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Gipfelstürmer


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ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 01.02.2022

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Mit der Alpha 1 brachte Sony die erste professionelle spiegellose Systemkamera. Nun folgen Canon und Nikon mit R3 und Z9, die außerdem noch konventionelle Schwestern mit SLR-Technik haben: die EOS-1D X Mark III und die Nikon D6. Trotz erheblicher technischer Unterschiede: Die Profikameras beider Hersteller wirken wie zwei Seiten einer Medaille. Denn in beiden Fällen bleibt es beim Gehäuse mit integriertem Batteriegriff. Sonys Topmodell Alpha 1 lässt die Wahl: „Out of the box“ ist die Kamera sehr kompakt; mit optionalem Batteriegriff aber erreicht sie die Dimensionen der Konkurrenten. Rund 6000 Euro kosten die R3 und Z9, während für die Alpha 1 rund 7300 Euro fällig werden.

Alle drei Kameras verwenden einen BSI-CMOS in Stacked-Bauweise, wie ihn Sony mit der A9 eingeführt hat. Diese Sensorarchitektur steht für ein enorm beschleunigtes Auslesen von Bilddaten und bringt die AF-Leistung auf Hochtouren. ...

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... Bei der Alpha 1 hat der Hersteller die Auflösung auf stattliche 50 Megapixel erhöht. Die Z9 arbeitet mit 46 MP, während sich die R3 mit 24 MP begnügt. Mehr brauche die adressierte Zielgruppe nicht, so argumentiert man bei Canon. Für eine schnelle Datenkommunikation und einen komfortablen Workflow sei eine hohe Auflösung eher kontraproduktiv.

Canon EOS R3

Kompakt mit Batteriegriff Die spiegellose Canon EOS R3 hat wie ihr SLR-Pendant EOS-1D X Mk III einen Batteriegriff mit extra Bedienelementen für Hochformataufnahmen, ist aber kompakter und 425 g leichter.

Nikon Z9

Stattliche Erscheinung Auch wenn die Nikon Z9 gut 100 g leichter und kleiner ist als ihr SLR-Pendant D6, wirkt sie noch immer ziemlich stattlich – auch im Vergleich zur Canon EOS R3.

Sony A1

Kleiner Profi Das im Vergleich zu den A7/A7R-Modellen der dritten Generation moderat vergrößerte Gehäuse bleibt im Konkurrenzvergleich sehr kompakt. Ein Batteriegriff (VG-C4EM) mit extra Bedienelementen fürs Hochformat ist als Zubehör erhältlich.

Gehäuse und Ausstattung

Alle drei Gehäuse bestehen aus Magnesium und sind effektiv gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Dank der Batteriegriffe mit extra Bedienelementen für Hochformataufnahmen lassen sich die Canon und die Nikon in jeder Position gut handhaben. Das Nikon-Gehäuse bietet markanter ausgeformte Griffe, vor allem bei vertikaler Kameraposition. Ein Schulterdisplay besitzen nur Canon und Nikon. Im Vergleich zur EOS-1D X III ist die R3 deutlich kleiner und leichter: 1015 g inklusive Akku und Speicherkarte, 425 g weniger als die EOS SLR. Die Nikon Z9 hat gegenüber der D6 nur 110 g abgespeckt und bringt 1340 g auf die Waage. Außerdem ist ihr Gehäuse 6 mm höher und 4 mm tiefer als das der R3.

Ein Leichtgewicht ist die A1 mit 740 g; auch braucht sie deutlich weniger Platz im Fotorucksack. Wenn Sie nicht sehr große Hände haben, passen alle Finger der rechten Hand auf den Griff. Mit dem Batteriegriff VG-C4EM (290 g) für weitere 350 Euro ist die Alpha 1 etwa so schwer wie die Canon R3 und bietet vergleichbare Handling-Eigenschaften.

In den Batteriegriffen der Canon und Nikon stecken besonders große und leistungsfähige Akkus: Canon verwendet den LP-E19 mit 2700 mAh; der EN-EL18d von Nikon bringt es sogar auf 3300 mAh. Sony verwendet den NP-FZ100 mit 2280 mAh. Die Preise für Ersatzakkus sind sehr unterschiedlich: 65 Euro zahlt man bei Sony, 140 Euro bei Canon und gut 200 Euro bei Nikon. Alle drei Hersteller liefern Geräte zum externen Laden der Stromspeicher mit, Canon sogar ein Doppelladegerät (LC-E19) für zwei Akkus. Die Ladegeräte von Nikon (MH-33) und Sony (BC-QZ1) sind wiederum angenehm kompakt, ein Vorteil auf Reisen. Alle drei stellen zum Speichern zwei Steckplätze bereit: Bei Canon ist ein Slot für UHS-II-kompatible SD-Karten, der andere für CFexpress-Karten (Typ B) vorgesehen. Sony bietet Kombi-Steckplätze, die sich mit SD-Karten (UHS II) oder CFexpress-Karten (Typ A) bestücken lassen. Nikon lässt das SD-Format außen vor und setzt komplett auf CFexpress (Typ B) bzw. XQD. Anschlussseitig sind die Kameras ähnlich ausgestattet. Neben digitalen Schnittstellen wie USB und HDMI finden sich Klinkenbuchsen für Kopfhörer und Stereomikrofon sowie eine Synchronkabelbuchse für Blitze. USB (Typ C) ist Standard, den HDMI-Anschluss gibt’s bei Sony und Nikon im Full-Size-Format, Canon begnügt sich mit einer Micro-HDMI-Buchse.

