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Gewöhnliche Moschusschildkröte


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 04.08.2021

KOMPAKT stellt Aquarienbewohner vor, die nicht in jedem Becken zu finden sind. diese unregelmäßige Serie soll Lust machen, Neues auszuprobieren und den schnellen, praktischen einstieg erleichtern.

Artikelbild für den Artikel "Gewöhnliche Moschusschildkröte" aus der Ausgabe 5/2021 von aquaristik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 5/2021

Die urige Gewöhnliche moschusschildkröte ist die ideale Haustier-Wasserschildkröte. Sie wird nicht sehr groß, benötigt daher keine riesigen Aquarien. Sie frisst kaum Pflanzen, sodass man das Aquarium bepflanzen kann. das verbreitungsgebiet ist riesig, daher ist sie bei den klimaansprüchen flexibel. untereinander sind moschusschildkröten oftmals zänkisch, aber mit Fischen kann man sie gut vergesellschaften.

Wenn eingewöhnte exemplare ihre Pfleger vor dem Aquarium entdecken, stellt sich die Frage: Wer beobachtet hier eigentlich wen? Streicheltiere sind moschusschildkröten dennoch nicht. Nachzuchten sind im Zoohandel und bei Züchtern gut und preiswert verfügbar. Gewöhnliche moschusschildkröten ...

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... sind nicht im Bestand bedroht und stehen nicht unter Artenschutz.

Basics

Panzerlänge max. 15 cm, meist 8-12 cm

Gewicht 130-270 g

Alter mindestens 50 Jahre

Vermehrung bis zu 6 Eiablagen pro Jahr, pro Gelege bis zu 10 Eier

Herkunft USA, Kanada

„Moschusschildkröten sind ideal für den Einstieg in die Schildkrötenhaltung“

AQUARIUM

Für die Haltung einer ausgewachsenen Moschusschildkröte sollte das Aquarium wenigstens eine Grundfläche von 80 x 40 cm haben. Erwirbt man einen Schlüpfling, so ist ein kleineres Aquarium zunächst ausreichend und auch empfehlenswert. Der Wasserstand sollte der dreifachen Panzerlänge der Schildkröte entsprechen. Moschusschildkröten können zwar schwimmen, aber sie bewegen sich lieber laufend oder kletternd fort. Es ist letztendlich Geschmackssache, ob man als Bodengrund Kies oder Sand verwendet. Ganz auf Bodengrund verzichten sollte man nicht, da Moschusschildkröten auf blankem Glas keinen Grip haben und auch gerne mal den Bodengrund durchwühlen. Letzteres führt dazu, dass man keinen Langzeitdünger für Pflanzen einbringen sollte. Eine Abdeckung des Aquariums führt zu einer hohen Luftfeuchtigkeit und behindert den Luftaustausch, ist daher für Schildkröten nicht zu empfehlen.

KLETTERLANDSCHAFT

Für die Einrichtung des Aquariums gilt: Struktur, Struktur, Struktur! Mit Wurzeln und Steinen kann man eine regelrechte Kletterlandschaft unter Wasser schaffen. So können Moschusschildkröten die Wasseroberfläche dann auch kletternd erreichen, ohne schwimmen zu müssen.

BEPFLANZUNG

Bei Jungtieren kann es mit im Bodengrund verwurzelten Pflanzen noch funktionieren, aber größere Moschusschildkröten buddeln Pflanzen oft aus. Dennoch braucht man auf eine Bepflanzung nicht zu verzichten. Zum einen können Aufsitzerpflanzen wie Javafarn (Microsorum pteropus) und Zwergspeerblatt (Anubias barteri var. nana) auf Wurzeln oder Steinen das Aquarium begrünen, zum anderen frei treibendes Hornkraut (Ceratophyllum demersum) oder Wasserpest (Elodea spp.) sowie Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen (Lemna spp.) genutzt werden.

Wie viele Schildkrötenarten gibt es?

Es leben weltweit 356 Schildkrötenarten und weitere 122 Unterarten. Insgesamt also 478 verschiedene Schildkrötenformen!

Davon leben allein 89 Arten und Unterarten in den USA.

Zur Familie der Landschildkröten gehören 88 Arten und Unterarten, sieben Arten zur Familie der Meeresschildkröten. Alle anderen Schildkröten (also 383 Arten und Unterarten) gehören zu den Sumpfund Wasserschildkröten. Die Abgrenzung zwischen Wasser- und Sumpfschildkröten ist dabei nicht strikt, sondern eher fließend.

LANDTEIL

Der Landteil ist ein wichtiger Einrichtungsgegenstand für Wasserschildkröten, der den größten Unterschied zwischen einem Fisch-und einem Schildkrötenaquarium ausmacht. Alle als Haustier gepflegten Wasserschildkröten benötigen einen Landteil. In käuflichen Schildkrötenaquarien sind oft ungeeignete Glaseinbauten. Besser kann man den Landteil selbst bauen, zum Beispiel aus einer Nagerbrücke aus dem Zoohandel oder einem Korkast.

