Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 8 Min.

GLADIATOREN IN POMPEJI


Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.09.2019

Zeugnisse der frühen Ausgrabungen

Der unbekannte Zuschauer, der in roter Farbe auf die verputze Mauer die Liste der Kämpfer- Paare desthraex und desmurmillo , deshoplomachus und desessedarius geritzt hat, fügte vor dem Namen eines jeden die Abkürzungenv(icit), m(issus) oderp(eriit) hinzu. So wissen wir auch, wer Sieger war, wer begnadigt und wer getötet wurde.

Die erste Gladiatorenveranstaltung des Marcus Mesonius hat an den Tagen … und am 2. Mai stattgefunden. Eine zweite Gladiatorenveranstaltung fand vom 11.–15. Mai statt …

(CIL 4, 2508)

Dies ist ein überdeutliches Beispiel aus Pompeji. ...

Artikelbild für den Artikel "GLADIATOREN IN POMPEJI" aus der Ausgabe 5/2019 von Antike Welt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 5/2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 9,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Antike Welt. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2019 von FASZINATION GLADIATOR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FASZINATION GLADIATOR
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Aktuell. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktuell
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von DAS ALTPERSISCHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS ALTPERSISCHE
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von DER PRINCEPS DER SPIELE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DER PRINCEPS DER SPIELE
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von GLADIATOREN IN AUGUSTA RAURICA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GLADIATOREN IN AUGUSTA RAURICA
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von RÄTSEL AUS DER RÖMERZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
RÄTSEL AUS DER RÖMERZEIT
Vorheriger Artikel
DAS ALTPERSISCHE
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel DER PRINCEPS DER SPIELE
aus dieser Ausgabe

Dies ist ein überdeutliches Beispiel aus Pompeji. Es gibt Auskunft über eine Reihe von Wettkämpfen, in denen die Protagonisten Sklaven waren, deren Namen von ihren Aktivitäten abgeleitet waren:Pugnax, Speculator, Venator, Laudandus und die BeinamenIulianus oderNeronianus , was darauf hinweist, dass sie vor 62 n. Chr. eingesetzt worden waren, als die letzten der von dergens Iulia Angeworbenen mit den neuen von Nero besoldeten Kämpfern aufeinandertrafen.

Abb. 1 Fresko aus Pompeji, Haus des Actius Anicetus, mit der Darstellung dem Amphitheater (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 11e2ll2u2n2g) d.er Schlägerei neben


Diese Inschrift (ein sog.libellus gladiatorius , Inv. 4705) in Form eines Graffito auf einer verputzten Mauer ist eigentlich eine Abschrift der Ankündigungen auf Papyrus, die am Eingang des Amphitheaters ausgeteilt wurden, mit dem Namen deslanista , des Ausbilders der Gladiatoren, dem Datum der Gladiatorenkämpfe und den Namen der Kämpferpaare. Dieseslibellus gladiatorius ist aber nicht so eindrucksvoll wie die Helme mit Treibverzierung oder wie die Freskofragmente mit den Trophäen vergoldeter Waffen, dokumentiert aber genau die Leidenschaft der Bevölkerung für diese Aufführungen – so wie heute die Aufschrift auf einer Mauer auf das Finale der Champions League hinweisen könnte.

Der Fundort

Jede Stadt der römischen Welt hatte ein Amphitheater oder einen bestimmten Ort für Gladiatorenkämpfe, und in vielen sind auch die Räumlichkeiten zum Wohnen und zum Trainieren für diese besondere Sportart entdeckt worden, organisiert wie Kasernen, in denen harte und strenge Kontrollen galten. In einem der Gebäude, das in Pompeji als Unterkunft der Gladiatoren diente, wurden tatsächlich Fußeisen zur Bestrafung gefunden, an eines waren sogar noch die Skelette von zwei Männern angeschlossen.

