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GIROKONTO IN GRÜN


greenup - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 11.12.2020

Alternative Banken versprechen, das Geld ihrer Kunden ökologisch und ethisch anzulegen. Macht es Sinn, ein grünes Girokonto zu eröffnen?


Wir achten immer mehr darauf, umweltfreundliche Produkte zu konsumieren und unser Geld möglichst nicht bei gewissenlosen Großkonzernen zu lassen. Aber was geschieht mit dem deponierten Geld auf dem Konto, wenn wir es nicht gerade ausgeben? Unsere Bank verwendet jeden Cent davon, um Investitionen zu tätigen und Kredite zu vergeben. Einmal ein Girokonto eingerichtet, müssen wir akzeptieren, dass die Bank mit unserem Geld so umgeht, wie sie es für richtig hält.

BANKEN ...

Artikelbild für den Artikel "GIROKONTO IN GRÜN" aus der Ausgabe 9/2020 von greenup. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: greenup, Ausgabe 9/2020

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... UNTERSTÜTZEN KONTROVERSE UNTERNEHMEN
Die großen Banken − darunter Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen − haben häufig fi nanzielle Verbindungen mit Unternehmen, um die ökologisch-bewusste Menschen am liebsten einen großen Bogen machen würden. So haben laut des Fossil Fuel Finance Reports 2020 in den letzten vier Jahren 35 internationale Großbanken weltweit knapp 2,3 Billionen Euro in Unternehmen investiert, die fossile Brennstoffe produzieren. Der Trend geht aufwärts - trotz Kohleausstieg und Zuwachs erneuerbarer Energien. Waren es 2016, im Jahr nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens, noch 592 Milliarden Euro die in fossile Energien fl ossen, stiegen die Investitionen 2019 auf 680 Milliarden.

Banken unterstützen mehr als nur Erdöl und Co. Unternehmen die unter Korruptionsverdacht stehen, Menschenrechte verletzen, ihr Geld mit Kinderarbeit - etwa in Gesteinsminen - verdienen, haben es bei Privatbanken nicht schwer an Kredite zu kommen. Nicht zu vergessen ist das Geschäft mit Waff en, Munition und Sprengstoffen. Auf öff entlichen Druck hin haben viele Banken inzwischen Richtlinien erlassen, nach denen Produzenten und Händler „umstrittener Waff en“ - wie Personenminen und Streumunition - sich über sie nicht mehr fi nanzieren können. Hersteller konventioneller Waff en können jedoch weiterhin auf die Unterstützung deutscher Banken zählen.

ETHISCHE BANKEN ALS ALTERNATIVE
Wer also nicht möchte, dass sein erwirtschaftetes Geld in solcherart Geschäfte fl ießt, muss sich Alternativen suchen - und die gibt es. Mehrere Banken werben damit strenge Richtlinien zu haben, was die Vergabe von Krediten an umweltschädigende und ethisch bedenkliche Unternehmen angeht. Sie legen Wert darauf, möglichst soziale und ökologische Projekte zu unterstützen. Um einen Überblick über die Angebote und Arbeitsweisen der verschiedenen Banken zu bekommen, haben sich mehrere Verbraucherschutzorganisationen die Mühe gemacht, die Finanzinstitute auf entsprechende Kriterien hin zu durchleuchten. So fi nden sich sowohl bei den Verbraucherzentralen als auch bei der Stiftung Warentest entsprechende Analysen und Bewertungen.

Die wohl ausführlichste Untersuchungsreihe zum ethischen und umweltfreundlichen Verhalten von Banken kommt vom Fair Finance Guide. Diese internationale Initiative wird in Deutschland von den NGOs Südwind, der Verbraucherzentrale Bremen und Facing Finance verkörpert. Letztere ist ein Verein, der sich Aufklärung über einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zur Aufgabe gemacht hat. Über 280 Kriterien fragen die Analysten hier bei den einzelnen Banken ab und erarbeiten detaillierte Bewertungen. Dabei haben sich einige Finanzhäuser herausgestellt, bei denen Geld deponiert werden kann, ohne befürchten zu müssen, dass es zur Finanzierung von fossilen Brennstoffen oder sogar von Waff engeschäften eingesetzt wird.

