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Geswitched: Schluss mit dem Endverkauf zum Jahresstart


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 51/2018 vom 22.12.2018

Warum sich zwei Gärtnereien zum Jahreswechsel von ihrem Endverkauf trennen und auf den Dienstleistungsbereich konzentrieren.


Artikelbild für den Artikel "Geswitched: Schluss mit dem Endverkauf zum Jahresstart" aus der Ausgabe 51/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 51/2018

Statt stationärem Blumenverkauf vermehrt auf seinen Online-Shop setzt …


Werkfotos

… Friedhofsgärtner Ralf Kretschmer.


Dass der Einzelhandelsbereich besonders in kleineren Betrieben oft nicht mehr genug abwirft, ist kein Geheimnis. Viele Betriebe lassen ihn trotzdem weiter laufen, kompensieren mit anderen Bereichen. Für zwei Einzelhandelsbetriebe der grünen Branche ist damit jetzt Schluss: Ihre Geschäfte schließen zum 1. Januar 2019 ihre Türen, die Gründe dafür kommunizieren sie ihren ...

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... Kunden ganz offen. Stattdessen konzentrieren sich beide mehr auf lukrative Bereiche im Bereich Dienstleistung und Online-Shop. Beide Betriebe sind keine Unbekannten in der Branche.

„Für eine Rose mit Grün lohnt sich kein großes Sortiment“

Einer der beiden, der diesen konsequenten Schritt geht, ist Ralf Kretschmer, Inhaber der Friedhofsgärtnerei Kretschmer in Kiel. Seine Begründung: Die Umsätze über sein Ladengeschäft reichten einfach nicht mehr. „Kunden erwarten immer eine große Auswahl an Schnittblumen, wenn sie ins Geschäft kommen, auch, wenn sie sich nur eine einzelne Rose mit Grün aufbinden lassen.“ Die wachsenden Schnittblumenangebote im Lebensmitteleinzelhandel, das große Angebot der Baumärkte hätten zu immer weiter sinkenden Schnittblumensowie Beet-und Balkonpflanzenpreisen und -abverkäufen geführt. Kretschmer hat lange versucht, gegenzusteuern – musste nach und nach aber die Anzahl an Floristinnen von ehemals fünf auf jetzt eine herunterschrauben.

„Online kaufen die Kunden oft hochwertigere Sachen“

Nun konzentriert sich Kretschmer künftig auf den umsatzstärkeren Bereich Dienstleistungen – bei ihm vor allem der Bereich Friedhof. Diesen und die Ausbildung von jungen Friedhofsgärtnern als großen Schwerpunkt will der Unternehmer intensiv und mit viel Herzblut weiter führen. Was nicht heißt, dass Kunden nicht auch weiter Blumensträuße, -kränze und -gestecke bei Kretschmers bekommen können. Die allerdings nur noch auf vorherige Bestellung oder über den Kauf per Online-Shop.

Den betreibt das Unternehmen bereits seit vier Jahren und hat festgestellt: „Online sind Kunden eher bereit, auch größere, hochwertige Stücke, beispielsweise große, hoch gebundene Kränze, zu kaufen.“

Auch immer mehr Firmengeschäfte laufen nach Kretschmers Erfahrungen über den Online-Shop: „Viele erledigen alle anfallenden Blumenbestellungen gerne zügig online.“ Kunden können ihre Bestellungen bei Kretschmer entweder zu stark reduzierten, an die Bürozeiten gekoppelten Öffnungszeiten abholen oder sich liefern lassen.

„Der Online-Bereich wird deutlich effektiver sein als der stationäre“

Kretschmer will den Onlinebereich weiter ausbauen, regelmäßig Neues mit schönen Fotos einstellen, vermehrt mit Attributen wie „exklusiv“ arbeiten, die Auswahl an Schalen und Gestecken in verschieden Größen ausweiten. Auch, wenn er nicht damit rechnet, dass der Online-Shop die kompletten Umsätze des Geschäftes auffangen wird (die lagen zuletzt bei 20 Prozent Umsatzanteil), so rechnet er doch damit, dass online „deutlich effektiver sein wird, unterm Strich mehr übrig bleiben wird“. Zudem erlaube er einen deutlich gezielteren und damit effektiveren Einkauf nach Bedarf.

Engel & Engelke: „Blumen künftig nur noch beim Wettbewerb“

Er hatte es schon lange öffentlich angekündigt, nun macht auch Christian Engelke, Inhaber der Dienstleistungsgärtnerei Engel & Engelke mit Standorten in Bückeburg, Bielefeld und Osnabrück, Nägel mit Köpfen und schließt ebenfalls zum 1. Januar 2019 den Endverkauf seines Betriebes – aber noch strikter: Künftig müssen Kunden, die einen Blumenstrauß oder einen Kranz kaufen möchten, zum Wettbewerber gehen.

Geschuldet ist auch diese Entscheidung dem allgemeinen Wandel: „Der Endverkauf war für uns lange Jahre die Cash-Cow, hier haben wir das Geld verdient“, sagt Engelke, der das Unternehmen 2003 von seinen Eltern übernommen hat. Er stand jedoch wenige Jahre später vor der Entscheidung, hier sehr viel zu investieren, um den Endverkauf weiter auszubauen, dafür einige Produktionshäuser umzubauen, weitere Parkplätze zu schaffen. „Das war mir zu riskant“, blickt er heute erleichtert zurück.

Bewusst für die Dienstleistung entschieden

Engelke entschied sich stattdessen, die Weichen vermehrt in Richtung Dienstleistung zu stellen, das Personal in diesem Bereich aufzustocken, weitere Standorte dazu zu nehmen. Es entstanden separate Teams für den Bereich Friedhof und Garten- und Landschaftsbau, außerdem lag Engelke schon damals das Thema Raumbegründung sehr am Herzen. Deshalb übernahm er hier weitere Standorte, erst in Bielefeld, später noch Osnabrück.

Insgesamt beschäftig er derzeit 24 Mitarbeiter. Darunter werden künftig nur noch drei Floristinnen weiter im Unternehmen tätig sein: Eine in der unterstützenden Geschäftsführung, die anderen beiden im Bereich gärtnerische Dienstleistungen.

Vom Laden zum Showroom für die Raumbegrünung

Das Einzelhandelsgeschäft wird ab 2019 ausschließlich ein Showroom für die eigenen Dienstleistungen, vor allem die Raumbegrünung, sein. Neben dem Dienstleistungsbereich wird die Eigenproduktion von Beet- und Balkonpflanzen für den eigenen Bedarf weiter geführt.

„Wir opfern mit dem Endverkauf zwar unser Herzstück an die Wettbewerber – aber es bringt uns viele Vorteile“, sagt Christian Engelke ohne Reue. „Alles andere wären nur schlechte Kompromisse gewesen“, ist er sich sicher. Es sei nun ein sauberer, wenn auch emotional schwieriger Schnitt, der ihm den nötigen Raum für die strategische Kundenarbeit schaffe.

„Der Blumenmarkt teilt sich im Moment neu auf, das können viele Einzelhandelsgärtnereien angesichts der Preise einfach nicht schaffen“, ist er überzeugt. „Dieser Makrotrend wird bleiben.“

Mitarbeiterin Cornelia Varchmin und das Team sind künftig nur …


… noch in der Dienstleistung wie hier der Raumbegrünung in …


… Christians Engelkes Betrieb tätig.