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GEWITTER: Blitz-Alarm


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 30.07.2018

Gerade im Sommer kommt es immer wieder zu heftigen Wärmegewittern. Wie Blitze Pferd und Reiter treffen können, wie sich einGEWITTERankündigt und was zu tun ist, wenn einen das Gewitter doch aus heiterem Himmel überrascht


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Gefährlicher Weidegang: Einen Blitzschlag überleben die meisten Pferde nicht.


Foto: Fotolia

Es ist eine gewaltige Explosion am Himmel, die manche fasziniert, anderen nur Angst einjagt. Mit etwa 45.000 Kilometern pro Sekunde schießen Blitze zur Erde. Vor allem Objekte, die höher liegen oder aus Metall sind, sind ihr Ziel. Ihre elektrische Ladung mit durchschnittlich 20.000 Ampere – bei ...

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... Superblitzen wurden schon bis zu 400.000 Ampere gemessen – verbrennt Nervenfasern und Gefäße im Körper und bringt dort elektrische Ladungen durcheinander.

Gerade für Pferde endet ein Blitzeinschlag oft tödlich. Im Sommer 2016 starben in der Nähe von Passau zwei Friesen, als auf einer Weide der Blitz in den Boden einschlug. Im selben Sommer schlug ein Blitz auch auf einer Pferdeweide in Biesenthal in Brandenburg ein. Und zwar in eine Eiche, unter der die Pferde der Weide Schutz gesucht hatten. Eine Stute traf die Überspannung besonders schwer, sie brach sofort zusammen. Als ihre Besitzer ankamen, atmete die Stute aber noch und drehte ihre Augen. Sie stand von selbst wieder auf, die herbeigerufene Tierärztin gab ihr kreislaufstabilisierende und schmerzlindernde Medikamente. Wie durch ein Wunder überlebte die Stute diesen schweren Stromschlag.

Der Ingenieur Thomas Raphael sitzt im Ausschuss Blitzschutz und -forschung des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) und kennt viele solcher Geschichten. Zusammen mit der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) hat sein Verband Verhaltensregeln aufgestellt, wie und wo Reiter bei einem Gewitter am besten Schutz suchen. St.GEORG hat mit ihm gesprochen und weitere Infos und Tipps zum Thema Blitzeinschlag zusammengetragen.

Thomas Raphael
Der Ingenieur arbeitet für den Verband der Elektrotechnik (VDE) und ist dort im Ausschuss Blitzschutz und -forschung tätig. Er weiß genau, wo Reiter und Pferde geschützt sind.


VOM BLITZ GETROFFEN

Verbrennungen, Atemlähmungen, Ganzkörperkrämpfe oder zum Beispiel Herzrhythmusstörungen sind typische Folgen eines Blitzeinschlages in den Menschen.


Aus einer abgesicherten Haushaltssteckdose fließen 16 Ampere. Ein Blitz hat durchschnittlich 20.000 Ampere, es wurden aber auch schon mehr als 400.000 Ampere gemessen.


Foto: www.galoppfoto.de/Fotolia

SCHON GEWUSST?

ALLEIN IN DEUTSCHLAND WERDEN PRO JAHR MEHR ALS ZWEI MILLIONEN BLITZE GEZÄHLT.

Die wenigsten
Menschen sterben an einem Blitzschlag. Man geht davon aus, dass es etwa drei bis sieben Personen pro Jahr sind – wie viele getroffen werden, ist schwer zu sagen, da dies nicht immer gemeldet wird. „Dass ein Mensch einen Blitzschlag überhaupt überleben kann, liegt an der kurzen Zeit: Nach maximal einer tausendstel Sekunde ist der Blitz durch den Körper durch“, sagt Thomas Raphael, Experte für Blitzschutz und Blitzforschung des Elektrotechnikerverbandes VDE. An den Stellen, an denen der Blitz in den Körper ein- und austritt, entstehen zum Teil schwerste Verbrennungen – ein Blitz kann bis zu 30.000 Grad heiß werden. Ein Großteil des Stroms fließt meist an der Haut entlang und hinterlässt dort üble Verbrennungen. Im Körper verbrennen außerdem die Nerven, Muskeln und Blutgefäße, durch die der Starkstrom seinen Weg nimmt. Da in unserem Körper viele Abläufe durch elektrische Ladungen gesteuert werden, kann ein Blitzschlag auch hier Schaden anrichten. So kann zum Beispiel das Herz stehen bleiben.
Unter den Folgen eines Blitzeinschlags leiden Betroffene meist sehr lange. Viele berichten von psychischen Problemen wie Depressionen oder chronischen Schmerzen. Pferde überleben einen Blitz-einschlag höchst selten. Sie reagieren sehr empfindlich auf Strom und da sie mit den Hufen weit auseinander stehen, ist die Schrittspannung bei ihnen extrem groß, es fließt eine sehr hohe Ladung durch sie hindurch. Wenn Ihr Pferd getroffen wurde und noch Lebenszeichen zeigt, rufen Sie sofort den Tierarzt und reden Sie beruhigend auf Ihr Pferd ein! Es befindet sich in einem Schockzustand.