Unverzichtbar bei Profikameras ist ein LAN-Kabelanschluss für den sicheren Datentransfer zu FTP-Servern, wichtig etwa in Sportarenen mit vielen Smartphone-Nutzern. Integriertes WLAN (2,4 und 5 Ghz) und Bluetooth 5.0 schaffen die Voraussetzung für die drahtlose Datenübertragung und Fernsteuerung der Kamera mittels Smartphone oder Tablet. Canon R3 und Nikon Z9 sind mit einem GPS-Modul ausgestattet, um Ortsdaten in die Aufnahmen einzubetten. Bei Sony lässt sich das nur über ein mit der Kamera verbundenes Smartphone realisieren.

Sucher und Monitor

Alle drei Topmodelle bieten ausgezeichnete OLED-Sucher. Blickt man auf die technischen Daten, so hat der Alpha-1-Sucher die Nase vorn. Mit einer Auflösung von 3 145 728 RGB-Bildpunkten und einer effektiven Vergrößerung von 0,9-fach bietet er großes Kino. Mehr Übersicht zulasten eines kleineren Sucherbilds bringt die Option „Verkleinern“. Die Sucherbildfrequenz lässt sich vom Standard 60 B/s auf 120 B/s und 240 B/s erhöhen, damit Bewegungen flüssiger erscheinen. Das erhöht jedoch den Stromverbrauch.

Der Sucher der Canon spielt mit 1 920 000 RGB-Pixeln und einer effektiven Vergrößerung von 0,76-fach ebenfalls in der ersten Liga. Er kann mit 60 oder 120 Hz betrieben werden. Eine neue Option ist die Simulation eines optischen Suchers (OVF): Das Sucherbild zeigt dann mehr Tonwerte in den Lichtern und Schatten, weil sich das System nicht an der begrenzten Kontrastwiedergabe von JPEGs orientiert. Auch die Belichtungssimulation wird im Live-Bild deaktiviert. Die Auflösung des Nikon-Suchers ist mit 1 230 000 RGB-Pixeln nominell am geringsten; die effektive Sucherbildvergrößerung liegt mit 0,8-fach zwischen der Canon und der Sony.

Beim Blick durch den Sucher zeigt jedoch die Sony-Lösung ein paar Schwächen. So muss man sich z.B. zwischen maximaler Qualität und hoher Bildfrequenz entscheiden: Bei hoher Bildqualität ist von den häufig bei Sony kritisierten Artefakten wie Kantenflimmern oder Moiré kaum noch etwas zu sehen. Bei den höheren Sucherbildfrequenzen (120 oder 240 B/s) geht die Anzeigequalität zurück. Beim Canon-Sucher ist die Darstellungsqualität dagegen unabhängig von der Sucherbildfrequenz; der Nikon-Sucher wird grundsätzlich mit 120 B/s betrieben. Ein Novum ist die Dual-Stream-Technologie von Nikon: Die Bilddaten werden vom Sensor aus über zwei parallele Schaltkreise zum Sucher und auf die Speicherkarte geleitet. Das versorgt den Sucher unterbrechungsfrei mit Bilddaten, sodass auch bei extrem schnellen Serienaufnahmen keinerlei Aussetzer oder Hänger zu verzeichnen sind. Bei automatischer Helligkeitsregelung könnte der Z9-Sucher manchmal etwas heller sein. Bei manueller Einstellung auf das Maximum ist er aber der hellste in diesem Testfeld. Canon und Nikon bieten ein sehr natürliches, klares und ruhiges Sucherbild. Die Sony fällt dagegen hier etwas ab: Zum einen stören bei der Alpha 1 häufiger digitale Artefakte als bei der Konkurrenz, zum anderen gibt es immer ein leichtes Ruckeln, wenn der AF zu arbeiten beginnt. Auch das Grieseln bei wenig Licht ist deutlich stärker. Den Vorteil seiner hohen Auflösung spielt der Sony-Sucher weniger beim Live-Bild, als vielmehr bei der Bildbeurteilung nach der Aufnahme aus – das Hineinzoomen in die Details macht richtig Freude.

