Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

GESUNDHEIT: Richtig fasten & entgiften


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 08.02.2019

Lange war es umstritten, nun aber liegt es wieder im Trend: das Fasten. Egal in welcher Form, der freiwillige Verzicht auf Nahrung istwohltuend und wirkt kleineWunder


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Richtig fasten & entgiften" aus der Ausgabe 7/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 7/2019

UMDENKEN
Viele Patienten finden durch Fasten im Alltag zu einem gesünderen Lebensstil


»FASTEN VERHILFT ZUGUTER LAUNE

Prof. Andreas Michalsen, Arzt für Naturheilkunde


EXPERTE

ARZT FÜR NATURHEILKUNDE

Prof. Andreas Michalsen

Die guten Vorsätze, abzunehmen und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten – für viele sind sie schon wieder passé. Zu üppig, zu spät, zu ungesund – das ist der Alltag beim Essen. Die Folgen: „Jährlich steigt die ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 7/2019 von FOTO DER WOCHE: Antilopen in Südafrika MACH DEN ABFLUG!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FOTO DER WOCHE: Antilopen in Südafrika MACH DEN ABFLUG!
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von Tödlicher Grenzgänger. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tödlicher Grenzgänger
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von PORTRÄT: Der für MANN MILLIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PORTRÄT: Der für MANN MILLIONEN
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von NATUR: Ein KÖNIG im AUFWIND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NATUR: Ein KÖNIG im AUFWIND
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von TV AKTUELL: „CHARITÉ“ 2 Eine Klinik im Krieg. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TV AKTUELL: „CHARITÉ“ 2 Eine Klinik im Krieg
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von GESUNDHEIT: Starke Abwehr: bei Erkältung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GESUNDHEIT: Starke Abwehr: bei Erkältung
Vorheriger Artikel
Tödlicher Grenzgänger
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel PORTRÄT: Der für MANN MILLIONEN
aus dieser Ausgabe

... Anzahl der Übergewichtigen, nehmen die schweren chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck zu, auch Arthrose und Krebs“, so Prof. Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin. „Unser Körper ist kaum in der Lage, das Überangebot an Nahrung zu verkraften, an das sich unsere Gene noch nicht adaptiert haben.“ Denn bis vor wenigen Jahrzehnten stand Essen nicht rund um die Uhr zur Verfügung: Es gab gute und schlechte Ernten, harte Winter, allzu oft auch Verteilungskämpfe.

Mal Pause machen

Unser Körper hat sich auf diesen regelmäßigen Mangel nicht nur hervorragend eingestellt – er tut ihm sogar gut. Eine Tatsache, die die Forschung und immer mehr Menschen für sich entdecken: Fasten heißt das Zauberwort. Die freiwillige Askese liegt voll im Trend. Zu ihrer Beliebtheit trägt wohl auch die neue Methode des Intervallfastens bei. „Im Gegensatz zu den klassischen Heilfastenverfahren, wird hier nur stundenweise oder einzelne Tage gefastet, was die Sache im Alltag einfacher macht“, so der Arzt. Der Nahrungsverzicht wirkt für jeden, ob gesund oder krank, wie einFrühjahrsputz für den ganzen Körper. Der Darm wird entlastet, der Stoffwechsel angeregt, Entzündungsbotenstoffe reduziert, das Immunsystem gestärkt. Und anders als beim bekannten Diätverdruss verschafft der komplette Verzicht sogar gute Laune. Denn die sogenannten Ketonkörper, Stoffe, die beim rasanten Fettabbau entstehen, sorgen für Euphorie.

WelcheFastenmethode man wählt, scheint weniger von Bedeutung zu sein. Nur eines ist wichtig: Dem Körper sollten nicht mehr als 500 bis 600 Kilokalorien pro Tag zugeführt werden. Allein so kommt es zu einer Stoffwechselumstellung (siehe auch Kasten Seite 10). „Die verschiedenen Fastenmethoden lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Das eine ist das Heilfasten, was man auch periodisches Fasten nennt, und das andere ist das Intervallfasten, das auch intermittierendes Fasten genannt wird“, erklärt Prof. Andreas Michalsen.

