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GÖTTER, PFERDE UND KENTAUREN


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Antike Welt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 22.07.2022

Bereits in den ältesten Schriften der griechischen Kulturgeschichte, den homerischen Epen Ilias und Odyssee, tritt das Pferd um 750 v. Chr. prominent auf. Am bekanntesten ist das Trojanische Pferd, mit dessen Hilfe die Griechen Troja durch eine List eroberten. Sie täuschten nach 10-jähriger erfolgloser Belagerung der Stadt ihre Abreise vor und ließen ein hölzernes Pferd am Strand zurück. In diesem vermeintlichen Weihgeschenk an die Göttin Athena verbargen sich Griechen, die, nachdem das Pferd von den Trojanern in die Stadt gebracht worden war, nachts aus diesem herauskrochen. Sie ließen dann die anderen Griechen in die Stadt und die Zerstörung Trojas nahm ihren Lauf (Abb. 1).

Bei Homer sind Pferde immer wieder präsent. Sie traten vor Troja zumeist als Gespannpferde auf, denn homerische Helden nutzten Streitwagen, um auf das Schlachtfeld zu gelangen. Geritten wurden Pferde nur in Ausnahmefällen, ...

Artikelbild für den Artikel "GÖTTER, PFERDE UND KENTAUREN" aus der Ausgabe 4/2022 von Antike Welt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Antike Welt, Ausgabe 4/2022

Abb. 1 Das Trojanische Pferd wird in die Stadt Troja geholt, Wandgemälde aus der Villa Arianna in Stabiae, Archäologisches Nationalmuseum Neapel.
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... etwa auf der Flucht. Gespanne wurden als vornehmer empfunden. Pferdegespanne sind auch bei Leichenspielen belegt, so bei den von dem griechischen Helden Achilleus für seinen Freund Patroklos gegebenen, die auf einer Hydria des späten 6. Jhs. v. Chr. gezeigt werden. Solche sportlichen Wettkämpfe fanden sowohl im Götterkult wie im Totenkult statt.

Eine weitere wichtige Pferdegottheit war nämlich Athena, in der Antike eine Göttin der Wissenschaften und der Fertigkeiten. Der frühgriechische Dichter Pindar berichtet (Pind. O. 13,64–86), dass der Held Bellerophon vergeblich versucht habe, den Pegasos zu zähmen, und es gelang ihm erst, nachdem er am Altar der Athena in Korinth geschlafen hatte und ihm in einer göttlichen Traumvision die Göttin erschienen war und goldenes Zaumzeug gezeigt hatte. Im Anschluss daran zähmte Bellerophon den Pegasos und opferte der Athena am Altar des Poseidon in Korinth (Abb. 3). Nachdem der Held das Flügelpferd unter Kontrolle gebracht hatte, schwang er sich auf zu ruhmreichen Taten, bekämpfte das monsterhafte Mischwesen Chimaira und zog gegen die Amazonen in den Krieg. Insbesondere im Kampf gegen die Amazonen bewährte sich das neue Reittier, denn das kriegerische Frauenvolk war bekannt für seine Beherrschung der Pferde, sowohl als Reit- wie als Gespanntier. So eröffnet sich im Mythos in der Folge der Zähmung des Pegasos die ganze Welt der Pferde.

Die Tradition, die Athena und die Zähmung des Pegasos verbindet, zeigt sich auch auf Münzen der Stadt Korinth, die auf der Vorderseite das geflügelte und gezügelte Pferd und auf der Rückseite den Kopf der Göttin Athena mit Helm zeigen. Doch auch in Athen ist die Tradition der Athena und des Pegasos lebendig. Bei der berühmtesten Statue der Göttin auf der Akropolis, der Athena Parthenos des Phidias, trägt sie zwei Flügelpferde am Helm, die auf die zähmenden Fähigkeiten und technischen Fertigkeiten der Göttin verweisen.

Die Verbindung der Athena zu Pferden muss auch im Zusammenhang mit einem der bekanntesten Monumente der griechischen Antike berücksichtigt werden, dem Parthenonfries, der 442–438 v. Chr. den Tempel der Athena Parthenos auf der Athener Akropolis zierte. Der Fries zeigt unterschiedliche Etappen einer religiösen Prozession, die anlässlich des Athenafestes der Panathenäen veranstaltet werden. Unter den Prozessionsteilnehmern ist auch ausgiebig die athenische Reiterei dargestellt sowie der Wettkampf der sog. Apobaten, bei denen Bewaffnete von fahrenden Streitwagen ab- und aufspringen.