Für den Facing-Finance-Vorstand, Thomas Küchenmeister, ist die Transparentmachung der Bankgeschäfte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem: „Wir sagen den Banken: Ihr als Finanzinstitute müsst euch an internationale Konventionen und an Abmachungen wie das Pariser Klimaabkommen halten. Handeln tun wir im Rahmen das Fair Finance Guide-Projektes, in dem wir uns sehr detailliert die Standards und Richtlinien der Banken anschauen, die Defi zite benennen und die Banken darüber in Erklärungsnot bringen.“

Kein Unternehmen darf hierzulande von Kinderarbeit profi tieren, Streubomben herstellen oder exportieren - aber Investitionen in diese Geschäfte sind legal


Manche Banken haben Nachhaltigkeit nur im MarketingbereichThomas Küchenmeister


Zu den am besten bewerteten Banken, bei denen jeder ein Girokonto eröff nen kann, zählen die EthikBank, die GLS Bank und die Triodos Bank. Hier bekommt man EC- und Kreditkarte zum Girokonto, kann ein Tagesgeldkonto einrichten und diverse andere Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen. Diese Banken versprechen, kein Geld in fossile Energien und Rüstungsgeschäfte zu stecken und darauf zu achten, dass ihre Kunden nicht in Korruption oder Kinderarbeit verstrickt sind. Die Umweltbank ist ebenfalls ethisch und grün ausgerichtet, bietet allerdings kein Girokonto an.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Bankhäusern mit kirchlicher Ausrichtung, welche sich bei der Auswahl ihrer Kunden auf christliche Werte berufen. Bei einigen davon kann nur ein Konto eröff net werden, wenn man für eine kirchlich-karitative Einrichtung arbeitet. Bei der Pax-Bank und KDBank gibt es derartige Einschränkungen nicht.

SOLLTEST DU DEN BANKENWECHSEL WAGEN?
Es macht Sinn, ein Girokonto bei einem ethisch-bewussten Finanzinstitut zu eröff nen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass diese nicht unbedingt die gleichen Konditionen wie Großbanken und Sparkassen haben. Bei den „grünen Banken“ fallen meist Grund- und Kontoführungsgebühren von 100 bis 150 Euro im Jahr an. Auch für andere Annehmlichkeiten, wie etwa allgegenwärtige Bankautomaten mit kostenloser Bargeldauszahlung, gilt Kompromissbereitschaft.
Manch einer mag zögern, seine gesamten Finanzen von der vertrauten Bank, bei der eventuell ein guter Draht zum Kundenbetreuer besteht, auf ein gänzlich unbekanntes Institut umzuziehen. Küchenmeister kennt solche Bedenken: „Klar, dass über die Zeit auch die Kundenbindung wächst. Aber man muss sich klarmachen, dass das eigene Geld für die Unterstützung bestimmter Geschäftsmodelle verwendet wird, wie etwa Kreditvergaben an kontroverse Unternehmen. Wer die grundsätzliche Entscheidung triff t, sich für eine Transformation des Wirtschafts- und Finanzsystems einzusetzen, muss auch danach handeln. Man sollte sich fragen: Was ist mir wichtiger? Die persönliche Betreuungssituation oder dass man sein Geld nachhaltig verwendet sieht? Dieser Transformationsprozess fordert eben von jedem Opfer und derzeit kommt man um solche Veränderungen nicht herum.“

„WIE DER TEUFEL DAS WEIHWASSER“
Und wenn der Normalverdiener diese Konsequenzen zieht und mit seinem Girokonto zu einer ethischen Bank wechselt - interessieren die Großbanken sich überhaupt dafür? „Ja“, sagt der Facing- Finance-Vorstand. „Nachhaltigkeitsbanken erleben derzeit einen enormen Zulauf. Die anderen Banken sehen das und merken, dass die Menschen beginnen wegzugehen. Transparenzinitiativen, bei denen off engelegt wird mit wem fi nanzielle Verbindungen eingegangen werden, fürchten sie wie der Teufel das Weihwasser. Viele Banken bemühen sich auch trotz anderer Probleme, klimafreundlicher zu werden.“


Nachhaltigkeitsbanken sind für die Zukunft besser aufgestellt als die alten BankhäuserThomas Küchenmeister


Das klassische Bankenmodell ist alleine durch die Digitalisierung schon grundlegenden Veränderungen unterworfen. Eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman prognostiziert, dass zwischen 2018 und 2030 rund die Hälfte aller Bankfi lialen in Deutschland schließen wird. Direktbanken ohne Geschäftsstellen und digitale Finanzdienstleister wie PayPal oder Google Pay übernehmen immer mehr die Aufgaben der klassischen Banken. Es fi ndet also ein Wandel statt - und jeder kann etwas dazu beitragen, diesen nachhaltig zu gestalten.

Banken bieten auch Investitionsfonds an, die mit Nachhaltigkeitssiegeln wie ESG und FNG gekennzeichnet sind. Hier gilt wie bei allen anderen Anlagen: Gründlich prüfen und das Kleingedruckte lesen


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