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Gogo Ekhaya Esima: Das Heilwissen der Sangoma


Tattva Viveka - epaper ⋅ Ausgabe 82/2020 vom 01.03.2020

Die Behandlung von Traumata und psychischen Krisen durch spirituelle Weisheit


Sangoma sind afrikanische spirituelle HeilerInnen, die mit Ahnen und Geistwesen kommunizieren und in Traum- und Trancezuständen Lösungen für Probleme in den Bereichen Psyche, Gesundheit, Beziehungen und Lebensalltag finden können. Vieles, was in der westlichen Medizin als psychische Krankheit angesehen wird, ist eine erste geistige Öffnung für diese Bereiche. Mit der unterstützenden Begleitung durch Sangoma-PraktikerInnen können diese Energien in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Jede/r HeilerIn durchlebt als Teil der ...

Artikelbild für den Artikel "Gogo Ekhaya Esima: Das Heilwissen der Sangoma" aus der Ausgabe 82/2020 von Tattva Viveka. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Tattva Viveka, Ausgabe 82/2020

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... Initiation eine schamanische Krise.

RONALD: Hallo zusammen! Heute sind wir stolz, Gogo Ekhaya hier bei uns zu haben. Sie ist eine Sangoma-Heilerin, die in den USA lebt und Wissen über afrikanische Spiritualität vermittelt. Bitte erzähle uns am Anfang, was ist deine Geschichte? Wie haben die Sangoma-Lehren dich gefunden und wie gestaltete sich deine erste Begegnung mit der Sangoma-Spiritualität?

GOGO: Zunächst möchte ich meine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen, dass ich hier bin und zu diesem Interview eingeladen wurde, sowie für die universelle Ausrichtung, die sich hier ereignet. Ich war schon immer sehr neugierig, und ich glaube, es war eine innere Neugier, die mich zur Spiritualität hinzog. Zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben litt ich unter vielen psychischen Störungen. Aber ich war auch eine Suchende. Also schaute ich mir verschiedene Wege an, um meine Erfahrungen zu verarbeiten.

Auf meiner Suche traf ich auf eine schöne Frau, die zufällig eine Sangoma war. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutete, aber ich wusste, dass mich etwas zur Natur und zum Schamanismus rief.

Als ich mich auf die Suche machte, hörte ich also dieses Radiointerview mit einer Sangoma-Priesterin, Yeye Gogo Nana, die wie ich in den USA lebte und über ihre Geschichte sprach. Ich konnte mich damit sehr gut verbinden. Ich entschied mich, bei ihr eine Ahnenweissagung, eine Art Orakel-Lesung, zu machen. Diese Lesung dient dazu, die von der Person gewünschten Informationen über ihr Leben zu identifizieren und herauszufinden, wohin sie sich wenden soll. Ich bekam eine solche Weissagung von ihr, und es war ziemlich erstaunlich. Sie erzählte mir alles über mein Leben, obwohl sie nichts über mich wusste. Wir sprachen miteinander via Skype. Sie erzählte mir so vieles in Bezug auf das, was ich durchgemacht hatte, was ich erlebt hatte, obwohl sie nur meinen Namen kannte. Am Ende dieses Gesprächs sagte sie mir, dass ich auch den Ruf hätte,


Krankheit wird als eine Art Ungleichgewicht angesehen.


Priesterin zu werden. Das berührte mich, denn es war eine der Fragen, die ich vorab notiert hatte, und sie hat mir all diese Dinge beantwortet.

Das war der Beginn meiner Reise, denn ich wusste, dass es eine Saite in mir anschlug. Ich wusste, dass dies in meinem Geist nachklang. Das Erstaunlichste an diesem Gespräch war, dass sie sagte, ich sei nicht verrückt. Das war das erste Mal, dass ich, die ich mich so lange in psychiatrischer Behandlung nach dem westlichen medizinischen Modell befunden hatte, das hörte. Das war für mich ziemlich befreiend.

RONALD: Das ist so wunderbar.

SASKIA: Kannst du erklären, was Sangoma bedeutet und was das Besondere an dieser schamanischen Tradition ist?

GOGO: Sangoma sind traditionelle Heiler in der Region des südlichen Afrikas, also in Südafrika, Swasiland und Mosambik. In verschiedenen Gebieten werden die Heiler Sangoma oder Inyangas genannt. Die Inyangas sind Menschen, die mit uMuthi, den Kräutern, arbeiten. Sie sind Kräuterkundige. Sangoma arbeiten mit Geistern, Ahnengeistern und auch mit Medizinpflanzen sowie mit allen Elementen der Erde, der Luft, des Feuers, des Wassers und der Ahnen. Daher werden die Sangoma auch das Volk der Trommel genannt. Wir arbeiten in Form von Zeremonien, Ritualen. Wir arbeiten eng mit den Ahnenwächtern zusammen, die uns zeigen, wie man heilt, wie man mit den Elementen in Beziehung tritt und mit ihnen kommuniziert, wie man mit der Gemeinschaft arbeitet, wie man Probleme löst. Wir suchen diesen Rat bei unseren AhnenführerInnen, die uns in der Tradition zum Priester oder zur Priesterin berufen haben.


Die Verwundung muss in Übergangsriten verarbeitet werden, um das zu werden, was man wirklich ist, nämlich ein Heiler.


Die Berufung, ein/e Sangoma zu werden, geht normalerweise von Vorfahren aus, die dich gewählt haben, die manchmal in deiner Blutlinie stehen, manchmal auch nicht, und dich auf diesem Weg führen. Einige dieser Geister mögen zu Lebzeiten ein/e Sangoma gewesen sein und wollen das Geschenk an ihre Tochter, Enkelinnen und Verwandten weitergeben. So treten Sangoma in diesen Raum der Ahnenheilung ein, um die Heilung der Gemeinschaft zu erleichtern. Sangoma sind zudem Experten für das Hören und Sehen von Stimmen, die Gaben können vielfältig sein. Aber auf jeden Fall nutzen wir die Hochsensitivität unserer Sinne, um auch mit Geistern kommunizieren zu können.

