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Gewagte Hängepartie


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 21.01.2022

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New Yorks Superbrücke verbindet Manhattan und Brooklyn

Sie gehört zu den Wahrzeichen New Yorks: Die Brooklyn Bridge über den East River verbindet die Stadtbezirke Manhattan und Brooklyn miteinander. Wenn heute mehr als 100.000 Fahrzeuge pro Tag die markante Brücke überqueren, denkt kaum jemand an die Anfänge dieses Megabaus vor 150 Jahren. Es ist eine Geschichte voller Tragödien und Triumphe.

Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts versucht der deutsche Einwanderer John Roebling (1806 – 1869), New Yorks Stadtrat von seiner Vision zu überzeugen: eine Hängebrücke statt der zuvor verkehrenden Fähren. Die Verantwortlichen reagieren zunächst skeptisch, denn der East River ist kein Fluss, sondern ein Meeresarm – tief, unberechenbar, mit starken Gezeiten und gefährlichen Strömungen. Aufgrund des dichten ...

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... Schiffsverkehrs sind auch nur wenige Brückenpfeiler möglich. Ein technisches Wagnis. Erst im Jahr 1867 erhält der aus Thüringen stammende Ingenieur die Genehmigung, seine Pläne mit einer Privatgesellschaft umzusetzen. Die neu gegründete New York Bridge Company beginnt unter seiner Leitung mit den Vorbereitungen für das ehrgeizige Projekt.

Schicksalhafte Verbindung

Die Euphorie über den Erfolg währt nicht lange. Bei Vermessungsarbeiten für die Brückenpfeiler verunglückt John Roebling schwer und stirbt wenige Wochen später am 22. Juli 1869 an einer Tetanusinfektion. Der geniale Konstrukteur erlebt nicht einmal mehr den ersten Spatenstich für sein Meisterwerk. Die Leitung übernimmt nun sein Sohn Washington Augustus Roebling (1837 – 1926). Im Januar 1870 starten dann endlich die Bauarbeiten. Größtes Problem: Für die neugotischen Zwillingstürme aus Kalkstein, Granit und Zement muss ein Fundament her. Doch wie hebt man Baugruben am Flussgrund aus? Roebling setzt dazu erstmals in den USA Senkkästen ein. Diese auch als Caissons bekannten eisenummantelten Holzkästen sind unten offen und werden in die Tiefe hinabgelassen. Wie unter einer gigantischen Taucherglocke schuften die Arbeiter bei Petroleumlicht und schlechter Belüftung. „Sandhogs“ werden sie in New York genannt – Sandschweine.

Tod in der Tiefe

Leider ist damals ein Problem noch nicht in voller Tragweite erkannt: die Taucherkrankheit! Ohne langsamen Druckausgleich werden die Caissons zur Falle. Immer wieder kommt es zu Todesfällen und rätselhaften Beschwerden wie Atemnot, Lähmungen, Bewusstlosigkeit, geplatzten Trommelfellen. Auch Roebling trifft es nach Arbeiten am Pfeilerfundament in der Tiefe. Fortan sitzt er im Rollstuhl, kann kaum noch sprechen und verfolgt den Fortschritt mit dem Fernrohr. Seine Ehefrau Emily Warren Roebling (1843 – 1903) gibt Anweisungen an die Arbeiter weiter, eignet sich immer mehr Ingenieurswissen an und leitet schließlich elf Jahre lang die gesamten Bauarbeiten an der Brooklyn Bridge. Ohne sie würde es diesen Meilenstein der Architekturgeschichte nicht geben.

Zahlreiche neue Verfahren kommen bei der 1834 Meter langen Konstruktion zum Einsatz. So ist die Brooklyn Bridge eine Mischung aus Hänge- und Schrägseilbrücke. Die Fahrbahn wird erstmals hauptsächlich von vier Stahlseilen getragen, die über die Pfeiler gespannt und am jeweiligen Ufer verankert sind. Jedes besteht aus über 5400 Einzelsträngen, hat 40 Zentimeter Durchmesser und kann eine Zugspannung von 12.000 Tonnen halten. Insgesamt werden rund 24.000 Kilometer Draht verbaut.

Härtetest nach der Eröffnung

Auch die Dimensionen setzen Maßstände für das 19. Jahrhundert: Die damals mit Abstand längste Hängebrücke der Welt ist 26 Meter breit, ihre Spannweite zwischen den beiden Pfeilern beträgt 486 Meter. Am 24. Mai 1883 ist es schließlich so weit: US- Präsident Chester A. Arthur eröffnet feierlich die Brücke, gibt sie für den Verkehr frei. Mit einer Gruppe von Ehrengästen darf Emily Warren Roebling als Erste ihr Werk überqueren. Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Denn nur eine Woche nach der Eröffnung kommt es zur nächsten Katastrophe: Als eine Frau stolpert, bricht auf der Brooklyn Bridge eine Massenpanik aus. Zwölf Menschen sterben in dem Gedränge. Wie kann man das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der Konstruktion zurückgewinnen? Das dokumentiert die New York Historical Society: Am 17. Mai 1884 überqueren 21 Elefanten, sieben Kamele und zehn Dromedare des Zirkus Barnum die Brücke, an der Spitze der damals berühmte Dickhäuter Jumbo. Sicher erreichen die Tiere das andere Ufer. Ein Härtetest der ganz besonderen Art!

KAI RIEDEMANN

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