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GETESTET TEST LIPPENSTIFTE: NICHT GLEICH JEDEN KÜSSEN


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 14.06.2018

Deutsche Frauen lieben Lippenstift. Um sie zu erreichen, nutzen Marketingexperten auch die Stars und Sternchen dersozialen Netzwerke. Doch die sogenannten Influencer hinterfragen kaum, was da eigentlich auf den Lippen landet. Obwohl es guten Grund dazu gabe.


Lippenstift ist der unangefochtene Spitzenreiter unter den dekorativen Kosmetikprodukten: 20 Prozent der Frauen gaben in der Umfrage Beauty Atlas Deutschland 2017 an, dass er in ihrer Handtasche nicht fehlen darf. Für rund 17 Millionen deutsche Frauen gehört er fest zum Alltag. Die Zahlen sind seit Jahren stabil, Tendenz leicht steigend. Fast ein ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness, Ausgabe 6/2018

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... Viertel der Befragten benutzt Lippenstift täglich, 18 Prozent immerhin mehrmals pro Woche. Mit Statistiken zu Verwendung, Vorlieben und Kaufverhalten in Sachen Lippenstift könnte man ganze Magazine füllen. Dass da auch die Werbemaschinerie in den sozialen Medien auf Hochtouren läuft, versteht sich fast von selbst. Mit Kuss mundfotos auf Instagram und dem Videoblog morgendlicher Schminkrituale lassen die Internetstars, die sogenannten Influencer, ihre Fans am ganz persönlichen Lippenstifterlebnis teil haben. Immer wieder sehen sie sich dabei mit dem Vorwurf der Schleichwerbung und Bestechlichkeit konfrontiert. Im harm losesten Fall lassen sie sich von Unternehmen „nur“ unentgeltliche Testprodukte zusenden. Nicht selten werden sie aber sogar dafür bezahlt, sich als reichweitenstarke Gäule vor den Werbekarren spannen zu lassen. Das auch als Werbung zu kennzeichnen, wie es der Gesetzgeber fordert, nehmen einige nicht allzu genau.

Foto: Nomad/getty images

WELCHE FARBE PASST ZU MIR?

►Naturlich kann jede Frau die Lippenstiftfarbe verwenden, die ihr am besten gefallt. Dennoch gibt esTendenzen, wem welche Farbe am besten steht -je nach Haut-, Haar- und Augenfarbe.
► Warme Rottone mitgelbem Unterton,zum Beispiel ein leichtes Orange, konnen vorallem Frauen mithellemTeint, blondem Haar und biauen bis hellbraunen Augen tragen.
► Beerige, dunkle Rottone mit blauem Unterton passen zu Frauen mit heller, blaulich-schimmernder Haut, blonden bis braunen Haaren und blaugrauen bis grunen Augen.
► Dunklere, aber warme Rottone stehen Frauen mit braunem oder rotlich blondem Haar und grunen Oder braunen Augen und einem goldbraunlichen Teint.
► Violette Nuancen schmeicheln Frauen mit dunklem Haar, heller Haut und braunen Augen.
► Fast alle Farben konnen von Frauen mit dunkler Haut getragen werden. Kraftige Farbtone sorgen fur einen tollen Kontrast, etwas dezenter geht’s mit zarten Rosa-oder Brauntonen.