RONALD: Eines deiner Hauptthemen ist die Behandlung von psychischen Erkrankungen. Was sind deine Ansichten über die Behandlung von psychischen Erkrankungen in der westlichen Medizin und wie stehen die indigenen Kulturen dazu?

GOGO: Das ist sehr interessant, denn als ich mich auf die Suche nach dem Schamanismus machte, stieß ich etwa zur gleichen Zeit auf ein Buch des traditionellen Heilers Malidome Somé aus Westafrika. Das war ein entscheidender Moment, der mein Leben in Bezug auf die Existenz von etwas anderem außerhalb unserer Alltagsrealität veränderte. Ich habe das Gefühl, dass es sehr ähnlich ist wie das, was passiert wäre, wenn ich in einer Stammesgemeinschaft gewesen wäre und die Erfahrungen gemacht hätte, die ich damals mit Hochsensibilität gesammelt hatte. Ich hatte taktile Empfindungen oder Energien von Wesen gefühlt, die andere Menschen vielleicht nicht sehen konnten.

Das Erste, was sich mir eröffnete, war, meinen verstorbenen Vater zu sehen. Wir hatten eine wirklich traumatisierte Beziehung gepflegt, und wenn er auftauchte, war das eine sehr beängstigende Situation. Für mich war es eine isolierende Erfahrung, Geister zu sehen, die vor mir standen, als wären sie wirklich da, lebendig. Wenn ich in einer Stammesgemeinschaft wäre und das erleben würde, könnte ich direkt zu einem Sangoma oder Heiler gehen, und sie könnten mir sagen: »Oh, okay, das ist der Grund, warum dein Vater auftaucht. Das ist es, was die Zeremonie braucht. Du hast eine sehr schöne Gabe, die es zu erforschen und auszudrücken gilt.« Wenn man aber in den USA lebt und diese Erfahrungen macht, denkt man als Erstes: »Oh meine Göttin, ich bin verrückt, ich muss zu einem Therapeuten, ich muss zu einem Arzt.« Das war es, was ich getan habe. Ich suchte einen Arzt auf, um mich behandeln zu lassen. Aber ich wollte nur einen Teil meiner Reise mit ihnen teilen, denn ich merkte, dass der Fachmann mir gegenüber umso misstrauischer wurde, je mehr ich teilte. Vielleicht wollte ich nicht, dass mir etwas Schwerwiegenderes diagnostiziert wird als das, was mir bereits zugeschrieben worden war, nämlich eine schwere depressive Störung, ein posttraumatisches Belastungssyndrom und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. All diese Dinge kamen auf mich zu, und ich dachte: »Was ist, wenn ich noch mehr teile und es wird Schizophrenie oder etwas noch Schlimmeres daraus, und ich werde mehr Medikamente nehmen müssen?« Durch die Linse der Spiritualität sind wir in der Lage, die Ursache des Problems spirituell zu betrachten.

Warum machen Menschen diese Erfahrungen? Es sind die Vorfahren, die in ihrem Leben auftauchen, weil sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Ich wusste, dass mein Vater im Nachhinein ebenfalls Hilfe brauchte, und ich musste diese Beziehung zwischen uns heilen. Das hatte mich im Leben immer erstickt, eine Schwere und eine dunkle Wolke über mir, meiner Energie und meinem Geist verursacht. Ich nutzte die gesamte westliche Medizin. Zu dieser Zeit nahm ich etwa elf Medikamente ein, weil die Ärzte verschiedene Dinge ausprobierten. Sie versuchten, mehrere Probleme innerhalb und außerhalb der psychiatrischen Einrichtungen und langer Aufenthalte zu lösen. Wenn ich in einer Stammesgesellschaft gewesen wäre, wären diese Dinge vermutlich anders behandelt worden. Ich hatte großes Glück, dass ich irgendwann dieser Situation entrann und einen anderen Weg fand, meine Erfahrungen zu verarbeiten und zu heilen.

RONALD: Sehen die Sangoma das als eine Krankheit an?


Die indigene Art und Weise besteht darin, die Dinge zu betrachten, sich zu beruhigen, still zu sitzen, die Älteren und Lehrer zu beobachten und zu sehen, wie die Dinge getan werden.


GOGO: Nein, ich meine, es wird als eine Art Ungleichgewicht angesehen. Die Frage ist: Wie können wir die Dinge wieder ins Gleichgewicht bringen? Wie können wir deine Energie wieder ins Gleichgewicht bringen? Was hat sie dazu veranlasst, aus dem Gleichgewicht zu geraten? Für mich war es ein Trauma, und das ist oft der Fall. Ich habe schon als kleines Kind ein sexuelles und ein körperliches Trauma erlitten. Das Aufwachsen, ohne zu wissen, wie man diese Dinge loslassen kann, ohne zu wissen, wie man sich um sich selbst kümmert, ohne zu wissen, wie man diese spezifischen Traumata heilen kann, führte - wenn ich es jetzt aus spiritueller Sicht betrachte - zu einer Öffnung dieser Wunden. Sie wurden offen und verwundbar für andere Energien, die zu diesem ersten Missbrauch passen. Um diese Verletzungen auf spiritueller Ebene zu heilen, musste ich einen Blick auf die Wunde und auf all die »Bakterien«, die von ihr angezogen wurden, werfen und sie dann reinigen. Dadurch begann ich, die Wunden zu vernähen und sie zu pflegen, um sicherzustellen, dass sie nicht durch andere Energien, die zu dieser Zeit eintraten und die wiederum Probleme für mich schaffen konnten, verwundbar waren. Ich denke, dass all dies auf therapeutischer und spiritueller Ebene getan werden kann. Aber es ist ein Prozess, der den ganzen Menschen betrifft. Also gab es Dinge, die ich aus der westlichen Medizin mitgenommen habe, die sehr positiv für mich waren. Aber die Medizin der schamanischen Arbeit brauchte ich für meinen Lebensweg und mein Schicksal.

