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GLEICHGEWICHT TRAINIEREN: Balance-AKT


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 12.04.2019

Pferd und Reiter haben oft mit ein und demselbenProblem zu kämpfen:mangelndem Gleichgewicht. Unsere Experten Josef Kastner und Miriam Sherman erklären, was die Hauptursache dafür ist und was Mensch und Tierim Training wirklichhilft


Artikelbild für den Artikel "GLEICHGEWICHT TRAINIEREN: Balance-AKT" aus der Ausgabe 50/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 50/2019

Mensch und Pferd ganz ohne Sattel im Gleichgewicht


Das Gleichgewicht ist ein ständiger Begleiter im Alltag. Gehen, Laufen, Treppensteigen, sogar das Stehen am Boden oder Sitzen auf einem Stuhl würde nicht funktionieren, wenn wir nicht in Balance blieben. „Im Gleichgewicht zu bleiben ist Voraussetzung für Aufrichtung und diese wiederum Voraussetzung dafür, dass wir ...

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... mit unseren Händen frei agieren können“, erklärt der österreichische Bewegungswissenschaftler Josef Kastner. In der Regel haben wir unseren Körper dabei gut im Griff, ansonsten würden wir ja ständig stürzen. Erprobte Muster helfen uns tagtäglich dabei, die Balance zu halten – auch wenn es mal knifflig wird.

„Beobachtet man Kinder, aber auch Erwachsene, wenn sie erfolgreich über ein Cavaletti balancieren“, sagt der Experte, „so verwenden sie zu allererst die Arme, dann das vorschwingende Bein (Spielbein) und zuletzt behelfen sie sich durch ein Abkippen des Oberkörpers. Beim Reiten jedoch ändert sich die Situation, denn der Pferderücken schwingt vor und zurück, nach links und rechts und dann auch noch auf und ab.“ Das Gleichgewicht auf einem sich bewegenden Objekt zu halten, ist ungleich schwieriger. Es setzt voraus, dass wir die Bewegung des Pferderückens in unsere Balance ständig mit einbeziehen. „Wir sprechen hier von einem antizipativen, also die Situation vorhersehenden dynamischen Gleichgewicht. Der Reiter muss beispielsweise erahnen, wie die ersten Tritte beim Übergang vom Galopp in den Trab sind“, erklärt Kastner.

Neue Bewegungen lernen

Zudem sollen die Arme, die ansonsten so erfolgreich für die Balance eingesetzt werden, bei dem, der im Sattel sitzt, ruhig am Körper anliegen. Auch die Beine haben deutlich weniger Freiheit. Das heißt: Die Balance auf dem Pferd muss der Mensch neu erlernen. „Auf motorische Erfahrungen aus dem Alltag kann man nur bedingt zugreifen. Es bedarf einer speziellen Schulung, zuallererst an der Longe, so lange, bis der Reiter in der Lage ist, die dynamische antizipierende Balance aus Lendenwirbelsäule und Hüfte herzustellen – und zwar in allen Gangarten: im Vollsitz, leichten Sitz/Entlastungssitz und beim Leichttraben. Dafür muss der Reiter spezielle Koordinationsmuster erlernen, die dafür notwendige Muskulatur schulen und Beweglichkeit erwerben“, erläutert Kastner.

Im Sattel muss der Reiter seine Balance neu finden. Erfahrungen aus dem Alltag helfen ihm dabei nicht


Sitzt der Reiter schief, gibt er widersprüchliche Signale an sein Pferd weiter, die es nicht verstehen kann


Es ist außerdem wichtig, dass der Reiter lernt, die Bewegung des Rückens und die Rumpfbewegungen des Pferdes zu erfühlen. „Manche Reiter sind hier talentierter, manche benötigen mehr Information durch den Unterrichtenden. Ein guter Indikator ist, wenn der Reiter ohne visuelle Kontrolle in der Lage ist, aus der Rücken- und Rumpfbewegung zu spüren, welche Extremität des Pferdes am Boden ist bzw. welche vorschwingt“, so der Experte. Nur dann kann er in die Bewegungen des Pferdes eingehen und präzise mitschwingen. „Das ist eine der ersten und wichtigsten Maßnahmen beim Reitenlernen“, merkt der Bewegungswissenschaftler an.

