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Cavallo - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 18.01.2023
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Bildquelle: Cavallo, Ausgabe 2/2023

Tschüss Perfektion, hallo Gefühl! In unserer Gesellschaft wollen wir oft alles richtig machen und streben nach Perfektion. Das ist auch beim Reiten so. „Wir versuchen oft zu verbissen, etwas zu erreichen. Die Anstrengung hindert uns dann am Fühlen“, sagt Ausbilderin Wendy Murdoch. Wer fühlen will, darf es sich also leicht machen und Anstrengung reduzieren. Ist ganz ungewohnt? Genießen Sie das gute Gefühl im Sattel und lächeln Sie einfach mal auf dem Pferd.

Denn wir haben noch eine gute Nachricht: Dass Reiter entweder Gefühl im Hintern haben oder eben nicht, ist Quatsch. Fühlen kann man lernen. Wir haben drei Ausbilderinnen nach Übungen für das gewisse Feeling beim Reiten gefragt.

Bevor es losgeht, noch ein paar Tipps fürs Fühlen. Starten wir mit einem Beispiel: Ein gefühlvoller Reiter spürt etwa, wann sich welches Bein des Pferds nach vorne bewegt. Dieses Wissen hilft ihm dabei, ein gutes Timing für ...

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... die Hilfen zu finden. „Das geht am besten, wenn man zunächst im Schritt übt. Langsamkeit erleichtert das Fühlen von Bewegungsabläufen“, weiß Dr. Tuuli Tietze. Die Grand-Prix-Reiterin beobachtet zunächst auch Bewegungsabläufe in der Bodenarbeit und im Freilauf. „Das schult schon mein Gefühl dafür, ob mein Pferd eine Schokoladenseite hat und wo es Unterstützung braucht.“

Schließen Sie fürs Fühlen auch die Augen. So können Sie besser den eigenen Körper spüren und den des Pferds. Wenn Sie also die Möglichkeit haben, lassen Sie sich bei manchen Übungen von einer Stallfreundin führen. Wechseln Sie sich ab und tauschen auch die Pferde. „Möglichst unterschiedliche Pferde zu reiten, schult das Bewegungsgefühl ungemein“, sagt Pferdewirtschaftsmeisterin Christine Hlauscheck.

Außerdem stellen sich gefühlvolle Reiter selbst Fragen. Beispiele dafür sehen Sie in Text und Bild auf den nächsten Seiten. Dort gibt es Unterstützung fürs Feeling! Wie wichtig das ist, erwähnte übrigens schon Reitmeister Gustav Steinbrecht: „Nach genauen Vorschriften und toten Buchstaben kann der Reiter ein Pferd wohl zur Maschine machen, aber nicht dressieren. Dies vermag er nur, wenn er sich von seinem Gefühl und seinem eigenen Urteil leiten lässt.“ Was Sie fühlen, wissen Sie selbst am besten. Legen Sie los.

DIE EXPERTINNEN

DR. TUULI TIETZE lehrt in ihrem Trainingskonzept EinsseinEvolution, wie Reiter ihre Pferde von der Pike bis zur Piaffe ausbilden. www.smartreiten.com

WENDY MURDOCH unterrichtet seit über 30 Jahren feine Hilfen, Körperwahrnehmung und Balance. Sie erfand die Sure Foot Pads.

CHRISTINE HLAUSCHECK ist Pferdewirtschaftsmeisterin und Expertin für Anatomie und Biomechanik. Sie bildet unter ganzheitlichen Aspekten aus. www.christine-hlauscheck.de

„Welches Bein geht gerade vor?“

Spielbein fühlen und steuern

Pferde haben Spielbeine und Standbeine – wie wir Menschen auch. Das Spielbein holt in der Bewegung Schwung. Das Standbein trägt mehr Körpergewicht und hält den Kontakt zum Boden. Im Fußball ist das Spielbein das Bein, mit dem Fußballer den Ball schießen. Die meisten Sportler haben dafür ein präferiertes Bein. „Auch Pferde haben eine Schokoseite. Zu 90 Prozent laufen sie mit dem gleichen Bein los, ihrem Spielbein – und das können wir erfühlen“, sagt Ausbilderin Christine Hlauscheck.

