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GESUNDHEIT: Wie HORMONE uns steuern


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 41/2018 vom 05.10.2018

Sie beeinflussen unseren Schlaf, unsere Stimmung, unsere Figur. Was Sie über dieheimlichen Herrscher des Körpers wissen sollten und wie Sie sich mit ihnen verbünden


Artikelbild für den Artikel "GESUNDHEIT: Wie HORMONE uns steuern" aus der Ausgabe 41/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 41/2018

Sie steuern jede Zelle, lenken Verdauung, Stoffwechsel, Blutdruck, Heißhungerattacken, ja sogar unsere Gefühle. Etwa 1000 Hormone zirkulieren in unserem Körper, aber erst 100 sind identifiziert. „Über die geheimnisvollen Botenstoffe kursieren jede Menge Annahmen und Irrtümer“, sagt Dr. Johannes Wimmer. Der Allgemeinmediziner und TV-Arzt fasst in seinem Buch „Meine Hormone. Bin ich ferngesteuert?“ (siehe Buchtipp Seite 13) den Stand der ...

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... Forschung zusammen. Das sind die wichtigsten Hormone – und gute Wege, sie auf natürliche Art zu fördern:

Anti-Aging-Wunder: SOMATROPIN

WAS ES KANN Es lässt Wunden heilen, Muskeln wachsen, schützt das Gehirn, garantiert Wohlbefinden im Alter. Das Wachstumshormon, auch STH genannt, fördert die Regeneration von Haut und Haaren und den Fettabbau. Somatropin ist nachts aktiv: Deshalb erholt sich der Körper in Ruhephasen am besten, und Kinder wachsen im Schlaf. Als Muskelverstärker ist Somatropin im Sport als Dopingmittel verbreitet.

WENN ES MANGELT Im Alter sinkt der Spiegel rapide ab. Das vermindert die Muskelmasse und fördert Bauchfett, erhöht die Frakturrate, verändert den Kohlenhydratstoffwechsel und kann Gefäße beeinträchtigen. Prof. Matthias Weber, Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, warnt jedoch: „Auch wenn es entsprechende Hormonprodukte gibt, die versprechen, den Alterungsprozess hinauszuzögern, gibt es hierfür keinen wissenschaftlichen Beleg. Dagegen kann die Einnahme ohne Indikation zu schweren Nebenwirkungen führen.“ Dazu gehören beispielsweise Gelenkschmerzen, erhöhter Hirndruck und brennende Hände.
DAS HILFT Da Somatropin in der Tiefschlafphase gebildet wird, kurbelt ausreichend Schlaf die Produktion gut an. Krafttraining stabilisiert die Muskelmasse, Bergwandern erhält die Kraftausdauer.

NATURHORMON
Rotklee ist reich an pflanzlichem Östrogen und hilft etwa als Teekur


Einmal in der Woche nach 18 Uhr nicht zu essen fördert das Wachstumshormon. Als letzte Mahlzeit eignet sich tierisches Eiweiß aus Fisch oder Milchprodukten, deren Aminosäuren dann im Schlaf direkt zum Zellaufbau eingesetzt werden.

Weiblichkeitshormon: ÖSTROGEN

WAS ES KANN Es steuert den Zyklus, regt Knochenbildung an und fördert das gute Cholesterin. Ein hoher Östrogenspiegel regt im Gehirn die Bildung des Glückshormons Serotonin an. Seine Hauptaufgabe ist es, die Eierstöcke heranreifen zu lassen. Doch es macht auch eine tolle Haut, stärkt die Blutgefäße, schützt vor Osteoporose und Demenz. „Es fördert aber nicht angeblich weibliche Tugenden wie Sanftheit und Duldsamkeit“, sagt Dr. Wimmer. Östrogen kann sogar Aggressionen auslösen! „Aus biologischer Sicht macht auch das eine gute Mutter aus. Bei Gefahr verteidigt sie ihre Brut nötigenfalls wie eine Löwin.“

ANTI-AGING-TRAINING
Kraftübungen wie Liegestütze kurbeln das Jung-Hormon Somatropin und Testosteron an


WENN ES MANGELT Der rasche Abfall des Östrogenspiegels nach dem Eisprung kann zu Migräne führen und Niedergeschlagenheit auslösen. Wenn Östrogen länger fehlt, sind Schlafstörungen möglich, der Blutdruck erhöht sich, das Haar wird dünner, das Bindegewebe schwächer, was manchmal Stress-Inkontinenz verursacht.
DAS HILFT Bewegung und gesunde Ernährung beugen Stimmungsschwankungen durch den schwankenden Hormonspiegel vor. Bei hohem Leidensdruck empfehlen viele Ärzte eine zeitlich begrenzte Hormonersatztherapie (siehe auch Kasten Seite 12).