Beim TFT-Monitor begnügt sich Sony dagegen mit 3 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 480 000 RGB-Pixeln. Nikon verbaut einen 3,2-Zoll-Monitor mit 700 000 RGB-Bildpunkten, Canon einen Monitor der gleichen Größe mit 1 383 334 RGB-Bildpunkten. Verstellbar sind die Displays aller drei: Bei der Canon kann man den Bildschirm vom Gehäuse wegklappen und um seine Achse drehen, bei der Sony Alpha 1 in der Vertikalen verschwenken, sodass er in Draufsicht und schräg von unten betrachtet werden kann. Das Nikon-Display lässt sich auf zwei Achsen schwenken. Das erlaubt im Hochformat, mit angewinkeltem Display zu arbeiten. Die Touchfunktionalität ist bei allen drei Kameras vergleichbar ausgebaut und lässt kaum Wünsche offen.

AF-System und AF-Modi

Das hybride AF-System der Alpha 1 nutzt 759 Phasen- und 425 Kontrast- AF-Felder. Die Z9 fokussiert mit einer nicht quantifizierten Zahl an Kontrast- AF-Feldern plus 493 Phasen-AF-Feldern – davon sind 405 an der automatischen Messfeldsteuerung beteiligt. Die R3 verwendet „Dual Pixel CMOS AFII“ mit bis zu 4779 Messfeldpositionen. Beim Dual-Pixel-AF sind die aktiven Pixel auf der Sensorfläche aus zwei Fotodioden aufgebaut, die Canon zur Fokussierung nach dem Phasen-AF- Prinzip separat und zum Erzeugen von Bilddaten gemeinsam ausliest.

Stacked-Architektur und schnelle Prozessoren zahlen bei allen drei auf die AF-Tempi ein: Von bis zu 120 AF-Berechnungen pro Sekunde spricht Sony. Bei Canon und Nikon ist von 60 AF- Berechnungen pro Sekunde die Rede. Die AF-Systeme arbeiten im Foto-Modus als One-Shot-AF (AF-S) oder mit kontinuierlicher Fokussierung (AF-C, bei Canon Servo-AF). Die R3 bietet im AF-C-Modus vier Presets für individuell festgelegte Bewegungsprofile.

Alle drei Modelle bieten automatische Messfeldsteuerung sowie Einzelfeldund Zonenmessung. Canon und Nikon unterscheiden Einzelfeld- und Spotmessung (bei der Z9 „Pinpoint“). Sony bezeichnet einzelne Messfelder als „Spot“ und stellt diese in drei Größen zur Verfügung. „Erweiterter Spot“ bezieht umgebende AF-Punkte als zweite Priorität mit ein. Erweiterte AF-Felder gibt es auch bei Canon und Nikon.

Die größten Unterschiede finden sich bei der Zonenmessung. Sony gibt sich spartanisch mit einer AF-Zone in fester Größe. Nikon lässt die Wahl zwischen zwei Zonengrößen: „Großes Messfeld“ in den Varianten „Wide-S“ und „Wide- L“. Nur Canon bietet flexible Zonen: Rechtecke in verschiedenen Größen mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen können als Messzone definiert werden – einfach und schnell mit zwei Rädern. Bis zu drei solcher Zonen können eingerichtet und gespeichert werden.

Bei allen drei stehen die genannten AF-Betriebsarten bei AF-S und AF-C zur Verfügung. Eine Ausnahme macht Nikon bei kontinuierlichem Autofokus (AF-C). Hier fehlt das Pinpoint-Messfeld. Stattdessen erscheint eine erweiterte Einzelfeldmessung („Dynamisch“) mit drei Größen (S, M, L). Außerdem hat man jetzt Zugriff auf das von Nikon-SLRs bekannte 3D-Tracking.

Motiverkennung und AF-Tracking

Bei Profis ist eine hochentwickelte Motiverkennung und -verfolgung zentrales Leistungsmerkmal. Wenn ein Skirennläufer mit 130 km/h am Punkt X auftaucht, muss ihn das AF-System im Bruchteil einer Sekunde erfassen und verfolgen. Wenn Sportler schnell und unvorhersehbar ihre Position wechseln wie beim Handball, so muss das AF- System einen Spieler auch dann verfolgen, wenn ihn zwischenzeitlich andere verdecken. Tierfotografen wollen, dass der Fokus sicher auf dem Vogelauge auch im Flug bleibt. Moderne Motiverkennung arbeitet auf vier Ebenen: Körper, Kopf, Gesicht und Auge. Dies gilt für alle drei Kameras, doch deuten die möglichen Voreinstellungen auf praxisrelevante Unterschiede hin: Bei der Alpha 1 muss man zwischen Menschen, Tieren und Vögeln wählen. Bei der Augenerkennung gibt man dem rechten oder linken Auge Vorrang, oder man lässt die Automatik entscheiden.