Spielbein fühlen: Halten Sie das Pferd an und schließen die Augen. Dann reiten Sie im Schritt an. Fühlen Sie: Welches Bein verlässt zuerst den Boden und schwingt nach vorne? Merken Sie sich das Bein: Es ist das Spielbein des Pferds. Wiederholen Sie die Übung ein paar Mal. Achten Sie auch beim Führen darauf. Checken Sie zudem beim Antraben, welche Beine zuerst den Boden verlassen. Sie sind sich unsicher, ob Sie richtig fühlen? Dann holen Sie sich einen Helfer, der ihre Ansage vom Boden aus prüft.

Spielbein wechseln: Beeinflussen Sie das Spielbein des Pferds. Halten Sie dafür erneut an. Nun versuchen Sie, dass Ihr Pferd nicht mit dem präferierten Spielbein antritt, sondern mit dem anderen Bein. Testen Sie, wie das Pferd auf minimale Gewichtsveränderungen reagiert und ob es seine Bewegungen entsprechend anpasst. Was Sie wissen müssen: Was sich beim Pferd bewegen soll, muss leicht werden. Soll sich also das rechte Vorderbein nach vorne bewegen, macht der Reiter sich rechts etwas leichter und gibt eine sanfte Hilfe zum Losgehen. „Dabei geht es um filigrane Bewegungen mit dem Becken. Denken wir fein über den Sitz nach, lauschen auch unsere Pferde fein“, sagt Christine Hlauscheck.

Gefühlvolles Ergebnis: Sie lernen, das Pferd fein zu fühlen und seine Bewegungen gezielt zu beeinflussen. Langfristig können Sie so auch die Schiefe des Pferds beeinflussen.

Wenn Sie mehr fühlen wollen, tun Sie weniger

Kennen Sie das? Sie fahren auf der Autobahn und das Radio dudelt. Dann erreichen Sie die Ausfahrt, fahren langsam und plötzlich kommt Ihnen das Radio sehr laut vor. Die Geräusche der Autobahn sind weg und Sie hören genauer. Aufs Reiten übertragen heißt das: „Wenn wir unser Pferd wirklich fühlen wollen, müssen wir die Hintergrundgeräusche abdrehen“, sagt Wendy Murdoch. „Das schärft unsere Wahrnehmung.“

Fahren Sie das Aktivitätslevel runter. Seien Sie ganz beim Pferd. Quatschen Sie nicht beim Reiten. Schalten Sie das Radio aus. Nehmen Sie das Tempo raus. Halten Sie inne. Lauschen Sie, was Ihr Pferd braucht, anstatt ständig etwas zu fordern.

Gefühlvolles Ergebnis: In der Ruhe lernen Sie zu fühlen. Magische Momente passieren in Pausen, darin lernt auch das Pferd.

Hand anlegen bei sich selbst und beim Pferd

Lernen Sie die Kraft von Berührung kennen. Sie können Atmung und Bewegung positiv verändern. Dabei müssen Sie keine Massage-Technik anwenden. Es reicht, die Hände aufzulegen – bei sich und beim Pferd.

Wo ist das Pferd warm und wo kalt? Wendy Murdoch nimmt sich vorm Reiten fünf Minuten Zeit und streicht mit den Händen über den Körper des Pferds. Das geht auf Linda Tellington-Jones zurück.

Dabei fühlt sie, wo das Pferd warm und kalt ist. „Wärme und Kälte können wir leicht fühlen. Das gibt uns ein Erfolgserlebnis und macht uns zugleich sensitiver.“

Beim Reiten in den unteren Rücken atmen: Diese Übung können Sie auf dem Pferd praktizieren. Legen Sie den Handrücken einer Hand auf Ihren unteren Rücken etwa auf Höhe der Gürtellinie. Atmen Sie nun in die Hand. „Sie sollten eine Ausdehnung im Rücken spüren. Je mehr Sie üben, desto besser klappt das“, weiß Wendy Murdoch. Das erlaubt den unteren Rippen sich zu dehnen und macht den ganzen unteren Rücken weicher. Denn: Die unteren drei Rippen werden dabei frei beweglich. Dürfen sie sich ausdehnen, entspannt sich der gesamte Rücken.

Gefühlvolles Ergebnis: Mit dem Auflegen der Hände holen Sie mehr Bereiche des Körpers ins Bewusstsein. Das Körpergefühl verbessert sich dadurch von selbst.

„Folgt das Pferd meiner Energie?“

Die eigene Wirkung wahrnehmen

Als Reiter kommen wir mit einer gewissen Stimmung zu unserem Pferd. Vielleicht haben wir noch den Streit mit Kollegen im Kopf. Oder wir kommen beflügelt von einem tollen Treffen. „Pferde spüren, wie wir drauf sind – und nehmen unsere Energie auf“, sagt Dr. Tuuli Tietze. Wer ein gutes Gefühl für sein Pferd entwickeln möchte, sollte sich seiner Energie bewusst sein. Die Ausbilderin zeigt dafür zwei Übungen.