Heldenstoff: TESTOSTERON

WAS ES KANN Das Hormon der männlichen Sexualität macht muskulös, durchsetzungsstark, aggressiv. Es hat Einfluss auf die Denkfähigkeit und Motivation und regelt den Eiweißstoffwechsel, der für den Muskelaufbau nötig ist. Neuen Studien aus Kanada und den Niederlanden zufolge fördert es auch Fairness und Ehrlichkeit. Morgens ist der Testosteronwert bei Männern und Frauen am höchsten.
WENN ES MANGELT Ein sinkender Testosteronspiegel gehört zum Alterungsprozess. Mögliche Folgen: Muskelabbau, Fettzunahme, Unlust an Bewegung und Sex, Schlafstörungen, Leistungsschwäche. Diabetes zeigt sich mitunter früh an niedrigen Testosteronwerten. Stehen sie sehr tief, besteht Verdacht auf Hodenkrebs.

DAS HILFT Das Hormon wird im Schlaf gebildet, daher ist gute Nachtruhe wichtig. Übergewicht drosselt die Produktion: Wer es abbaut, pusht also sein Männlichkeitshormon. Krafttraining, etwa mit Liegestützen und Sit-ups, lässt den Testosteronspiegel steigen, besonders kurzes, aber intensives Intervalltraining. Testosteron-Gels und -Pflaster ohne ärztliche Verordnung zu nehmen kann gefährlich werden: Ein Zuviel des Powerhormons verdickt das Blut und fördert Herzbeschwerden.

Glücksgefühl: SEROTONIN

WAS ES KANN Serotonin sorgt tagsüber für ein positives, zufriedenes Gefühl und eine entspannte Grundhaltung. Es regelt die Körpertemperatur und den Blutdruck und beeinflusst über das Nervensystem im Darm den Appetit. Am Abend benötigt das Gehirn Serotonin, um den Schlafbotenstoff Melatonin herzustellen.
WENN ES MANGELT Ohne Serotonin können wir nie richtig glücklich sein. Sinkt sein Level, fällt die Stimmung in den Keller, und Zuversichtlichkeit wird ein Fremdwort. Da nachts der Spiegel niedrig ist, neigen wir dann zum Wälzen von Sorgen. Hält der Mangel an, entwickeln sich Ängste und Zwangsstörungen. Verstopfung oder Durchfall ist möglich. Niedrige Werte verursacht auch der Mangel an Vitamin D und B6, die an der Produktion des Glückshormons beteiligt sind.
DAS HILFT Da Stress Serotonin verbraucht, bringt eine entspannte Haltung schon viel an Zufriedenheit. Auch tryptophanhaltige Nahrungsmittel helfen: Die Vorstufe von Serotonin steckt in Nüssen, Fisch, Käse, Kakaobohnen und wird vom Gehirn in den Glücksstoff umgewandelt. Grüner Tee erhöht die Serotonin-Konzentration im Gehirn. Neuen Studien zufolge hat auch das Darmmikrobiom Einfluss auf die Serotoninproduktion. Alles, was dem Darm guttut, hebt also die Stimmung: Ballaststoffe wie Gemüse, Vollkorn, Kleie und Sauermilchprodukte wie Joghurt. Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch oder Rapsöl füllen das Reservoir. Ebenso Bewegung, am effektivsten ist Ausdauersport.

GLÜCKSTEE
Grüner Tee regt die Produktion von Serotonin an


Energieversorger: INSULIN

WAS ES KANN Der Botenstoff hat eine Schlüsselstellung: Er veranlasst, dass der Organismus mit Energie versorgt wird. Ohne Insulin gäbe es keinen Nährstoffwechsel, wir würden sterben. Es senkt den Blutzuckerspiegel, während sein Gegenspieler Glukagon die Freisetzung von Zuckerreserven aus der Leber veranlasst. Zusammen halten beide den Blutzuckerspiegel konstant. Insulin ist auch nötig für den Aufbau der Muskulatur. Solange es seiner Arbeit nachgeht, blockiert es den Fettabbau. Damit Fettreserven schwinden, brauchen wir Essenspausen. Eine ständige Überversorgung mit Kohlenhydraten macht die Zellen unempfindlich gegen Insulin und führt so zu Diabetes.
WENN ES MANGELT Sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark, bekommt das Gehirn zu wenig Zucker und fordert mit Zittern, Herzpochen und Heißhunger vehement: Iss Kohlenhydrate! Sport lässt den Zuckerspiegel absinken und kann zu Unterzuckerung führen.
DAS HILFT Vor körperlicher Aktivität besser eine Kleinigkeit essen, damit der Glukosegehalt im Blut nicht zu rasch sinkt.