Kann der Reiter dies nicht, sind reiterliche Fehler die Folge. Kommt er zum Beispiel ständig aus der seitlichen Balance, belastet er einmal zu viel links und dann wieder rechts, so fehlt ihm die Gewichtshilfe, die essenziell für das Reiten von Wendungen und höhere Lektionen wie Schulterherein oder Travers ist. Werden die Hände unruhig, bedeutet das ständige Irritationen, wenn nicht sogar schmerzliche Rucke im Pferdemaul. Stören unruhige Beine, die einmal vorne und einmal hinten liegen, einmal einwärts, einmal auswärts gedreht sind, werden widersprüchliche Informationen ans Pferd gesendet. „Wie soll das Pferd wissen, dass zum Beispiel das Zurücknehmen des Schenkels bedeutet, es soll in den Galopp starten, wenn der Schenkel im Schritt und Trab permanent vor- und zurückpendelt?“, fragt der Experte.

Kurzum: Der Reiter verwirrt den Vierbeiner, weil er sich im Sattel nicht genügend ausbalancieren kann. Das Pferd wird unsensibel und kann mit den Hilfen nichts anfangen. Das Ergebnis? „Es gibt keine Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Die beiden werden keine Einheit. Zurück bleiben Frustration für den Reiter und Unwilligkeit und Unsensibilität bis zum gefährlichen Verhalten des Pferdes. Im schlimmsten Fall stürzt der Reiter vom Pferd“, so Kastner. Deshalb hat er das „KastnerMotion“-Konzept entwickelt (siehe Kasten Seite 41). Hierbei macht der Experte u. a. Videoaufnahmen in Zeitlupe, die sich der Reiter gemeinsam mit seinem Trainer ansieht. „Das, was der Reiter fühlt und was er tatsächlich macht, muss verifiziert werden – und zwar für den Reiter selbst“, sagt Kastner. Dann erfolgt die Sitzschulung mit verschiedenen Übungen am Boden und im Sattel.

Gestörte Fußfolgen können ein Anzeichen für mangelnde Balance beim Pferd sein


Eine leicht nachzuahmende Übung am Boden wäre z. B. das Balancieren über ein Cavaletti. Stützen Sie dafür zunächst die Hände im Lendenbereich ab und formen Sie als weitere Übung Ihre Hände zu lockeren Fäusten, auf denen Sie jeweils einen Tennisball auflegen. Im Sattel können ein häufiger Wechsel zwischen Vollsitz und leichtem Sitz, Vorund Zurückbewegungen von Becken und Rücken sowie das Erfühlen einzelner Beinbewegungen des Pferdes helfen (mehr Übungen finden Sie in Josef Kastners Buch „Setz dich in Bewegung“). Das Ziel dabei? Der Reiter soll erst in der Bewegung des Pferdes mitschwingen können, bevor er auf diese einwirkt.

Dimensionen der Schiefe

Nicht nur der Reiter hat mit der Erlangung des Gleichgewichts zu kämpfen. Auch viele Pferde tun sich schwer damit. Während die Hauptursache bei uns Menschen das fehlende Eingehen in die Pferdebewegungen ist (siehe oben), dreht sich bei den Vierbeinern alles um das Thema Asymmetrie. „Im ‚Straightness Training‘ sprechen wir von acht Dimensionen der natürlichen Schiefe, die bei jedem Pferd mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können“, erklärt Miriam Sherman, Straightness Training Instructor (siehe Kasten Seite 40) aus dem baden-württembergischen Balingen. Dazu zählt zunächst die laterale Asymmetrie. „Denn jedes Pferd biegt sich leichter zu der einen als zu der anderen Seite. Es hat also eine konkave (muskulär verkürzte) und eine konvexe (muskulär gedehnte) Seite“, erläutert die Expertin.