Die sogenannte 5: 2-Methode ist die bekannteste Form desIntervallfastens: An fünf Tagen in der Woche darf man wie gewohnt essen. An zwei Tagen wird die Nahrungszufuhr bei Frauen auf 500 Kalorien reduziert, bei Männern auf 600. Dazu gilt: viel Wasser und ungesüßten Tee trinken. Kohlenhydrate wie Brot, Nudeln, Kartoffeln und Zucker sind an den Fastentagen verboten. So lernt der Körper, von seinen Reserven zu leben. Das Besondere: Der Stoffwechsel wird nicht gedrosselt, die Muskelmasse nicht abgebaut, der gefürchtete Jo-Jo-Effekt vermieden. Wer keine ganzen Tage fasten will, kann alternativ längere Essenspausen in den Tagesablauf einbauen. Bei der 8: 16-Diät lässt man eine Mahlzeit pro Tag ausfallen und verzichtet 16 Stunden am Stück auf Nahrung. Wer etwa nach 17 Uhr nichts mehr isst, darf am nächsten Morgen um 9 Uhr frühstücken. Schon beim Kurzzeitfasten müssen die Zellen auf ihre Reserven zurückgreifen. Dabei bauen sie funktionslose Proteine und andere Zellbestandteile ab. Zudem verwertet der Körper eingelagertes Fett, um Energie zu gewinnen. „Studien zeigen, dass auch wenige Fastentage oder Essenspausen von 16 Stunden einen positiven Effekt haben. DasGewicht geht runter, Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Entzündungswerte verbessern sich, und die Stimmung hellt sich auf“, so der Arzt.

Einen noch schnelleren, stärkeren Effekt, vor allem bei entzündlichen Erkrankungen, hat man jedoch mitHeilfasten. Darunter versteht man den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung für begrenzte Zeit. Der Fastende ernährt sich je nach Fastenmodell (siehe Kasten Seite 11) etwa von Gemüsebrühe, Säften, Tee und Wasser. In der Regel empfiehlt sich eine Dauer von mindestens fünf Tagen. Länger sollte man nur unter ärztlicher Betreuung fasten. Der Nahrungsverzicht dient der Reinigung und Regeneration des Körpers und aktiviert die Selbstheilungskräfte. Zum dauerhaften Abnehmen ist Heilfasten jedoch eher nicht geeignet. Eine der wichtigsten Wirkungen des Fastens ist eine Umsteuerung der Hormone: Das Insulin und das Fetthormon Leptin werden gedrosselt, Botenstoffe, die die Urinausscheidung fördern, dagegen angeregt. Das erklärt vermutlich auch denstark blutdrucksenkenden Effekt des Fastens. Sehr positiv wirkt sich eine umfangreiche Kalorienreduzierung auf Patienten mit Diabetes aus. In einer aktuellen Studie erzielten die meisten der 29 Diabeteserkrankten, die über acht Wochen fasteten und täglich nur 600 Kalorien zu sich nahmen,normale Blutzuckerwerte ganz ohne Medikamente. Fasten hat zudem einen stark entzündungshemmenden Effekt. „Schon 1990 wurde Heilfasten als Therapie beiRheuma wissenschaftlich belegt, ist aber vielen Rheumatologen noch heute unbekannt“, sagt der Arzt.

Für den Darm ist Askese wie eine wohlverdiente Pause, von der auchDarmbakterien profitieren. Nach einer Fastenwoche steigt deren Vielfalt. Studien weisen darauf hin, dass wiederholt durchgeführte Fastenperioden nicht nur helfen, gesünder, sondern möglicherweise auchlänger zu leben. Neben der Reduzierung der Risikofaktoren spielt dabei die sogenannte Autophagie eine Rolle, eine Art Selbstreinigung der Körperzellen, durch das alte, beschädigte Proteine abgebaut und dann zu neuen Komplexen kombiniert werden. Dieser Vorgang startet vor allem dann, wenn eine Zelle unter Stress gerät, beispielsweise beim Fasten. Recycelt wird zudem, wenn der Körper kein Insulin ausschüttet. „Ergebnisse wie diese zeigen, dass es nicht nur darauf ankommt, was man isst, sondern wann man es tut“, sagt Prof. Michalsen.

HEIDELBEERHAFER-SMOOTHIE

Für 2 Personen. Zubereitung: 2 Min.

▀ 200 g Heidelbeeren ▀ 80 g Haferflocken

▀ 200 ml Vollmilch (3,5 % Fett)

Heidelbeeren waschen. Alle Zutaten zusammen cremig mixen (ca. 245 kcal/ pro Portion). Tipp: Ersetzen sie die Vollmilch durch fettarme Milch (225 kcal) oder Kokosmilch (190 kcal).