Die vom Erdbeben 62 n. Chr. verursachten Schäden und die Auflösung dercollegia auf Anordnung des römischen Senates nach dem heftigem Aufruhr im Sommer 59 n. Chr. (Taci- tus,annales 14,17 und ein Fresko aus einem Haus der Regio I; Abb. 1) haben die Verlegung der Kaserne vom ursprünglichen Ort in die Quadripor- tikus des Großen Theaters notwendig gemacht, die zur Beherbergung der Gladiatoren eingerichtet wurde. So kam es, dass die bourbonischen Ausgräber, die gegen Ende des Jahres 1766 gerade die komplette Freilegung des Theaters beenden wollten, auf den Säulen der Portikus nicht nur eine große Anzahl Graffiti fanden, die sich auf die Gladiatorenspiele beziehen, sondern auch in den Räumen an der Ost- und Westseite Waffen, Schmuck, Kleidungsstücke und Zubehör.

Die Funde

In einem kleinen Raum an der Ostseite entdeckten sie damals auch die Reste eines Helmes aus Eisen (Inv. 5636) mit Helmbusch und Bronzebeschlägen, zwei ineinandergeschobene Helme, die Reste von zwei Holzkisten, eine von ihnen enthielt weitere plattgedrückte Helme und Überbleibsel von Leinenstoff und eines Stoffes mit Goldfäden.

Im Januar des folgenden Jahres wurden an demselben Ort gefunden: ein Schild mit dem Haupt der Medusa, umgeben von versilberten Olivenzweigen (Abb. 2), Dolche und Schwerter mit Griffen aus Bein oder Elfenbein, einige auch mit Resten der Futterale und Fragmente von goldverziertem Leder.

Auf den Wänden kann man die in großen Buchstaben gemalten Ankündigungen der Veranstaltungen lesen. Auf einer wurde man darauf hingewiesen, dass auch Tiere kämpfen undsparsiones gewährt würden, d. h. das Sprengen von parfümiertem Wasser, und es würde Sonnensegel geben, die in den sehr heißen Stunden Schatten spenden.

Abb. 2 Bronze-Schild aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit dem Kopf (Museoop Af drcehre Moleodguicsoa Nazionale di Napoli, Inv. Inv. 5669) .


Die Entdeckung der Waffen ließ darauf schließen, dass es sich um Räume für das Militär handelte, so dass das ganze Gebäude mit allem Zubehör lange als «Quartiere dei soldati» be zeichnet wurde. Die einzigartige Verzierung der Helme, der Beinschienen, der Schulterpanzer verursachte bei den ersten Forschern keine Irritation wegen dieses Reichtums, der kaum mit militärischer Verwendung übereinstimmte. Sogar Camillo Paderni, der als erster Zeichnungen und Beschreibungen anfertigte, vermutete die Nutzung durch Kommandanten und hochran- gige Marineoffiziere.

Dieser Zeichner hatte das Vertrauen des Karl von Bourbon (1716–1788) gewonnen und wurde 1751 der erste Aufseher des Museo Ercolanense in Portici. Er erkannte die Ähnlichkeit der Helme mit denen auf einem Fresko aus einem Raum des «Quartiere dei soldati» (Abb. 3) und verglich den Dreizack desretiarius auf dem unteren Teil der Bilder mit demjenigen auf dem Schulterpanzer, um den sich ein Delphin schlängelt, dazu eine Krabbe, ein Anker und ein Ruder, und interpretierte ihn überzeugend als das At- tribut einer Meeresgottheit (Abb. 4).

Das Fresko aus der Caserma dei Gladiatori

Obwohl die Dekoration des Podiums des Amphitheaters und andere Bilder auf Außenwänden zerstört worden waren, blieben von den sehr seltenen Gemälden von Gladiatorenwaffen glücklicherweise zwei von Francesco Morelli in Tempera gemalte Fragmente erhalten. Auf diesen erkennt man auf dem Sockel die hohen auch die Oberschenkel schützenden Beinschienen (cnemides ), die speziellen Beinschienen (ocrea ) desmurmillo zum Schutz des linken Beines, mit Schnürbändern fixiert, die durch präzise dargestellte Ringe liefen, weiterhin Dreizacke, Schulterpanzer, von denretiarii auf der linken Schulter getragen, und Schwerter.