Hinzu kommt ein horizontales Ungleichgewicht. „In der Regel tragen alle Pferde Dreifünftel ihres Gewichtes auf der Vorhand und Zweifünftel auf der Hinterhand“, so Sherman. Dann gibt es – genau wie bei uns Menschen – Links- und Rechtshänder unter den Vierbeinern. „Deshalb ist das Gewicht nicht gleichmäßig auf die Vorderbeine verteilt und kann somit zu unterschiedlich stark bemuskelten Schultern führen.“ Ähnlich ist es bei den Hinterbeinen. „Das eine Hinterbein schiebt in der Regel mehr, ist länger und gerader. Das andere trägt besser, ist meist geschmeidiger und tritt leichter unter den Schwerpunkt“, so die Ausbilderin weiter.

Auch das Verhältnis zwischen Vor- und Hinterhand spielt beim Thema Gleichgewicht eine Rolle. „Naturgemäß laufen die Pferde mit – im Verhältnis zu den Hüften – versetzten Schultern. Das bedeutet: Die Schultern bewegen sich nicht auf einer parallelen Linie zu den Hüften. Wird das Pferd nicht geradegerichtet, verstärkt sich dieser Effekt“, weiß Sherman. Es tendiert dann dazu, sich auf die innere Schulter zu lehnen oder auf die äußere Schulter zu fallen. „Das wiederum ruft ein diagonales Ungleichgewicht hervor, also eine diagonale Verlagerung des Schwerpunktes auf eine der beiden Schultern“, so die Expertin. Daraus entsteht eine weitere Imbalance, die das Pferd leicht seitwärtsgehen lässt.

Seitengänge helfen, die natürliche Schiefe zu korrigieren


Nicht zuletzt kann es zu einem Ungleichgewicht in der Ober- und Unterlinie kommen: „Das verursacht die ungleiche Gewichtsverteilung auf alle vier Beine. Wenn der Reiter nun nicht all die oben genannten Asymmetrien und Ungleichgewichte korrigiert, wird die Ober- und Unterlinie wenig bzw. ungleichmäßig bemuskelt sein. Das kann Anspannungen und Probleme im Rücken verursachen, die sich beim Reiten manifestieren, die aber ebenso Probleme auf mentaler, emotionaler und psychischer Ebene zur Folge haben können“, warnt Sherman.

Da das Pferd von Natur aus nicht dazu bestimmt ist, Gewicht auf seinem Rücken zu tragen und deshalb schnell Schaden nimmt, ist es umso wichtiger, dass es ausbalanciert läuft. „Wenn es uns als Reiter angemessen tragen soll, sodass es für beide Beteiligten angenehm und gesund ist, müssen wir es darauf vorbereiten. Das wird durch die Dressur und mit ‚Straightness Training‘ als wesentlichem Bestandteil davon erreicht. Wir arbeiten uns von der natürlichen Balance, in der das Pferd vermehrt Gewicht auf der Vorhand hat, über die horizontale Balance, bei der das Gewicht bereits gleichmäßig auf alle vier Beine verteilt wird, bis hin zur Versammlung vor. Nur ein geradegerichtetes und ausbalanciertes Pferd lässt sich versammeln, wird leicht in der Vorhand, entlastet die Vorderbeine und unterstützt somit seinen Rücken“, erklärt Sherman.

Übungen am Boden

Diesen Weg beginnt die Expertin grundsätzlich am Boden, denn Bodenarbeit, Longieren und Handarbeit sind neben Reiten und Freiheitsdressur wesentliche Säulen im „Straightness Training“. „Ein großer Vorteil der Bodenarbeit ist u. a. das bessere Kennenlernen von Pferd und Reiter. Die Beziehung wird gestärkt. Der Reiter hat die Möglichkeit, sein Pferd gut zu beobachten, und kann gezielter Hilfestellungen geben als vom Sattel aus. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Verfeinern der eigenen Motorik, der Körpersprache und der Druck-/Nachgebe-Technik. Je intensiver der Reiter darin geschult ist, umso schneller findet das Pferd in die Selbsthaltung und kann seinen Teil der Verantwortung übernehmen“, sagt die Ausbilderin.