Doch es sind nicht nur der Gott Poseidon und die Göttin Athena, denen Pferde zugeordnet wurden. Auch Hera, die Gemahlin des Zeus, wurde als Hera Hippia verehrt. Und es ist bezeichnend, dass ein bedeutendes Heiligtum der Hera, jenes in Argos auf der Peloponnes, in einem Gebiet mit traditionsreicher Pferdezucht lag. In der Ilias wird Argos als das «rossenährende» bezeichnet, was unterstreicht, dass die Stadt weithin berühmt für Pferde ist. Dort sollen bis in die Zeit Alexanders des Großen auch Pferde gehalten worden sein, die von den berühmten Rossen des Thrakerkönigs Diomedes abstammten. Diese waren menschenfressende Pferde, die von Herakles gebändigt und dann der Hera geweiht wurden.

Pferde der Götter

Verschiedene griechische Gottheiten nutzten Pferde für hoheitsvolle Gespanne. Neben den bereits erwähnten Poseidon, Hera und Athena, waren es auch Zeus, Nike/Victoria und Dionysos, die gerne ein Pferdegespann nahmen, um auszufahren. Mit dem Pferdegespann auf das Engste verbunden war der Sonnengott Helios/Sol, der damit aufsteigt und den Himmel durchfährt (Abb. 4). Auf antiken Bildzeugnissen wird sein von Pferden gezogener Sonnenwagen sehr häufig abgebildet. Eine künstlerisch herausragende Wiedergabe findet sich im Ostgiebel des Parthenon von Athen, in dem im Zentrum die Geburt der Göttin Athena dargestellt wird.

Die Geburt fand im Olymp statt und es waren weitere Gottheiten anwesend. Gerahmt wird die Szene links von dem aus dem Ozean aufsteigenden Sonnengott Helios mit seinem Pferdegespann und rechts von seinem weiblichen Pendant, der Mondgöttin Selene, die mit einem Pferdegespann in den Ozean absteigt. Auch wenn die Skulpturen des Giebels stark zerstört sind, so sind doch einige der Pferdeköpfe gut erhalten, darunter jener berühmte Pferdekopf im Britischen Museum in London, der aufgrund seiner außerordentlichen Qualität, Lebendigkeit und Kraft von Johann Wolfgang von Goethe als das «Urpferd» bezeichnet wurde.

Auch weitere griechische und römische Götter waren mit Pferden verbunden. Dabei ist bemerkenswert, dass die nicht-olympischen Gottheiten nun auch als Reiter dargestellt wurden und ihnen nicht ausschließlich das vornehme Wagenfahren vorbehalten war. Die beiden Zwillinge Kastor und Polydeukes (Castor und Pollux) waren Reitergottheiten par excellence, die als Dioskuren bezeichnet wurden (Abb. 5). Sie sind Schutzgottheiten der Seefahrt und der Reiterei und wurden somit häufig zu Pferde abgebildet. Diese zeigten an, dass die beiden Helfer plötzlich erscheinen und sowohl in Kriegsnot wie in Seenot helfend eingreifen konnten. Sie waren Schlachtenhelfer und wurden beritten mit Helmen und Speeren dargestellt. In ihrer Funktion als Schlachtenhelfer wurden sie insbesondere in Rom und Italien verehrt, wo sie siegreichen Armeen in größter Not erschienen, so z. B. den Römern im ersten Latinerkrieg bei der Schlacht am See Regillus 496 v. Chr. In dessen Folge wurde der Dioskurentempel auf dem Forum Romanum in Rom gebaut, und zwar an einer Stelle, an der das Brüderpaar an der Quelle der Iuturna ihre Pferde getränkt haben sollen. Diese Tradition unterstreicht ein weiteres Mal die enge Beziehung von Quellen und Pferden in sakralen Kontexten.

Schnell eingreifende göttliche Helfer

Göttliche Reiter eigneten sich in ganz besonderer Weise, schützend zu wirken. So fanden sich in der griechischen und römischen Welt verschiedene Reiterheroen und Reitergötter, die insbesondere von individuellen Schutzsuchenden angerufen wurden und von denen zahlreiche Reliefs und Weihungen überliefert sind. Eine vergleichbare Form der Überhöhung durch Pferde findet sich auch im Privatbereich, wenn heroisierte Verstorbene mit einem Pferd dargestellt und in einer Tempelarchitektur gezeigt werden, wie bereits auf unteritalischen Grabvasen des späten 4. Jhs. v. Chr. Unter den berittenen Schutzgöttern ist in der Römischen Kaiserzeit der sog. Danubische Reiter gut bekannt. Er genoss eine weite Verbreitung im Balkanraum und bei ihm trug sicher auch der Aspekt der potentiellen Schnelligkeit der erscheinenden Hilfe zu seiner Popularität bei. Solche göttlichen Helfergestalten zu Pferde leben auch in christlicher Zeit fort, wie etwa der Reiterheilige St. Georg eindrücklich belegt.

