Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 4 Min.

GESUNDHEIT SPEZIAL: Pillen lösen keine Probleme


DOGS Today - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.09.2019

Psychopharmaka können unseren Vierbeinern in Kombination mit einer Verhaltenstherapie bei bestimmten Angststörungen helfen – wenn die Mittel fachgerecht eingesetzt werden


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT SPEZIAL: Pillen lösen keine Probleme" aus der Ausgabe 6/2019 von DOGS Today. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DOGS Today, Ausgabe 6/2019

Das Leben mit einem Hund kann manchmal ganz schön schwierig sein: Der lebhafte Spitz Mucki brockte seinem Frauchen ein Gerichtsverfahren ein, weil er jedes Ereignis in der Nachbarschaft laut kläffend kommentierte und dabei keine Rücksicht auf Mittags- oder Abendruhe nahm. Clarissa, die nervöse Dalmatinerhündin, zerstörte die Wohnungseinrichtung, wenn sie allein daheim war. Am Silvesterabend geriet der Boxermix Randy, meist ein echt ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von DOGS Today. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2019 von HERZLICH WILLKOMMEN: Liebe DOGS today -Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HERZLICH WILLKOMMEN: Liebe DOGS today -Leser,
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von BEI DER ARBEIT: INSIDER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BEI DER ARBEIT: INSIDER
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von TREND & News rund um den Hund. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TREND & News rund um den Hund
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von AUSPROBIERT: Diesmal im Lesertest: Hunderucksack. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUSPROBIERT: Diesmal im Lesertest: Hunderucksack
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von REPORTAGE: Hoffnung für Perrera-Hunde. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
REPORTAGE: Hoffnung für Perrera-Hunde
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von TITELTHEMA: Langeweile war gestern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELTHEMA: Langeweile war gestern
Vorheriger Artikel
RASSEPORTRAIT: Boston Terrier Der Feelgood-Manager
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel AUSKURIERT:
aus dieser Ausgabe

Das Leben mit einem Hund kann manchmal ganz schön schwierig sein: Der lebhafte Spitz Mucki brockte seinem Frauchen ein Gerichtsverfahren ein, weil er jedes Ereignis in der Nachbarschaft laut kläffend kommentierte und dabei keine Rücksicht auf Mittags- oder Abendruhe nahm. Clarissa, die nervöse Dalmatinerhündin, zerstörte die Wohnungseinrichtung, wenn sie allein daheim war. Am Silvesterabend geriet der Boxermix Randy, meist ein echt robuster Kumpeltyp, regelmäßig so in Panik, dass er sich zitternd unter dem Bett verkroch und sich dort „vor lauter Schiss“ einkotete. Ja und der sonst so brave Golden Retriever Benny biss aus scheinbar heiterem Himmel ein Kind so fest in den Arm, dass die Wunde chirurgisch versorgt werden musste.
Ach, wie wäre es schön, wenn sich diese Probleme mit einer Pille lösen ließen! Doch so einfach geht das nicht, denn alle oben beschriebenen Verhaltensweisen haben unterschiedliche Ursachen. Spitz Mucki beispielsweise macht eigentlich nur den Job, für den seine Spitzvorfahren gezüchtet wurden: Auf einem einsamen Gehöft wäre Muckis Wachsamkeit nicht problematisch sondern außerordentlich erwünscht. In der Stadt aber heißt es, Muckis Kläfferei durch Training zu regulieren und ihn in den Ruhezeiten in einem schallgedämmten Raum zu halten. Pillen helfen bei der Lösung dieses Problems nicht.

Natur als Problem?

Auch weitere rasse- oder arttypische Verhaltensweisen von Hunden sind problematisch, weil sie nicht in unsere moderne Umgebung oder zu unserem Lebensstil passen. So sind lebhafte junge Hunde, die fast pausenlos Beschäftigung einfordern, in der Regel nicht hyperaktiv, sondern verhalten sich für ihr Alter völlig normal. Auf gar keinen Fall darf solch ein junger Hund mit Psychopharmaka ruhiggestellt werden. Das wäre ein Arzneimittelmissbrauch, der die Entwicklung des jungen Hundes erheblich beeinträchtigt. Da müssen sich Herrchen und Frauchen also anstrengen und die Energie des Jungspundes durch Beschäftigung in die richtigen Bahnen lenken. Andere ganz natürliche Verhaltensweisen müssen jedoch unterbunden werden, weil sie zur Gefahr für das Tier oder andere werden könnten. Ein intakter Rüde, beispielsweise, kann mit heißer Hündin in der Nase wie ferngesteuert über eine Straße laufen und einen Unfall verursachen. Und die paarungswillige Hündin selbst bezeichnet man nicht von ungefähr als „läufi g“. Man sollte auch nie vergessen, dass Kämpfen, Beißen, Jagen und Töten zum arttypischen Verhalten von Hunden gehören. Psychopharmaka helfen auch hier nicht weiter, sondern eine gute Kenntnis des eigenen Vierbeiners und seiner „Schwächen“, eine sorgfältige Erziehung und der Einsatz von Hilfsmitteln wie Leine oder Maulkorb, wann immer es nötig ist, um den Hund, alle anderen und sich selbst vor Schaden zu bewahren.