Bei der Augenerkennung der R3 muss man sich nicht vorab festlegen. Stattdessen kann man, wenn neben dem AF-Rahmen kleine Richtungspfeile angezeigt werden, per AF-Joystick auf das jeweils andere Auge umschalten oder auf ein anderes Gesicht – in den meisten Fällen jedenfalls. Auch bei der Canon kann man Motivkategorien priorisieren, aber mit mehr Überlappungen: Der Tier-AF erkennt die Augen von Vögeln wie die von Säugetieren oder Fischen. Gesichter und Augen von Menschen erfasst meist auch der Tier-AF, umgekehrt funktioniert‘s aber nicht: Tieraugen werden in der Regel nur sicher erkannt, wenn man man Tiere priorisiert. Die dritte Motivkategorie bei Canon sind Rennautos und -motorräder. Mit Spot-Erkennung kann das System gezielt auf den Helm bzw. Kopf des Fahrers fokussieren.

Auch die Nikon bietet mehrere Voreinstellungen für die Motiverkennung: Der Auto-Modus erkennt Menschen, Tiere oder Fahrzeuge. Wenn nötig, hilft das Priorisieren von Motivkategorien. Zur Wahl stehen neben Personen und Tieren auch Fahrzeuge. Bei Zügen erkennt das System nur das vordere Ende, bei Flugzeugen – je nach Größe – den Rumpf, die Nase oder das Cockpit.

Kommen wir von der Motiverkennung zum AF-Tracking. Bei der Z9 hat Nikon das von seinen SLRs bekannte 3D-Tracking wieder eingeführt. Objekte, die ein als Startpunkt gewähltes Fokusfeld verlassen, werden an andere Felder weitergereicht, wobei Algorithmen zur Farb-, Muster- und Kontrasterkennung das AF-Tracking unterstützen.

Bei der R3 hilft deren Eye-Control-AF einen Startpunkt für die AF-Verfolgung zu setzen: IR-Detektoren verfolgen die Pupillenbewegungen und ermitteln so die Blickrichtung. Die Kamera erkennt, auf welches Motivdetail im Sucher der Fotograf schaut und markiert diesen Punkt durch ein Pointersymbol in drei möglichen Farben. Passt die Pointerposition, so bestätigt man den AF- Punkt durch halbes Durchdrücken des Auslösers oder per AF-on-Taste. Anschließend verfolgt das AF-System das Objekt. Doch muss das AF-System gut kalibriert sein. Problematisch sind harte Kontaktlinsen und Gleitsichtbrillen. Die Motivverfolgung ist bei allen drei Kameras auf hohem Niveau – einen Sieger zu küren macht angesichts der Vielfalt möglicher Aufgaben wenig Sinn. Bei der Motiverkennung dürften die SLRs nicht mehr mithalten könen.

Verschluss und Serienbilder

Als erste spiegellose Profikamera verzichtet die Nikon Z9 auf einen mechanischen Verschluss. Der elektronische steuert Belichtungszeiten zwischen 1/32 000 und 30 s, verlängerbar auf bis zu 900 s im manuellen Modus (M) oder bei Langzeitbelichtung (B oder T). Die Blitzsynchronzeit beträgt 1/200 s bei voller Leitzahl. Verschlusszeiten bis zu 1/8000 s sind mit FP-Kurzzeitsynchronisation und reduzierter Leitzahl möglich. Rolling-Shutter-Effekte ließen sich im Praxistest nicht provozieren. Beim Ausschalten der Kamera schließt sich auf Wunsch ein Lamellenvorhang. Dieser hat nur die Aufgabe, Staub vom Sensor fernzuhalten und kann nicht für die Belichtung verwendet werden.

Canon baut noch einen mechanischen Verschluss in die R3 ein. Dieser kann auch mit einem elektronischen ersten Verschlussvorhang kombiniert werden und ermöglicht Zeiten von 1/8000 bis 30 s. Dennoch propagiert der Hersteller den elektronischen Verschluss als Standardeinstellung. Damit sind ultrakurze Belichtungszeiten bis 1/64 000 möglich, jedoch beschränkt auf Blendenautomatik (= Zeitvorwahl) und manuelle Einstellung von Blende bzw. Verschlusszeit. Die kürzeste Blitzsynchronzeit ist mit 1/180 s kaum länger als bei der Nikon.

Bei der R3 lässt sich der mechanische Verschluss so konfigurieren, dass er sich mit dem Ausschalten der Kamera schließt. Auch dies dient als Staubschutz beim Objektivwechsel. Jedoch dürften die Verschlusslamellen der Canon wesentlich empfindlicher gegen versehentliches Berühren sein als der „Antistaubverschluss“ der Nikon.