SASKIA: Du hast einen Notfall erwähnt, der eine psychische Krise verursachte. Das ist auch als schamanische Krise bekannt. Traditionell muss eine Person, die Schamane oder Heiler wird, eine Krise durchmachen, um ihre Angelegenheiten durchzuarbeiten und Wege zur Heilung zu finden. Wie hängt diese psychologische Krise mit der Erleuchtung oder dem Erwachen und dem Schamanentum zusammen? Ist die Krise eine Voraussetzung für eine schamanische Initiation?

GOGO: Ja, absolut. Der Begriff, der mir für mich hier passt, ist »Erwachen«: aus einem dunklen Schlaf aufwachen und dann aufdecken, was in dieser Dunkelheit verborgen ist, und mit den Augen blinzeln, bis sie sich öffnen können. Ich habe das Gefühl, wir gehen in das Erwachen und dann wieder heraus, wir gehen manchmal wieder in den Schlaf, wachen wieder auf und so weiter. Das ist für uns ein Prozess, was die Heilung betrifft. Nicht jede Person, die eine schamanische Berufung hat, durchläuft denselben Prozess. Ich habe Freunde, die an sehr körperlich geprägten Krankheiten litten, und es geschah etwas in ihrem Körper, das sie dorthin führte, wo kein westlicher Arzt verstehen konnte, was geschah oder was ihnen bei der Genesung helfen konnte. Aber sobald sie sich einer schamanischen Tradition zuwandten oder zu einer Sangoma gingen, konnten sie durch eine oder mehrere verschiedene Zeremonien einfach geheilt werden. Die Berufung kann geistiger Art sein, sie kann sehr spirituell sein, sie kann durch viel Pech im Leben geschehen, das einem immer wieder zustößt, und von dem man nicht versteht, warum es passiert.


Man muss durch diese Krise gehen, um herauszufinden, was Heilung bedeutet, und einen Weg aus der Krankheit heraus zur Genesung zu finden.


Um aus einer Verwundung herauszukommen, muss Folgendes gegeben sein: Die Verwundung muss in Übergangsriten verarbeitet werden, um das zu werden, was man wirklich ist, nämlich ein Heiler. Der Prozess war definitiv, dass ich zu meiner Bestimmung aufgewacht bin, zu dem, was ich bin, und dass ich in der Lage bin, durch diese Schatten und dunklen Bereiche der Krankheit zu navigieren, sodass ich herauskommen kann und in die Lage versetzt werde, mit meiner Gemeinschaft in eine neue Beziehung zu treten. Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich nun auch der Gemeinschaft dienen.

RONALD: Ja, das ist der Punkt. Man muss durch diese Krise gehen, um herauszufinden, was Heilung bedeutet, und einen Weg aus der Krankheit heraus zur Genesung zu finden. Dann kann man ein Heiler werden. Ich denke, das ist der allgemeine Weg der schamanischen Weisheitsreise, und wir wissen, dass sie in verschiedenen Traditionen und Kulturen ähnlich ist. Es könnte eine anthropologische Größe sein, etwas, was mit Menschen im Allgemeinen geschieht. Meine Frage ist nun aber, ob die afrikanische Spiritualität etwas Spezifisches beinhaltet. Gibt es besondere Aspekte für dich, die dir helfen, deine Verbindung zur Quelle der Göttlichkeit zu finden?

GOGO: Ich reiste um die ganze Welt und machte mich mit schamanischen Traditionen vertraut. Mir wurde klar, dass es keine Trennung gibt, es existieren viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Ein Aspekt, den ich an der Sangoma-Tradition schätze, sind die vielen Arten, auf die wir uns mit unseren Vorfahren und Geistern verbinden. Einer meiner Lieblingswege ist das Innere der Traumwelt und die Möglichkeit, Träume zu empfangen. Der Prozess der Initiation basiert normalerweise auf deinen Träumen. Man geht erst dann auf die nächste Ebene der Medizin oder auf die nächste Ebene seiner Erfahrungen, wenn man bestimmte Träume hatte. Nur dein Lehrer oder die Ältesten der Gemeinschaft wissen, wie diese Träume aussehen und wie sie zu interpretieren sind.

Das Schöne für mich persönlich war die Erfahrung, dass mir in meinen Träumen oder im Zustand der Vision bestimmte Dinge mitgeteilt wurden und ich sie dann den Ältesten meiner Gemeinschaft gegenüber zum Ausdruck brachte und sah, in welchem Maße das mit der Erfahrung der Initiation verbunden war. Das ließ mich zu einer wahren Sangoma-Praktizierenden werden. Die Traumwelt ist wirklich schön und wichtig.

Darüber hinaus liebe ich all die Zeremonien. Beispielsweise halten wir eine besondere Zeremonie ab in der Linie, aus der ich komme, die »Gitta«- Zeremonie. Ein geheimer Tanz wird vollführt, um in einen Trancezustand zu gelangen, sodass wir uns mit der Gemeinschaft verbinden, Botschaften in die Gemeinschaft bringen und auch uns selbst in der Gemeinschaft heilen können. Auch diese Dinge werden überall auf der Welt getan. Überall, wo ich den Dingen auf den Grund ging, finden sich in allen Traditionen die gleichen Praktiken, und ich liebe es, diese Verbindungen zu sehen.

SASKIA: Besteht ein Unterschied zwischen der westlichen und der afrikanischen Weltanschauung?