Foto: Paperkites/getty images

Neben semiprofessionellen Schminktutorials und Bussi-Bildern haben die findigen Selbstdarstellerinnen längst einen weiteren Geschäftszweig ausgemacht: Sie kreieren zusammen mit einem Hersteller ihr eigenes, exklusives Produkt. So auch eine der bekanntesten deutschen Instagramerinnen, Caro Daur: Gemeinsam mit der Kosmetikfirma MAC hatte das Social-Media-Sternchen Anfang 2017 einen Lippenstift entwickelt. Die streng limitierte Version trug passenderweise den Namen Caro Daur und wurde – wie sollte es anders sein – von eben dieser beworben. Ganz uneigennützig natürlich, wie in der freien Marktwirtschaft so üblich… Im Interview mit dem Manager Magazin gab sich Daur jedenfalls gänzlich naiv und unbedarft – konkrete Nachfragen zu ihrem Geschäftsmodell blieben einfach unbeantwortet. Ein bekanntes Gesicht, eine limitierte Auflage, ein begrenzter Verkaufszeitraum – perfekte Zutaten, um die Begehrlichkeiten der Zielgruppe zu wecken. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Produkten sucht man in den sozialen Medien meist vergeblich. Dabei würde es sich lohnen, genauer hinzuschauen. Auch bei Lippenstiften. Wie ihre farblosen Pendants aus der Abteilung Lippenpflege (siehe den Test in diesem Heft) bestehen viele konventionelle Lippenstifte zu einem Großteil aus erdölbasierten Fetten. In diesen wiederum können krebserregende Bestandteile enthalten sein. Und auch die Stoffe, die dem Lippenstift seine charakteristische Farbe verleihen, sind oft nicht unbedenklich.


Farbstoffe mit Aliergiepotenzial


Pikantes Detail: Während wir essen, trinken, küssen, sprechen oder denken, lecken wir die Schadstoffe unbemerkt ab und verschlucken sie. Grund genug, besonders kritisch hinzuschauen. Wir haben 22 Lippenstifte in die Labore geschickt und prüfen lassen.

DAS TESTERGEBNIS

Die Lizenz zum Röten. Rot dominiert nicht nur auf den Mündern, sondern auch in der Testtabelle. Mit 13-mal „ungenügend“ fallen fast alle konventionellen Lippenstifte gnadenlos durch. Einzig in der Naturkosmetik abteilung können wir durchgehend grünes Licht geben.
Erdölvorkommen. Wie auch im Test Lippenpflege dominiert ein Problem die konventionellen Lippenstifte mit erdölbasierten Fetten – den Paraffinen. MOSH/ POSH, also gesättigte Kohlenwasserstoffe, hat das Labor wie zu erwarten in allen paraffinhaltigen Lippenstiften nachgewiesen. MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und der Leber an und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt. Für POSH konnte laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine gesundheitliche Bewertung bislang nicht vorgenommen werden.
Schlimmer geht immer: In 12 der 14 mit MOSH/POSH belasteten Stifte hat das Labor auch MOAH nachgewiesen. Diese aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe können schon in kleinsten Mengen Krebs verursachende Bestandteile enthalten.
Rot, Verfärbung. In sechs Lippenstiften stecken laut Laboranalyse halogenorganische Verbindungen. Auf diesen Produkten ist auch der halogenorganische Farbstoff CI 45410 deklariert. Dieser darf in Kosmetik und in Haarfärbemitteln zum Einsatz kommen. Sein Potenzial, Allergien auszulösen, konnten die Kosmetikexperten auf EU-Ebene noch nicht abschließend bewerten, sie fordern derzeit weitere Untersuchungen.
Blei-Stift. Über die Farbpigmente können auch Schwermetalle eingetragen werden. Im H & M Cream Lip Colour, Mauveine Queen steckt ein erhöhter Gehalt an Blei. Blei ist in Kosmetik verboten. Es kann sich im Körper anreichern und gilt als nervengiftig. Schon geringe Mengen können zu Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit führen. Verunreinigungen akzeptieren die Behörden nur, wenn es sich um technisch unvermeidbare Gehalte handelt. Für Blei in Kosmetik liegt die Grenze laut Bundesamt für Verbraucherschutz bis auf wenige Ausnahmen bei zwei Milligramm pro Kilogramm (mg/kg). Zu Lippenstiften stellte die Forschungsstelle der EU-Kommission 2011 fest, dass 90 Prozent der Proben weniger als 2 mg/ kg enthielten – höhere Werte gelten somit als vermeidbar.