Energieball fühlen: Reiben Sie Ihre Handflächen für mindestens 30 Sekunden schnell aneinander. Dann ziehen Sie die Handflächen langsam auseinander – als würden Sie einen Ball dazwischen aufspannen. Jetzt drücken Sie diesen imaginären Ball etwas zusammen. Spüren Sie einen Widerstand? Obwohl nichts sichtbar ist und der Ball nur imaginär ist, fühlen viele Menschen bei der Übung den Energieball zwischen ihren Händen. „Wir wirken über unseren Körper hinaus, und das ist spürbar“, sagt Tuuli Tietze.

Kraft der Gedanken spüren: Reiben Sie die Spitzen Ihres Mittelfingers und Ihres Daumens schnell aneinander. Zuerst denken Sie dabei an etwas Schönes: an ein tolles Erlebnis mit Ihrem Pferd, einen Urlaubstag oder daran, wie dankbar Sie für Freunde sind. Wie fühlen sich die liebevollen und freudvollen Gedanken auf der Haut an? Reiben Sie weiter und denken nun an etwas Schreckliches wie Krieg, Konflikte oder Krankheit. Wie verändert sich der Reibungswiderstand? „Bei den negativen Gedanken spüren viele Menschen raue Haut, bei den positiven Gedanken fühlt sich die Haut weich an“, verrät die Ausbilderin.

Gefühlvolles Ergebnis: Sie wirken immer, und zwar weit über den Körper hinaus. „Gehen Sie alle Übungen mit dem Pferd mit positivem Kopfkino an“, rät Dr. Tietze.

Bauchpendel spüren und Unterschiede feststellen

Fühlen Sie sich in die Bewegung des Pferds ein wie ein Surfer auf einer Welle. „Dann können Sie auch die Bewegung beeinflussen“, meint Christine Hlauscheck. Ihr Rat: Lassen Sie sich für diese Übung am besten führen. So können Sie auch die Augen schließen und sich ganz dem Fühlen widmen.

Wohin schwingt der Rumpf des Pferds? Spüren Sie das Bauchpendel Ihres Pferds im Schritt. Der Rumpf pendelt unter Ihnen wie ein Fass hin und her. Die Bewegung spüren Sie etwa an Ihren Waden. Stellen Sie sich dabei folgende Frage: Wann hat die linke Wade mehr Kontakt zum Bauch, wann die rechte? Wenn Sie das herausgefunden haben und sicher sind, stellen Sie sich die nächste Frage: Pendelt der Bauch genauso weit nach links wie nach rechts? Oder gibt es Unterschiede zwischen den Seiten? Wenn Sie auch das herausgefunden haben, können Sie das Bauchpendel gezielt durch Ihre treibenden Hilfen beeinflussen und angleichen. Treiben Sie in dem Moment, in dem das Bauchpendel den höchsten Punkt erreicht. So unterstützen Sie das vorschwingende Hinterbein. „Lassen Sie das Pendel aber immer ausschwingen, sonst reduzieren Sie die Schrittlänge“, weiß die Ausbilderin.

Gefühlvolles Ergebnis: Sie lernen durch das Fühlen des Bauchpendels den Ist-Zustand des Pferds kennen. Das ist die Basis, um Bewegung gezielt zu beeinflussen.

Besser spüren, wann Feedback nötig ist

Ach, das mache ich nach Gefühl. Solche Aussagen sind nett. Aber wer gefühlvoll reiten will, muss den Weg dorthin kennen. „Ein gutes Gefühl soll ja wiederholbar sein“, sagt Dr. Tuuli Tietze. Und so klappt das:

Ins Gefühl kommen: Ziehen Sie im Halten im Sattel gedanklich Energie aus dem Boden durch die Hufe und durch Ihren Körper hoch. Dehnen Sie sich in alle Richtungen aus. „Manche Pferde lassen den Hals dabei fallen“, weiß die Ausbilderin. Fühlen Sie: Wo steht welches Bein des Pferds? Ist ein Hüfthöcker höher als der andere? Wichtig: erst fühlen, dann gucken. „Anfangs ist die Trefferquote gering, aber wird besser.“