GOGO: Ja, das ist mir bei meiner eigenen Initiation aufgefallen. Meine Lehrerin, die ebenfalls hier in den USA geboren wurde, teilte mit mir ihre Erfahrung, dass ihre Vorfahren und ihre Linie sie dazu aufgerufen hatten, nach Afrika zu gehen, um die Erinnerung und die Traditionen aufzugreifen. Ich denke, der Unterschied zwischen dem westlichen und dem indigenen Denken besteht u. a. darin, dass ich loslassen muss, für wen ich mich halte. All die Dinge, die sich bis zu diesem Moment als meine Identität angesammelt haben - ich bin Mutter von drei Kindern, ich bin erwachsen, alles, was ich getan habe -, alle diese Erfahrungen musste ich loslassen, um etwas Neues, aber auch etwas Altes aufzunehmen, das sich in mir, in meiner DNA, in der Erinnerung meiner Vorfahren befand. So wurde ich wieder ein »Baby«, das die Welt mit neuen Augen betrachtet. Ich bemerkte, dass wir im westlichen Denken viel über Fragen und Antworten nachdenken, über die Frage »Oh, warum tun wir das, wozu ist das gut?« usw. Die indigene Art und Weise besteht darin, die Dinge zu betrachten, sich zu beruhigen, still zu sitzen, die Älteren und Lehrer zu beobachten und zu sehen, wie die Dinge getan werden. Um auf diese Weise zu lernen, ist eine Menge Kommunikation vonnöten. Das ist einer der Unterschiede, die ich sehe.


Die Traumwelt ist wirklich schön und wichtig.


Ich sehe auch nicht nur in Afrika, sondern überall auf der Welt den Unterschied darin, den Intellekt in den Herzraum zu bringen und demütig zu werden. Ich war kürzlich in Thailand und die Art und Weise, wie sich die Menschen begrüßen, ist nicht nur ›Hallo‹, sondern sie falten die Hände und beugen jedes Mal den Kopf. Wenn man sich verabschiedet, tun sie das auch. Es ist so schön, diese Verbindung und diese Demut zu sehen. Auch in Afrika sagen wir zu jemandem, der einen spirituellen Status in der Gemeinschaft hat, ›Thokoza‹, und klatschen auf eine ganz bestimmte Art in die Hände. Ich schätze das sehr als eine Erinnerung daran, was Demut ist und wie man das Gleichgewicht von mentalem Aspekt und Herzraum herstellen kann.

RONALD: Würdest du sagen, dass die Sangoma-Lehre für jeden geeignet ist?

GOGO: Die Lehren sind für jeden geeignet, absolut. Wir sind alle Menschen, wir haben überall auf der Welt die gleichen Erfahrungen. Wenn du von Menschen sprichst, die in die Tradition berufen werden, die Priesterinnen oder Priester werden, sehe ich viele verschiedene Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, aus vielen Kulturen, aus denen ihre eigenen besonderen Vorfahren sie in die Tradition berufen haben, um sie etwas darüber zu lehren, wer sie sind. Ich würde sagen, dass es bei der Berufung nicht nur um das geht, was nach außen hin sichtbar ist. Es geht darum, was im Innern ist und wie deine Vorfahren, wie deine eigene Abstammungslinie einen bestimmten Weg wählen kann, um dich daran zu erinnern, wer du bist. Also ja, ich würde sagen, die Sangoma-Lehre ist für jeden geeignet.

SASKIA: Hast du das Verfahren geändert, um es an dich und deine Patienten anzupassen, oder führst du die Behandlungen strikt nach der traditionellen Methode durch?

GOGO: Jeder Heiler muss die Grundlagen, die traditionelle Art, Dinge zu tun, erlernen. Doch wir müssen gleichzeitig berücksichtigen, dass wir uns in der modernen Gesellschaft weiterentwickeln. Du wirst von deinen Ältesten und Vorfahren die Grundlagen erlernen, wie man die Traditionen in einer Weise weiterführen kann, die die Linie respektiert, im Einklang mit den Hütern der Vorfahren, die diesen Raum für diese Arbeit halten. Dann lernst du nicht nur von deinen Lehrern, sondern auch von deinen Vorfahren, und diese verfolgen vielleicht eine bestimmte Art und Weise, wie sie Rituale oder Zeremonien durchgeführt haben, die du in deine Arbeit einbeziehen sollst. Meine Arbeit mag also nicht genauso aussehen wie die Arbeit der nächsten Sangoma, aber die Grundlagen sind die gleichen. Wir werden von verschiedenen Geistwesen, verschiedenen Stämmen, verschiedenen Hütern geleitet. Die traditionelle Arbeit wird immer aufrechterhalten; die Grundlagen werden immer bleiben. Die Vorfahren bereiten den Weg, und wir schaffen heute Raum für das, was in der modernen Gesellschaft geschieht, und wie wir beide Komponenten zusammenführen können.


Die Sangoma-Arbeit ist nichts, was man sich nur ausdenkt.


RONALD: Du hast bereits mehrmals die Vorfahren erwähnt. Sie scheinen für dich sehr wichtig zu sein. Wie wichtig sind sie und wie stehst du mit ihnen in Verbindung?

GOGO: Ja, das ist eine sehr gute Frage. Wenn wir uns mit unseren Vorfahren verbinden, greifen wir auf viele Methoden zurück, die uns dabei helfen. Eine dieser Methoden ist die Verwendung einer bestimmten Pflanze. Sie ist so etwas wie ein Brandopfer, ähnlich wie manche Menschen Salbei oder Palo Santo verbrennen. Wir verbrennen ein Kraut namens »Imphepho«, das überall auf der Welt wächst. Es gibt Hunderte von Arten in Afrika, und nur einige dieser Arten haben eine gewisse spirituelle Fähigkeit, dich mit dem Reich der Vorfahren zu verbinden. So verbrennen wir dieses Imphepho, dieses geheime Kraut, um mit unseren Vorfahren kommunizieren und beten zu können. Es ähnelt einer Telefonleitung, um mit dem Reich der Vorfahren zu kommunizieren. Darüber hinaus nutzen wir auch Altäre und Heiligtümer, die unseren Ahnenwächtern gewidmet sind.