Hierfür nutzt sie sechs Schlüsselübungen, die als Stufen bezeichnet werden, miteinander verbunden sind und jeweils zur nächsthöheren führen. Stufe 1 ist die laterale Biegung. „Damit ist die gleichmäßige Biegung durch die Wirbelsäule gemeint. Durch das Dehnen der verkürzten Muskeln und das Kontrahieren der langen, schwachen Muskeln wird das Pferd in der Lage sein, sich beidseitig zu biegen“, so Sherman. In Stufe 2 entspannt das Pferd seinen Rücken und sucht die Vorwärts-Abwärts-Haltung als Ergebnis der vorangegangenen Biegung. „Durch Dehnen der Körperaußenseite, streckt sich der Rückenmuskel auf dieser Seite. Ein langer Rückenmuskel kann den Kopf des Pferdes aber nicht oben halten, als Resultat senkt es den Kopf “, erklärt sie.

Jedes Pferd hat eine horizontale Imbalance, da es mehr Gewicht mit der Vor- als mit der Hinterhand trägt


Durch die Biegung wiederum wird die innere Hüfte aktiviert, welche das innere Hinterbein dazu veranlasst, besser unter den Schwerpunkt zu treten (Stufe 3). Es schwingt weiter nach vorne und wird so stärker gebeugt (Stufe 4). „Dadurch ist es in der Lage, Gewicht von den Vorderbeinen aufzunehmen. Das wird durch das Schulterherein unterstützt“, erläutert die Expertin.

Dieses korrekte Untertreten ist Voraussetzung für Stufe 5, dem Beugen des äußeren Hinterbeins durch Kruppeherein bzw. Travers, Renvers und Traversalen. „Kruppeherein verringert beispielsweise den Schub des äußeren Hinterbeines und regt es zur Gewichtsaufnahme an. Das äußere Hinterbein tritt vermehrt unter den Schwerpunkt. Dadurch wird es gebeugt“, so Sherman. Nun sollte das Pferd gelernt haben, seinen Körper entsprechend zu biegen und mit beiden Hinterbeinen individuell unter den Schwerpunkt zu treten, um hinten mehr Gewicht aufzunehmen (Stufe 6). „Erst jetzt können wir das Pferd zum Beugen beider Hinterbeine gleichzeitig anregen, was für die Pirouette, die Piaffe oder auch die Levade benötigt wird“, sagt die Expertin.

Wendig und ausbalanciert

Korrekte Biegung, Vorwärts-Abwärts-Haltung und Seitengänge sind also der Schlüssel zum Erfolg, um die Hauptursache des mangelnden Gleichgewichts beim Pferd, die natürliche Schiefe, zu korrigieren. Schon der französische Reitmeister François Robichon de la Guérinière (1688–1751) hielt die Seitengänge für wichtige Übungen. Damals war die Zielsetzung allerdings eine andere. „Zu Kriegszeiten ging es um Leben und Tod. Je wendiger und ausbalancierter das Kriegspferd war, desto größer waren die Überlebenschancen“, erzählt die Expertin.

Die Biegung und das Kopfsenken sind übrigens ideal für nervöse, ängstliche und hibbelige Pferde, weil sie in ein parasympathisches Stadium kommen, in dem das Adrenalin heruntergefahren wird, merkt die Ausbilderin an. So verwundert es nicht, dass das „Straightness Training“ nicht nur nach einem physischen, sondern auch nach einem psychischen Gleichgewicht strebt. „Nur so lässt sich vieles, auch manchmal Schwieriges oder scheinbar Unmögliches, tatsächlich realisieren. Mental möchten wir ein offenes, fokussiertes, bereitwilliges, freundliches und interessiertes Pferd. Emotional ein entspanntes, ruhiges, selbstbewusstes Pferd, das sich wohl und zufrieden fühlt. Geistig ein Pferd, das seinen Stolz, seine Würde zeigt und ein waches, authentisches Wesen hat“, sagt Sherman.

Nicht im Gleichgewicht: Das Pferd zeigt weder Stellung noch Biegung und fällt auf die innere Schulter


Wichtig ist der Expertin auch, dass der Reiter Wert legt auf eine artgerechte Haltung mit viel Bewegung und sozialen Kontakten, um ein ausgeglichenes Pferd zu haben, das sein Körperbewusstsein im Spiel mit Artgenossen schulen kann. „Zu guter Letzt darf der Faktor Spaß nie fehlen. Man sollte sein Pferd täglich wertschätzen und sich auch über kleine Fortschritte freuen“, so die Ausbilderin abschließend.

