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Gesundheit: Tabuthema, das keines sein muss: Tabuthema, das keines sein muss!


TVpiccolino - epaper ⋅ Ausgabe 15/2019 vom 11.07.2019
Artikelbild für den Artikel "Gesundheit: Tabuthema, das keines sein muss: Tabuthema, das keines sein muss!" aus der Ausgabe 15/2019 von TVpiccolino. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TVpiccolino, Ausgabe 15/2019

SCHULD: HORMONE
Jüngere Frauen schnarchen, wenn sie anfangen, die Anti-Baby-Pille zu nehmen. Das normalisiert sich aber schnell wieder


Wir haben jahrelang ertragen, dass unsere bessere Hälfte nachts ganze Wälder platt macht und nun das: Leicht vorwurfsvoll kommt morgens von der anderen Betthälfte: „Liebling, du schnarchst!“ Ich doch nicht, denken wir. „Ja, auch Frauen schnarchen, geben es aber ungern zu“, sagt unser Experte. Also raus aus der Tabuzone damit und ran an die Lösungen.

Wird’s im Rachen eng, steigt der Lärmpegel

Im Schlaf entspannt die gesamte Muskulatur, auch die des Rachens: Gaumen und Zunge ...

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... erschlaffen und können den Rachen blockieren – vor allem, wenn wir auf dem Rücken schlafen. Lässt dann mit den Jahren die Muskelspannung insgesamt nach und kommen ein paar Fettpölsterchen hinzu, wird es eng im Rachenraum. Die Atemluft kann nicht mehr frei zirkulieren, Gaumensegel und -zäpfchen flattern geräuschvoll bei jedem Atemzug und wir röcheln, schnaufen oder schnappen nach Luft. „Bei Frauen spielen auch Hormone eine Rolle. So begünstigt die Anti-Baby-Pille das nächtliche Störkonzert. Hat sich der Körper aber an die Hormonumstellung gewöhnt, kehrt in der Regel wieder Ruhe ein“, sagt Dr. Feld.

Frauen schnarchen leiser, gehen später zum Arzt

Etwas anders verhält es sich ab Mitte 40, wenn die Wechseljahre beginnen. In dieser Phase bildet der Körper immer weniger Östrogen, und auch dadurch erschlafft die Muskulatur. Die Folge: Ab 50plus schnarchen Frauen fast genauso häufig wie Männer, nur leiser. Ein Nachteil: „Da Frauen leiser schnarchen, fällt es später auf, sie gehen später zum Arzt, und gesundheitlich riskante Atemaussetzer werden auch erst später entdeckt“, so Dr. Feld.

Mini-Sensoren vibrieren uns in die richtige Lage

„Da viele Frauen nur in Rückenlage schnarchen, ist es ratsam, sich an eine seitliche Schlafposition zu gewöhnen“, rät der Experte. Dabei können ein zarter Anstupser des Partners, im Rücken des Schlafanzugoberteils eingenähte Tennisbälle, ein Schlafrucksack oder auch ein Positionstrainer helfen. Neu sind Mini-Sensoren, die z. B. auf die Stirn geklebt werden und die Schlafposition registrieren. Liegen wir auf dem Rücken, vibrieren sie leicht und wir wechseln automatisch die Lage. „In 20 Prozent der Schnarch-Fälle liegt es daran, dass die Nasenatmung behindert ist“, erklärt Dr. Feld. Ursachen können eine Erkältung, allergischer Schnupfen und geschwollene Rachenoder Gaumenmandeln sein. „Meistens helfen Nasensprays, die kurz vor dem Einschlafen genommen werden sollten“, rät der Schlafexperte. In einigen Fällen können auch Anti-Schnarch-Tools wie Nasenschmetterlinge – winzige Plastikbügel, die über Nacht eingesetzt werden und die Nase freihalten – sinnvoll sein. „Dauerhaft geschwollene Rachen- oder Gaumenmandeln sind jedoch ein Fall für den HNO-Arzt“, rät der Experte.

Ein paar Pfunde weniger wirken oft Wunder

Eine Hauptursache ist auch Übergewicht. Schafft man es, ein wenig abzuspecken, ist das Problem meist gelöst. Vorsicht auch mit alkoholischen Schlummerdrinks und beruhigenden Medikamenten wie z. B. Schlafmitteln. „Beides entspannt die Muskeln und erhöht so das Schnarch-Risiko“, warnt Dr. Feld. Schnarchschienen halten die Atemwege offen. Kehrt dann immer noch keine Ruhe ein, sollte man sich an einen Schlafmediziner wenden. „Schnarchen wird gefährlich, wenn es einem selbst oder dem Partner den Schlaf raubt und eventuell eine Apnoe vorliegt“, warnt Dr. Feld. Dabei kommt es zu Atemaussetzern und einem Sauerstoffmangel. Ob das der Fall ist, kann in einem Schlaflabor ermittelt werden (s. Kasten links unten). Je nach Diagnose helfen eine Schnarchschiene, die den Unterkiefer fixiert und das Zurückfallen der Zunge verhindert, oder eine Operation.

SCHLAFMASKE
Schützt nicht vor Lärm, aber vor Lichtquellen und macht so den Schlaf erholsamer


UNSER EXPERTE Dr. Michael Feld, Schlafmediziner aus Köln, erklärt, warum Frauen ab Mitte 40 mit Männern um die Wette „sägen“

Die besten Diagnose-Methoden: APP ODER SCHLAFLABOR?

Ob Schnarchen nur lästig oder mit Atemaussetzern verbunden ist, können der Partner oder wir selber nicht zuverlässig feststellen. Mittlerweile gibt es Apps, die Geräusche aufzeichnen und auswerten. Eine sichere Diagnose bieten sie (noch) nicht, und Experten raten zum Schlaflabor. Dafür wird man mit einem mobilen Gerät verkabelt, dass zu Hause Atmung, Geräusche, Sauerstoffversorgung und Puls misst.

RISIKOFAKTOR APNOE

Sie bedeutet Stress für den Körper und erhöht langfristig das Risiko für Herzinfarkt, Depressionen und Schlaganfall. Bei einer Apnoe werden die Atemwege durch ein erschlafftes Gaumensegel verschlossen und es entsteht Sauerstoffmangel. Blutdruck und Puls steigen, Stresshormone werden ausgeschüttet, Betroffene schrecken auf und schnappen laut hörbar nach Luft.

Sekundenschlaf

Erste Anzeichen für eine Apnoe ist das Gefühl, trotz ausreichend langem Schlaf morgens wie gerädert aufzuwachen. Betroffene werden auch tagsüber schnell müde und nicken ein – dieser Sekundenschlaf kann etwa beim Autofahren gefährlich werden.

Atem-Maske

Die Diagnose erfolgt beim Hausarzt, Internisten oder Schlafmediziner. Bestätigen Schlaflabor, EKG und Lungenfunktionstest eine Apnoe, erhalten Patienten eine Unterkieferschiene oder Schlafmaske. Die Schiene schiebt den Unterkiefer nach vorne, macht so den Rachenraum frei. Die Maske wird auf Mund und Nase platziert, erzeugt einen Überdruck und hält die Atemwege offen.

FREIE ATEMWEGE
Engt im Rachen nichts ein, kann die Atemluft frei zirkulieren


BLOCKIERTE ATEMWEGE
Durch ein erschlafftes Gaumensegel sind die Atemwege stark blockiert


Fotos: AdobeStock 2), fotolia (2), iStock (3), Uwe Schmitz