Zielbild klären: Reiten Sie eine Lektion wie eine Hinterhandwendung, müssen Sie das Zielbild klar im Kopf haben. Checken Sie schon mit Wendespielen am Boden, ob das Pferd zu beiden Seiten gleich gut wendet und wo es deutlichere oder frühere Signale braucht. Dann reiten Sie die Lektion mit einem inneren Dialog: Biegt das Pferd sich in die Bewegungsrichtung? Kriege ich genug Go? Kann ich verhindern, dass es sich nach vorne bewegt? Geht die Vorhand einen größeren Kreis als die Hinterhand? Bewegen sich die Hinterbeine im Gleichtakt? Wenn es irgendwo hakt – üben Sie diese Engstelle gezielt. Dann erst setzen Sie die Lektion zur Endversion zusammen.

Gefühlvolles Ergebnis: Sie fühlen, wann ein Pferd von Ihnen Feedback braucht und an welchen Stellen es im Flow ist.

„Wie pendelt der Rumpf des Pferds?“

„Sind die Zügelhilfen sanft?“

Bin ich ein Softie? Das Gefühl für sanfte Zügelhilfen

Sanfte Hände wünscht sich wohl jeder Reiter. Schließlich sind wir darüber mit dem empfindlichen Pferdemaul verbunden. „Am besten schult man das Gefühl für die Hände in Partnerarbeit ohne Pferd“, sagt Christine Hlauscheck.

Partnerarbeit: Bauen Sie Gebiss und Zügel vom Zaum ab. Nun spielt eine Person das Pferd und umfasst das Gebiss. Die andere Person spielt Reiter und hält die Zügel. Der Mensch mit dem Gebiss in den Händen imitiert nun die Nickbewegung des Pferds. Die andere Person geht mit der Bewegung mit wie beim Reiten. Finden Sie einen Rhythmus. Wer das Pferd spielt, gibt ehrliches Feedback: Hält der Reiter zu fest oder ist der Kontakt angenehm? Dann bauen Sie die im Folgenden beschriebenen Bilder ein und schauen, wie sich diese auswirken. Wechseln Sie auch die Rollen.

Am Zebrastreifen: Die Verbindung zum Pferdemaul sollte so sein, wie eine Mutter am Zebrastreifen ihr Kind an der Hand hält: Sie zieht nicht an der Hand, aber lässt auch nicht los. Die Hände sind weich miteinander verbunden.

Das Hochzeitspaar: Bei der Nickbewegung denken Sie an ein Hochzeitspaar, das gemeinsam sägt. Das funktioniert nur, wenn beide im gleichen Rhythmus sind.

Gefühlvolles Ergebnis: Trockenübungen schärfen das Gefühl für die Hilfengebung und zeigen, welche inneren Bilder hilfreich sind.

Look-up Brille für eine bessere Balance

Was tun Reiter immer wieder? Sie schauen nach unten auf den Hals des Pferds. Den Blick heben, gehört zu den häufigsten Korrekturen im Reitunterricht. „Wir wissen, dass wir nicht runtergucken sollen. Aber wir wissen es nicht aus einer fühlenden Perspektive“, sagt Wendy Murdoch. Deshalb entwickelte sie kurzum aus der Praxis heraus eine geniale Erfindung.

Kopf hoch – und Sie fühlen besser: Das Sehvermögen ist unser primärer Sinn. Wir verlassen uns sehr darauf. „Aber das hindert uns beim Reiten oft am Fühlen, und außerdem fällt der Kopf nach vorne, was uns aus der Balance bringt“, erklärt die Reitlehrerin. Schließlich wiegt der Kopf eines erwachsenen Menschen rund sechs Kilo. Also schränkt Wendy Murdoch bei Reitern das Sichtfeld ein. Sie erfand eine Brille (Look up glasses), bei der Reiter nur durch einen Schlitz schauen können. Oben und unten ist die Brille wie zugeklebt. So kann der Reiter noch sehen. Aber um nach unten auf den Pferdehals zu schauen, müsste er den Nacken schon sehr verdrehen. „Die meisten lachen zuerst darüber. Aber dann berichten sie mir, das sie mit der Brille plötzlich viel leichter das Pferd fühlen.“

Gefühlvolles Ergebnis: Der Kopf des Reiters kippt nicht nach unten und nach vorne. Er bleibt über dem Schwerpunkt. So findet der Reiter besser in seine Balance. Er fühlt mehr mit dem ganzen Körper sein Pferd. Über den veränderten Sitz verändert er die Bewegung des Pferds. Das Pferd balanciert sich ebenfalls besser aus.