Auf dem hellblauen Hintergrund darüber waren Tropaia dargestellt: auf dem einen fast vollständig erhaltenen kann man gut die eisernen Kurzschwerter (gladii ) unterscheiden, die rechteckigen und die runden Schilde (scuta ) mit Goldintarsien, Helme mit Helmbusch, mit Nackenschutz und Gitter zum Schutz der Augen, Speere und Spieße und ein gekrümmtes Schwert mit kräftigem Griff, dem typischen Dolch (sica ) desthraex .

Abb. 3 Fresko aus einem Raum der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit verschiedenen Waffen und Rüs- tungsteilen (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 9702).


Abb. 4 Schulterpanzer eines Retiarius aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5639).


Auf dem anderen Fragment sind nur zwei Schilde erhalten und ein Helm mit komplett geschlossenem Visier und runden Augenlöchern, identisch mit dem Helm einesthraex , erkennbar an dem Helmkamm mit Greifenkopf (Abb. 5). Diese Form war in augusteischer Zeit üblich und wurde später abgelöst von denen mit breiteren Gittern, die eine bessere Sicht erlaubten. So wie bei dem Exemplar (Inv. 5650), das mit dem Kopf der Gorgo zwischen Delphinen verziert und für die gleiche Kategorie von Gladiatoren bestimmt ist.

Die Helme

Auch die Helme dermurmillones oder derhoplomachi haben das Schutzgitter für die Augen, aber der Helmkamm über der Kalotte ist glatt, wie man auf dem ersten in Pompeji gefundenen Helm (Abb. 6) sieht, die Kalotte ist geschmückt mit einer Triumphszene, in der die Personifikation der Stadt Rom ihren rechten Fuß auf einen Schiffsbug stellt. An den Seiten befinden sich Barbaren, die als Zeichen der Unterwerfung knien, Gefangene, deren Hände auf den Rücken zusammengebunden sind und unter anderem auch eine Victoria, die ein Tropaion schmückt.

Nicht nur auf den Helmen, sondern auch auf dencnemides , den kürzerenocreae oder auf dem Armschutz, werden manchmal Bilder von Gotthei- ten (Iupiter, Neptun, Mars, MercurMinerva, Venus) verwendet, die als, Schutzgottheiten angerufen werden.

Bei einem anderen Helm gibt es einen expliziten Verweis auf die Welt der Wettkämpfer mit dem Bild eines Gladiators, der sich mit der rechten Hand bekränzt und in der linken eine Siegespalme hält. Darüber auf der Vorderseite des Helmkammes befindet sich eine Herme des Hercules mit Löwenfell, der ihm seinen Schutz gewährt (Abb. 7).

Abb. 5 Helm eines Thraex aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5649).


Abb. 6 Helm eines Murmillo aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit einer Triumphszene (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5674).


Abb. 7 Helm eines Murmillo aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit der Darstellung eines Gladiators, der sich mit der rechten Hand bekränzt und in der linken eine Siegespalme hält (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5672).


Abb. 8 Helm eines Provocator aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji mit der Darstellung eines Gladiators, der mit Dolch und Schild bewaffnet ist (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5658).


Abb. 9 Helm eines Secutor aus der Gladiatorenkaserne von Pompeji (Museo Archeologico Nazionale di Napoli, Inv. 5642).


Ein weiterer Verweis auf den Sieg ist der Adler mit ausgebreiteten Flügeln und Siegeskranz im Schnabel auf dem Stirngiebel des Helmes einescontraretiarius , der wie der Helm desprovocator ohne Schmuck war, um dem Netz des Gegners keine Gelegenheit zu bieten.

Dieser Helm hat eine nach unten gebogene Krempe, um den Nacken zu schützen. Seine Reliefverzierung zeigt die in der Arena verwendeten Waffen: einen Dolch, einen Schutzärmel, eine Beinschiene, einen Helm, einen Hammer und einen Schild.

Ein anderer ähnlicher Helm einescontraretiarius ist noch näher an der Realität der Kämpfer: er ist mit der Figur eines Gladiators geschmückt, der mit Dolch und kleinem runden Schild bewaffnet ist (Abb. 8).