Wenn wir uns einmal weiter in die Arbeit vertieft haben, kommunizieren wir auch im Traum. Wir gehen in Trancezustände, wie wir sie nennen. Was ich für etwas ganz Besonderes halte, ist die Art und Weise, wie wir manchmal unsere Vorfahren anrufen. Wisst ihr, wie ein Wolf den Mond anheult? Unser Ruf ist fast so ein Heulen, es ist die gleiche Schwingung. Wir rufen unsere Vorfahren zu einem bestimmten Zeitpunkt zu uns, und das ist etwas Besonderes. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir uns verbinden, aber im Grunde genommen durch Gebet und die Arbeit mit Imphepho.

RONALD: Es gibt auch Götter und Göttinnen. Habt ihr einen höchsten Gott oder eine höchste Göttin? Wie ist das in deiner Tradition?

GOGO: Ja, auf jeden Fall. Wir glauben an einen Schöpfer. Einer der Begriffe für unseren Gott ist Inkulunku, der männliche Aspekt. Es gibt einen weiblichen und einen männlichen Aspekt Gottes. Daher bestehen viele Möglichkeiten, wie Menschen mit dem Großen Geist kommunizieren können. Einige Menschen in den Traditionen und den Linien des Sangoma glauben, dass nicht jeder Mensch direkt zum Schöpfer gehen kann. Es muss spezielle Priesterinnen und Priester geben, die bestimmte Dinge tun können, z. B. für eine lange Zeitspanne fasten, zum Berg gehen und diese Energie suchen. Wir nutzen unsere Vorfahren, die die Vermittlung zwischen diesen Reichen, zwischen dem Schöpfer und uns, übernehmen. Ich glaube, dass Gott eine Energie ist, die im Inneren ist und auch von innen heraus kontaktiert werden kann. Also ja, wir haben diese Energie von Gott / Göttin, mit der wir arbeiten.


Wir sind hier in diesem Moment, um gemeinsam zu erwachen und uns gegenseitig zu helfen und zu sehen, wer wir wirklich sind.


SASKIA: Wie hat sich das Frausein auf deine Erfahrung als Priesterin ausgewirkt?

GOGO: Wirklich schöne Frage. Meine Lehrerin ist eine Frau, die sehr männliche Spirits mit sich trägt, und ich auch. Es ist interessant zu sehen, wie sie sich am Anfang einer Zeremonie von weiblich zu männlich und dann wieder von männlich zu weiblich verwandelt.

Als ich zum ersten Mal nach Südafrika reiste und die Menschen dort sah, bemerkte ich, dass es nicht diesen großen Aufruhr darum gibt, was Männer und was Frauen tun sollten. Wir in Afrika glauben, dass wir beide Teile in uns tragen, sowohl den männlichen als auch den weiblichen, und das wird gefeiert. Als ich zum ersten Mal nach Südafrika ging, stellte ich fest, dass viele Sangoma Frauen sind. Eine Sangoma zu sein, war eine sehr matriarchalische Tradition. Auch Männer sind ein Teil dieser Tradition, aber ich fand es so schön, so viele Frauen dort zu sehen.

Wenn man oft an verschiedene Orte geht, sieht man, dass der Schamanismus ein sehr männlich geprägtes Feld ist. Doch in Südafrika habe ich so viele Frauen gesehen, die bis heute die Gemeinden leiten. Sogar bei meiner Initiation war das Haus voller Frauen. Es wird also sehr weiblich geführt und bekräftigt. Ich finde, es war beeindruckend und ermächtigend, die weibliche Energie zu sehen und zu fühlen. Das ist sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass Sangoma sich gerade von Afrika aus in die Welt verbreitet. Wir müssen uns als Ganzes darauf ausrichten, das göttliche Weibliche zu ehren und die weibliche Energie in den Vordergrund zu rücken, damit die Veränderungen stattfinden können, die die Erde und unsere Gesellschaft verlangen. All dies kann durch die Kraft des göttlichen Weiblichen geschehen.

RONALD: Ich möchte nochmal auf das Thema der westlichen Medizin eingehen. Was ist deine Meinung dazu? Wendest du sie auch an, gibt es eine Schnittmenge zu deinen Behandlungen oder, falls eine Person nicht mit deiner Heiltechnik behandelt werden kann, kombinierst du sie?

GOGO: Ich habe mit vielen Menschen gearbeitet, die westliche Ärzte aufsuchen oder Medikamente einnehmen und gleichzeitig die schamanische Arbeit wahrnehmen. Es ist wichtig, der Person die Möglichkeit zu geben, eine ganzheitliche und persönliche Pflege zu erfahren. In den USA fangen wir gerade an, im medizinischen Modell von der ganzheitlichen Betreuung zu sprechen. Von meiner Tätigkeit als psychologische Gesundheitsberaterin habe ich mitgenommen, dass wir im Rahmen des allgemeinen Wohlbefindens in der Lage sein müssen, alle Dimensionen zu schätzen, die uns gesund machen - unser soziales Wohlergehen, unser ökologisches Wohlergehen, die Dinge, die unser finanzielles Wohlergehen steuern und die wir für uns selbst schaffen können, und auch unser spirituelles Wohlergehen. Ich scheue nicht davor zurück, westliche Praktiken in meiner Medizin anzuwenden. Mir hat es zwar nicht geholfen, die eigentliche Medikation hat mir mehr geschadet als genützt. Aber ich habe gesehen, dass es anderen geholfen hat, denn ich habe mit vielen Menschen gearbeitet, die sowohl einen westlichen Arzt konsultieren als auch zu mir kommen - und es funktioniert gut. Ich ermutige Menschen, die das Gefühl haben, dass sie mehr von einer therapeutischen Behandlung brauchen, einen Therapeuten aufzusuchen, während sie mit mir arbeiten.