UNSERE EXPERTIN

MIRIAM SHERMAN aus Balingen (Baden-Württemberg) ist seit 2016 lizensierte Ausbilderin für das „Straightness Training“. Sie bietet Workshops, aber auch privaten Unterricht im Inund Ausland an.
www.miriamsherman.de

ANZEICHEN FÜR MANGELNDES GLEICHGEWICHT

PROBLEME UNTER DEM REITER

Das Pferd kann Übungen auf einer Seite besser ausführen als auf der anderen
Es legt sich auf den Zügel
Das Pferd fällt in oder aus dem Zirkel
Keine Durchlässigkeit
Ungleiche Anlehnung
Reiter und Sattel rutschen auf eine Seite
Keine Vorwärts-Abwärts-Tendenz
Kein Aussitzen möglich
Taktunreinheiten
Kurze Schritte
Falscher Galopp
Hohe Kopfhaltung

PHYSISCHE PROBLEME UND SYMPTOME

Verwerfen im Genick
Headshaking
Zähneknirschen
Zunge hängt einseitig heraus
Kissing Spines
Schlechtes Fell
Verletzung der Vorhand durch falsche Belastung
Ungleichmäßigkeit in den Gängen
Lahmheiten
Hüft- und Knieprobleme

PROBLEME AUF MENTALER, EMOTIONALER EBENE

Nervosität
Unaufmerksamkeit
Protest
Panik
Bocken
Steigen
Schlechte Laune (angelegte Ohren bei der Ausführung von Übungen)

DAS STRAIGHTNESS-TRAINING- KONZEPT

Mit dem „Straightness Training“ wird das Pferd wieder geradegerichtet


„Straightness Training“ ist eine Art Online-Studium, in dem das Wissen alter Reitmeister wie Antoine de Pluvinel, François Robichon de la Guérinière, François Baucher und Gustav Steinbrecht zusammengefasst ist und mit aufeinander aufbauenden Modulen sowie modernen Konzepten (u.a. Biomechanik, Verhaltensforschung und Lerntheorie) gepaart wird. Mithilfe von Bodenarbeit, Longieren, Handarbeit, Reiten und Freiheitsdressur werden verschiedene Dimensionen der Schiefe mit speziellen Übungen korrigiert. Es kann als zentrale Trainingsmethode betrieben, aber auch parallel als unterstützende oder weiterführende Ergänzung und Gymnastizierung sowie zur Rehabilitation eingesetzt werden. Gründerin des Konzepts ist die Holländerin Marijke de Jong. Mehr Infos aufwww.straightnesstrainingacademy.com.

UNSER EXPERTE

DR. JOSEF KASTNER ist Gründer von „KastnerMotion“. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich der österreichische Bewegungswissenschaftler mit der Biomechanik des Reitens, mit dem Reitersitz und dessen Schulung.
www.kastnermotion.com

DAS KASTNER-MOTION-KONZEPT

„KastnerMotion“ lehrt den Reiter, aufrecht und in der Bewegung des Pferdes zu sitzen


„KastnerMotion“ ist ein Konzept von Sportwissenschaftler Josef Kastner, Ausbilderin Marieke Hübner und Physiotherapeutin Imke Schlömer aus dem Bereich der Bewegungswissenschaften, dessen Wurzeln in der Biomechanik und Bewegungslehre zu finden sind. Grundsätze des motorischen Lernens werden ebenso einbezogen wie Erkenntnisse aus der Trainingslehre. Neben dem Studium der Bewegungsabläufe mittels Videoaufnahmen enthält das Konzept ein spezifisches Übungsprogramm, welches das Reiten effektiv fördert und hilft, körperliche Defizite, die allein durch das Reiten nicht ausgeglichen werden können, nachhaltig zu beheben. Die Übungsreihen beginnen am Boden und werden dann in komplexerer Form auf dem Pferd fortgesetzt.