EIABLAGEPLATZ

Für Weibchen muss ein Eiablageplatz zur Verfügung stehen. Auch wenn es nie Kontakt zu einem Männchen hatte, kann es (unbefruchtete) Eier ablegen. Die Grundfläche des Eiablageplatzes sollte mindestens 30 x 20 cm betragen und muss mindestens 12 cm hoch mit feuchtem Sand gefüllt sein. Geeignet sind etwa Kunststoehälter oder auch kleine Aquarien.

TECHNIK

Mals Zierfische, aber beanspruchen einen Filter nicht so sehr wie pflanzenfressende Wasserschildkröten. Daher sind die Möglichkeiten zur Filterung vielfältig. Selbst ein Innenfilter ist möglich, wird aber kürzere Reinigungsintervalle als bei Fischen benötigen. Gut geeignet sind Hamburger Mattenfilter, welche von Moschusschildkröten auch gerne zweckentfremdet als Klettermöglichkeit wahrgenommen werden. Achtung: Über der Matte ist ein Gitter nötig, um Ausbrüchen vorzubeugen. Mit einem Topfaußenfilter fährt man bei vielen Wasserschildkröten am besten, für Moschusschildkröten ist er ebenso gut geeignet.

Woher kommt der Name?

Auf Englisch nennt man die Gewöhnliche Moschusschildkröte stinkpot, was übersetzt Stinker heißt. Auch der deutsche Name bezieht sich auf den Geruch, diese Wasserschildkröten können einen „moschusartigen“ Duft abgeben. Selbst der wissenschaftliche Name odoratus zielt darauf ab, das ist Lateinisch und bedeutet riechend. Der Duft gehört zum Abwehrverhalten von Moschusschildkröten. Sie haben vier Moschus produzierende Drüsen, mit denen sie zur Gefahrenabwehr ein stinkendes Sekret absondern können. Zusätzlich versuchen sie, sich mit Bissen und Kratzen zu verteidigen, wenn sie beispielsweise von einem Raubtier (oder Menschen) ergriffen werden.

Einen Heizstab benötigt man für Moschusschildkröten nicht unbedingt, im Sommer ist es durch die Umgebungstemperatur und Abwärme der Lampe meist warm genug.

„Die Stinker haben vier Duftdrüsen zur Verteidigung“

BELEUCHTUNG

Bei der Beleuchtung für Moschusschildkröten scheiden sich die Geister. Fakt ist: In der Natur bietet die Sonne sowohl UV-als auch Wärmestrahlung. Sicherlich sonnen sich Moschusschildkröten nicht so häufig wie Schmuckschildkröten, aber bei guter Beleuchtung tun sie es doch gelegentlich. Empfehlenswert ist eine 35 Wa Halogen-Metalldampf-Lampe mit UV-Anteil (z. B. Lucky Reple Bright Sun UV, Solar Raptor HID Lamp, JBL Repl Desert L-U-W Light oder Exo-Terra Sunray). Der Abstand zum Landteil wird so gewählt, dass dort eine Temperatur von 40-45 °C erreicht wird. Moschusschildkröten sind wie alle Replien wechselwarm – sie können ihre Körpertemperatur also nicht selbst erhöhen, sondern sind auf Wärmezufuhr von außen angewiesen.

ERNÄHRUNG

O werden Moschusschildkröten als reine Fleischfresser bezeichnet, dabei nehmen sie in der Natur bis zu 30 % pflanzliches Fuer auf. Dabei handelt es sich um Blätter und Samen von Wasserpflanzen sowie Algen. Fisch macht in der Natur weniger als 1 % der Nahrung aus.

Alter

Moschusschildkröten können 50 Jahre alt werden – und sogar Moos auf dem Panzer ansetzen.

Im Aquarium fressen Moschusschildkröten, insbesondere bei hohen Wassertemperaturen im Hochsommer, gelegentlich Pflanzen (z. B. Wasserlinsen). Haupuer sind jedoch erische Fuermiel. Neben den bekannten und üblichen getrockneten Bachflohkrebsen kann man auch anderes FD-Fischfuer (Mückenlarven, Wasserflöhe, Seidenraupenpuppen etc.) verfüern. Gerne wird auch Frosuer (Artemia, diverse Mückenlarven, Mysis etc.) angenommen. Lebendfuer in Form von Asseln, Regenwürmern und Schnecken kann im Garten gesammelt werden. Sc lich gefüert werden und haben aufgrund ihrer Vitaminisierung auch eine Bedeutung in der Füerung, sollten aber kein Alleinfuer sein. Zur De-ckung des hohen Kalziumbedarfs von Schildkröten muss immer ein Sepiaschulp im Aquarium schwimmen. Pflanzen und Sepia müssen nicht raoniert werden, die anderen Fuermiel werden in einer Menge angeboten, wie sie dem Volumen des Kopfes entspricht. Jungere werden im ersten Jahr täglich gefüert, ältere Moschusschildkröten bekommen nur drei- bis fünfmal pro Woche Fuer.