Einige Leute, die in westlicher Behandlung waren, sagen: »Okay, damit bin ich fertig.« Ich entgegne ihnen: »Mal sehen, ob das funktioniert.« Ich respektiere die Entscheidung jeder Person. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Therapie eine Menge Vorteile birgt, die den Menschen helfen können, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Ich habe aber auch gesehen, dass Menschen die schamanische Arbeit wahrgenommen haben und damit ihre Gesundheit verbessern sowie von ihren Medikamenten loskommen konnten.

SASKIA: Hattest du jemals eine Art Zusammenarbeit mit einem westlichen Arzt betrieben?

GOGO: Nicht direkt. Ich habe viele wunderbare TherapeutInnen kennengelernt, die offen für Spiritualität sind und darüber viele Vorträge vor Menschen im professionellen Bereich halten, aber das ist ein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe. Ich habe mit einigen Fachleuten gesprochen, die sagten: »Nun, was deine Geschichte betrifft, habe ich Menschen gesehen, denen es ähnlich geht wie dir, und ich wünschte, ich hätte eine Empfehlung für dich. Aber wegen des Umfelds, in dem ich arbeite, ist das nicht erlaubt.« Ich hoffe also, dass wir eines Tages gemeinsam etwas tun und eine Arbeitsbeziehung miteinander eingehen können. Das wäre für beide Gemeinschaften von Vorteil.

RONALD: Ja, das wäre großartig, aber heutzutage wird es in der offiziellen medizinischen Versorgung nicht wirklich akzeptiert.

SASKIA: Aber in Kanada tun sie es in einigen Krankenhäusern. Sie arbeiten mit traditionellen einheimischen Heilern zusammen. Ich habe das auch in Tuwa gesehen.


Wir müssen uns darauf ausrichten, das göttliche Weibliche zu ehren und die weibliche Energie in den Vordergrund zu rücken, damit die Veränderungen stattfinden können, die die Erde und unsere Gesellschaft verlangen.


GOGO: Ich finde es wunderschön. Als ich in eine psychiatrische Abteilung eingeliefert wurde, bemerkte ich, dass der Umgang offener wird. In die Kapelle kam immer ein christlicher Priester, aber als ich vor Jahren dort war, gab es einen Buddhisten und eine Person, die Tai-Chi lehrte. Der asiatische Einfluss war spürbar. Ich sehe in diesem Bereich einige Entwicklungen.

RONALD: Was können Menschen in ihrem täglichen Leben tun, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern, wenn sie keinen Zugang zu den Sangoma-Lehren haben?

GOGO: Ich empfehle immer, sich mit den Elementen zu verbinden. Ich wollte auf eine der Fragen eingehen, über die wir vorhin gesprochen haben, nämlich: Haben wir Götter und Göttinnen? Ja, die Götter und Göttinnen, unter denen wir praktizieren, sind Spirits des Wassers, der Berge, der Erde. Manchmal können diese Spirits unser Verständnis durch Träume, Prophezeiungen oder durch ihre Hilfe fördern. Sie können unsere Reise erwecken. Ich habe das Gefühl, dass wir als kollektive Menschheit alle darauf warten, uns an unser Schicksal zu erinnern. Die Art und Weise, wie wir uns an unsere Bestimmung erinnern, die Art und Weise, wie wir in der Lage sind, uns zu verbinden, uns in uns zu verjüngen, besteht darin, uns mit der Natur zu verbinden und diese Elemente wieder in den Vordergrund unseres Lebens zu rücken. Wir sind so sehr mit all dem beschäftigt, was mit der Technologie und all diesen Dingen geschieht, die vor uns liegen. Das ist zwar auch schön und interessant, aber wir müssen uns daran erinnern, wie wir auf die Spirits der Bäume und den Wind hören können. Erlebe die tieferen Verbindungen, die unsere Vorfahren als Wegweiser benutzten, um mit der Natur, mit den göttlichen Geistern der Natur und mit unseren Vorfahren kommunizieren zu können. Ich sage, verbindet euch wieder, geht zurück zur Natur, geht raus, meditiert, werdet wieder eins mit der Natur.

SASKIA: Kannst du beschreiben, was in deinem spirituellen Erwachen geschehen ist?

GOGO: Ich hatte das bereits angesprochen. Meine Sicht öffnete sich. Die Sicht in den geistigen Bereich wurde mit diesem physischen Bereich vermischt, und diese Öffnung versetzte mich in verschiedene Emotionen. Sie versetzte mich in der dunklen Nacht der Seele in einen äußerst depressiven Zustand, sehr ängstlich, sehr paranoid. Ich brauchte jemanden, der mir helfen konnte, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Ich hatte das Gefühl, dass es bei jeder Sangoma, bei der ich die Einweihung durchlief, zu Beginn der Einweihung immer noch passierte. Meine Lehrerin half mir zu verstehen, wie ich zentriert und ausgeglichen bleiben und durch diese Bereiche navigieren kann.

Als die Ängste aufkamen, als die dunkle Nacht der Seelenenergien aufkam, als die dunkleren Geister durchkamen, musste ich lernen, wie ich stark sitzen und diese Energien in meinem Geist erhöhen konnte. Wir verwendeten viel reinigende Medizin. Ich habe also meinen Körper entschlackt, mich sogar übergeben. Wir benutzten viele Medikamente und Kräuter, die halfen, diese spirituelle Krankheit, die gerade vorlag, zu behandeln und um die Öffnung zu unterstützen. Wenn ich Stimmen hörte, kamen die dunkleren Stimmen herein und sagten mir, ich solle mich selbst verletzen oder etwas tun, was meinem Wohlbefinden nicht zuträglich war. Nachdem ich die Kräuter benutzt hatte, in Trommelzeremonien der Trommel gefolgt war und mich mit meinen Vorfahren und meinen Lichtwächtern verbunden hatte, begannen diese Stimmen, sich auf eine höhere Frequenz einzustimmen. Ich war in der Lage, die Stimmen meiner Vorfahren zu hören, die mir sagten: »Okay, wir sagen dir, was du jetzt tust, wie du dieses Ding bekämpfst, wie du deine Fackel durch die Dunkelheit brennen lassen kannst.« Ich begann, all diese Informationen und all diese Werkzeuge zu erhalten, um in diesem Bereich erfolgreicher als in der Vergangenheit navigieren zu können, wo es zu Chaos und Ungleichgewicht im Außenbereich geführt hatte. Ich tauchte durch die Pflanzenmedizin, die Rituale und das Trommeln tiefer in meine innere Welt ein, um aus diesem negativen Zustand herauszukommen. Die große Veränderung für mich trat ein, als ich die Stimmen meiner Vorfahren hören konnte. Sie sagten mir, was für mich als Nächstes kam, oder sie sagten mir etwas, das für jemand anderen bestimmt war, oder wie ich mit jemandem zusammenarbeiten sollte.

