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Gesundheitsrisiko Pollen


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 08.06.2018

In Deutschland leiden 20 Prozent der Bevölkerung an Allergien, Tendenz steigend. Ein großes Problem sind dabei die Baumpollen. Zudem zeigt sich, dass gestresste Bäume aggressiveren Pollen bilden.


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Von Baumpollen (hier Baumhasel) gehen zunehmend Gesundheitsprobleme für den Menschen durch Allergien aus.


Foto: imago/imagebroker/schreiter

Für Allergiker stellen in Europa neben Hausstaubmilben die Pollen von Laubbäumen, der Ambrosia und von Gräsern das größte Problem dar. Die beiden Professoren Dr. Jörg Durner (Leiter des Instituts für biochemische Pflanzenpathologie am Helmholtz-Zentrum München und Leiter des ...

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... Lehrstuhls für biochemische Pflanzenpathologie an der TU München) und Dr. Carsten Schmidt-Weber (Direktor des Zentrums Allergie und Umwelt der TU München und des Helmholtz Zentrums München) informierten auf den Deutschen Baumpflegetagen in Augsburg über aktuelle Forschungsergebnisse zur Allergenität von Baumpollen und stellten vier Schritte vor, um das Problem zu verringern (siehe Kasten).

Allergien zählen mit ihren Symptomen wie Heuschnupfen, schweren Hautausschlägen oder Asthma zu den größten Volkskrankheiten. Im schlimmsten Fall können Allergene, also die Allergien auslösenden Stoffe, zum Tod führen, etwa durch einen allergischen Schock. Während Feinstaub keine Allergien auslöst, machen besonders die Pollen im Frühjahr und Sommer vielen Menschen zu schaffen. Dabei verursachen Pollen von Laubbäumen wesentlich häufiger Beschwerden als die von Nadelbäumen. Fichten-Pollen zum Beispiel hat trotz hoher Konzentration in der Luft ein sehr geringes allergenes Potenzial.

Hoch allergen ist der Pollen von Ambrosia artemisiifolia.


Foto: Helmholtz-Zentrum München

Viele Baumpollen lösen früh im Jahr Allergien aus

Frühblühenden Laubbäume wie Hasel, Pappel und Birke sind als Allergie-Auslöser am bekanntesten. Die Pollen der Birke gelten als besonders aggressiv und können daher besonders starke Allergien auslösen. Außerdem geben sie ihre Pollen in großen Mengen und für lange Zeit ab. Bei ihnen zum Beispiel setzt der Pollenflug bereits bei Temperaturen über 15 Grad Celsius ein und kann bis in den Juli andauern.

Noch früher als alle heimischen Bäume blüht die PurpurerleAlnus x spaethii . Sie blüht bereits zwei Monate vor den heimischen Erlen. Aus gärtnerischer Sicht ist die Purpurerle ein idealer Stadtbaum, denn sie ist windfest, trockenheitsund salzverträglich, gesund und robust, auch auf ärmsten Böden. Außerdem ist der Wuchs kräftig und pyramidenförmig, und der Stamm lässt sich gut aufasten. Trotzdem eignet sie sich nicht als Stadtbaum, denn die frühe Blüte und damit auch der frühe Pollenflug verursachen einen Winterheuschnupfen, der vor allem bei Kindern auftritt.

Dies wies der Schweizer Arzt Markus Gassner in einer Studie nach. In seinem Heimatort Buchs im Kanton St. Gallen wurden vor mehreren Jahren knapp 100 Purpurerlen gepflanzt. Diese säumen den Schulweg von Kindern und führten in dieser Region zu einer Verdopplung der Allergensensibilisierung, wie Schmidt-Weber ausführte.