Der Danubische Reitergott war eine von der vorgriechischen und vorrömischen Bevölkerung verehrte Gottheit auf dem Balkan, die unter griechischrömischem Einfluss hellenisiert wurde. Eine weitere Gottheit der Pferde ist die ursprünglich in den römischen Nordwestprovinzen verehrte Göttin Epona, die eine keltische Göttin der Fruchtbarkeit war und sich im Römischen Reich verbreitete. Sie wurde auf Weihreliefs als sitzende Göttin flankiert von Pferden oder sogar im Damensitz auf einem Pferd reitend gezeigt. Die Popularität dieser Göttin, die auch von römischen Soldaten verehrt wird, unterstreicht die enge Verbindung weiblicher Gottheiten zu Pferden, die im alten Griechenland bereits im Zusammenhang mit Athena und Hera beobachtet werden konnte.

Pferdemischwesen

In der Antike gab es unterschiedliche Mischwesen, oft monsterhaften oder ungestümen Charakters. Pferde waren darunter auch zahlreich vertreten. Der Pegasos ist das bis heute wohl bekannteste antike Pferdemischwesen. Doch sind auch weitere mythologische Gestalten zu nennen, darunter die Kentauren, die vorne Mensch und hinten Pferd waren und einen ambivalenten Charakter hatten. Unter ihnen gab es sowohl den gebildeten Erzieher Chiron wie auch lüsterne Trunkenbolde, die eine griechische Hochzeitsgesellschaft überfielen. Als animalisch charakterisiert sind auch die Satyrn, die Begleiter des Dionysos, die fast vollständig menschengestaltig waren, aber hinten einen Pferdeschweif hatten, womit ihr wildes Wesen gezeigt wurde.

Hippokampen wiederum waren Seepferde, die vorne Pferd und hinten Seewesen mit Flossen waren. Sie waren Begleittiere des Poseidon und drückten vielleicht die ungestüme Kraft und Wildheit des Meeres aus.

Ein weiteres Mischwesen mit «Pferdebeteiligung» war der Hippalektryon, das ein Pferdevorderteil hatte und hinten ein Hahn war. Dieses seltene griechische Mischwesen gehört zu den rätselhaftesten Gestalten der griechischen Mythologie und verbindet vielleicht die Schnelligkeit des Pferdes mit der Kampfeslust des Hahns. Alle diese in Mythen integrierten Mischwesen unterstreichen die intensive Auseinandersetzung mit dem Charakter von Pferden in der griechischen Antike.

Pferdeopfer?

In Griechenland wurden Pferde nur in Ausnahmefällen geopfert. Belegt sind Pferdeopfer für Poseidon, für den man in Argos Pferde ertränkt hat.

Solche Pferdeopfer wurden auch von Seeleuten für eine sichere Schifffahrt durchgeführt. Doch insgesamt waren Pferde – anders als etwa Schweine, Schafe und Rinder – keine geläufigen Opfertiere griechischer Religionspraxis. Vor Troja opfern die Trojaner Pferde, was von den Griechen als barbarisch angesehen wird. Wenn Pferde geopfert werden, dann hatte dies oft mit Totenkult oder Riten im Zusammenhang mit Schwüren zu tun.

In Rom gab es allerdings ein blutiges Pferdeopfer für den Kriegsgott Mars. Es handelt sich um den sog. Equus October, also das Oktoberpferd.

Dazu wurden an den Iden des Oktobers, also dem 15. Oktober, Wagenrennen mit Zweigespannen auf dem Marsfeld außerhalb von Rom abgehalten. Das rechte Pferd des Siegergespannes wurde danach geopfert, indem es von dem Oberpriester des Mars mit einem Speer getötet wurde.

Man schnitt dann Kopf und Schweif ab. Um den Pferdekopf, der mit Broten geschmückt wurde, kämpften die Bewohner zweier Stadtteile von Rom.

Der Schweif, aus dem noch Blut tropfte, wurde in der Regia auf dem Forum Romanum über das Feuer gehalten.

Ursprung und Funktion dieses altertümlichen und befremdlichen Rituals sind unbekannt. Vielleicht hing es mit Fruchtbarkeitsriten zusammen.