Eine interessante Sache, die ich noch erwähnen möchte, ist ein Ritual, das während des Sangoma-Prozesses durchgeführt wird. Es ist fast wie ein Test, um zu sehen, wie du dich mit deinen Ahnenhütern verbindest. Die Gemeinschaft versteckt einen Gegenstand vor dir. Es kann jede Art von Objekt sein, eine neue Sache, von Menschenhand geschaffen oder natürlich. Sie können es im Haus, außerhalb des Hauses oder auf der Straße verstecken, und du musst dich mit der Energie des Stimmenhörens verbinden. Die westliche Medizin würde sagen »auditive Halluzination«. Du musst dich mit dieser oder einer anderen Gabe verbinden. Wenn es also das geistige Sehen oder das Hellfühlen ist, dann würdest du dich mit dieser Energie verbinden, um mit deinen Vorfahren kommunizieren zu können. Die Vorfahren und Spirits teilen dir die genaue Farbe des Objekts mit, was das Objekt ist und wo du es finden kannst. Sobald du in der Lage bist, dies mit deinen Ältesten zu kommunizieren, kannst du den Gegenstand finden und ihn zurückbringen. Das gilt als Bestätigung, dass dies funktioniert. Die Sangoma-Arbeit ist nichts, was man sich nur ausdenkt.

Mir hatte man jahrelang gesagt, ich sei krank und das müsse mit Medikamenten unterdrückt werden. All diese Dinge wurden nun auf eine andere Art und Weise rehabilitiert, die sagt: »Nein, das ist ein schönes Geschenk.« Wir müssen nur lernen, wie man es kultiviert, wie man sich mit der Natur wieder verbindet und wie man mit der Medizin wieder auf die alte Art und Weise arbeitet. »Lasse die Erinnerung an deine Vorfahren in dir aufwachen, damit du klar sprechen kannst.« Das war ein Teil meiner Erwachenserfahrung.

RONALD: Wow, das ist wirklich ein praktischer Beweis dafür, dass es funktioniert, wenn man einen Gegenstand finden kann, der von anderen versteckt wurde. Das ist etwas Echtes, nicht nur Einbildung. Meine nächste Frage passt dazu, denn diese schamanische Art ist ein ganz anderes Modell, die Realität zu sehen. Wie passt das mit dem westlichen Weltanschauungsmodell in deinem Leben zusammen? Wo sind die Unterschiede, wo die Anknüpfungspunkte? Ist es sehr widersprüchlich? Oder kannst du es kombinieren?

GOGO: Ich denke, es kann manchmal widersprüchlich sein. Die westliche Medizin und die traditionelle Medizin kommen in den Praktiken der Traumaheilung und dem Wissen davon, was wir über Trauma lernen können, zusammen. Es ist wichtig, wie sehr man sich auf die Heilung der Vorfahren bezieht, denn wir haben sowohl Traumata aus diesem Leben als auch die Traumata der Vorfahren. Diese beiden Aspekte hat die therapeutische Gemeinschaft meiner Meinung nach immer als Trauma erkannt. Die Psychologie begann mehr und mehr zu verstehen, wie das Trauma im Körper sitzt, wie das Trauma uns in diesen Erinnerungen führt, unsere Entscheidungsfindung und unsere Fähigkeit, aus verschiedenen Mentalitäten und Geschichten herauszukommen, leitet. In der schamanischen Welt betrachten wir auch die gleiche Art von Trauma und helfen den Menschen, sich von den Geschichten zu lösen und sich gleichzeitig wieder mit ihnen zu beschäftigen, damit sie geheilt werden können. Diese Arbeit kann in kraftvolle Heilung übersetzt werden und als Werkzeug dienen, um die Akzeptanz für alle Traumata zu erlangen, die in unser Leben gekommen sind, egal ob sie in unserem persönlichen Leben geschehen sind oder ein kollektives Trauma darstellen.


Ich sage, verbindet euch wieder, geht zurück zur Natur, geht raus, meditiert, werdet wieder eins mit der Natur.


Ich beziehe das auch auf die Genetik. Wenn du zum Arzt gehst, fragt man dich: »Was ist auf der mütterlichen Seite deiner Familie geschehen, hatte deine Mutter oder dein Vater eine Herzkrankheit oder gab es Diabetes in der Familie?« Wenn du zu einer Sangoma kommst, fragen wir dich nach deinem Nachnamen auf der väterlichen und mütterlichen Seite. Allein durch diese Informationen können wir in den Raum eintreten, in dem wir die Vorfahren betrachten, welches Trauma sie zu dieser Zeit in ihrem Leben hatten und wie sich das auf dich auswirkt. Das sind die Gemeinsamkeiten. Auch wenn wir es anders betrachten, ist es dasselbe: Wir betrachten es aus einer spirituellen Perspektive, die anderen aus einer physischen.

SASKIA: Welche Art von Menschen kommt zu dir, welche Art von Behandlung erhalten sie am häufigsten?