Für ein gutes Gelingen

Nicht jeder, der sich für bewussten Verzicht entscheidet, ist auch krank. „Für viele ist allein schon die Vorstellung, denKörper zu reinigen, Motivation genug“, so der Experte. Ob auch eine Entgiftung stattfindet, kann bis heute nicht eindeutig belegt werden. Es ist möglich, dass im Fettgewebe abgelagerte Giftstoffe mobilisiert und anschließend über den Darm ausgeschieden werden.

Zum Gelingen einer Fastenkur gehören immer Ruhe und Entspannung. Da der Körper nicht nur die Fettreserven angreift sondern auch die Muskelmasse, ist als Gegenmaßnahme ausreichendBewegung wichtig. Aktivität unterstützt zudem die Entsorgung von Säuren, die beim Fettabbau entstehen

Welche Methode am besten zu Alltag, Job und Familie passt, muss jeder für sich prüfen. Wer sich fürs Intervallfasten entscheidet, um dauerhaft abzunehmen, sollte drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu sich nehmen und auch erst eine Stunde nach dem Aufstehen frühstücken. Zahlreiche Studien zeigen, dass eineGewichtsreduktion innerhalb von sechs bis zwölf Monaten mit eiweißreicher Ernährung sehr erfolgreich ist. Infrage kommen dafür etwa spezielle Eiweißdrinks, mit denen sich einzelne Mahlzeiten ersetzen lassen. Bewährt hat sich etwa die Verbindung aus Soja, probiotischem Soja und Honig, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt (z. B. „Almased“, rezeptfrei, Apotheke u a.). Erst werden drei Mahlzeiten ersetzt, später nur noch eine.

Die freiwillige Askese ist fastfür jeden geeignet, außer etwa für Personen mit Essstörungen oder Schilddrüsenüberfunktion. „Wer krank ist und auch Medikamente einnimmt, sollte das mit dem Arzt besprechen“, empfiehlt Prof. Michalsen.

Fazit: Fasten kann am Anfang ziemlich hart sein, doch der Aufwand lohnt sich. Denn es ist viel mehr als Verzicht und Askese: Es ist eine Wohltat für den Körper und sorgt für ein ganz neues Lebensgefühl.

BUCHTIPP

Bettina SnowdonIntervallfasten. Das Kochbuch Trias Verlag 128 S., 14,99 €

VERZICHT TUT GUT

Durch das Fasten stellt sich der Stoffwechsel im Körper um. Das hat positive Effekte auf Blutdruck, Insulinproduktion und Entzündungen

MAL WAS ANDERES
Fasten vermittelt ganz neue Erfahrungen, sowohl körperlich als auch seelisch


56 % derDeutschen haben schon eineFastenkur gemacht

HEIL-FASTENDie Klassiker

Otto Buchinger soll es vor 100 Jahren erfunden haben. HÖRZU stellt seine Methode vor und erklärt zwei weitere bekannte Ansätze

BUCHINGER-FASTEN

Beim Klassiker unter den Fastenkuren gibt es täglich höchstens 500 Kilokalorien in Form flüssiger Speisen: Tees, Suppen, Obst- und Gemüsesäfte. Das bedeutet eine enorme Entlastung für den Darm und aktiviert den Stoffwechsel der Leber. „Diese Fastenkur nach Otto Buchinger ist bestens erforscht und funktioniert sehr gut“, bestätigt auch Prof. Andreas Michalsen.

F.-X.-MAYR-KUR

Zur Entlastung des Darms erfand der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr das sogenannte Milch-Semmel-Fasten. Die Schonkost besteht aus täglich drei Brötchen und einem viertel bis halben Liter Milch. Jeder Bissen soll etwa 30-mal gekaut werden. Nachteil: Das intensive Kauen kann Hunger anregen. Und: „Die Empfehlung für das Nahrungsmittel Milch ist nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr zeitgemäß“, so Michalsen.

SCHROTHKUR

Bei der Fastenkur, benannt nach dem Naturheiler Johann Schroth, wechseln sich Trink- und Trockentage ab. Ziel der Schrothkur ist es, den Körper zu entgiften und zu entsäuern. Viele Experten bewerten die traditionelle Form wegen der Mangeldiät und der geringen Flüssigkeitszufuhr als kritisch und setzen heute auf eine Mischkost und eine bedarfsorientierte Trinkmenge an den Trockentagen. Unterstützt wird diese Form des Fastens mit Ganzkörperschwitzpackungen und einem Wechsel von Ruhe und Bewegung.


FOTOS: S. 8-9: CARTA/GETTY IMAGES (GR.), BERGMANN, TRIAS VERLAG, WOLFGANG WEDEL; S. 10-11: VEY/JUMPFOTO; INFOGRAFIK: HÖRZU