Gut zu sehen ist oben auf der Kalotte eine Ausbesserung, die die beschädigten Ränder einer Bruchstelle mit einem sichelförmigen Flicken und drei Nieten fixiert. Auffallend sind aber gleichfalls die Spuren der Schwerthiebe, die nach der Reparatur entstanden. Und er zeigt nicht nur, wie gut die Reparatur ausgeführt worden war, sondern auch wie Waffen und Metall höchst achtsam verwendet wurden.

Bemerkenswerte Arbeiten der Toreuten sind außerdem die Helme mit komplexen Szenen in Hochrelief, wie derjenige mit der Darstellung von fünf Musen (Inv. 5671): im Zentrum mit einer Buchrolle in der Hand die Muse der Geschichte Klio; links an ihre Schulter gelehnt Terpsichore, die Muse der Poesie, des Gesanges und des Tanzes, erkennbar an der Lyra; und anschließend auf eine kleine Säule gestützt in der üblichen nachdenklichen Haltung Polyhymnia, die Muse des Theaters.

Rechts von Klio sitzt mit einem Globus in den Händen Urania, die Muse der Astronomie; und schließlich die Muse der Lyrik und der Auletik Euterpe mit einem Blasinstrument in den Händen.

Schlussendlich sind auf den Wangenklappen ein delphischer Dreifuß und eine große Lyra, die von Eroten getragen werden, ein klarer Hinweis auf Apollon. Auf die dionysische Welt verweisen die Theatermasken, die Musikinstrumente und der Satyr mit Hirtenstab und Syrinx, die auf dem Helmkamm dargestellt sind.

Ein anderer Helm (Inv. 5673) wurde als erster von C. Paderni beschrieben, der darauf hinwies, dass sich die Szenen auf den Troianischen Krieg beziehen würden und nach den Versen des Vergil entstanden seien. Er stellte fest, dass die in Pompeji gefundenen Waffen römisch und nicht samnitisch waren, wie andere vermutet hatten. Die Erzählung fasst die wichtigsten Momente des zweiten Buches derAeneis zusammen und ist auf drei verschiedenen Teilen des Helmes dargestellt: auf den Wangenklappen die Gefangennahme des Sinon, den man vor Priamos geschleppt hatte; auf der Krempe das Gemetzel der im Schlaf überraschten Troianer nach dem Bankett; auf der Kalotte Aias und Kassandra vor der Statue der Athena sowie Neoptolemos, der Priamos tötet, im Zentrum Helena und Menelaos, Aeneas mit Anchises auf den Schultern sowie Kreusa und Ascanius.

Die in Treibarbeit verzierten Helme wurden wahrscheinlich nur während des rituellen Zuges zur Eröffnung desspectaculum benutzt, die unheimlich wirkenden Helme dessecutor brachte man direkt in die Arena.

Der Helm der Gegner desretiarius (secutor, provocator, contraretiarius ) ist auch bei einem Kopf aus Tuff aus dem Theater von Verona (Inv. 29514) und auf einem Messergriff aus Avenches dargestellt. Er war oval und schützte das Gesicht völlig dank der zwei Scharnierbleche auf beiden Seiten unterhalb der Kalotte, die vorn mit einem von der Stirn bis zum Kinn durchgehenden Band festgehalten wurden (Abb. 9).

Der lange Nackenschutz fiel bis auf die Schultern und beim Tragen des Helmes wurde die einzige Luftzufuhr durch zwei kleine Löcher für die Augen ermöglicht. So kam zur reduzierten Sicht mit einiger Wahrscheinlichkeit auch noch die Schwierigkeit des Atmens dazu. Dies führte vielleicht dazu, so schnell wie möglich den direkten Kampf mit dem Gegner zu beenden.

Adresse der Autorin
Dr. Valeria Sampaolo
Museo Archeologico Nazionale
Piazza Museo 19
I-80135 Napoli

Übersetzung

Dr. Anemone Zschätzsch, Oestrich-Winkel

Bildnachweis

Alle Abb.: Museo Archeologico Nazionale di Napoli.

Literatur

M. JUNKELMANN, das Spiel mit dem tod. So kämpften Roms Gladiatoren (2000).

H. meller / V. SamPaolo / l. melillo (Hrsg.),
Gladiator. Täglich den Tod vor Augen (2013).