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Gold im Visier


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TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 21.01.2022

OLYMPIA-SPECIAL: PEKING 2022

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Bildquelle: TV Digital XXL-Ausgabe, Ausgabe 3/2022

Das gab es noch nie: Peking ist die erste Stadt, die nach Olympischen Sommerspielen (2008) auch Winterspiele ausrichten wird. Mussten vor 14 Jahren noch fünf Maskottchen ran, wird 2022 nur noch eins das freundliche Gesicht der umstrittenen Veranstaltung sein: der Panda „Bing Dwen Dwen“. Er habe „ein Herz aus Gold“, erklärte das Organisationskomitee bei seiner Vorstellung. Nach Gold drängt, am Gold hängt alles, was mit Olympia zu tun hat – wenn es nach ARD-Skisprung-Experte Sven Hannawald geht, dürfen es gern goldene Spiele fürs deutsche Team werden: „Ich wünsche mir, dass Deutschland zum vierten Mal nach Albertville, Nagano und Turin im Medaillenspiegel siegt.“

Offiziell starten die 24. Olympischen Winterspiele am 4. Februar mit der Eröffnungsfeier. Zwei Tage zuvor finden aber bereits Vorrundenspiele im Curling und Eishockey statt, auch Wettkämpfe im Snowboard und ...

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... Eiskunstlauf beginnen.

Springt Althaus aufs Treppchen?

Am 5. Februar werden die ersten Medaillen vergeben, zum Beispiel im Biathlon in der Mixed- Staffel und im Skispringen der Frauen. Da winkt auch die erste deutsche Medaille. Zwar dominert derzeit die Österreicherin Marita Kramer im Weltcup, aber die Oberstdorferin Katharina Althaus landete in diesem Winter mehrere Male auf dem Podest – und gewann ein Springen in Lillehammer. Der neue Bundestrainer Maximilian Mechler setzte offenbar die richtigen Impulse. „Wenn ein neues Gesicht da ist, gibt das einen neuen Push“, sagt ARD-Experte Hannawald. Richtig Druck lastet auf den Männern: „Im Skispringen sollten mindestens drei Medaillen möglich sein“, meint ARD-Moderator Michael Antwerpes. Von Karl Geiger und Markus Eisenbichler wird Edelmetall erwartet – auch wenn sie zuletzt im Schatten des Japaners Ryoyu Kobayashi standen, der souverän die Vierschanzentournee gewann.

In 109 Wettbewerben in Peking, Yanqing und Zhangjiakou kämpfen die Athleten bis zum 20. Februar in den sieben Sportarten Ski, Biathlon, Bobsport, Rennrodeln, Eislauf, Curling und Eishockey um Medaillen. ARD und ZDF berichten abwechselnd bis zu 16 Stunden pro Tag,

Eurosport rund um die Uhr, linear im TV und online im Livestream (s. Seite 28). Der Zeitunterschied beträgt sieben Stunden. Da die Wettkämpfe zwischen 9 Uhr und 23.30 Uhr Ortszeit ausgetragen werden, wird Olympia für deutsche Fans ein Kampf gegen den Schlaf – zwischen 2 Uhr und 16.30 Uhr sollten sie hellwach sein.

Doch ob die Veranstaltung in Peking überhaupt für Begeisterung sorgen wird, diese chinesische Scheinwelt aus Kunstschnee? Das Gastgeberland steht wegen Umweltsünden und Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, sodass Boykottforderungen nicht verstummen. Zudem fährt China eine strikte Coronastrategie, die zu harten Einschränkungen führt. Das Land hat sich komplett von der Außenwelt abgeriegelt. Das ändert sich auch für die Olympischen Spiele kaum.

In den 13 Wettkampfarenen (siehe Übersicht auf der rechten Seite) sind nur einheimische, geimpfte und getestete Zuschauer zugelassen. „Die Athleten leben in einer Blase, die sie nicht verlassen dürfen“, sagt die Peking-Korrespondentin der ARD, Tamara Anthony. Außerhalb der Wettkämpfe und Trainingseinheiten müssen sich die Sportler, die täglich getestet werden, in ihren Hotelzimmern auf halten. „Gemeinsames Beisammensein ist nicht erlaubt“, so Anthony. Wer nicht geimpft ist, muss sich nach Ankunft in Peking volle drei Wochen lang in Quarantäne begeben.