Bewegung ist sehr gut, auch schon mäßige: Sie macht die Zellen wieder empfindsam gegenüber Insulin. Wer Zwischenmahlzeiten vermeidet, stärkt sein natürliches Empfinden für Hunger und Sättigung. Die Spurenelemente Chrom (Vollkornbrot, Linsen, Hühnerfleisch) und Zink (Sonnenblumenkerne, Edamer, Weizenkleie) helfen, dass Insulin gut arbeitet.

Ausnahmezustand: ADRENALIN

WAS ES KANN Es mobilisiert alle Kräfte. Das Alarmhormon holt bei Gefahr und Stress alles aus dem Körper heraus und sorgt dafür, dass er seine Belastungsgrenze ignoriert. Die Konzentration ist extrem hoch, das Blut pocht, die Muskeln sind angespannt. Aus eingelagertem Fett wird Energie gewonnen, der Blutzucker schießt nach oben. Schmerzempfinden, Durst und Hunger? Alles jetzt Nebensache, sagt uns das Adrenalin. In der Notfallmedizin wird es bei einem Kreislaufschock und zur Wiederbelebung gespritzt.
WANN ES MANGELT Anhaltende Erschöpfung durch negativen Dauerstress kann die Adrenalinkonzentration vermindern. Bei einem Funktionsausfall der Nebennieren wird ebenfalls kein Adrenalin mehr hergestellt. Auch ein Zuviel an Training bremst die Produktion.
DAS HILFT Atemübungen bauen auf natürliche Weise Anspannung ab, normalisieren den Puls, lockern die Muskeln. So geht’s: Auf eins einatmen, auf zwei ausatmen. Klingt simpel, ist aber wirksam. Langfristig hilft gegen Stress nur, das Neinsagen zu lernen.

LICHT TANKEN
Im Winter kann der Melatoninspiegel erhöht sein und müde machen. Dann hilft: Rausgehen!


Schlaf-Fee: MELATONIN

WAS ES KANN Es lässt uns müde werden und gut schlummern. Das Schlafhormon wird bei Einbruch der Dunkelheit gebildet. Es fördert die Ausschüttung des Wachstumshormons, stärkt das Immunsystem, schützt vor Zellschäden und kann das Wachsen von Tumoren hemmen.
WENN ES MANGELT Einschlafprobleme, vorzeitiges Erwachen, erhöhte Krankheitsanfälligkeit, schnelle Hautalterung und Stimmungsschwankungen sind nur einige Folgen. Ursache sind oft Serotoninmangel, Alkohol, Medikamente wie Betablocker, lange abendliche Lichtphasen, Schichtarbeit und abendlicher Sport.
DAS HILFT Wichtig ist es, zu schlafen, wenn man müde wird. So verstellt sich die innere Uhr nicht. Der wirksamste Tipp gegen Schlafprobleme: Am Tag durch Bewegung im Freien das Lichtkonto auffüllen! Der Körper bildet dann Serotonin, das nötig ist für die Produktion von Melatonin. Dieses lässt sich auch über die Nahrung zuführen: Gute Quellen sind etwa Tomaten und Walnüsse. Auf Rezept gibt es retardiertes Melatonin in Tablettenform, das die Schlaffähigkeit wiederherstellt. Blaues Licht zum Beispiel aus Handys und LED-Leuchten bremst die Melatoninausschüttung und sollte daher abends minimiert werden.

BUCHTIPP
Dr. Johannes Wimmer Meine Hormone. Bin ich ferngesteuert?“GU Verlag 128 S., 14,99 €


ILLUSTRATIONEN: S. 8-9: CLAUS LUNAU/SCIENCE PHOTO LIBRARY (GROSS), SHUTTERSTOCK (3); FOTOS: S. 8: TKACHUK/COLOURBOX; S. 10: VEY/JUMP, BONCHAN/SHUTTERSTOCK; S. 12-13: LISHMAN/MAURITIUS, JUMP, PR