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Goldene Liebe aus Mecklenburg


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 13.09.2021

EUROPAMEISTERSCHAFT

Artikelbild für den Artikel "Goldene Liebe aus Mecklenburg" aus der Ausgabe 100/2021 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Überwältigt von seinen Gefühlen: Der neue Europameister André Thieme mit DSP Chakaria.

„Ich liebe mein Pferd genauso wie meine Frau. Und die weiß das auch.“

André Thieme über DSP Chakaria

ZUR PERSON

André Thieme

Geboren 1975, aufgewachsen in Mecklenburg. Vater Michael war Obersattelmeister im Landgestüt Redefin. André spielte Fußball, entschied sich letztlich aber doch für die Pferde und ging bei Papa in die Lehre. Springen durfte er erst, als er das Goldene Dressur-Reitabzeichen in der Tasche hatte, mit 19. Größte Erfolge: Sieger im Deutschen Spring-Derby 2007, 2008 und 2011, diverse Große Preise in den USA und nun der EM-Titel und Team-Silber. Mit Ehefrau Corinna hat Thieme zwei Kinder: Max und Johanna. Fußball ist immer noch sein Hobby und seine Mannschaft sein Fanclub. Konnte man in Riesenbeck erleben.

Nein, Chakaria werde nicht verkauft. Sie solle ihm den Traum von den Olympischen Spielen erfüllen, hatte André Thieme immer wieder betont. In Tokio fragte er sich ...

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... dann zwischenzeitlich, warum er das eigentlich unbedingt wollte. In Riesenbeck wusste er es wieder. Eigentlich hatte er die Europameisterschaft gar nicht reiten wollen. Bundestrainer Otto Becker musste ihn überzeugen. Gut, dass es ihm gelungen war, denn am Ende galoppierte Thieme als erster Europameister der neuen Bundesländer vom Platz. Auf der Weltrangliste ist er die Nummer 137, in Europa nun die Nummer eins, der 15. deutsche Europameister. Möglich gemacht hat es seine zweite große Liebe, die elfjährige Chakaria, Tochter zweier international erfolgreicher Eltern (Chap und Askaria v. Askari). Im Zeitspringen hatten die beiden einen Abwurf, waren aber so schnell, dass sie das kompensieren konnten. Im Nationenpreis legten sie als „Pathfinder“ mit zwei Nullrunden den Grundstock für die Silbermedaillen der Deutschen und für ihren späteren Einzelsieg. Im Einzelfinale profitierten die beiden dann von den Fehlern der anderen, die ihnen einen Abwurf Luft ließen. An der dreifachen Kombination, einer der vielen intelligenten Linien von Parcourschef Frank Rothenberger, dem es von Mittwoch bis Sonntag gelungen war, durch geschickten Aufbau das Feld auseinanderzudividieren, ohne in Sachen Höhe und Weite ans Maximum zu gehen, fiel auch bei Thieme die Stange. Hindernis Nummer 5a. Sieben Sprünge kamen noch. Thieme: „,Jesus, das ist noch ein langer Weg‘, dachte ich da.“ Aber er behielt die Nerven und Chakaria nahm nochmal alle Kraft zusammen. Am Ende riss Thieme die Arme in die Luft und die 3250 Zuschauer, die Corona-konform ins Stadion durften, jubelten mit ihm. Europameister! Der erste der neuen Bundesländer, der erste EM-Titel für Deutschland seit Meredith Michaels- Beerbaum und Shutterfly 2007. Es war der perfekte Abschluss einer perfekten Woche, nicht nur für die Deutschen.