Auch die Alpha 1 hat einen mechanischen Verschluss (1/8000 bis 30 s), der wahlweise mit oder ohne elektronischem ersten Vorhang arbeitet. Der elektronische Verschluss erweitert die Kurzzeitgrenze auf 1/32 000 s und synchronisiert Systemblitzgeräte mit 1/200 s. Wer mit noch kürzeren Zeiten blitzen will, kann das mit dem mechanischen Verschluss bis zu 1/400 s (und noch kürzeren Zeiten bei High-Speed- Synchronisation und reduzierter Leitzahl). Auch Sony und Canon zeigten im Praxistest keine Rolling-Shutter-Effekte. Die R3 schafft 30 B/s (JPEG oder RAW) mit dem elektronischen Verschluss inklusive AF/AE-Nachführung und ohne Sucher-Blackout zwischen den Aufnahmen. Mit dem mechanischen Verschluss sind 12 B/s möglich. Auch die Alpha 1 erreicht ihre maximale Serienbildleistung von 30/20 B/s (JPEG/RAW) nur mit dem elektronischen Verschluss (10 B/s mit dem mechanischen).

Die Nikon Z9 schafft im Serienmodus H (schnell) jeweils 20 JPEGs und RAWs pro Sekunde in allen Qualitätsstufen. In der Betriebsart C30 sind auch 30 JPEGs pro Sekunde in voller Auflösung möglich, dabei kann man sich die JPEG-Qualität aber nicht aussuchen. Nach der Dateigröße zu urteilen, dürfte es sich um die JPEG-Stufe „Normal“ handeln; die noch höheren Qualitätsstufen „Normal*“, „Fine“ und „Fine*“ sind im C30-Modus nicht verfügbar.

Bis zu 1000 Bilder in Folge sollen im C30-Modus mit bestimmten CFe-Karten möglich sein. Mit unserer Testkarte, einer AV PRO XS (1785 MB/s), ließen sich 200 Bilder in Folge aufnehmen. Im C120-Modus mit reduzierter Auflösung (11 MP) kann die Nikon 120 JPEGs pro Sekunde belichten und gönnte sich bei der Datenspeicherung auf unsere Testkarte erst nach 700 Bildern eine Pause.

Fotografieren und Filmen

Der Grundstock an Belichtungsprogrammen (Auto, P, A, S, M) ist bei allen drei gleich. Dazu kommen herstellerspezifische Spezialitäten wie die „Flexible Automatik“ (Fv) bei Canon oder der Sony-Modus „S&Q“ für kurze Filme in Slow-Motion oder mit Zeitraffer. Drei User-Speicher für die individuelle Konfiguration der Kamera bieten Canon und Sony, vier sind es bei Nikon. Ein zur Bildstabilisierung beweglich gelagerter Sensor ist Standard in diesem Testfeld. Bei der Alpha 1 ermöglicht der Sensor-Shift auch Multishots mit bis zu 16 Aufnahmen, die mit der Sony-Software Imaging Edge Desktop am PC zu einem 199-Megapixel-Bild (17280 x 11520 Pixel) verschmelzen. Fokus-Bracketing für externes Fokus- Stacking fehlt bei Sony, Canon und Nikon haben es an Bord.

Canon und Sony stellen neben 8-Bit- JPEGs auch das neuere aber immer noch umständlichere HEIF-Format (10 Bit) bereit. Wer Rohdaten mit 14 Bit Farbtiefe bevorzugt, hat bei Canon die Wahl zwischen unkomprimiertem RAW und C-RAW mit nicht-verlustfreier Komprimierung, aber einer um fast 50 Prozent reduzierten Dateigröße. Die Alpha 1 komprimiert RAWs wahlweise mit und ohne Verluste. Immerhin lässt auch die verlustfreie Variante das Dateivolumen im Vergleich zu unkomprimierten RAWs deutlich schrumpfen. Die Nikon Z9 kann RAWs ebenfalls verlustfrei komprimieren, setzt aber verstärkt auf neue „High-Efficiency“- Verfahren. Diese basieren auf TicoRAW, einer Technologie von intoPix. Das belgische Unternehmen bezeichnet seinen RAW-Codec als „mathematisch verlustfrei und visuell verlustfrei bis zu 1 Bit pro Pixel“. Damit soll die interne Aufzeichnung von 8K-RAW-Videos mit 12 Bit und 60 B/s auf CFexpress- Karte möglich werden; das dafür nötige Firmware-Upgrade hat Nikon für das Frühjahr 2022 in Aussicht gestellt. Derzeit filmt die Nikon noch in 8K mit maximal 30 B/s, ebenso wie die Sony Alpha 1. Zur Verbesserung der Audioqualität bietet die Z9 erstmals eine interne PCM-Aufzeichnung mit 24 Bit Samplingtiefe. Die Canon ist durch ihren 24-Megapixel-Sensor auf DCI 6K beschränkt, jedoch mit 60 B/s. Damit erhält man eine Qualität, die auch vielen anspruchsvollen Filmern reichen dürfte. 4K-Filme (UHD/DCI) zeichnet die R3 mit 6K-Oversampling und maximal 120 B/s auf. Auch die Alpha 1 beherrscht 4K mit 120 B/s.