VERGESELLSCHAFTUNG

Moschusschildkröten sind Einzelgänger. Es ist für die Tiere kein Problem, allein ein Aquarium zu bewohnen. Männliche Moschusschildkröten sind ohnehin so aggressiv, dass sie allein gepflegt werden müssen. Bei Weibchen kann die Gruppenhaltung in großen Aquarien (ab 120 x 50 cm) funktionieren. Man muss aber immer darauf gefasst sein, dass man einzelne Exemplare separieren muss.

„Überwinterung im Kühlschrank oder Keller“

Mit anderen Schildkrötenarten sollte man Moschusschildkröten nicht vergesellschaften. Mit Fischen kann die gemeinsame Haltung gut funktionieren. Dazu müssen sich die Fische jedoch zwei Wochen ohne Schildkröte im Aquarium eingewöhnen, damit sie sich gut auskennen. Ansonsten enden sie als Lebendfutter.

Die Fische müssen zu den Wassertemperaturen im Jahresverlauf passen und robuster Natur sein. Daher sind beispielsweise Neon keine passende Gesellschaft. Gut geeignet sind Guppys (Poecilia reticulata) und andere Lebendgebärende Zahnkarpfen, Kardinalfische (Tanichthys albonubes), Sumatrabarben (Puntigrus cf. tetrazona) oder Zebrabärblinge (Danio rerio). Nicht geeignet sind Panzerwelse (Corydoras spp.), sie haben Stacheln, die den Darm von Schildkröten beschädigen können, sollten sie einmal gefressen werden. Antennenwelse (Ancistrus spp.) sind aber geeignet. Zur Algenbekämpfung können auch Kangalfische (Garra rufa) vergesellschaftet werden.

ÜBERWINTERUNG

Moschusschildkröten sind keine tropischen Wasserschildkröten und können daher nicht das ganze Jahr über bei der gleichen Wassertemperatur und gleichen Beleuchtungslänge gepflegt werden. Aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes in Nordamerika von Florida bis hoch nach Kanada gibt es aber unterschiedliche Möglichkeiten, die alle artgerecht sein können.

Grundsätzlich möglich ist eine verminderte Aktivitätsphase, bei der die Schildkröten bei Zimmertemperatur und abgeschalteter Beleuchtung im Aquarium verbleiben und weiterhin (sparsam) gefüttert werden. Ein Option ist aber auch eine Überwinterung für zwei bis fünf Monate im Keller oder Kühlschrank bei Temperaturen von 4-15 °C und völliger Dunkelheit.

Mein Jahresplan ist hier abgedruckt. Am Monatsanfang werden jeweils die Beleuchtungsdauer und Wassertemperatur angepasst. Die Einwinterung findet im November statt, nun wird wöchentlich die Lichtlänge reduziert, ab Mitte November wird nicht mehr gefüttert, um Fehlgärungen im Darm während der Winterstarre zu vermeiden. Im Dezember ziehen die Schildkröten in einen Kühlschrank (ohne Lebensmittel!) oder kühlen Keller um.

Die Behälter müssen nicht so groß wie das Aquarium sein, zweifache Panzerlänge genügt, sie werden mit Eichen- oder Buchenlaub (als Ersatz für den Gewässerschlamm, in dem die Schildkröten in der Natur überwintern) und etwas mehr als eine Panzerbreite hoch mit Wasser gefüllt. Während der Überwinterung wird nicht gefüttert. Einmal pro Woche wird der Kühlschrank für eine kurze Kontrolle und Luftaustausch geöffnet. Im März wird der Kühlschrank abgeschaltet und erwärmt sich so langsam. Tags darauf werden die Überwinterungsbehälter herausgenommen und in den Raum mit dem Aquarium verbracht. Sobald die Schildkröten im Behälter Radau machen, können sie wieder ins Aquarium, ab dann kann auch wieder Futter angeboten werden.

Man muss vor der Überwinterung keine Angst haben. In der Natur überwintern Moschusschildkröten schon sehr lange erfolgreich. Dennoch ist es für Moschusschildkröten nicht absolut notwendig, so kalt zu überwintern. Sie können auch im Zimmeraquarium überwintern. Dann benötigt man keinen Kühlschrank oder Keller. Selbst im Winter wird bei diesem Jahresplan gefüttert. Man wird aber feststellen, dass Appetit und Aktivität der Schildkröten geringer als im Hochsommer sind.

Buchtipp

Xaver Wapelhorst

Wasserschildkröten- Fibel

96 Seiten, gebunden, 15,80 €, ISBN 978-3-944821-22-1 www.daehne.de/ wasserschildkroeten-fibel