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GEZIELT AUF GROSSE GRASKARPFEN: MANCHE MÖGEN’S HEISS


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2020 vom 10.07.2020

Wenn andere Fische längst das Fressen einstellen, kommen Amurkarpfen erst richtig auf Touren! Sie gehören zu den Fischen, die auch bei extrem heißen Temperaturen noch beißen. Und sie werden groß. Sehr groß. Unser Autor Robin Illner zeigt, wie er Graskarpfen bei Höchsttemperaturen fängt.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 80/2020

Robin Illner mit einem XXL-Graser. Solche Fische haben eine Vorliebe für sehr warmes Wasser.


Wie man hier sieht, ist zwischen den Seerosenstengeln noch genügend Platz, damit sich ein Graskarpfen durchdrängeln kann.


Buchten voller Seerosen bieten den Amurkarpfen nicht nur Deckung, sondern auch einen reich gedeckten Tisch. ...

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Als Vegetarier fressen die Amure gerne Mais, Reis, Weizen, Erdnüsse und Linsen.


Das Quecksilber zeigt 38 Grad im Schatten. Es weht kaum ein Lüftchen, die Wasseroberfläche ist spiegelglatt. Ich stehe barfuß, mit kurzer Hose im knietiefen Wasser, das eine Temperatur von 22 Grad aufweist. Auf meiner linken Seite befindet sich ein großes Schilffeld. Die Halme wackeln von links nach rechts. Was unter Wasser passiert, kann ich mir gut vorstellen. Eine Armada von Graskarpfen rupft das frische Grün von den Schilfhalmen. Meine Zielfische sind also lokalisiert.

Die äußeren Einflüsse sind beim Graskarpfenangeln von größter Relevanz. Graskarpfen sind bei Wassertemperaturen über 20 Grad besonders aktiv. Wenn andere Fischarten schon lethargisch im Wasser stehen, drehen Graskarpfen erst richtig auf. Warum das so ist? Graskarpfen sind keine europäischen Fische, sondern kommen ursprünglich aus Zentral- und Südostasien. Wassertemperaturen über 20 Grad sind dort in den großen Flüssen keine Seltenheit.

DIESE VEGETARIER SIND WAHRE FRESSMASCHINEN!

Der Appetit der großen Fische steigt mit zunehmender Temperatur. Dann mutieren die Graser im wahrsten Sinne des Wortes zu Fressmaschinen. Allerdings sind die Asiaten sehr schlechte Futterverwerter, sodass sie aus dem konsumierten Futter nur wenig Nährstoffe für ihren Körper herausziehen können.

Top-Köder für Amurkarpfen sind ein paar Hartmaiskörner, die durch ein Kunstmaiskorn zum Auftreiben gebracht werden.


Im Gegensatz zu unseren Schuppenund Spiegelkarpfen sind Graskarpfen echte Vegetarier. Sie ernähren sich von Wasserpflanzen wie Wasserpest, Seerosen, Teichrosen, Froschbiss und verschiedenen anderen Algen. Aber auch cellulosereiches und schwer verdauliches Schilf können Graskarpfen verwerten.

MITTEN HINEIN INS GRÜNE VERGNÜGEN

Der Begriff „Hotspot“ bekommt beim Graskarpfenangeln eine ganz neue Bedeutung. Die Fische fange ich nämlich in flachen Gewässerabschnitten, die die höchste Wassertemperatur aufweisen. Tiefer abgelegte Köder in fünf Meter oder mehr haben in der Vergangenheit nicht einen einzigen Biss gebracht. Ich präsentiere meine Montage am Rand eines Seerosenfeldes und lege meinen Köder teilweise noch einen halben Meter weit in die Seerosen hinein. Vor einem Seerosenfeld bekomme ich deutlich weniger Bisse. Die Fische halten sich zwischen den Rosen auf und patrouillieren in unmittelbarer Nähe vor den Wasserpflanzen entlang.

Auch eine einzelne Tigernuss, die leicht aufgepoppt angeboten wird, ist ein Leckerbissen für große Amurkarpfen.


An Schilfkanten kann ich mit einer Taucherbrille oft mehrere Meter weit unter das Schilf sehen. Das Schilf schwimmt förmlich auf dem Wasser. Darunter ist es bis zu drei Meter tief. Die Graskarpfen ziehen entlang dieser Schilfkanten und fressen die jungen Triebe ab.

Im Schilf gibt es immer wieder Schneisen, und hier präsentiere ich meine Montagen. Sind sie gehakt, schießen die Graskarpfen durch die Schneisen hindurch und liefern wilde Fluchten. Graser haben harte Mäuler, aber wenn der Haken erst einmal gefasst hat, hält er hervorragend. Übrigens: Anatomisch sind Grasfische so ausgestattet, dass sie mit ihrem endständigen Maul, das zudem relativ hart ist, Wasserpflanzen förmlich abreißen und dann zerkauen können. Diese Information ist für uns als Angler wichtig: Ein normaler Karpfen kann problemlos einen Köder vom Boden aufnehmen, da er ein unterständiges Maul mit einem Rüssel hat.