Bedienung und Performance

Bei allen Unterschieden im Detail sind die Bedienkonzepte der Canon R3 und Nikon D6 im Ansatz vergleichbar. Mehr als 20 Bedientasten – teils mit fester, teils mit variabler Funktionszuordnung – mehrere Einstellräder, doppelt vorhandene Bedienelemente für das Fotografieren im Hochformat und ein Schulterdisplay gehören zu den Gemeinsamkeiten. Einen Umschalter für den Foto-/Videomodus rechts vom Suchereinblick findet man bei beiden Kameras, einen AF-Joystick mit Druckfunktion ebenfalls.

Den zusätzlichen Smart-Controller – ein joystick-ähnliches Bedienelement mit berührungssensitiver Oberfläche – hat die R3 von der EOS-1D X Mark III übernommen. Der Smart-Controller beschleunigt das Setzen von AF-Punkten im Vergleich zum Joystick, mit dem man wiederum präziser arbeiten kann. Wie der Joystick ist auch der Smart- Controller in doppelter Ausführung vorhanden und bietet eine Druckfunktion, die man meist als „AF-on“ nutzen wird. Eine weitere Besonderheit der Canon ist die M-Fn-Taste: Man kann ihr entweder eine einzelne Funktion oder ein Auswahlmenü mit maximal fünf Funktionsfeldern zuordnen. Nach Anwählen eines Funktionsfelds verändert man die Einstellung mittels Rad.

Einen Richtungsschalter mit OK-Taste (Multifunktionswähler) haben Nikon und Sony, man kann aber auch den AF-Joystick, Einstellräder oder die Touchfunktion zum Navigieren in den Menüs verwenden. Canon verzichtet auf den Richtungsschalter und präferiert ein großes Rändelrad mit Set-Taste, das in Hoch- und Querformatposition gleichermaßen gut erreichbar ist. Zählt man alle verfügbaren Einstellräder zusammen, kommt man bei Canon auf fünf, bei Nikon auf vier.

Auch ohne optionalen Handgriff kommt die Alpha 1 auf drei Endlosräder, eines davon in Form eines Rändelrads am Multifunktionswähler. Als einzige bietet die Sony ein dediziertes Einstellrad mit Arretiertaste für Belichtungskorrekturen. Anstelle eines Schulterdisplays findet sich oben rechts am Gehäuse ein Moduswahlrad für Belichtungsprogramme, die man bei Canon und Nikon etwas umständlicher mit Tasten und Rädern vorwählt. Über ein doppelstöckiges Einstellrad links vom Sucherhöcker ermöglicht die Alpha 1 schnelle Zugriffe auf Betriebsarten wie Einzel-/Serienbild, Selbstauslöser oder Bracketing bzw. AF-Modi (AF-S, AF-C, DMF oder MF). Das Ganze erinnert ein wenig an Fujifilm-Kameras der X-Serie. Über vier frei belegbare Funktionstasten (C1-4) lässt sich die Bedienung individualisieren. Auch weitere Tasten, darunter die Richtungstasten am Multifunktionswähler, kann man umfunktionieren.

Ein Schnelleinstellmenü, vom Anwender individuell konfigurierbar, gehört heute zur Grundausstattung. Canon hat dafür die wohl übersichtlichste Lösung gefunden: Links und rechts vom Bildfeld werden Funktionsfelder angezeigt, unterhalb des Bildfelds die Einstellmöglichkeiten. Zum Navigieren und Einstellen verwendet man Räder, den Joystick oder die Touchfunktion.

Auch das Canon-Hauptmenü ist übersichtlich gestaltet: Die oberste Einstellebene bilden sieben horizontal angeordnete Karteireiter mit den Rubriken Aufnahme, Autofokus, Wiedergabe, Konnektivität, Einstellungen, Individualfunktionen und MeinMenü; die Anzahl der Untermenüs pro Rubrik wird genannt. Maximal sieben Einträge pro Untermenü werden angezeigt.

Bei Nikon strukturieren sieben vertikal angeordnete Karteireiter das Hauptmenü, im Fenster rechts daneben sind bis zu acht Einträge sichtbar. Um mehr zu sehen, muss man scrollen und nochmal scrollen. Besonders gilt das für das wenig übersichtliche Individualfunktionenmenü. Wen das stört, der kann häufig gebrauchte Funktionen unter „Mein Menü“ versammeln. Diese Option bieten heute fast alle Kameras, auch die Alpha 1 und die R3.

FAZIT Bei drei so unterschiedlichen Konzepten gibt es keine eindeutigen Gewinner und Verlierer. Alle drei bieten spiegellose Kamera- und Sensortechnik auf höchstem technischen Niveau. Für die Canon R3 und für die Nikon Z9 werden sich zunächst Berufsfotografen interessieren, die von einer Profi-SLR wie der D6 oder EOS-1D X Mark III auf ein spiegelloses System umsteigen und dabei auch vorhandene Objektive mit Adapter nutzen wollen. Dabei legt die Canon mit ihrem 24-MP-Sensor den Schwerpunkt auf schlanke Dateien, schnellen Datentransfer und Workflow. Kauftipp: „Sport“.