Direkteinschlag

Der Blitz schlägt direkt ins Pferd ein.

Schrittspannung

Der Blitz schlägt in den Boden ein, seine Spannung breitet sich kreisförmig über den Boden aus.

Überschlag

Die Spannung des Blitzes springt vom Baum aufs Pferd über.

Berührungsspannung

Der Blitz schlägt z. B. in den Zaun ein, daran angrenzende Tränken stehen unter Spannung.

Foto: Fotolia, www.galoppfoto.de/Brose (3)

SCHNELL RETTUNGSMASSNAHMEN EINLEITEN!

ERSTE HILFE

Wenn eine Person in Ihrer Nähe von einem Blitz getroffen wurde, müssen Sie schnell Erste Hilfe leisten. Wird bei einem Herzstillstand innerhalb der ersten fünf Minuten mit der Reanimation begonnen, liegt die Erfolgsquote bei über 80 Prozent! Gehen Sie am besten nach dem Schema rechts vor (empfohlen von der Abteilung Blitzschutz und -forschung des VDE).

Foto: Fotolia

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein zweiter Blitz an der gleichen Stelle einschlägt.

Die Gefahr erkennen

Behalten Sie bei einem Ausritt oder Turnierbesuch immer das Wetter im Blick. Manche Wolkenarten kündigen zwar einen Wetterwechsel an, sind aber zunächst harmlos. Bei den Gewitterwolken muss man jedoch aufpassen und sollte Schutz suchen, wenn sie näher kommen

Schäfchenwolken

Viele kleine, gerippte Wolken zeichnen die Schäfchenwolken aus. Sie bringen meist keinen Regen, können aber, wenn sie sehr hoch am Himmel stehen, eine Wetteränderung und ein Gewitter ankündigen.

Schleierwolken

Die sogenannten Cirruswolken zeigen sich als feine, einzelne Wolken am Himmel und bestehen aus Eiskristallen. Aus diesen Wolken kommt kein Regen. Allerdings sind sie häufig Vorboten eines nahenden Tiefdruckgebiets, kündigen also oft schlechteres Wetter an.

Tiefe Schichtwolken

Die tiefen Schichtwolken (auch „Nimbostratus“ genannt) erkennt man daran, dass es sich um eine meist graue und durchgängige Wolkenschicht handelt. Diese Wolkenart bringt meistens Niederschlag mit sich.

Fotos: Fotolia

Schauer- und Gewitterwolken

Wie der Name schon sagt, weisen diese Wolken auf ein Gewitter hin (in der Fachsprache „Cumulonimbus“). Sie erstrecken sich vertikal in den Himmel und bringen Niederschlag mit in Form von Regen, Hagel und Schnee. Unter diesen Wolken ist mit starkem Wind zu rechnen.

AUSRITTE PLANEN

Mithilfe von Wetter-Apps die Wetterentwicklung ansehen, zusätzlich das Wetter beobachten. Lange Touren so planen, dass man geschützte Bereiche wie Hochspannungsmasten oder massive Gebäude (mit Blitzschutz) aufsuchen kann. Im Sommer entstehen Gewitter oft am Nachmittag und Abend – bei Gewittergefahr diese Zeit am besten meiden.

PFERDE VON DER WEIDE HOLEN

Foto: Sorge

Pferde suchen bei Gewitter meist keinen Unterstand auf – der in vielen Fällen auch nicht über einen Blitzschutz verfügt. Da sie wegen der Schrittspannung zusätzlich sehr gefährdet sind, wenn ein Blitz in den Boden einschlägt, sollten sie zur Sicherheit und wenn möglich bei einem Gewitter in einen sicheren Stall gebracht werden. Gerade einzeln stehende Bäume auf einer Weide sind ein Risiko, da sie Blitze anziehen.