Athleten gegen Boykott

Bei infizierten Sportlern greifen die Behörden strikt durch. Rennrodler Tobias Arlt erlebte das am eigenen Leib im November, als er die Olympiabahn in Yanqing testete. Nach einem falschen positiven Testergebnis wurde der vierfache Olympiasieger in einem schäbigen Hotel isoliert. „Ich fühlte mich wie ein G efangener im Knast.“ Von

Boykottmaßnahmen hält er wenig, wie die meisten Sportler. Athletensprecher Maximilian Klein dazu in der „Sportschau“: „Aus Athletensicht wird ein sportlicher Boykott klar abgelehnt. Sie haben sich jahrelang vorbereitet auf die Spiele, auf ihren persönlichen und sportlichen Höhepunkt. Und sollen jetzt Verantwortung für etwas tragen, die sie eigentlich nicht zu tragen haben. Deshalb ist der sportliche Boykott aus Athletensicht auszuschließen.“

Aus Sicht der Sportler sind Olympische Spiele das größte Ereignis, da werden sie gern zum Wiederholungstäter. Bestes Beispiel dafür ist die Berlinerin Claudia Pechstein. Für die Eisschnellläuferin, die bereits neun Olympiamedaillen – die erste 1992 – gewonnen hat, darunter fünfmal Gold, ist dabei sein diesmal alles. Was zählt, ist der Rekord: Als erste Frau nimmt sie zum achten Mal an Winterspielen teil! „Das ist das absolute Highlight meiner sportlichen Karriere“, sagte Pechstein, die zwei Tage nach der Abschlussfeier 50 Jahre alt wird. „Als feststand, dass ich zum achten Mal an Olympia teilnehmen darf, hätte ich die ganze Welt umarmen können. Das ist für mich die perfekte Krönung meiner Lauf bahn.“

Friedrich fährt vorneweg

Rekordverdächtig sind auch die Leistungen von Bobfahrer Francesco Friedrich. Denn während die Deutschen bei den Ski-Alpin- Rennen wohl eher hinterherfahren, sind die Rodel- und Bobdisziplinen die Paradedisziplinen im Team D. Friedrich gilt im Zweier- und Viererbob als der Dominator seines Sports und feierte 22 Weltcuptriumphe in Folge, bis die Serie Neujahr 2022 riss. Aber nur einen Tag später meldete er sich mit einem Sieg zurück. Und sollte es bei Friedrich wider Erwarten dennoch nicht optimal laufen, steht eben Vizeweltmeister Johannes Lochner für Gold in den Startlöchern.

Neue Disziplinen

Besondere Spannung versprechen die Staffel- und Mannschaftswettbewerbe, sei es im Biathlon, in der Nordischen Kombination, Skispringen oder auch im Eishockey. Die deutsche Auswahl, die es bei der WM 2021 bis ins Halbfinale schaffte und bei den letzten Spielen 2018 in Südkorea sensationell die Silbermedaille gewann, hat eine Hammergruppe erwischt mit Weltmeister Kanada, dem Mitfavoriten USA sowie Gastgeber China. Kleiner Wermutstropfen: Die Stars der amerikanischen NHL werden nicht dabei sein. Das bedeutet für das deutsche Team, dass auch deren Topstar Leon Draisaitl fehlen wird.

Sieben olympische Premieren

Bitter ist auch der verletzungsbedingte Ausfall von Skirennläufer Thomas Dreßen und von Anna Seidel, die nach einer Verletzung die Olympiaqualifikation nicht schaffte, obwohl sie im Shorttrack zur Weltklasse gehört. Das ist eine der jungen, sehr rasanten Sportarten, die nun auch bei Olympia zu sehen sein werden.

Fans dürfen sich auf insgesamt sieben spektakuläre Disziplinen freuen, die neu bei den Spielen vertreten sind: Monobob der Frauen, Big-Air-Events im Ski Freestyle für Männer und Frauen sowie Mixed- Wettbewerbe im Snowboard Cross, Ski Freestyle, Shorttrack und Skispringen. Erstmals wurde das Mixed-Teamspringen beim Sommer Grand Prix 2012 ausgetragen. Die Mannschaft besteht aus jeweils zwei Damen und Herren einer Nation. Der Favorit auf Gold? Eindeutig Deutschland: Die deutsche Combo gewann 2020 und 2021 den Weltmeistertitel.

Actionreich geht es beim Snowboard Cross zu, wo vier Kandidaten direkt gegeneinander starten. Und beim Freestyle- Skiing, in Deutschland auch als Trickski bekannt, segeln Athleten wie die 18-jährige Eileen Gu artistisch durch die Luft. Der in den USA geborene, seit 2019 für China startende Jungstar verblüffte die Konkurrenz im letzten Herbst mit einem sensationellen neuen Sprung. Man darf gespannt sein, was Gu bei Olympia liefert.

TV

TIPP

Die Eröffnungsfeier

SPORT Live aus Peking mit dem Entzünden des olympischen Kessels FR 4.2. 12.10 ZDF On Demand

Fast drei Wochen lang Weltklasse sport: Die Olympischen Winterspiele in China versprechen hoch spannende Wettkämpfe unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen. ARD-Teamchef Christoph Netzel fasst es so zusammen: „Es werden die kompliziertesten Spiele aller Zeiten.“ Das bringt es auf den Punkt.

THOMAS KUNZE