Einsatz von Psychopharmaka

Grundsätzlich helfen Psychopharmaka nur bei Ängsten oder Depressionen. Sie können bei einem Angstbeißer wirken, aber sie haben keinen positiven Einfl uss auf das aggressive Verhalten von Hunden, die ihr Futter oder ihr Territorium verteidigen. Daher ist die Ursachensuche bei Verhaltensproblemen oder Störungen so wichtig. Warum Golden Retriever Benny zugebissen hatte, konnte im Nachhinein nicht eindeutig festgestellt werden. Doch eine tierärztliche Untersuchung erbrachte, dass der Hund unter einer Schilddrüsenunterfunktion litt, die ihn reizbar machte. Er wird nun behandelt, aber gleichzeitig wird er in Anwesenheit von Kindern an die Leine genommen und trägt zudem einen Maulkorb, damit ganz sicher nichts mehr passiert.
In bestimmten Situationen kann bei an sich gesunden und unauffälligen Tieren ein Einsatz von Psychopharmaka sinnvoll sein. Hierzu gehören beispielsweise kleine Eingriffe beim Tierarzt, die für den Hund fremd und daher furchterregend sind. Kurzfristig helfen können bestimmte Psychopharmaka auch bei der Silvesterpanik von Boxermix Randy. Silvester mit seiner Kakophonie an Zisch-, Pfeif-, Knall- und Explosionsgeräuschen, dem Brandgeruch und den Lichtblitzen fi ndet nur einmal jährlich statt. Man kann diese einmalige Kombination von angstauslösenden Reizen nicht wie bei anderen Geräuschängsten mit verminderter Lautstärke simulieren, um den Hund zu desensibilisieren. Der Einsatz angstlösender Präparate zu Silvester kann die Situation für Randy aber entschärfen. Heilen können die Medikamente die Angst des Tieres nicht. Im besten Falle lernt ein Hund wie Randy mithilfe seiner chemisch bewirkten Gelassenheit, dass er Silvester zu Hause gut aushalten kann, und reagiert vielleicht von Jahreswechsel zu Jahreswechsel immer etwas weniger panisch.

@@Bei ungeliebten Verhaltensweisen ist immer Training gefragt


Heute schläft Clarissa meist seelenruhig, wenn ihre Menschen außer Haus sind


Angstblockaden lösen

Angstblockaden kennen die meisten von uns: Mit ein bisschen Stress oder ein bisschen Angst können wir noch prima denken und lernen. Doch sobald wir unter starkem Stress stehen oder große Angst haben, ist unser Gehirn wie leergefegt. Wir wollen nur noch weg und können weder altes Wissen abrufen, noch neue Informationen aufnehmen, geschweige denn diese verarbeiten. Genauso geht es auch Hunden. In Panik ist ihr Gehirn ganz auf Flucht oder Kampf ausgerichtet, wenn es nicht vor Angst gelähmt ist oder verrücktspielt. In dieser Gemütsverfassung ist eine effektive Verhaltenstherapie nicht möglich.
Fachgerecht eingesetzte Psychopharmaka können Angstblockaden lösen und die Hunde so weit beruhigen, dass sie sich trainieren lassen. Durch gezieltes Training lernen die Tiere dann Schritt für Schritt, mit der beängstigenden Situation so umzugehen, dass sie nicht mehr in kopfl ose Panik geraten. Im besten Fall verlieren sie so sogar ihre Angst vor der Situation. Außerordentlich wichtig ist jedoch, dass man nicht irgendein Beruhigungsmittel verwendet, sondern nur Präparate, die sowohl zum individuellen Hund als auch zur Situation passen. Man unterscheidet angstlösende, stimmungsaufhellende, klassische Beruhigungsmittel und Präparate mit gemischter Wirkung. Es gibt schnell wirksame Substanzen für den kurzfristigen Gebrauch und Präparate, die einige Tage bis Wochen brauchen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist die enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt, der die Verhaltenstherapie durchführt. Bei milden Ängsten kann man es auch mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Pheromonen (Duftstoffen) versuchen. Für nervöse Hunde mit ängstlicher Grundstimmung gibt es spezielle Futtermittel, die bereits die beruhigenden Nahrungsergänzungsmittel enthalten. Diese Mittel wirken nicht bei jedem Hund und müssen häufi g über Wochen angewendet werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten.
Doch Clarissa, die nervöse Dalmatinerhündin mit der Trennungsangst, wurde durch das beruhigende Futter in Kombination mit einem Pheromon-Halstuch tatsächlich insgesamt gelassener und damit zugänglich für die Verhaltenstherapie, mit der sie ganz allmählich an das Alleinsein gewöhnt wurde. Trotz des Futters und des Pheromons dauerte das Monate. Aber vielleicht hätte es ohne die beruhigende Wirkung des Futters und des Pheromon-Halstuches gar nicht geklappt. Im Nachhinein ist das schwer zu beantworten. Die Mühe lohnte sich jedenfalls.


Fotos: Adobe Stock, Shutterstock (2)