10 TIPPS: Richtig Schutz suchen

„Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen!“ – vergessen Sie diesen Spruch. Er ist falsch! Jeder Baum birgt bei einem Gewitter ein Risiko. Auch wenn man es erst nicht glaubt: Für Reiter ist die Nähe zu Hochspannungsmasten sicherer

WETTER BEOBACHTEN: 1 OFFENE FLÄCHEN VERLASSEN!

Wenn noch genügend Zeit ist und die Gewitterwolken weit entfernt sind, sollten Sie zu einem geschützten Platz reiten. Ansonsten sofort absteigen – wenn möglich das Pferd anbinden – und in die Hocke gehen (etwa drei Meter entfernt zum Pferd).

GATTER, ANBINDER & CO.: 2 KEIN METALL ANFASSEN!

Blitze lieben Metall und Metall leitet die Spannung! Also immer Hände weg davon!

HIER SCHLÄGT DER BLITZ OFT EIN: 3 HÖHER GELEGENE REGIONEN WIE HÜGELSPITZEN MEIDEN!

Nicht nur freie Felder sollte man möglichst schnell bei einem aufziehenden Gewitter verlassen, auch Erhöhungen wie Hügel und Berge sind riskant, da dort Blitze sehr häufig einschlagen.

NACH UNTEN REITEN: 4 SENKEN AUFSUCHEN!

In Senken und tiefer gelegenen Plätzen schlagen Blitze sehr selten ein.

HOHE METALLMASTEN BIETEN SCHUTZ: 5 SICHERE ORTE: STROM- ODER ANTENNENMASTEN

Mindestens zehn Meter Abstand zu Hochspannungsmasten halten


Massive Gebäude mit Blitzschutz bieten Sicherheit, eine gute Alternative bei einem Ausritt sind aber auch Antennen- bzw. Strommasten. Am besten halten Sie sich dort in einem Abstand von mindestens zehn Metern auf und stellen sich wenn möglich auf Asphalt, da dieser gut isoliert. Die Masten ziehen die Blitze an und leiten die Spannung nach unten ab.

1,2,3… – WIE WEIT IST DAS GEWITTER ENTFERNT?: 6 WETTER BEOBACHTEN, STATT ZÄHLEN

Zählen, wann der Blitz da ist? Davon rät Gewitter-Experte Thomas Raphael entschieden ab: Wenn ich schon den Donner höre, ist das Gewitter zu nah, um noch viel zu unternehmen. Ein Blitz kann in 10 bis 15 Kilometern Entfernung einschlagen. Jetzt muss man Schutz suchen! Viel wichtiger als zählen ist es, das Wetter schon vorher genau im Auge zu haben und zu beobachten, wohin sich das Gewitter bewegt. Wenn 30 Minuten lang kein Donner mehr zu hören war, ist man wieder sicher.

BERÜHRUNG MEIDEN: 7 EINZELN HINSTELLEN!

Wenn Sie mit mehreren Personen ausreiten, gehen Sie in etwa drei Metern Entfernung zueinander in die Hocke! Nicht in Gruppen stehen oder sich gegenseitig berühren, denn das erhöht die Schrittspannung.

SCHUTZ AUF VERANSTALTUNGEN: 8 FAHRZEUGE AUS METALL AUFSUCHEN!

Auf Turnieren bieten Autos sowie Pferdeanhänger Schutz, die über eine metallene Konstruktion verfügen, die das Pferd im Dachbereich überragt. Denn metallische Gehäuse leiten den einschlagenden Blitz ab – auch bekannt als Faraday’sche Käfig. Achtung bei Autos (Cabrio) oder Pferdeanhängern mit Kunststoffdach. Hier ist man nicht vor einem Blitzschlag geschützt!

BLITZ- UND STURMRISIKO: 9 BÄUME UND AUCH WÄLDER MEIDEN!

Halten Sie mindestens zehn Meter Abstand von einem Baum – wenn der Blitz dort einschlägt, kann die Spannung sowohl überspringen als auch über den Boden weitergeleitet werden. Meiden Sie auch Wälder wegen herabstürzender Äste oder umstürzender Bäume.

MÖGLICHST KLEIN MACHEN: 10 IN DIE HOCKE GEHEN!

Gehen Sie in die Hocke und stellen Sie Ihre Füße dicht nebeneinander! So ist die Schrittspannung gering. Legen Sie sich keinesfalls auf die Erde oder stützen Sie sich mit den Händen ab – das erhöht die Schrittspannung und damit die elektrische Ladung, die durch den Körper fließt.