Wiedergutmachung

Auch die Schweizer hatten nach Tokio noch eine Rechnung offen, die sie begleichen konnten. Nachdem die Schweden im Zeitspringen noch so aussahen, als seien sie auch in Riesenbeck nicht zu schlagen, entzauberten sie sich im Nationenpreis mit 24 Strafpunkten. Anders die Eidgenossen, die sich gerade mal einen Abwurf zuschulden kommen ließen, Gold. Einer mehr war es bei der deutschen Equipe. André Thieme und Chakaria hatten mit zwei Nullrunden den Löwenanteil am Erfolg, aber auch alle Teamkollegen haben dazu beigetragen und Bundestrainer Becker ein gutes Gespür bei der Mannschaftszusammenstellung bewiesen. Championatsdebütant David Will hatte mit C-Vier das Zeitspringen gewonnen und Deutschland so eine gute Ausgangsbasis verschafft. Im Nationenpreis wurde es jeweils ein Abwurf. Lokalmatador Christian Kukuk und Mumbai lagen nach ihrer Nullrunde an Tag eins zwischenzeitlich auf Silberkurs, verspielten das dann aber durch einen Abwurf im zweiten Umlauf des Nationenpreises. Und Marcus Ehning mit seinem Newcomer Stargold, die als Ersatzpaar für den mit Hufproblemen ausgefallenen Don Diarado von Maurice Tebbel nachgerückt waren, ließen mit einer stilistisch herrlich anzuschauenden Nullrunde im zweiten Umlauf (fünf Fehler im ersten) erahnen, was da in Zukunft noch geht. Fazit: Saubere Leistung eines tollen Teams! Bronze ging wie schon in Tokio an die Belgier, die wie auch bei Olympia im entscheidenden zweiten Umlauf des Nationenpreises nochmal zu großer Form aufliefen und vier Nullrunden ablieferten (Mannschaftsaufstellungen, siehe unten).

DIE GRIECHIN, DIE KEINER KANNTE

Die Überraschung

Als Ioli Mytilineou (24) nach dem zweiten Nationenpreisumlauf in die hinterste Ecke des Abreiteplatzes trabte, um Gebiss und Gamaschen kontrollieren zu lassen, wurde sie auf einer Welle von Beifall und Anerkennung getragen. Von ihren Reiterkollegen, von Trainern, von der ganze Szene. Alle winkten, klatschten, reckten den Daumen hoch oder riefen ihr ein „Well done“ zu. Bis zum letzten Parcours war ihr Levis de Muze das einzige Pferd ohne Abwurf. Dort scheiterten die beiden an der dreifachen Kombination. Die Reiterin gab nach einem Gehorsamssprung auf. Den Fehler erklärte Turnierchef Ludger Beerbaum mit mangelnder Routine: „Es ging ein Raunen durch das Publikum, die Reiterin schien einen Moment irritiert, dann passte die Distanz nicht mehr. Ich fand die Entscheidung, nicht nochmal anzureiten, sehr gut von ihr. Ich bin sicher, wir werden sie wiedersehen. Die beiden haben uns gezeigt, wie eine gute Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd aussieht.“

Die internationale Karriere von Ioli Mytilineou begann bei den Children. Später sammelte sie Erfahrung in Wellington, bei der Sunshine Tour und in dieser Saison erstmals auf CSI5*-Niveau in Knokke (BEL) und in Rotterdam (NED), wo sie mit zwei Nullrunden Siebte im Großen Preis wurde.

Ioli kommt aus einer Pferdefamilie. „Ich konnte reiten, bevor ich reden konnte“, sagt sie. Ihre Mutter Hannah wurde bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen 58. Immerhin. Sie reitet noch heute auf CSI1*- und 2*-Niveau, arbeitet ihrer Tochter quasi zu. Etwa zehn Pferde umfasst der Beritt von Mutter und Tochter, außer EM-Pferd Levis de Muze auch weitere teure Einkäufe. Ioli entschied mit 19, professionell zu reiten. „Ich war auch in der Uni, in London, aber nur 14 Tage“, sagt sie. Die Familie zog nach Belgien, weil es dort bessere Startmöglichkeiten gibt und dort Sean Crooks wohnt, ihr Trainer.