Ambrosia hat stärkste Pollenallergene

Die Pflanze mit den stärksten Pollenallergenen übersehen die meisten: das eingeschleppte UnkrautAmbrosia artemisiifolia , das beifußblättrige Traubenkraut. Dabei findet man es mittlerweile fast in ganz Deutschland, vor allem an Straßenrändern, in Gärten und auf landwirtschaftlichen Flächen. Sehr große Vorkommen gibt es in Brandenburg, große in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz.Ambrosia ist ein Neophyt, der aus Nordamerika stammt, und sich inzwischen weltweit verbreitet hat. Die unscheinbaren Blüten blühen von Juli bis Oktober – und das hat gravierende Nachteile. Denn eine einzige Pflanze produziert bis zu drei Milliarden Pollen – und bereits kleinste Mengen von drei bis fünf Pollen pro Kubikmeter können heftige allergische Reaktionen hervorrufen. Das allergene Potenzial der Pollen ist um ein Vielfaches höher als das der Gräser. Außerdem überdauern die Samen 40 Jahre im Boden – und sie wächst an fast jedem Standort. Ihr einziger Vorteil: Sie eignet sich sehr gut für die Allergie-Forschung.

Einfluss von NO2 und Ozon auf Pollen

Stickstoffdioxid (NO2) zählt zu den Luftschadstoffen, die hauptsächlich bei Verbrennungsprozessen entstehen. Durch Photolyse trägt es unter Einwirkung von flüchtigen organischen Verbindungen zur Bildung von Ozon bei. Die Energie dafür liefert die Sonneneinstrahlung. Daher gibt es hohe Ozonwerte vor allem an Sonnentagen im Sommer.

Die Pflanzen nehmen NO2 und das Ozon gasförmig über ihre Stomata auf, das NO2 auch über den Boden, wenn es über Regen oder Nebel dorthin gelangte. Dass NO2 und Ozon einen Einfluss auf die Pollen haben, konnte bereits für verschiedene Baumarten gezeigt werden. Erhöhte NO2-Konzentrationen führten zu aggressiveren Pollen. Auch hohe Ozon-Werte führten zu ähnlichen Ergebnissen, besonders bei Birken. Die einzige Ausnahme waren Platanen.

Auch bei krautigen Pflanzen machten erhöhte NO2-Konzentrationen die Pollen aggressiver. Die Forscher zeigten dies anAmbrosia artemisiifolia . Gräser reagierten am unterschiedlichsten. So machte zum Beispiel ein erhöhter Ozon-Gehalt bei Weidelgras und Roggen den Pollen aggressiver. Bei Wiesenlieschgras dagegen zeigte der Pollen zwar ein geringeres allergenes Potenzial, allerdings kann das NO2 die allergenen Proteine verändern, und dies könnte auch zu stärkeren allergischen Reaktionen führen.

Die ausführlichen Beiträge der beiden Professoren können Sie im Jahrbuch der Baumpflege 2018 (Haymarket Media, ISBN 978–3–87815– 257–6) nachlesen.

Handlungsempfehlungen

1. Nur geeignete Bäume wählen
Gärtner und Stadtplaner sollten nur Bäume wählen, die wenig und keine riskanten Allergene freisetzen. Daher lautet der Rat, zwar keine bereits gepflanzten Birken und Erlen zu fällen, aber sie künftig nur noch 30 Kilometer von Ballungszentren entfernt zu pflanzen. Ganz verzichten sollte man nach Meinung der Professoren auf die Purpurerle ( Alnus x spaethii).
2. Ambrosia entfernen
Der Pollen vonAmbrosia ist extrem aggressiv, er löst deutlich stärkere Allergien aus als alle heimischen Pflanzen, und sogar Nicht-Allergiker könnten durch sie plötzlich Asthma bekommen. Wer einzelne Ambrosien entdeckt, sollte sie vor der Blüte und mit Wurzeln im Müll entsorgen, größere Bestände dem lokalen Landwirtschaftsamt melden.
3. Weitere Präventionsmaßnahmen
Es fehlt eine Übersicht über alle Pflanzen, auf deren Pollen Allergiker reagieren. Die GALK (Gartenamtsleiter-Konferenz, www.galk.de), listet zwar einige Bäume auf, die Liste ist aber nicht vollständig.
4. Kriterien erstellen, was Pflanzen stresst
Fest steht, dass die Luftverschmutzung durch erhöhte Konzentrationen an NO2 und Ozon Auswirkungen auf den Pollen, die Proteinfreisetzung und den Allergengehalt des Pollens hat. Obwohl dies von der Pflanzenart abhängt, bedeutet ein Zuviel an NO2 und Ozon für die meisten Pflanzen Stress. Es entsteht ein Kreislauf: Gestresste Pflanzen haben aggressivere Pollen.
cp