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GLEITER DER MEERE


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 21.03.2019

Ihr furchteinflößender Anblick täuscht:MANTAROCHEN sind friedlich – und rätselhaft. Die sanften Riesen überraschen Wissenschaftler immer wieder aufs Neue


Artikelbild für den Artikel "GLEITER DER MEERE" aus der Ausgabe 2/2019 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 2/2019

Imposant: Neben dem riesigen Manta wirken die Taucher winzig klein


7 METER
Spannweite können Riesenmantas erreichen

ZUTRAULICH
Die majestätischen Tiere zeigen keinerlei Scheu vor den Tauchern, die sie fotografieren

2 TONNEN
kann ein ausgewachsenes Tier wiegen

AKROBATISCH
Mantas katapultieren sich in spektakulären, bis zu zwei Meter hohen Sprüngen aus dem Wasser

HUNGRIG
Mit seinen Filterlappen siebt der Manta Plankton aus dem Meerwasser

GESELLIG: Riesenmantas leben in kleinen Gruppen zusammen, es gibt aber auch Einzelgänger ...

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GESELLIG: Riesenmantas leben in kleinen Gruppen zusammen, es gibt aber auch Einzelgänger

Die dunkle, bedrohliche Silhouette, die teuflischen Hörner und dazu die schiere Masse: bis zu sieben Meter groß, bis zu zwei Tonnen schwer. Obendrein ist der Riesenmanta auch noch ein ziemlich naher Verwandter der Haie. Eine angsteinflößende Erscheinung. Doch der gewaltige Gleiter der Meere ist in Wahrheit ein ziemlich harmloser Planktonfresser. Nicht einmal einen giftigen Stachel hat er, wie so viele andere Rochenarten. Und er schwimmt sogar fast zutraulich neben Tauchern her – mit geradezu eleganter, gemächlicher Gelassenheit.

Im warmen Wasser vor der Seychelleninsel D’Arros im Indischen Ozean sind die Giganten zu Hause und gleiten in kleinen Gruppen nahe den Stränden durchs Meer. Besonders interessant für Forscher sind die Tiere von unten: Die Bauchzeichnung aus dunklen Flecken jedes Riesenmantas ist absolut einzigartig, eine Art Fingerabdruck der Knorpelfische. Anhand von „belly shots“, Bauchfotos, können Wissenschaftler einzelne Rochen wiedererkennen und so versuchen, ihre Wanderungen nachzuvollziehen. Die Genfer Save Our Seas Foundation hat ein Projekt gestartet, bei dem Taucher die Tiere immer wieder von unten fotografieren. Ihnen dabei ganz nah zu kommen ist überhaupt kein Problem.
Tatsächlich sind die großen Teufelsrochen, zu denen der Riesenmanta und der kleinere Riffmanta gehören, zwar nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht, aber immer in Gefahr. Die Tiere vermehren sich extrem langsam. Nur ein bis zwei Junge bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von 13 Monaten zur Welt, dazu sind sie erst mit fünf Jahren geschlechtsreif und werden nur alle zwei bis drei Jahre trächtig. Unter diesen Voraussetzungen kann die Art schnell aussterben.

VORSTOSS IN DIE TIEFE

Bislang ging man davon aus, dass die großen Mantas und vor allem der Riffmanta sich bevorzugt in flachen, küstennahen Gewässern aufhalten, wo sie das Wasser nach Plankton durchsieben. Dazu fächeln sie sich mit ihren beiden Kopfflossen, die in einer bestimmten Stellung an Teufelshörner erinnern, das Wasser ins Maul und durch Reusen, in denen die Kleinstlebewesen hängen bleiben wie in einem Filter. Neue Forschungsergebnisse legen jetzt aber den Schluss nahe, dass die Riesenmantas durchaus auch in größere Meerestiefen vorstoßen. Für den Nachweis entnahmen Wissenschaftler der Universität im australischen Queensland Gewebeproben aus der Haut der Tiere, die sie auf ganz bestimmte Stoffe unter suchten. Das Verhältnis von Kohlenstoff-zu Stickstoff-Isotopen in der Probe lässt nämlich Rückschlüsse auf die Tiefe zu, aus der die Nahrung der Mantas kommt. Überraschenderweise stammen nur 27 Prozent aus Oberflächenplankton, der Rest aus weitaus tieferen Regionen. „Beobachtungen deuten darauf hin, dass diese Mantarochen bis auf 1400 Meter hinabtauchen, möglicherweise sogar bis in 2000 Meter Tiefe“, sagt Katherine Burgess, die an der Studie beteiligt war. Dort unten, so wird vermutet, könnten die Mantas durchaus auch größere Krebse und Fische aus dem Wasser angeln – ihr Maul wäre dazu jedenfalls in der Lage.

ELEGANT
Die Tiere gleiten gemächlich durchs Wasser, angetrieben von langsamen Flossenschlägen

Wie sie überhaupt ihre Nahrung einfangen, ist ein einzigartiges Phänomen in der Tierwelt, das Wissenschaftlern lange Rätsel aufgab. Der Riesenmanta lässt, wie gesagt, Meerwasser durch sein Maul strömen und filtert verwertbare Nahrung heraus. Doch obwohl seine Kiemenreuse Poren von 340 Mikrometer – also etwa einem drittel Millimeter – Größe hat, hielt sie Salinenkrebseier zurück, die mit nur 275 Mikrometern deutlich kleiner sind. Warum wurden die nicht durch die „großen“ Löcher zurück ins Meer gespült? Ein Team der California State University in Fullerton baute die Reuse mithilfe von Computerprogrammen und 3-D-Druckern nach und stellte fest: Die winzigen Nahrungsteilchen werden nicht vom Wasser durch die Poren geschleust, weil sie an den Filterlappen, die in den Schlund des Mantas ragen, abprallen. Durch dieses „Hüpfen“ von einem zum anderen Lappen bleiben sie in Bewegung, kommen aber nicht wirklich weiter – und werden dann am Ende mit ein bisschen Restwasser verdaut.

VORBILD FÜR DESIGNER

Das Porensieb hält also gar nicht, wie bis dahin angenommen wurde, das Plankton zurück, sondern lässt eigentlich nur das Wasser abfließen. Der größte Vorteil dieser Art von Filterung ist, dass die Poren nicht verstopfen – ein Effekt, der ungeheuer nützlich ist. Die Funktionsweise könnte auf technische Anwendungen übertragen werden und so etwa dafür sorgen, dass Filtersiebe in der Industrie seltener gereinigt werden müssten.

Doch der Manta fasziniert nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Designer – wie der Opel Manta aus den 1970er-Jahren beweist. Angeblich hatten die Autobauer Videos und Fotos des Tierfilmers Jacques Cousteau angesehen. Dass die Meeresbewohner mit bis zu zwölf Stundenkilometern flott unterwegs sein können, war eine schöne Vorlage: Der Manta ist eben nicht nur ein großer, eleganter Fisch, sondern auch ein richtig schneller.


FOTOS: S. 24 – 25: BRANDON COLE; S. 26 – 27: BRANDON COLE (GR.), SKERRY/NATIONAL GEOGRAPHIC STOCK; S. 28 – 29: DAVID FLEETHAM, VILLOCH/MAURITIUS IMAGES, DPA PICTURE-ALLIANCE