Das Talent der jungen Griechin ist die eine Seite, die andere ist der zehnjährige Levis du Muze v. Elvis ter Putte-Tinka‘s Boy, der über die Hindernisse zu lachen scheint. Angebote für den Hengst gab es in Riesenbeck reichlich. „Ich kann nicht mehr mitzählen“, sagt Ioli und lacht. Sie hat ihn als Siebenjährigen auf der Sunshine Tour entdeckt. Dort ritt ihn ein Marokkaner. Der Hengst stand zum Verkauf, ein Interessent sprang ab. „Wir waren die nächsten in der Schlange.“ In Riesenbeck sah es so aus, als ob eine Trennung nicht in Frage kommt. „Das würde schon meine Mutter nicht mitmachen“, sagt Ioli. Manche Traumpaare bleiben zusammen, vielleicht dieses ja auch.

Gabriele Pochhammer

Einzelfinale

Alle vier deutschen Paare hatten es ins Einzelfinale geschafft, wo für Marcus Ehning und Stargold nach Runde eins Schluss war. Christian Kukuk und Mumbai kamen trotz eines Abwurfs in die Top zwölf des B-Finales und lieferten hier eine der wenigen Nullrunden, Rang vier. David Will und C-Vier waren fehlerfrei durch Teil A des Finales gekommen. In Teil B gingen sie mit einer psychologischen Hypothek nach einem Sturz an einem kleinen Hindernis zum Warmspringen auf dem Abreiteplatz. Zwei Abwürfe waren die Folge, Rang sieben. Team-Silber, Rang eins, vier und sieben im Einzel – Otto Becker hatte allen Grund, ein „Kompliment an die Truppe“ zu verteilen! Und auch an sich selbst.

Autorin

Dominique Wehrmann hat selten auf einem so schönen Turnier gearbeitet und dabei so guten Sport ohne wirklich schlechte Bilder erlebt.

GLOBAL EQUESTRIAN GROUP

Ein großes Rad

Ludger Beerbaum und sein Team haben innerhalb weniger Monate eine EM auf die Beine gestellt, die „Riesenbeck International“ in die erste Reihe internationaler Turnierplätze katapultiert hat. Geholfen hat die finanzielle Unterstützung der Global Equestrian Group (GEG), zu der Riesenbeck International seit Anfang des Jahres gehört – neben den Helgstrand Stables in Dänemark und dem Turniersportzentrum in Palm Beach, Florida, dessen Chef Mark Bellissimo als Chef der Desaster-WM von Tryon bekannt ist. Die GEG wiederum firmiert unter dem Dach der Private Equity Investment Group Waterland, einem Hedgefonds. Ein großes Rad also, das auf dem Gelände an der Surenburg gedreht wird.

Der Handel mit Spitzenpferden wird das GEG-Kerngeschäft. Für Springpferde ist Ludger Beerbaum erste Adresse, für Dressurpferde Andreas Helgstrand. Pferde und Reiter brauchen eine Bühne für ihren Sport, deswegen sind erstklassige Turniere Teil des Konzepts. Die Eckdaten von Riesenbeck International: drei Turnierplätze, darunter ein Rasenstadion, eine Veranstaltungshalle mit zwei Reithallen, 312 feste Boxen breite Stallgassen mit Waschplätzen usw. Auch der Turnierstall Beerbaum soll modernisiert werden. „Durch die bessere Ausstattung können wir viel mehr Reiter und Pfleger bei uns begrüßen und damit auch mehr Pferde für die Ausbildung und den Handel unterbringen. Beerbaum wird die erste Adresse für exquisiten Service und individuelle Beratung sein“, verspricht Ludger Beerbaum.

Zehn bis zwölf Turniere pro Jahr sollen in Riesenbeck stattfinden. CSI2*-Turniere oder Late Entrys finden auf den Sandplätzen oder dem kleineren Rasenplatz statt, der auch bei Fahrturnieren genutzt wird. Fahrturniere haben in Riesenbeck Tradition und die soll unbedingt erhalten bleiben, betonen Ludger Beerbaum und der Manager der Anlage, Karsten Lütteken. 2023 soll die EM Dressur auf der Anlage ausgerichtet werden, bisher ist Riesenbeck der einzige Bewerber.

Gabriele Pochhammer