Die Nikon Z9 ist eine nicht weniger schnelle Kamera, die man dank 46-Megapixel-Sensor auch als Landschafts- oder Architekturfotograf gut einsetzen kann. Tierfotografen gewinnen durch die hohe Auflösung Spielraum für Bildausschnitte. Die Nikon spricht so neben den Profiumsteigern auch ambitionierte Amateure an, die Tempo mit hoher Auflösung verbinden wollen. Kauftipp: Allrounder. Wer die Schnelligkeit eines Stacked-CMOS dagegen nicht benötigt, findet bei Nikon die Z7 II mit vergleichbarer Sensorauflösung zum annähernd halben Preis. Analog gilt das bei Canon für die R5 mit 45-MP-Sensor, die ebenfalls deutlich günstiger ist als die R3.

Die Alpha 1 erreicht die beste Bildqualität im Testfeld – wofür sie einen Kauftipp erhält – und damit die höchste Punktzahl in der Gesamtwertung. Allerdings kostet sie rund 1300 Euro mehr als die Canon R3 oder Nikon Z9. Abgesehen davon ist die Alpha 1 die kompakteste und leichteste Profikamera am Markt. Wer lange Strecken mit der Kameraausrüstung zurücklegt, vor allem als Natur- und Reisefotograf, wird das zu schätzen wissen.

Das Hauptmenü der Alpha 1 ist durch vertikale Karteireiter für Aufnahme, Belichtung, Autofokus, Wiedergabe, Netzwerk, Einstellung und MeinMenü strukturiert. In der Spalte rechts daneben sind Menüseiten mit fortlaufenden Nummern gelistet, in einer weiteren Spalte die dazugehörigen Einträge. Bis zu sieben Menüseiten bzw. Einträge zeigt das Display gleichzeitig an; der Funktionsumfang der Kamera lässt sich somit gut überblicken – auch deshalb, weil die Einstellmöglichkeiten dem Aufnahmemodus (Foto oder Video) angepasst werden.

Alles in allem freundet man sich mit dem Bedienkonzept der Canon am schnellsten an, es wirkt besonders aufgeräumt und schlüssig. Wechselt man von der Canon zur Nikon oder Sony, würde man gerne das große Rändelrad mitnehmen, während man umgekehrt den Multifunktionswähler der beiden anderen Modelle weniger vermisst. Ein Nachteil für die Bedienung der Alpha 1 ist das geringere Platzangebot aufgrund des kompakten Gehäuses, vor allem auf der Kamerarückseite. Dort drängen sich die Bedienelemente mehr als bei der R3 oder der Z9, was die Gefahr von Fehlbedienungen erhöht – vor allem, wenn man bei Kälte mit Handschuhen unterwegs ist.

Bildqualität

Mit ihrem 50-MP-Sensor erreicht die Alpha 1 die höchsten Auflösungwerte in diesem Testfeld (2851/2532 LP/BH), gefolgt von der Nikon Z9 mit 46-MP- Sensor (2588/2410 LP/BH). Die Sony hält zudem die Auflösung zwischen ISO 400 und 3200 konstant um 2500 LP/BH (HC-Wert) bzw. 2400 LP/BH (LC-Wert). Bei Nikon fallen vor allem die LC-Werte für niedrige Kontraste deutlich stärker ab als bei Sony. Bei ISO 3200 werden nur noch 1942 LP/BH erreicht (A1: 2414 LP/BH). Die Canon erreicht mit 24 Megapixeln Nennauflösung bei ISO 100 ein Maximum von 2031/1854 LP/BH; der Rückgang bei hohen ISO-Werten fällt aber moderater aus als bei Nikon.

Die höchsten Dead-Leaves-Werte (2149/2050 LP/BH) schafft die Sony bei ISO 100, hebt dabei die Farbkontraste jedoch kräftig an. Mit jeder weiteren ISO-Stufe gehen die DL-Werte kontinuierlich, aber in vertretbarem Umfang zurück. Bei ISO 3200 werden noch 1359/1121 LP/BH erreicht. Nikon startet mit 1706/1475 LP/BH bei ISO 64, muss bei ISO 1600/3200 aber einen starken Rückgang der DL-LC-Werte (859/649 LP/BH) in Kauf nehmen – auch im Vergleich zur Canon (um 1000 LP/BH). Die VN-Werte (Bildrauschen) der Z9 betragen 1,8/2,2 bei ISO 1600/3200 und sind damit deutlich höher als bei der Canon (VN 1,5/1,9) oder der Sony (VN 1,3/1,7).

In Summe bietet die Sony die höchste Bildqualität auf allen ISO-Stufen. Wer die Qualitätsreserven des Nikon-Sensors mit JPEGs ausschöpfen will, sollte bevorzugt mit ISO 64 fotografieren und möglichst nicht höher als ISO 800 gehen. Die Canon profitiert von den High-ISO-Qualitäten ihres 24-MP- Sensors, überflügelt die Nikon ab ISO 1600 und ermöglicht rauscharme Bilder auch noch bei ISO 6400.

