen länger dauert, bis der Blutverlust so hoch ist, dass er sich bemerkbar macht. Natürlich spielt auch hier wieder das Gewicht eine große Rolle. „Ein Pony eignet sich aufgrund seines Gewichts nicht als Spender, während ein erwachsenes Großpferd problemlos acht bis zehn Liter Blut spenden kann“, so Prof. Dr. Feige. Genau wie Menschen, sollten auch die Pferde nicht beliebig oft im Jahr ihr Blut abgeben. Die Empfehlung lautet: Nicht öfter als drei bis vier Mal pro Jahr!

9 Welche Probleme können bei einer Bluttransfusion auftreten ? +

„Es besteht natürlich immer das Risiko, dass sich schon während der Transfusion Unverträglichkeitsreaktionen entwickeln“, warnt Feige. Typische Anzeichen sind Unruhe, Schwitzen, schnelle Atmung und hoher Pulsschlag – eine Transfusion muss dann sofort abgebrochen werden. Innerhalb von einer Woche entwickeln sich Antikörper gegen das Fremdblut und die körpereigene Blutproduktion wird gehemmt. Deshalb sollte eine Transfusion nicht prophylaktisch durchgeführt werden.

UNSER EXPERTE

FOTO: TIHO

Prof. Dr. Karsten Feige
Der Direktor der Klinik für Pferde der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover ist Fachtierarzt für Pferde und hat sich auf das Gebiet „Innere Medizin des Pferdes“ spezialisiert. Mit dem Thema Bluttransfusion kennt er sich aus, da es zum Alltag einer Pferdeklinik gehört.