GOGO: Ich lächle, weil ich so viele schöne Menschen kennengelernt habe. Ich fühle mich sehr gesegnet, so viele Menschen aus der ganzen Welt zu treffen, mit denen ich arbeiten und ihr Wachstum und ihre Heilung miterleben kann. Etwa die Hälfte oder mehr sind Menschen, die im psychischen Gesundheitssystem betreut wurden oder irgendeine Art von psychologischer Diagnose durch die westliche Medizin erhalten haben. Sie kommen, um zu suchen und vielleicht über ihre Diagnose hinauszugehen und zu sehen, was für sie geistig geschieht. Der andere Teil sind Menschen, die erkennen, dass sie sich in einer Erweckungserfahrung befinden. Sie machen eine »Umbilini«-Erfahrung, die der Kundalini-Erfahrung entspricht. Das ist das Wort der Zulu dafür. Sie machen eine Kundalini-Erfahrung oder sie träumen mehr. Sie wollen ihre Erfahrungen vertiefen, weil sie verstehen wollen, was geschieht. Oder sie sehen die Synchronizitäten im Leben und schreiben es etwas Spirituellem zu. Oder sie suchen nach Führung. Zu mir kommen viele Menschen, die gerade erwachen. Das hat viel mit uns Menschen als Kollektiv zu tun. Wir sind hier in diesem Moment, um gemeinsam zu erwachen und uns gegenseitig zu helfen und zu sehen, wer wir wirklich sind. Wir können damit beginnen, die Schwingung dieses Planeten und unserer Menschheitsfamilie zu verändern, sodass wir uns auf sehr schöne Weise weiterentwickeln können.

RONALD: Du hast bereits erwähnt, »diesen Wandel auf dem Planeten zu vollziehen« und die Situation der Gesellschaft zu unterstützen und zu verbessern. Was sind deiner Meinung nach die Hauptprobleme der heutigen Gesellschaft und was empfiehlst du, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

GOGO: Aufgrund meiner Arbeit spreche ich gerne aus dem Raum der Ahnen. Ich habe das Gefühl, dass es zu meiner Arbeit gehört, die Ahnen zu heilen. Wir führen harte Gespräche darüber, was unsere Vorfahren in der Vergangenheit getan haben, wobei wir nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben wollen, dass wir damit einverstanden sind, sondern wir wollen auf spiritueller Ebene mit der Vergangenheit unserer Vorfahren versöhnt werden. Ich bin z. B. afrikanischer Abstammung. Meine Vorfahren kamen von Afrika nach Nordamerika, viele von ihnen durch die Sklaverei. In Amerika sind einige der Weißen direkte Nachkommen von Sklavenhaltern. Ich habe schöne Erfahrungen mit Menschen auf dem Planeten gemacht, bei denen wir unsere Heilung und Anerkennung von dem, wo wir herkommen, vertiefen konnten. Was sind die großen Dinge, die unsere Vorfahren getan haben, und was sind die schrecklichen Dinge, die unsere Vorfahren getan haben? Wir führen diese unbequemen Gespräche, aber nicht nur. Wir haben auch die spirituelle Erfahrung in der Zeremonie, die Raum für Trauer, Mitgefühl, bedingungslose Liebe, Akzeptanz und Heilung zwischen den beiden Seiten bereithält. Ich erlebe das auf einer persönlichen Ebene, und ich bete, dass wir in Zukunft damit beginnen können, dies im größeren Rahmen zu tun. Die Ungleichheiten, die wir in den USA und wahrscheinlich überall auf der Welt beobachten, müssen diesen unausgesprochenen Bereichen zugeschrieben werden, die wir nicht von einem Raum der Ahnen aus geheilt haben. Diese Wunden sind noch immer vorhanden. Ich habe das Gefühl, dass die Anerkennung dessen, was die Vorfahren getan haben - ob gut oder schlecht -, auf unserer Reise als Menschen und Heiler für ein kollektives Zusammenkommen essenziell ist. Ich hoffe, dass wir weiterhin kraftvolle Heilungen erfahren können, damit wir echte Verbindungen zwischen uns allen als Menschen aufbauen können.

RONALD: Vielen Dank! Ich finde das sehr schön, was wir gehört haben, und wir möchten dir sehr danken.

GOGO: Danke, danke, dass ich hier sein darf! Ich weiß das zu schätzen.

RONALD: Wir hoffen, dass wir alle für die Heilung des Planeten Erde, des Schmerzes, der Gewalt und des Leidens, das in der Welt geschieht, zusammenarbeiten können.

GOGO: Vielen Dank, ich schätze euch und wünsche euch viel Erfolg bei eurer Arbeit.

Das Interview führten Saskia Baumgart und Ronald Engert.

© Bilder: Gogo Ekhaya Esima

Online Symposium »Es ist an der Zeit - Gesellschaft und Spiritualität«

Dieses Interview kann man im Video erleben bei unserem neuen Online-Symposium »Es ist an der Zeit - Gesellschaft und Spiritualität« vom 17.-26. April 2020. Info und Anmeldung: www.gesellschaft-und-spiritualitaet.de

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Zur Autorin

Gogo Ekhaya Esima wurde in den Vereinigten Staaten geboren und ist eine eingeweihte traditio nelle Sangoma-Heilerin in den Shangaan- und Zulu-Linien des südlichen Afrikas. Sie ist eine zertifizierte Spezialistin für die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit, eine Trauma-Überlebende und eine spirituelle Lehrerin. Ihre eigene Erfahrung mit psychischen Gesundheitskrisen und ihre mal beängstigende, mal tiefgründig schöne Reise durch diese Krisen führte sie schließlich tief in die traditionelle afrikanische Spiritualität. Ihre Berufung durch ihre Vorfahren trug dazu bei, eine lebensrettende, tiefe Erinnerung an die alten Wege in ihr zu entfachen, die vergessen, aber nicht verloren waren. Webseite: www.sangomahealing.com