GRASKARPFEN LIEBEN SCHWEBENDE KÖDER

Graskarpfen können Köder, die auf dem Boden liegen, zwar aufnehmen, aber deutlich schwieriger als Köder, die leicht über dem Boden schweben. Daher verwende ich sehr gerne Pop-Up-Montagen, die ich, im Gegensatz zum normalen Karpfenangeln, nicht nur drei bis fünf Zentimeter über dem Boden auftreiben lasse, sondern teilweise bis zu 20 Zentimeter.

Mein Rig ist einfach, ich verwende zwei unterschiedliche Varianten. Grundsätzlich sind meine Montage zirka 20 bis 30 Zentimeter lang, bestehen aus einem Kombilink, von dem ich die ersten Zentimeter der Ummantelung herunterziehe und am Ende meiner Montage einen Wide-Gap-Haken anbinde. Diese Form erzielt beim Grasfischangeln den besten Hakeffekt. Gerne verwende ich einen Wide-Gap-Haken mit In-Turned-Eye, also einem nach innen zeigenden Öhr, den ich als klassischen No-Knot binde.

Die Sonne verschwindet hinter den Bäumen, die Ruten sind ausgelegt. Jetzt muss nur noch ein Graskarpfen beißen. Robin füttert immer in direkter Nähe von Wasserpflanzen. An warmen Sommertagen mit Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad verteilt er auf einem Angelplatz von 15 Metern Länge und drei Metern Breite zwei oder drei Köder. Den Platz füttere ich mit gekochtem Hartmais und Erbsen und 20er Boilies an.

Am liebsten fischt Robin die Whitty Pool Montage an sehr schweren Bleien bis 150 Gramm. So haken sich die Graser selbst.


Meine zweite Montage, die ich vor allem dort einsetze, wo ich Bodenkraut vorfinde, ist ein klassisches Whity-Pool- Rig. Der Vorteil dieses Rigs ist, dass sich die Montage langsam auf das Kraut legt und nicht darin verschwindet. Die Fische können den Köder dann sehr einfach einsammeln. Beide Montagen fische ich an Festbleien von 100 bis 150 Gramm. Werfen kann ich solche Gewichte zwar nicht, aber ich bringe meine Montagen mit dem Schlauchboot aus und habe bei solchen Gewichten einfach den besten Selbsthak-Effekt.

Der Amur ist ein Asiate, der inzwischen in vielen unserer Gewässer heimisch ist.


ASIANTEN HABEN EINE VORLIEBE FÜR WARME FARBEN

Da Grasfische, im Verhältnis zu ihrer Körpergröße, ein verhältnismäßig kleines Maul haben, verwende ich kleinere Pop-Ups. Dies hat jedoch den Nachteil, dass auch einmal andere Friedfische wie Brassen oder Schleien den Köder aufnehmen. Obwohl „Nachteil“ bei einem großen Brassen oder einer schönen Schleie ja auch relativ ist. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Beifänge beim Angeln auf Grasfische relativ selten vorkommen.

An einem Haken der Größe 6 montiere ich einen Pop-Up von 16 Millimetern Durchmesser. Meine Erfahrung zeigt, dass vor allem warme Farben, wie Weiß, Gelb, Orange und Hellrot, besonders viele Bisse beim Grasfischangeln gebracht haben. Auch Maisketten, bestehend aus mehreren Maiskörnern inklusive zwei Pop-Up-Maiskörnern (für den Auftrieb) brachten gute Erfolge.

GRASKARPFEN SIND ABSOLUT HEISS AUF SÜSSE LECKEREIEN

Ich verwende zum Angeln auf Graskarpfen oft große Mengen an pflanzlichen Partikeln. Grasfische können pflanzliche Nahrung deutlich besser verwerten als Karpfen. Zudem habe ich festgestellt, dass die Asiaten eine Vorliebe für süßes Futter und süße Köder haben. Ananas- oder Scopex-Boilies mit Buttersäure brachten zum Beispiel die besten Ergebnisse. Auch Mais, den ich in einen süßen Ananas-Dip eingelegt habe, hat mir viele große Graser beschert.

Wenn Sie ein Gewässer mit Graskarpfen kennen, versuchen Sie es mal – jetzt im Sommer stehen die Chancen sehr gut, einen dieser schönen und zudem sehr kampfstarken Fische zu fangen. Ich wünsche Ihnen heiße Drills!

Amur-Burger

Ich experimentiere gerne mit unterschiedlichen Ködern – wie zum Beispiel mit diesem Amur-Burger. Dazu zerteile ich einen Pop-Up in der Mitte und lege ein winzige Speckscheibe und ein Stück Salatblatt zwischen die beiden Boiliehälften. Lustig ist es auf jeden Fall, wenn man auf den Köder angesprochen wird. Und als Joker sind solche Köderspielereien immer einen Versuch wert. Auch Fische lieben Abwechslung auf ihrem Speiseplan.


FOTOS: R. ILLNER

FOTOS: R. ILLNER, [M] ALPHABETA

FOTOS: R. ILLNER