Pferde in Olympia

Das Zeusheiligtum von Olympia auf der Peloponnes war Ort sportlicher Wettkämpfe, darunter auch sog. hippischer Agone, also Pferderennen (Abb. 6). Diese Wettkämpfe, bei denen sowohl um die Wette geritten als auch Gespann gefahren wurde, fanden in der Pferderennbahn, dem Hippodrom, statt. Aus heutiger Perspektive werden solche olympischen Wettkämpfe gerne auf eine sportliche Dimension reduziert, doch waren sie in der Antike zunächst einmal kultische, also religiöse Feiern. Als solche sind sie durchaus mit den Leichenfestspielen für den homerischen Helden Patroklos oder den jüngeren Apobaten-Wettkämpfen bei den Panathenäen in Athen vergleichbar. In Olympia war das Pferd aber darüber hinaus in einen größeren mythologisch-religiösen Sinnzusammenhang integriert. Die hippischen Agone wurden nämlich zurückgeführt auf ein Wagenrennen, das der mythische König Oinomaos, der über das Gebiet von Olympia herrschte, gegen die Freier seiner Tochter Hippodameia (die «Rossezähmerin») fuhr. Seine schnellen Pferde hatte Oinomaos von seinem Vater, dem Kriegsgott Ares, erhalten, der in Olympia auch als Ares Hippios verehrt wurde. Wer gegen Oinomaos im Pferderennen verlor, wurde getötet. Erst der Held Pelops, nach dem die Peloponnes benannt ist, gewann in dem Rennen und wurde so selbst König und Gatte der Hippodameia. Er wurde im Heiligtum von Olympia an einem prominenten Ort in einem Heroon verehrt. Der Mythos ist im Ostgiebel des Zeustempels von Olympia verewigt und zu einem sinnstiftenden Gründungsmythos des Heiligtums sowie seiner sportlichen Wettkämpfe geworden. In Olympia wurden Zeus und Hera verehrt und unter den reichen Weihgeschenken, die bei den Ausgrabungen im Heiligtum gefunden wurden, befinden sich zahlreiche Bronze- und Tonstatuetten von Pferden, die in das 9. bis 7. Jh. v. Chr. datiert werden. Möglicherweise waren diese Weihgeschenke an Hera als Schützerin der Pferde adressiert. Im Hippodrom von Olympia hatte Hera Hippia ebenso wie Poseidon Hippios einen Altar in der Mitte der Startanlagen und schützte so Tier und Mensch bei den gefährlichen Rennen.

Göttliche Pferde

In der griechischen und römischen Antike waren Pferde vielfältig und wie keine anderen Tiere in Kulte und Mythen integriert (Abb. 7). Mehrere Gottheiten widmeten sich ihrem Schutz und ihre Wertschätzung zeigt sich auch darin, dass Pferde als Opfertiere nur in Ausnahmefällen bekannt sind. Bemerkenswert ist auch, dass die Tiere sich immer wieder in Grenzbereiche zum Göttlichen begeben, sei es als Mischwesen, sei es als Akteure göttlichen Willens. Einige dieser besonderen Pferde verfügen über übertriebene oder unnatürliche Eigenschaften: sehr hohe Geschwindigkeit, Fliegen oder Menschenfressen. Diese Pferde waren den Göttern nahe und manche Pferde wurden sogar selbst göttlich wie die in hellenistischer Zeit immer wieder mit Königen assoziierten Pferde, die Hörner als Zeichen ihrer Göttlichkeit aufwiesen. Eine solche sakrale Überhöhung ist religiöser Ausdruck der bleibenden Faszination Pferd.

Adresse der Autoren

Prof. Dr. Achim Lichtenberger

Westfälische Wilhelms-universität Münster

Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie/Archäologisches Museum

Domplatz 20–22

D-48143 Münster

Dr. H.-Helge Nieswandt

Westfälische Wilhelms-universität Münster

Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie/Archäologisches Museum

Domplatz 20–22

D-48143 Münster

Bildnachweis

Abb. 1. 7: akg-images / De Agostini Picture Lib. / G. Dagli Orti: 2: akg-images; 3: Heritage Images / CM Dixon / akg-images; 4: akg-images / rabatti & Domingie; 5. 6: akg-images / Nimatallah.

Literatur

E. SIMON, Pferde in Mythos und Kunst der Antike (2006).

C. WILLEKES, The Horse in the Ancient World. from Bucephalus to the Hippodrome (2016).

L. WINKLER-HORAČEK, Monster in der frühgriechischen Kunst. Die Überwindung des unfassbaren, Image & Context 4 (2015).

N. YALOURIS, Athena als Herrin der Pferde, in: Museum Helveticum 7.1 (1950) 19–64; 7.2 (1950) 65–101.