Vor allem bei Nikon lässt sich durch den Wechsel zum RAW-Modus eine harmonischere Bildabstimmung erzielen als mit JPEGs aus der Kamera. Wer auf JPEGs nicht verzichten kann oder will, nimmt sie parallel zu den RAWs auf. Speziell im dualen Aufnahmemodus soll das aktuelle Firmware-Update 1.10 für die Z9 handfeste Vorteile bringen. Laut Hersteller soll sich die Dauer der Serienbildgeschwindigkeit von 20 B/s dadurch von 3 auf 8 Sekunden steigern lassen.

Karl Stechl

Testergebnisse

Testergebnisse Die HC-Auflösungskurven für hochkontrastige Motivbereiche (blau, durchgezogen) halten sich bis hin zu mittleren Frequenzen um 1200 LP/BH oberhalb der Einserlinie. Die maximale Auflösung wird mit 2588 LP/BH bei ISO 64 erreicht und fällt bis ISO 800 nur um etwas mehr als 100 LP/BH ab. Die LC-Kurven (blau, gestrichelt) verlaufen auf allen ISO-Stufen weitgehend parallel mit den HC-Kurven, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau bereits bei ISO 64. Die Kantenprofile (violett) zeigen, dass Over-und Undershoot gleichermaßen ausgeprägt sind, die Schärfung also recht aggressiv ausfällt. Zurückhaltend agiert die Nikon Z9 dagegen mit Blick auf die Anhebung der Farbkontraste: Nur bei ISO 64 und 400 übersteigt die DL-HC-Linie (rot, durchgezogen) den Wert 1, während die LC-Kurve (gestrichelt) von Anfang an darunter bleibt. Ab ISO 1600 fallen beide Linien schnell ab, was sich negativ auf den Erhalt von Texturen auswirkt. Die Rauschminderung arbeitet vergleichsweise moderat. Artefakte (grüne Linien) nehmen vor allem ab ISO 3200 zu, wobei Bereiche niedriger Kontraste (gestrichelt) stärker betroffen sind.

Testergebnisse Die Auflösungskurven (blau) der Canon EOS R3 halten sich bei ISO 100 und 400 ein Stück weit entlang der Einserlinie, fallen dann aber relativ schnell ab. Bis ISO 400 wird deutlich nachgeschärft, die Über-und Unterschwinger (violett) sind kuppelartig ausgeformt. Der Detailschärfe ist das allerdings weniger förderlich als zackenförmige Kantenprofile. Ab ISO 800 verflachen die Überschwinger, gleichzeitig fallen die Auflösungskurven von Beginn an schneller ab. Der Verlauf der Dead-Leaves-Kurven (rot) steht für eine recht aggressive Abstimmung: Bei ISO 100 schwingt sich die DL-HC-Kurve für hochkontrastige Strukturen fast bis 1,3, die DL-LC-Kurve für Strukturen von niedrigem Kontrast fast bis 1,4 auf. Die Farbkontraste werden also für eine Profikamera unerwartet stark angehoben. Artefakte (grün) bleiben über alle ISO-Stufen hinweg im Rahmen – sofern sie etwas stärker zunehmen, trifft das vor allem für Bildbereiche von niedrigem Kontrast zu (gestrichelte Linien).

Testergebnisse Die Auflösungskurven (blau) der Alpha 1 steigen auf allen ISO-Stufen bis 3200 über die Einserlinie hinaus an. Streckenweise werden Peaks um 1,2 bis hinauf zu hohen Frequenzen um 1800 LP/BH erreicht. Als maximale Auflösung (HC/LC) ermittelte das Testlabor 2588/2410 LP/BH bei ISO 64. Bei den Kantenprofilen als Gradmesser für das Nachschärfen der Bilder fällt auf, dass die Kamera einen nur geringen Overshoot und einen stark ausgeprägten Undershoot produziert. Die Farbkontraste hebt die Alpha 1 bei ISO 64 stark an, was bei den Dead-Leaves- Kurven (rot) zu einem Peak um 1,2 führt. Bereits bei ISO 400 fällt die Kontrastanhebung deutlich geringer aus; nur noch die HC-Kurve (durchgezogen) übersteigt dann den Wert 1. Bis ISO 1600 driften HCund LC-Kurve weiter auseinander als bei Eingangsempfindlichkeit, bei ISO 3200 nähern sie sich wieder an. Die Artefakte (grüne Kurven) erreichen bereits bei ISO 100 relativ hohe Werte bis 0,5 und steigen im Bereich hoher Kontraste moderat bis 0,6 bei ISO 3200 an. Nur die LC-Kurve (gestrichelt) schwingt sich bei dieser ISO-Einstellung noch ein Stück höher auf (bis 0,8).